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Kr. 152.
IWilerstli- i« 29. IezmKr
1898.
Doilileinettl5-Klllai>U!lg.
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die Expedition.
Amtlicher Theil.
Caffel, den 17. Dezember 1898.
Aus Giund des § 2 des Gesetzes über die Schonzeiten des Wildes vom 26. Februar 1870 und des § 107 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 wird hierdurch festgesetzt, daß der Schluß der Jagd auf Hasen, Auer-, Birk- und Fasanenhennen, Haselmild und Wachteln mit dem Ablauf des 17. Januar 1899 eintritt.
Der Bezirksausschuß zu Gaffel.
gez. Meinecke. gez. Brunner. gez. Lotz.
gez. Pfaunstiel. gez. Freiherr v. schenk.
* *
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Abschrift vorstehender Bekanntmachung wird zur
Kenntnißnahme und weiteren Veröffentlichung mitgetheilt.
Der Vorsitzende des Bezirksausschusses:
I. V.: Meinecke.
An die sämmtlichen Herren Landräthe des Regierungsbezirks. B. A 4207.
Der Beginn des nächsten Kursus zur Ausbildung von Lehrschmiedemeistern an der Lehrschmiede zu Charlotte n b u r g ist auf Montag den 6ten März 1899 festgesetzt.
Anmeldungen sind zu richten an den Direktor des Instituts, Ober Roßarzt a. D. Brand zu Charlottenburg, Spreestraße 42. (A. II. 12688.)
Cassel am 2. Dezember 1898.
Der Negieruugs-Präsident. I. V.: v. Bremer.
Politischc Nachrichten
Berlin, den 27. Dezember.
Die diesjährige Weihnachtsfeier am Kais er- l i ch e n Hose fand am Sonnabend Nachmittag im Stadt- schlosse zu Potsdam statt. Um 3 Uhr war der Dienerschaft in den oberen Gemächern bescheert worden, in Gegenwart Ihrer Majestät der Kaiserin und der Kaiserlichen Kinder. Um 4 Uhr folgte im Vronzesaal das Weihnachtsdiner bei Ihren Majestäten, an welchem die Umgebungen Allerhöchstderselbe», darunter die Kabinetschess, theil- nahmen. Unmittelbar daran schloß sich dann die Be- scheerung im Marmorsaal, wo wieder auf langen, weißgedeckten Tafeln die Gaben für Se. M. den Kaiser, I. M. die Kaiserin, die Kaiserliche Familie und die geladenen Damen und Herren aufgebaut waren. Wie in früheren Jahren schmückten auch diesmal wieder neun Taunenbäume, mit zahlreichen Wachskerzen besteckt, den festlichen Raum, 2 gewaltig große für das Kaiseipaar und für das Gefolge, 7 kleinere, in absteigenden Klößen- Verhältnissen, für die 6 Prinzen und die Prinzessin.
Ihre K a i s e r l i ch e n M a j e st ä t e n mit den P r i n z e n - S ö h n e n wohnten am ersten Weihnachts- seierlage Vormittags, wie aus Potsdam gemeldet wird, dem Gottesdienste in der Pfingstkapelle bei und begaben Sich danach zu Fuß nach dem Stadlschloß zurück. Den Rest des Tages verlebten Ihre Majestäten im Familienkreise. — Heute Abend beabsichtigt Se. Majestät der Kaiser das Potsdamer Observatorium zu besuchen, um doit die totale Mondfinsteiniß zu beobachten.
Als Weihnachtsgeschenk des Sultans wird Ihrer Majestät der Deutschen Kaiserin ein Reitpferd und der Prinzessin Viktoria Luise ein Ponygespann mit einem kleinen Wagen zugehen.
In Betreff der preußischen Kriegervereine'
veröffentlicht der „Reichs-Anzeiger" folgenden Allerhöchsten Erlaß:
Aus Ihrem Berichte vom 2. November d. J. habe Ich mit Befriedigung ersehen, daß die preußischen Kriegervereine sich zu einem Landesverbands zusammengeschloffen haben, um in enger Gemeinschaft mit den übrigen Landesverbänden Deutschlands die Jntereffen ihrer einzelnen Glieder in kameradschaftlichem Geiste zu fördern. Nachdem Ich durch den beifolgenden Erlaß vom heutigen Tage die Satzungen genehmigt und die Wahlen des Ersten Vorsitzenden und seiner beiden Stellvertreter bestätigt habe, will Ich auch dem Mir kundgegebenen Wunsche der Kriegerverbände entsprechen und das Protektorat über den preußischen Landes - Kriegerverband hiermit in Gnaden annehmen. Ich thue es in dem Vertrauen, daß die Vereine in der Pflege unverbrüchlicher Treue gegen König und Vaterland stets ihre vornehmste Aufgabe erblicken werden, und wünsche, daß die Kriegervereine auf dieser Grundlage sich kräftig weiterentwickeln und ihrem Ziel, alle ehemaligen Angehörigen Meiner Armee und Marine unter ihrer Fahne zu sammeln, immer näher kommen mögen. Möge vor Allem das Vorbild der alten Krieger, denen es vergönnt war, die ihrem obersten Kriegsherrn, weiland Sr. Majestät dem Hojseligen Kaiser und König Wilhelm dem Großen, im Fahneneide gelobte Tapferkeit und Treue bis zum Tode auf dem Felde der Ehre zu bewähren, ihren jüngeren Kameraden allezeit ein" Ansporn sein, ihnen in Bethätigung aller soldatischen Tugenden auch im bürgerlichen Leben nachzu- eifern und sich die patriotische Gesinnung von Niemandem nehmen zu laffen.
