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Sr. 126.
KOs den 25. AtoKr
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Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 24. Oktober 1898.
Auch in diesem Jahre wird mit Genehmigung des Herrn Oberpräsidenten eine Hauskollekte für die Jdioten- Anstalt zu Scheuern stallfinden. Da diese segensreich wirkende Anstalt, in welcher im Durchschnitt jährlich 300 schwachsinnige Kinder (darunter z. Z. 4 aus dem hiesigen Kreise) verpflegt werden, nur bei mildthätiger Betheiligung der Einwohner der Provinz Hessen-Nassau fortbestehen kann, so wird die erwähnte Kollekte den hiesigen Kreisbewohnern wärmstens empfohlen Für die Landgemeinden erscheint es zweckmäßig, wenn aus deu Gemeindekassen, wie das bisher schon geschehen ist, ein angemessener Beitrag dazu gezahlt wird.
Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
Fulda, den 20. Oktober 1898.
Die Abhaltung des für den 27. l. Mts. Hierselbst in Aussicht genommenen ViehmarkteS ist wegen der im hiesigen Kreise und den angrenzenden Gebieten in erheblicherem Umfange herrschenden Maul- und Klauenseuche durch Verfügung des Königlichen NegierungS-Präsidenten in Cassel verboten worden.
Der Königliche Landrath.
I. A.: Zoberbier, Regierungs-Assesior.
An das Königliche Landrathsamt zu Hersfeld.
♦ * *
Hersfeld, den 22. Oktober 1898.
Wird veröffentlicht.
I. 5747. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Nath.
Cassel, den 5. November 1896.
Bekanntmachung.
Durch einen Erweiterungsbau ist die Königliche Frauenklinik zu Marburg in den Stand gesetzt worden, eine erheblich größere Zahl Kranker als früher aufzu- nehmen.
Die Aufnahmebedingungen der Frauenklinik sind sehr günstige. Unbemittelten Unterleibskranken und schwangeren Frauen des Bezirks wird freie Aufnahme (ärztliche Behandlung und Verköstigung) geboten. Auch kann bei sehr bedürftigen Kranken das Reisegeld nach Marburg von Seiten der Direktion der Anstalt wieder erstattet werden, wozu es genügt, wenn durch die Herren Bürgermeister, die Herren Aerzte oder auch von der Hebamme des Orts die Bedürftigkeit bestätigt wird. Armenattest ist nicht nothwendig.
Der Negierungs-Präsident.
Wirkt. Geh. Ober-Reg.-Rath H a u s s o N v i l l e.
A. 11 Nr. 9538.
Nichtamtlicher Theil
Tos StiistiW in AiistMiMtl.
Für die Fahrt des K a i s e r p a a r e s auf der anato ischen Bahn nach Hereke hatte die Bahnverwaltung
ein reichbesetztes Büffet sowie ein Blumenarrangement aufgestellt, welche ebenso wie die von dem Maler Nari mit Ansichten bemalten Fächer den Beifall der Majestäten fanden. Kaiser und Kaiserin, welche sich größtentheils im letzten Aussichtswagen aufhielten, ließen sich im Vor- beifahren bei Guebzeh das Grab Hannibals zeigen; Se. Majestät der Kaiser erkundigte sich nach dem Einfluß, den die anatolische Bahn, besonders auf die Landwirth- schast, ausübe. Auf der festlich geschmückten Station Pendik wurde kurzer Aufenthalt genommen. Der Empfang, welchen die Majestäten am Mittag bei ihrer Ankunft in Hereke fanden, war glänzend. Man hatte eine Triumph- pforte errichtet, und eine Abtheilung Marinetruppcn bildete Spalier und erwies die Ehrenbezeigungen. Der Minister der Zlvilliste, Johamnes Effendi, und der Direktor der Fabrik empfingen die Hohen Herrschaften und übernahmen die Führung. Die Majestäten ließen sich mit großem Interesse über die Maschinen, die Einrichtung, die Herstellungsart der Teppiche und die Arbeit der in bet Fabrik beschäftigten 800 Kinder berichten. Ihre Majestät die Kaiserin unterhielt sich selbst mit vielen Kindern.
