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Ssmiibtilii den 4. FeKmr

1899.

Erstes Blatt.

Vestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt für die Monate Februar und März 1899 werden von allen Aaiserlichen postanstaiten, Landbrief­trägern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 24. Januar 1899.

Der Herr Minister des Innern hat bestimmt, daß die Standesbeamten in Angelegenheiten der Hinterbliebenen- Fürsorge an Stelle der in den §§ 15 und 16 des Personenstandsgesetzes vom 6. Februar 1875 (R G. Bl. S. 23) für Beurkundungen vorgeschriebenen AuSzüge aus den Standesamtsregistern in Zukunft kostenfrei Bescheinigungen in abgekürzter Form ertheile«, wie solche bereits für andere Fälle durch die Verfügungen vom 27. Juli 1892 (M. Bl. s. d. i. V. S. 340) 5. Januar 1893 (M. Bl. f. d. i. V. S. 38) und 18. August 1893 (M. Bl. f. d. i. V. S. 236) vorge­schrieben sind.

Diese Bescheinigungen, zu denen die Formulare auf Kosten der Staatskasse herzustellen und an die Standes­ämter kostenfrei abzugeben sind, haben die entscheidenden Thatsachen und die maßgebenden Daten in Buchstaben ausgeschrieben zu enthalten und sind unter Siegel und Unterschrift des Standesbeamten ouszufertigen.

Die Herrn Standesbeamten des Kreises setze ich hiervon in Kenntniß mit dem Bemerken, daß die nach meiner Verfügung vom 17. Oktober 1893 I. ^. Nr. 1792 (Kreisblatt Nr. 124)überfanbten Formulare, zu abgekürzten standesamtlichen Urkunden, soweit dieselben etwa noch nicht verbraucht sein sollten, nach entsprechender Ergänzung des Kopsdrucks auch in Angelegenheiten derHinterbliebeuen- Fürsorge benutzt werde« können.

Außerdem kann ein Bedarf von neugedruckten Formu­laren hier angemeldet werden.

Die neu zu druckenden Formulare zu G e b u r t s - Urkunde« werden so eingerichtet werden, daß sie auch in Angelegenheiten des H e e r e s e r s a tz e s, wozu bisher besondere Formulare vorhanden waren, verwendet werden können.

I. A. Nr. 194. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Negierungs Rath.

Hersseld, am 1. Februar 1899.

Bestehender Vorschrift gemäß wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß im Laufe des Monats Januar d. Js. Jagdscheine ausgestellt sind für folgende Herren:

A. Jahresjagdscheine (entgeltliche) :

1. am 2/1. für den Amtsrichter von Bertram in Vacha;

2. 5/L Landwirth Georg Rußbaum in Kerspenhausen;

3. 5/1. Apotheker Adolf Drube in Hersseld;

4. ii/i, Tuchsabrikanten Friedrich Nechberg in Hersseld;

5. 17/1. Londwirth Heinrich Fischer I. in Kathus;

6. 17/1. Musikus Ernst Rüger in Kathus.

B. Tagesjagdscheinc:

7. am 4/1. für den Lehrer Bettenhausen in Hönebach.

Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, den 2. Februar.

Se. Majestät der Kaiser unternahm gestern nach dem Besuch des königlichen Schauspielhauses einen Spaziergang im Thiergarten. Abends nahm Allerhöchst- derselbe gelegentlich des Hofballes u. A. die Meldungen des früheren Oberpräsidenten Grafen Udo Stolberg zum Generalmajor und des früheren Gesandten Grafen Dönhoff zum Major entgegen. Heute Morgen unter­nahmen Beide kaiserliche Majestäten den gewohnten Spaziergang im Thiergarten. Von 10 Uhr ab hörte Se. Majestät der Kaiser die Vorträge des Kriegsministers, Generalleutnants v. Goßler, und daran anschließend des Chefs des Militärkabinets, Generaladjutanten, Generals der Infanterie v. Hahnke. Um 123/4 Uhr empfing Se. Majestät die Bischöfe von Fulda und Lim- burg. Nachmittags gedachte Se. Majestät die für die SiegeSallee bestimmten Arbeiten von Carl Begas und Prof. Brütt zu besichtigen.