Potsdam, den 21. Dezember 1898.
Wilhelm R.
Freiherr von der Recke.
An den Minister des Innern.
Die Berliner Universität hat eine Bismarck- Gedenkfeier abgehalten, welcher unter andern höhern Beamten auch der Staatssekretär Graf Posadowsky beiwohnte. Professor Lenz hielt die Gedächtnißrede. In der Liebe zu seinem Vaterlande habe Bismarck auch seine Größe gefunden, und unter der sichern Hand des Steuerm innes sei denn auch das Staatsschiff in den sicher» Hafen geleitet worden. Deshalb habe die Nation immer vertrauensvoll aus den Kurs geblickt, den er eingeschlagen habe. Mit der Redigierung der Einser Depesche habe Fürst Bismarck das Schicksal unseres Volkes in seine Faust genommen Er habe weniger die äußern, als die innern Feinde gefürchtet. „In dem Bewußtsein des Evangeliums der deutschen Nation", so schloß der Redner, „wollen wir Preußen sein und bleiben wie Erz, treu dem Könige und dem Vaterlands. Hüten
Allein durchs Leben.
Von H. O e h in k e.
„Kannst du nicht einen Augenblick herunterkommen und"nach der Suppe sehen? Ich muß mit Emilie aus den Boden gehen, die Wäsche aufzuhängen i"
> Es war eine tiefe Altstimme von seltenem Wohlklang, die diese prosaischen Worte durch die halbgeöffnete Thür I des eleganten AnkleidezimmerS rief. , Sie gehörte einem hochgewachsenen Mädchen in einem einfachen lila Kattun- Morgenrock, dessen aufgeknöpfte Aermel einen schönge- sormten Unterarm mit ein Paar nicht großen, aber rothen, schlechtgepflegten Händen freiließe».
„Ist mir leider ganz unmöglich, liebste Meta — bitte, komm doch herein — ich bin in der traurigen Lage, mich höchst »»gemüthlich beeilen zu müssen. Es ist halb zehn, und Punkt zehn Uhr will Ernst kommen, um mich zur Kunst-Ausstellung zu führen Du weißt ja, wie unge. halten er ist, wenn er ein paar Minuten warten muß!" Die Stimme der Sprecherin klang im Vergleich zu dem vollen Alt Metas fast unangenehm scharf und spitz; e alles übrige aber an dem jungen Geschöpf, das in einem zartblauen Negligee vor dem zierlichen Toilettentisch saß,
in der emporgehobenen Rechten eine gefährlich ans- schauende Brennschere, in inr Linken einen Büschel goldig schimmernder Haarsträhne, war so weich und hold, daß auch die gestrenge Schwester ihrem Unmuth über die Absage in weit weniger harten Worten Luft machte, als sie ihr ursprünglich auf die Lippen traten.
„Aber Svsi, wie konntest du denn heute eine derartige Verabredung treffen? Hast du denn vergessen, daß Mama abend« singt, und du ihr auf jeden Fall die Nachmittags- stunden abnehmen mußt? Mama sah heute such jum Erschrecken elend aus; sie muß unbedingt einige Stunden ruhen, ehe sie sich umkleidet 1"
Meta war an die Schwester herangetreten und sah ihr streng in das süße, von der Anstrengung der wichtigen Beschäftigung lieblich geröthete Gesichtchen.
Susi IL6 erschrocken die Biennschere fallen.
„Das habe ich allerdings wieder vergessen! Nun kann ich es aber nicht mehr ändern. Ich werde Ernst bitten, daß er mich bald wieder frei läßt. Dann kann ich immerhin noch eine oder zwei Stu'den übernehmen. So genau wird es doch wohl nicht darauf ankommen, nicht wahr, Olling?"
Schmeichelnd streichelte sie der Schwester die Wange;
dann zündete sie die Spiritus-Maschine wieder an, fum noch die letzten Löckchen fertigzustellen. Sie sah dabei unverwandt wie bittend zu der Schwester empor. Metas Mienen hellten sich aber nicht auf.
„Ich würde dir doch vorschlagen, deinem Verlobten einfach zu sagen, daß du keine Zeit hast, und mir ein wenig zur Seite stehen. Ich weiß wirklich nicht, wie ich heute allein fertigen werden soll. Du liebe Zeit, i» vier Wochen seid ihr ja für immer bei einander und könnt alle Tage in die Ausstellung rennen. So eilig ist das doch wirklich nicht! Ich bin überhaupt noch nicht dagewesen!"
„Ja, du," erwiderte Suse gedehnt, indes sie die eleganten Lackstiefeletten zuknöpste. „Du hast ja wenig Interesse für dergleichen Sachen. Du bist vergnügt, wenn dir deine Geldes gerathen und du die Wäsche gut gebügelt erhältst. Ich aber muß mich den Wünschen meines Bräutigams fügen — es ist ja ein Glück, daß wenigstens eine von uns unter die Haube kommt, zwei alte Jungfern in einer Familie brrr — —"
Die Stiefeletten saßen wie angegossen. Susi warf das Negliges ab, badete die Hände in dem köstlich duf-