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Dienstag, Donnerstag nnd Sonnabend.

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Gkatirbeilasen rIllustrirter Sonntagsblatt" u.plinstrirts ianvwirthschaftUche Vekiage".

Nr. 14. IsmitrstW Lei 2. Febriiar 1888.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt für die Monate Februar und März 1899 werden von allen kaiserlichen Postanstalten, tandbrief- trägern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Cossel, den 18. Januar 1899.

Nachdem in den letzten Wochen die Maul- und i Klauenseuche eine erhebliche Abnahme erfahren hat, be­stimme ich hierdurch, daß die durch meine Verfügung vom 12. November v. Js., A. III. 7392, angeordneten Revisionen der Händlerställe bis auf Weiteres nur in Zwischenräumen von 4 Wochen vorzunehmen sind. Der Negierungs-Präsident. I V.: von Bremer. An den Herrn Polizei-Präsidenten hier und die Herren Landräthe des Bezirks. (A III. 723).

* * *

Hersseld, den 31. Januar 1899.

Vorstehendes wird mit Bezug auf das Ausschreiben vom 22. November v. Js. J. I. Nr. 6279 (Kreisblatt Nr. 139) zur Kenntniß der Herren Ortspolizeiverwalter gebracht.

I. I. Nr. 535. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Nath.

In der mit Genehmigung des Herrn NegierungS- Präsidenten eingerichteten Lehrschmiede des Husbefchlag- Lehrmeisters Carl Ebel zu Wommen im Kreise Eschwege beginnt mit dem 30. Januar d. I. ein neuer Lehrkursus. Die Dauer d Reiben beträgt 2 Monate; die Abgangs- Prüfung erfolgt am 29. März d. J.

Da zu jedem Kursus nur 6 Schüler zugelassen werden dürfen, bis jetzt aber bereits 2 Anmeldungen vorliegen, können jetzt noch 4 Personen Aufnahme finden.

Zur Aufnahme sind erforderlich:

a. ein polizeiliches Führungkattest und

b der Nachweis über die praktische Ausbildung als Hufbeschlagschmied.

Der im Voraus an den Hufbeschlag - Lehrmeister zu

Seine junge Frau.

Roman von I d a von C o n r i n g.

(Fortsetzung.)

Nachdem er mit Behagen das appetitlich servirte Mahl genossen, legte er sich gehorsam auf die Seite und schlief ein. Anfangs sah er den Schäfer auf einer Wiese voll köstlich duftender, leuchtend gelber Blumen umherschreiten dann versanken alle Traum­bilder in tiefem Genesungsschlaf.

Als Wolter gegen Mittag über den Korridor schritt, redete ihn einer der Wärter an:

Der Senator Loreuzen fragt telephonisch an, wie es Herrn von Papen geht, und ob er ihn heute besuchen dürfte?"

Der Doktor sann einen Moment nach:

Antworten Sie, daß ich mit der Brsserung zu­frieden bin aber vor übermorgen keinen Besuch ge­statten kann." _

Nun war der bezeichnete Tag gekommen. Der Se­nator saß im hechtgrauen Paletot, den glänzenden Cylinder neben sich gestellt, in des Doktors Wohnzimmer. Die angebotene Cigarre hatte er abgelehnt.

Sie müssen mich nicht für indiskret halten", sagte der Senator,aber der ZwischensaU macht mich ernstlich besorgt. Sie wissen jedenfalls, wie die ganze Stadt schon, lieber Doktor, daß Papen sich mit meiner Tochter verlobt hat nun frage ich Sie auf Pflicht und Ge­wissen, wild er nicht etwa invalide bleiben?"

Der Doktor saß aufmerksam zuhörend seinem Gaste

entrichtende Beitrag beträgt 50 Mark. Das nöthige Eisen und die erforderlichen Kohlen liefert derselbe. Für Wohnung und Beköstigung sorgt jeder Schüler selbst.

Die Lehrschmiede ist berechtigt, Prüfungszeugnisse auszustellen, von deren Beibringung der Betrieb des Huf- beschlag-Gewerbes abhängig ist.

Die von jedem Schüler zu entrichtende Prüfungs­gebühr beträgt 10 Mark.

Anmeldungen sind an den obengenannten Lehrschmiede- meister zu richten. Eschwege, den 28. Januar 1899.