Sodann erfolgte die Besichtigung der Ausstellung von Teppichen, insbesondere des Riesenteppichs, den der Sultan Sr. Majestät dem Kaiser zum Geschenk machte. Bei dieser Gelegenheit machten die Kaiserlichen Majestäten eine Stiftung für die Mädchen, die an diesem Teppich gearbeitet haben, aus welcher Stiftung diese bei ihrer Veiheirathung eine Aussteuer erhalten sollen. An dem in dem neu erbauten großen Kiosk am Meer verunstalteten Frühstück nahmen 70 Personell Theil. Se. Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin statteten dem Sultan für den ihnen bereiteten Empfang ihren herzlichen Dank in einem Telegramm ab, das der Sultan sofort freudigst beantwortete. Die Rückfahrt gestaltete sich zu einer großen Kundgebung, indem die am Ufer versammelten Arbeiter und Arbeiterinnen, sowie zahlreiche türkische Frauen den Majestäten ihr stürmisches „Tschokjascha" zuriefen und dabei in die Hände klatschten. Diese Kundgebung dauerte ununterbrochen etwa 20 Minuten, bis die „Loreley" sich in Bewegung setzte. Das Kaiserliche Paar dankte sichtlich gerührt. Um 7 Uhr Abends trafen ' die Majestäten hier wieder ein und nahmen um 8 Uhr das Diner im Merassim-Kiosk ein.
Die Ansprache Sr. Majestät desKaisers an die Deputation der d e u t s ch e n K o l o n i e, als dieselbe am 18. Oktober die Adresse überreichte, hatte folgenden Wortlaut:
„Meine Herren! Für die Worte, die Sie an Mich richteten, und für die Adrtsse, welche Sie Mir überreicht haben, sage Ich Ihnen Meinen besten Dank. Zu meiner Freude habe Ich in der knappen Zeit, während welcher Ich hier bin, schon von verschiedenen Seiten und nicht zum mindesten auch von dem Herrscher dieses Landes erfahren, welche geachtete Stellung die deutsche Kolonie hier in Stambul ein- nimmt, und daß sie sich dieselbe durch eigene Kraft erworben hat. In der Adreffe haben Sie auf die Politik Meines verstorbenen Herrn Großvaters hingewiesen. Ich kann sagen, daß Ich die Wege für die Reinigen durch ihn vorgezeichnet gesunden habe und nichts Befferes thun konnte, als ihr zu folgen. Dieselbe hat den Beweis dafür geliefert, daß zwei große Völker, welche von verschiedener Abstammung und verschiedenen Glaubens sind, recht gute Freunde werden können und in friedlichem Wettbewerb sich gegenseitig zu nützen vermögen. Sie haben dies an sich selbst erfahren, indem es Ihnen gelungen ist, sich hier in Stambul eine Stellung zu. erwerben, welche auch von großem Werth (für das Deutsche Reich ist, und Ich spreche Ihnen für Ihre Bestrebungen Meinen Dank und den des Reiches aus. Ich hoffe, daß es auch in Zukunft so bleiben wird, und können Sie jedenfalls Meiner steten Fürsorge und Meines Schutzes sicher sein."
