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Amtlicher Theil.
Cassel, am 24. Dezember 1898.
Zum Bericht vom 2. d. M. I Nr. 15 474.
§ le der Polizeiverordnung, betreffend die Einrichtung und den Gebrauch solcher landmirthschaftlicher Maschinen, welche nicht im Fahren arbeiten, vom 1. September 1898 (A 'Bl. S. 184) betrifft alle Häckselmaschinen, auch die mit der Hand und von einer oder zwei Personen bedienten Futterschneidemaschinen und Futterbänke, wie solche in kleinbäuerlichen Betrieben im Gebrauch sind. Gerade bei diesen Maschinen ereignen sich, wie auch der Herr Lanbwirthschaftsminister hervorgehoben hat, erfahr- ungsmäßig häufig Unglücksfälle.
Neue Maschinen dieser Art ohne Schutzvorkehrung gelangen kaum noch in den Handel.
Bei allen Maschinen läßt sich die Schutzvorkehrung nach Gutachten des Negierungs- lind Gewerberaths ohne erhebliche Kosten anbringen. Nach diesem Gutachten läßt sich ein Schntzkasten bei denjenigen Häckselschneidern, deren Handkurbel nicht an das Schwungrad, welches die Messer trägt, unmittelbar angeschraubt, sondern auf die weiter vorstehende Achse ausgesteckt ist, fest mit dem Maschiuengestell verbinden. Tragen aber die Schwungräder gleichzeitig Messer und Handkurbel, so lassen sich die Mrsser durch eine an her Handkurbel- seite befestigte runde Scheibe, welche mit dem Schwung-
Allein durchs Sehen.
Von H. Oehink e.
(Fortsetzung)
Als sie ihm am Abend die sauber auf der Schreibmaschine übertragenen Briefe ins Arbeitszimmer brächte, nickte er beifällig „Braves Mädchen," murmelte er, „fleißig und pünktlich — bin zufrieden, habe nur Gutes gehört, denke, wir bleiben lange zusammen, sehen aber blaß aus, nicht zu viel, nicht zu viel!"
Damit war sie entlassen. Am nächsten Gehaltstage aber zahlte ihr aber der Kassierer statt der gewohnten drei blanken Zwanzig - Markstücke deren sechs hin.
Als Meta an diesem Abend sich endlich zur Ruhe legte, da sandte sie ein heißes inniges Dankgebet empor zu ihm, der alle Geschicke lenkt!
So schwand der Winter im Fluge dahin und der junge Lenz entfaltete seine ganze Pracht.
Der tiefblaue Himmel sah herab auf das weite Land mit seinen knospenden Saaten und seinem sprossenden Grün. Die ersten Blumen wirken sich ein in den Teppich der Wiesen. Primeln, Aurikeln und Hyazinthen zierten die Beete in den Vorgärten. Im leisen lauen Zuge des Windes schwankten die hellgrünen Birkenwedel, und Bäume und Gebüsche prangten im ersten Laub.
Lustig haschten sich die Vögel in den Zweigen und ließen laut ihr Jubilieren ertönen.
Als Meta am Pfingstsonnabend nach Hause kam,
rade umläuft, verdecken. Die Wahl des zu der Schutzvorrichtung zu verwendenden Materials (Holz, Eisenblech, Gitterwerk) wird sich nach Abmessung und Konstruktion der Maschine, sowie nach dem Raum zwischen Messern und Scheibe richten müssen und ist dem Besitzer der Maschine zu überlassen. Zu fordern aber ist, daß die Scheibe keine vorstehenden Ecken und nach der Handkurbelseite keine Schraubenstifte, Muttern u. s. w. zeigt, daß sie abnehmbar, aber bei den Schwungrädern mit Handkurbel während des Gebrauchs der Maschine mit dem Schwungrads fest verbunden ist. Endlich ist die Scheibe in jedem Falle so weit von den Messern entfernt anzubringen, daß sich das abgeschnittene Futter nicht zwischen Scheibe und Messern stauen kann, sondern leicht zu Boden fällt.