DerNeichsanzeiger" veröffentlicht folgende» Dank­erlaß des Kaisers:

Gefühle innigsten Dankes für Gottes gnädige Führung erfüllten Mich an Meinem diesjährigen Ge­burtstage, wenn Ich den Blick rückwärts lenkte auf die hinter Mir liegenden vier Jahrzehnte Meines Lebens und das erste Jahrzehnt Meiner Regierung. Sind Mir im Wechsel der Zeilen auch t i e f s ch ni e r z l i ch e Ereignisse und Erfahrungen n i ch t er­spart geblieben, so habe Ich doch in Meinem Hause und in deinem Herrscherberufe Gottes Güte in reichem Maaße erfahren. Eine besondere Gnade war Mir im letzte» Jahre dadurch beschieden, daß der sehnliche Wunsch Meiner Jugend durch den Besuch der heiligen Stätten, wo der Herr und Heiland der Welt gewandelt und sein Erlösungswerk vollbracht hat, erfüllt wurde und Ich zugleich zur Förderung des deutschen Ansehens in jenen fernen Landen bei­tragen durfte, in denen viele unserer Landsleute als Träger deutscher Kultur und christlicher Nächstenliebe dem deutschen Namen Ehre machen. Die herzliche Antheilnahme an bem glücklichen Verlaufe Meiner Palästinafahrt ist Mir auch in den überaus zahlreichen Kundgebungen entgegengetreten, durch welche Mir beim Eintritt in ein neues Lebensjahr warme Glück- und Segenswünsche aus allen Kreisen der Bevölkerung schriftlich und telegraphisch zum Ausdruck gebracht worden sind. In den Grenzen des Vaterlandes wie in fernen Ländern und Erdtheilen, wo deutsche Pa­trioten weilen, habe» festliche Vereinigungen und Ver­anstaltungen aller Art Zeugniß von dem Bewußtsein der engen Zusammengehörigkeit von Fürst und Volk abgelegt. Hochbeglückt danke Ich allen Betheiligten aufrichtig für diese Aeußerungen treuer Liebe und Anhänglichkeit. Sie bestärken Mich in dem Bestreben, Meine volle Kraft auch ferner für das Wohl und die Größe des Vaterlandes einzus tzen und ihm die Grund­lage seiner gedeihlichen W iterentwickelung, den Frieden, mit Gottes Hilfe zu erhallen.

Ich ersuche Sie, diesen Erlaß zur öffentlichen Kennt­niß zu bringen.

Berlin, den 1. Februar 1899.

Wilhelm, I. R

An den Reichskanzler.

In der Sitzung des Reichstags vom 1. Februar wurde zunächst der auf die Zulaffung der Jesuiten be­zügliche Antrag von H o m p e s ch und Genossen in dritter Lesung nach kurzer Debatte duch Annahme er­ledigt. Es folgte alsdann die Berathung eines von dem Abg. R i ck e r t (freif. Vg ) gestellten Antrages. Der Antrag geht dahin, die geheime Reichtagswahl als solche zu sichern dadurch, daß unmittelbar neben dem Wahl­lokal einJsolierraum" vorhanden sein muß, in welchem der Wähler seinen Stimmzettel in ein vom Staate ge­liefertes Kouvert steckt. Für den Antrag sprachen die

Abgeordneten K o p s ch (freis. Vp.) A u e r (Soc.) Ernst (sreis. Vg.), S ch ä d l er (Ctr.) Wassermann (ntl.) und die Deutschsocialen Werner und B i n d e w a l d, gegen denselben die Abgeordneten Freiherr v. Stumm (Reichspartei) und Graf Limburg-Stirum (deutschkons). Der letztere erklärte, daß seine Freunde auf dem bestehenden Wahlgesetz fußen; sie seien also Hüter desselben, während die Parteien links sich m't Unrecht als solche bezeichneten. Der Antrag Nickert wurde schließlich angenommen.