Bei der Ueberreichung der von der Bevölkerung ' Konstanstnopels Ihren Majestäten dem Kaiser W i l - ! h e l m und der Kaiserin Auguste Victoria
dargebrachten Geschenke hielt derStadtpräfect eine Ansprache ungefähr folgenden Wortlaute«: Ew. Majestät I Der wiederholte Besuch Ew. Majestät ist ein neuer Beweis für die Freundschaft, welche Ew. Majestät unserm Padischah entgegenbringen, sowie für die freundschaftlichen Beziehungen zwischen der ottomanischen und der deutschen Regierung. Ihre Ankunft erfüllt die Bevölkerung der Hauptstadt mit großer Freude, und im Namen derselben spreche ich deren innigen Dank für diesen Besuch aus. Die Freundschaft, welche Ew. Majestät unserm Padischah erweisen, ruft die Dankbarkeit aller Osmanen gegenüber Ew. Majestät sowie gegenüber Ihrer Majestät der Kaiserin hervor, welche geruhte, ihren hohen Gemahl zu begleiten. Mit tiefer Ehrfurcht legt die Bevölkerung der Hauptstadt zu den Füßen Ew. Majestät hiermit ein Zeichen ihrer Dankbarkeit nieder und bitte ich im Namen derselben Ihre Majestät die Kaiserin, ein Bouket anzunehmen, das aus den berühmten Blumen des Orients gebunden ist. Es ist eine große Ehre für mich, von Sr. Majestät dem Sultan beauftragt zu sein, zu den Füßen Ew. Majestät die Gefühle der Ehrfurcht und der Freude unserer Bevölkerung niederzulegen.
Am Freitag Vormittag begaben Ihre Majestäten der Kaiser und die K a i s e r i n sich zu Waffer nach Stambul zur Besichtigung der Hagia Sophia, von der zusammengeströmten Menge jubelnd begrüßt und von einer zahlreichen Geistlichkeit ehrfurchtsvoll empfangen. Zur Führung war der Botschaftsdragoman v. Eckardt befohlen. Die Majestäten, welche so lange in der Hagia Sophia verweilten, daß zum geplanten Museumsbesuch die Zeit nicht mehr ausreichte, kehrten zu Waffer nach dem Palais zurück.
K o n st a n t i n o p e l, 21. Oktober. Dem heutigen S e l a m l i k wohnten Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin mit Gefolge, von Pildiz - Kiosk kommend, bei. Der Sultan hatte seine beiden ältesten Söhne dem Kaiser als Flügeladjutanten zum besonderen Dienst attachirt. Der Sultan selbst fuhr Ihre Majestät die Kaiserin zum Paradefeld. Die Parade verlief glänzend und hinterließ allgemein den Eindruck von einer vorzüglichen Verfassung der türkischen Armee. Die Truppen marschirten mit preußischer Strammheit vorbei. In dem Pavillon, in welchem Se. Majestät der Kaiser mit dem Sultan Platz nahm, hing ein Bild, welches einen deutschen und einen türkischen Soldaten darstellt, welche sich die Hände reichen. Nach Beendigung der Parade strömte eine zahllose Volksmenge auf den Paradeplatz und umringte den kaiserlichen Kiosk. Als Se. Majestät der Kaiser mit dem Sultan auf den Balkon des Kiosk heraustrat, brach die Menge in begeisterte Jubelrufe aus.
K o n st a n t i n o p e l, 22. Oktober. Die Abfahrt Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin nach Syrien erfolgt heute Abend.
Politische Nachrichten.
Berlin, den 23. Oktober.
Inland.
Die Versuche der Sozialdemokratie, den geplanten Mordanschlag auf unsern Kaiser als Schwindel hinzustellen, sind gescheitert. Die „Nordd. Allg. Ztg." hat einen ihr von amtlicher Seite übergebenen Auszug aus dem Berichte des kaiserlichen Konsulats in Alexandria veröffentlicht, wonach kein Zweifel mehr obwalten kann, daß man es hier mit einem Plane des internationalen Anarchismus zu thun hat. Die bei dem anarchistischen Schankwirth Parini in Beschlag genommene Kiste enthielt sorgfältig in Säge- spähne verpackt und durch Holzstäbe vor dem Zusammenprallen geschützt, zwei ganz gleiche Bomben. Es sind zwei etwa 25 Centinuter hohe, runde in der Mitte aus- gebauchte Zylinder von 7 (Zentimeter Durchmesser am Boden und 10 (Zentimeter in der Mitte. Sie sind aus galvanisiertem Eisen hergestellt, zunächst mit Zinkdraht eng umsponnen, dann mit Papier und Bindfaden umwickelt. Der eine Boden hat in der Mitte eine Oeffnung,