An den Herrn Landrath zu Eschwege. * *
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Abschrift zur Kenntniß unb Nachachtung.
Der Negierungs-Präsident. I V.: v o n B r e m e r. An die sämmtlichen Herren Landräthe des Bezirks (ausgenommen Eschwege), den Herrn Polizei-Präsidenten hier, die Herren Polizei-Direktoren Fulda, Marburg, Hanau und die Königlichen Gewerbeinspektionen hier, Fulda, Eschwege. A. II. 12 907.
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Hersfeld, den 7. Januar 1899.
Wird mit Bezug auf die im Kreisblatt Nr. 111 veröffentlichte Polizei-Verordnung vom 1. September 1898 den Polizeibehörden und der Gendarmerie des Kreises zur Nachachtung mitgetheilt.
I Nr. 119. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schlei n i tz , Geheimer Negierungs Rath.
Auszug aus den Bestimmungen für diejenigen jungen Leute, welche in die Unteroffizier-
Schulen bezw Vorschulen einzutreten wünschen.
1) D i e U n t e r o s f i z i e r s ch u l e n haben die Bestimmungen, junge Leute, welche sich dem Militair- stande widmen wollen, zu Unteroffizieren heranzubilden.
Der Aufenthalt in der Unterosfizierschule dauert in der Regel drei, bei besonderer Brauchbarkeit zwei Jahre, in welcher Zeit die jungen Leute gründliche militärische Ausbildung iiub solchen Unterricht erhalten, welcher sie befähigt, bei sonstiger Tüchtigkeit auch die bevorzugteren
hielt ihr Fritz einen Brief entgegen von Susi, eine Einladung, die Festtage draußen bei ihr zu verbringen
„Sofort nach dem Lesen dieses Briefes kaufst du dir einen neuen Frühjahrshut mit Veilchen —hörst du? Das ist das modernste und wird zu deinem Haar famos anssehen — und dann gehst du mit den Jungen nach dem Stettiner Bahnhof und fährst nach Prenzlau. Es ist jetzt herrlich hier, und ich sterbe vor Sehnsucht nach dir. Hörst du Olling: deine Susi ist traurig. Sie muß ihr Hausmütterchen sprechen, um bei ihr Trost zu holen .. ."
Im ersten Augenblick erschrak Meta heftig.
Susi war traurig, Susi hatte Kummer? Wie war das möglich? Dann beruhigte sie sich aber. Sie kannte ja ihr kleines verwöhntes Schwesterchen. Susi langweilte sich. Das war es, weiter nichts. Nun, sie wollte ihr die Jungen schicken, die würden ihr die Zeit schon vertreiben helfen. Sie konnte nicht hinfahren — noch nicht!
Fritz und Georg thaten einen gemeinschaftlichen Freudensprung — sofort wurde ein alter Fahrplan hervorgesucht , ein Köfferchen gepackt, und zwei Stunden später schon saßen beide seelenvergnügt in einem Kupee dritter Klasse, um ihre erste „Reise" anzutreten.
Fiitz und Georg waren ein paar hübsche, brave Burschen, die in schönster Eintracht miteinander lebten, obwohl sie nicht nur äußerlich ganz verschieden geartet waren. Fritz blond und rosig, etwas schwächlich, aber
Stellen des Unterossizierstandes (Feldwebel rc.), des Militär-Verwaltungsdienstes (Zahlmeister rc.) und des Civilstandes zu erlangen.
Der in die Unterosfizierschule Einzustellende muß mindestens 17 Jahre alt sein, darf aber das 20. Jahr noch nicht vollendet haben.
Der Einzustellende soll mindestens 154 cm groß, vollkommen gesund, frei von körperlichen Gebrechen sowie wahrnehmbaren Anlagen zu chronischen Krankheiten sein und die Brauchbarkeit für den Friedensdienst der Infanterie besitzen.