Der Königliche Landrath. v. K e u d e l l.

Nichtamtlicher Theil.

Politische Nachrichtcu.

Inland.

Berlin, den 31. Januar.

Bei Ihren Kaiserlichen Majestäten fand gestern Mittag eine Familientafel statt. Hierauf besuchte Se. Majestät der Kaiser das Kunstgewerbe­museum und fuhr später anläßlich des Todestages weiland des Kronprinzen Rudolph von Oesterreich-Ungarn zum österreichischen Botschafter v Szögyeny - Marich. Se. Majestät, welcher die Uniform eines österreichischen Ge­nerals trug, verweilte 3/4 Stunden bei dem Botschafter. Wie die Wiener Blätter melden, wurde gestern Vor» mittag im Austrage Sr. Majestät am Sarge des Kron­prinzen Rudolph ein prachtvoller Kranz aus Liebliugs- blumen des Kronprinzen, mit seidener Schleife nieder­gelegt, auf welcher sich die Inschrift:Kaiser Wilhelm II. dem treuen Freunde" befindet. Nach dem Besuche beim österreichischen Botschafter begab Sich Se. Majestät zum russischen Botschafter Grafen v. d. Osten - Sacken. Abends wohnten Ihre Majestäten mit Allerhöchstihren fürstlichen Gästen im königlichen Schauspielhaus der Vorstellung vonWalleusteins Lager" undDie Picco- lomini" bei. Heute Morgen unternahmen Beide Majestäten den gewohnten Spaziergang; Se. Majestät der Kaiser fuhr nachher bei dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staatsminister v. Bülow vor. Von 10 Uhr ab hörte Allerhöchstderselbe den Vortrag des Chefs des Militärkabinets, Generaladjntanten, Generals der Infanterie v. Hahnke, von 11 Uhr ab denjenigen

gegenüber er schüttelte unter leisem Lächeln das Haupt.

Ich will Ihnen reinen Wein einschenken, Herr Se­nator. Papen war schon durch den Dienst in der ab­normen Hitze übermüdet und litt außerdem seit längerer Zeit an Kopfschmerzen. Darauf hat er einem Freunde zuliebe, untrainirt wie er war, bei schwüler Luft, in glühender Sonne, den anstrengenden Ritt gemacht und so, daß es kein Wunder ist, wenn die erschöpfte Natur sich mit einer tiefen Ohnmacht half. Eine Gehör­affektion, wie wir anfangs fürchteten, liegt nicht vor; es ist kein Grund zu irgend welcher Besorgniß vor­handen. Der Patient schläft sich gesund ich habe nichts dagegen, wenn Sie ihn besuchen wollen, Herr Senator vorausgesetzt natürlich, daß Ihre Mittheil- ungen nicht unerfreulicher Art sind?"

Sie nehmen mir eine Last vom Herzen dann darf ich wohl bitten, lieber Doktor?"

Ich werde Sie selber geleiten, Herr Senator."

Papen, der aufrecht im Bette saß, sah dem eintreten- den Besuch mit einem ungläubigen Staunen entgegen.

Herr Senator ist das wirklich kein Traum?"

Nein, durchaus nicht", sagte der alte Herr, Platz nehmend.Ich bringe Ihnen Grüße von Rita es hat sich da allerlei ereignet, was Ihnen neu sein wird hoffentlich auch angenehm Ihr Doktor hat mich nämlich nur unter der Bedingung hereingelaffen, daß ich Ihnen keine unfreulichen Mittheilungen machen dürfe."

Bitte, bitte, weiter, Herr Senator", rief Herbert in athemloser Spannung.

Immer ruhig, junger Freund! Sie wissen, daß

des kommandirenden Admirals, Admirals v. Knorr. Um 12 Uhr empfing Se. Majestät den Generalsuperintendenten D. Faber.

Wie in Bremen verlautet, wird Ihre königl. Hoheit die Prinzessin Heinrich die Rückreise von Shanghai nach Deutschland im April antreten.