Im Abgeordnetenhause wurde am Mittwoch die allgemeine Debatte über den landwirthschaftlichen Etat beendigt und das Ministergehalt bewilligt. In der Debatte wurden von verschiedenen Seiten nur die bereits besprochenen Punkte nochmals erörtert, ohne daß neue Momente hinzutraten. Nach bem endlichen Abschluß der Diskussion zu dem TitelMinistergehalt" kamen bei den Einzelpositionen mancherlei Wünsche, insbesondere lokaler Art, zur Sprache. Auch der Rest der landwirth- schaftlichen Etats und der Etat der Forst-Verwaltung wurden ohne erhebliche Debatte bewilligt. Am Frei­tage um 11 Uhr standen der Etat der Gestüts-Verwaltung, das Volksschullehrer-Gesetz und das Aerztekammer-Gesetz auf der Tagesordnung.

In deutschen Handelskreisen ist die verhältnismäßig hohe Kurssteigerung nicht unbemerkt geblieben, die von spanischen Anleihe-Papieren an den letzten Börsetagen erzielt wurde. Bezeichnender­weise waren die Häuptträger der Hauffe-Bewegung der Pariser und der Brüffeler Platz. Was sich hinter diesem künstlichen Auftrieb der spanischen Papiere für politische Machenschaften verbergen, entzieht sich vorläufig noch der Beurtheilung. Wenn aber ebenfalls von Paris aus als Grund für die Erholung der spanischen Kurse ein großes Abströmen deutschen Geldes nach Spanien behauptet wurde, und zwar in Verbindung mit dem Er­werb spanischen Kolonial-Besitzes durch Deutschland für Hunderte von Millionen, so wird dem von unterrichteter Seite auf das bestimmteste widersprochen. Die deutschen Inhaber spanischer Papiere werden gut thun, an diese lediglich der Hauffe-Ipekulation dienenden unwahren Ausstreuungen keine irrigen Vorstellungen zu knüpfen.

Der Großherzog und dieGroßherzogin von Hessen reisen, wie dieDarmstädter Zeitung" meldet, am 6. Februar zu längerem Aufenthalte nach Aegypten ab.

D e r B u n d e s r a t h hat in seiner heutigen Plenar­sitzung dem Zoll- und Salzsteuerverwaltungskostenetat für Mecklenburg Schwerin die Zustimmung ertheilt; ebenso beut Gesetzentwurf, betr. die gemeinsamen Rechte der Besitzer von Schuldverschreibungen; dem Entwurf eines Hypothekenbankgesetzes; bem Gesetzentwurf, betr. Aender­ungen der Zivilprozeßordnung und der Strafprozeßord­nung sowie der Bestrafung falscher uneidlicher Aussagen, endlich dem Gesetzentwurf, betr. Aenderungen und Er­gänzungen des Strafgesetzbuches. Den zuständigen Aus- schüffen wurden überwiesen der Entwurf von Bestimm­ungen über Ausnahmen vom Verbot der Sonntagsruhe und der Entwurf einer Kaiserlichen Verordnung über die Hauptmängel und Gemährfristen beim Viehhandel. Schließlich wurde über eine Reihe von Eingaben Beschluß gefaßt.

Zu dem Gesetzentwurf, betreffend die Relikten- Versorgung der Volksschullehrer, sind jetzt die noch ausstehenden Anlagen mitgetheilt worden. Diese erläutern die Berechnungen in der Begründung des Entwurfs noch im Einzelne«. Aus der Staatskasse werden zur Zeit für die Lehrerrelikten gezahlt 1 813 282 M. Diese Summe vertheilt sich auf die einzelnen Regierungs­bezirke sehr ungleich. So entfallen davon nicht weniger als 1 311 000 M. auf die östlichen Provinzen einschließ­lich der Provinz Sachsen; auf Schleswig-Holstein entfallen 86 240 M., auf die Provinz Hannover nur 11 225 M. und auf die drei Provinzen Westfalen, Rheinprovinz und Hessen-Nassau zusammen nur 178 753 M.; das ist weniger als auf die Provinz Ostpreußen für sich allein entfällt (205 336 M). Die Stadt Berlin erhält nur Staats-