Wer in eine Unteroffizierschule ausgenommen zu werden wünscht, hat sich bei dem Bezirkskommandeur seines Aufenthaltsortes oder bei einem der Kommandeure der Unterosfizierschulen in Potsdam, Jülich, Biebrich, Weißen- fels, Ettlingen und Marienwerder unter Vorzeigung eines von dem Civil-Vorsitzenden der Ersatz-Kommission seines Aushebungsbezirks ausgestellten Meldescheines und einer amtlichen Bescheinigung über die bisherige Be- schäftigungsweise, über früher überstandene Krankheiten und etwaige erbliche Belastung, persönlich zu melden.
Die Einstellung von Freiwilligen in die Unteroffizierschulen findet alljährlich zweimal statt und zwar bei den Unteroffizierschulen in Biebrich und Marienwerder im Monat Oktober, bei der Unterosfizierschule in Ettlingen im Monat April.
2) Die Unteroffiziervorschulen haben die Bestimmung, geeignete junge Leute von ausgesprochener Neigung für den Unterosfizierstand in der Zeit zwischen dem Verlassen der Schule nach beendeter Schulpflicht und dem Eintritt in das militärpflichtige Alter derart sortzubilden, daß sie für ihren künftigen Beruf tüchtig werden.
Bei militärischer Erziehung sollen sie dort Gelegenheit finden, ihre Schulkenntnisse soweit zu ergänzen, wie dies nicht nur im Hinblick auf den militärischen Beruf, sondern auch für ihre spätere Verwendbarkeit im Militär- VerwaltungS- bezw. Civildienst wünschenswerth ist.
Daneben wird der körperlichen Entwickelung und Ausbildung unter vorzugsweiser Berücksichtigung der Anforderungen des Militärdienstes besondere Aufmerksamkeit zugewendet.
Wer in eine Unteroffiziervorschule ausgenommen zu werden wünscht, hat sich, nachdem er mindestens 14'/, Jahre und nicht über 16 Jahre alt geworden ist, begleitet von seinem Vater oder Vormund, persönlich bei
äußerst lebhaft, Georg mehr still, mit den ernsten, dunkeln Augen und dem rothbraunen Haar ganz das Ebenbild Metas, auch im Charakter. Das Lernen wurde ihm schwerer als dem blonden Fritz, aber er halte Willenskraft und eisernen Fleiß, so daß er immer mit dem viel begablern, aber etwas flüchtigen Bruder gleichen Stritt hielt. Auch hinsichtlich ihrer Zukunft hatten die Zwillinge ganz entgegengesetzte Wünsche. Fritzens größte Sehnsucht, der Inbegriff aller Glückseligkeit hieß, Student werden, indes Georg am liebsten bei der innig verehrten Schwester bleiben wollte. Meta helfen können, sie entlasten von aller Arbeit, allen Sorgen, ihr ein wunderschönes Leben bereiten — das waren Georgs stille Zukunststräume. Diese Anhänglichkeit an die älteste Schwester trübte ihm auch jetzt die Freude. Er saß still in seiner Ecke, und das einzige, was er sprach, war: „Die arme Meta, nun ist sie ganz allein, was wird sie bloß morgen anfangen?"
„Konnte ja mitkommen," meine Fritz gleichmüthig, „ach, wie ich mich freue, Susi wiederzusehen!"
Als Meta vom Bahnhöfe zurückkam, und ihr stilles Zimmer wieder betrat, war ihr das Herz doch recht schwer.
Sie nahm zum Trost Susis Brief wieder hervor und laß ihn nochmals recht sorgsam durch. Dies brächte sie auf den Gedanken, ihre Sommer-Garderobe einmal einer gründlichen Musterung zu unterziehen, und so ging denn der Abend auch hin.
Meta trug nur schwarze Gewänder, wenngleich das Trauerjahr jetzt abgelaufen war.