Dem Reichstage ist nunmehr die angekündigte Denk­schrift über die bedingte Begnadigung zuge­gangen. Die Denkschrift enthält die einschlagenden Be­stimmungen, die in den einzelnen größeren Staateu des Reiches erlassen sind, ferner die zahlenmäßigen Ergebnisse, zu welchem die Anwendung dieser Vorschriften geführt hat, und ein kurzes Resume, das dies Zahlenmaterial beleuchtet.

Seit einigen Wochen beschäftigt sich die Presie mit Gerüchten, wonach der Herr Reichskanzler seinen Rücktritt ins Auge gefaßt haben soll. Einige Blätter wissen sogar schon den Tag des Rücktritts anzugeben. Wir sind, schreibt dieN. A. Z.", zu der Erklärung ermächtigt, daß auch diesmal die Gerüchte über einen Kanzlerwechsel unbegründet sind.

Am 30. Januar trat der R e i ch s t a g in die zweite Berathung des Marine-Etats ein. Namens der Budget- Kommission beantragte Abg. Lieber unveränderte An­nahme des Voranschlages, der sich innerhalb der finan­ziellen Begrenzung des Flotten Gesetzes halte. Bei dem Ausgabe-TitelStaatssekretär des Marine-Amts" brächte der Abg. Singer (Soc.) das Verhalten des Ober- Werftoirektors v. Wintersheim in Danzig, gelegentlich der letzten Reichstagswahlen zur Sprache. Staats­sekretär des Reichs-Marineamts, Kontre-Admiral T i r p i tz , wies die persönlichen Vorwürfe gegen den Ober-Werftdirektor v. Wintersheim zurück. Abg. Frei­herr v. S t u m m bezeichnete es als die Pflicht jeder staatlichen Verwaltung, notorische Socialdemokraten von ihren Betrieben fernzuhalten. Abg. Graf K l i n kam­st r ö m (deutschkons.) schilderte, wie die Sozialdemokratie ihr Partei-Programm verleugne, um die Landbevölkerung einzufangen. Beim TitelNatural - Verpflegung" bat Abg. Derlei (deutschkons.), hinsichtlich der Schiff-Ver­sorgung die deutschen Produzenten besonders zu berück­sichtigen. Staatssekretär Tirpitz erklärte darauf hin, von 41 /? Millionen Mark, die im letzten Rechnungsjahr für Schiffs - Versorgung verausgabt seien, wären nur 152 000 Mark für ausländische Konserven gezahlt worden; man werde sich aber bemühen, das Verhältniß

ich prinzipiell gegen Osfiziersheirathen für unsere ver­wöhnten Töchter bin -- meine Ansicht darüber ist auch ganz dieselbe geblieben, nur haben sich die Verhältnisse geändert. Mein Herzenswunsch, daß Rita den Sohn meines alten Freustdes Bitow Sie wissen, die große Exportfirma John Bitow und Sohn heirathen sollte, ist gescheitert. Rita will durchaus nicht. Sie hat mir ferner den Brief, welchen Sie ihr zuletzt geschrieben haben, gebracht. Der Brief ehrt Sie, mein junger Freund, ich habe eine hohe Meinung von Ihnen be­kommen. Außerdem hat mein Töchterchen selbst die Sache entschieden, indem sie bei Ihren, Unfall auf dem Rennen sich öffentlich Ihre Verlobte nannte.

Papen sah mit glückseligem Antlitz zu dem Senator auf.Süße, treue Rita!" murmelte er.

Ja, das sagen Sie wohl", meinte der alte Herr, mit seiner Rührung kämpfend.Es sind da aber ernste Schwierigkeiten. Sie halten Rita warscheinlich für eine Erbin, bitte, verstehen Sie mich nicht falsch", fügte er beruhigend hinzu,ich kann nicht umhin, den heiklen Punkt zu berühren. Ich bin kein reicher Mann, wenn ich auch sehr viel Geld verdiene. So lange der liebe Gott mich am Leben läßt, wird Rita alles haben, was sie begehrt, aber wenn er mich einmal abruft, behält sie nur eine kleine Rente. Und ich bin ein Todeskandidat, lieber Papen, habe einen schlimmen Herzfehler. Doch das nur nebenbei! Von dem großen Vermögen meiner ersten Frau habe ich nur den Nießbrauch, das Kapital gehört meinem Sohne. Ritas Mutter war jung, schön, bezaubernd, aber arm wie eine Kirchenmaus. Nun,