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GratkrbeUasen r „IUustrirter KonnragsbLatt" u. „Illustrirtr landwirthschaftliche VeUage".
$r. 16.
AeOz hi 7. Februar
1899.
Vestellunsen auf das Hersfelder Kreisblatt für die Monate Februar und März 1899 werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, kandbrief- tragern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Cassel, den 21. Januar 1899.
Durch Erlaß des Herrn Landwirthschaftsministers vom 12. d. MtS. — I G 19 — sind mir auf 3 Jahre je 3500 Mk. zur Durchführung des Bullengesetzes v. 19. März 1897 — O S. S. 393 — in Aussicht gestellt worden zur Gewährung von Beihülfen bei Anschaffung der erforderlichen Gemeindebullen und unter der Voraussetzung, daß in erster Linie Gemeinden und Kreise zur Befriedigung der austretenden Bedürfnisse herangezogen werden.
Die Ueberweisung jenes Betrages an mich erfolgt auf besonderen Bericht, dem die für jedes Jahr stattge- habten Anmeldungen zu Grunde zu legen sind.
Ich erwarte daher Anträge auf Gewährung von Beihülfen bis zum 15. März jeden Jahres, zunächst dieses Jahres, bestimmt einzureichen. Sie müssen die Anzahl der vorhandenen deckfähigen Rinder und Kühe sowie der sprungfähigen Bullen und Angaben über Beiträge des Kreises oder der Gemeinde und ihre Leistungsfähigkeit enthalten.
Auch ist die Rasse der Bullen und Kühe anzugeben. Der Regierungs-Präsident. I. V.: von Bremer.
An die Herren Landräthe des Bezirks. A. III. 598.
Hersfeld, den 3. Februar 1899.
Vorstehendes bringe ich zur Kenntniß der Herren Ortsvorstände des Kreises mit der Veranlassung, etwaige entsprechend begründete Anträge auf Beihülfen zur Anschaffung von Gemeindebullen bis zum 1. März jeden Jahres einzureichen.
I. 608. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
Seine junge Hrau.
Roman von Ida von C onring. (Fortsetzung.)
Zu ihrer unaussprechlichen Erleichterung fand Rita, daß die dicke Liese ziemlich gut kochen konnte. Herbert war wenigstens mit ihren Leistungen ganz zufrieden, als er Mittags zu Hause kam und seiner jungen Frau am gedeckten Tische gegenüber saß. Er amüsirte sich sehr, als Rita ihm von ihrem seltsamen Besuch erzählte.
„Laß Dich nur von ihr malen", neckte er gutmüthig — „es ist doch immer möglich, daß etwas daraus wird, das Dir ähnlich sieht."
In den nächsten Tagen wurden Besuche gemacht. Zuerst beim Kommandeur des detachirten Bataillons, Majors von Hübel. Dieser bewohnte die hübsche erste Etage in der Apotheke am Markt. Hübels hatten keine Kinder, beide waren rund und wohlgenährt — sie hellblond und lebhaft zum Ueberbrausen — er mit pechschwarz gefärbtem Schnurrbart in dem runden Gesicht. Im Hause regierte weder Mann noch Frau, sondern unumschränkt mit eiserner Fuchtel: Rieke, das lang- jöhrige Faktotum. Ricke kochte vorzüglich; künstlerisch, wie der Major versicherte; sie war reinlich und fleißig, nur leider nicht erträglich. Sobald sie sich durch irgend ktwas beleidigt fühlte, ging sie auf einen, oder der Schwere des Falles entsprechend, auf mehrere Tage zu ^ft. Dann kam eine Scheuerfrau für die Hausarbeit, und Hübels lebten von Konserven, oder tranken Choko- iade, das einzige Gericht, das Frau von Hübel zu be-
Hersfeld, den 3. Februar 1899.
Den Herrn Ortsvorständen des Kreises werden die zur Stempel-Revision dahier vorgelegten Protokolle , Verträge rc. in Kürze wieder zugehen.
A. Nr. 643. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
kine Stelle des Kaisers.
Die diesmalige Tagung des brandenburgischen Pro- vinzial-Landtages ist wiederum der Anlaß zu einer hoch- bemerkenswerthen rednerischen Kundgebung des Kaisers geworden. Vor seinen getreuen Brandenburgern, mit denen ihn jene engvertraulichen Bande vereinen, die zwischen den Hohenzollern und den Bewohnern des Stammlandes vor nahezu fünf Jahrhunderten geknüpft wurden, pflegt der Monarch offen und frei zu sprechen, und manch bedeutungsvolles Wort ist hier gefallen, seit Kaiser Wilhelm zum ersten Mal die Welt zum Zeugen seiner Beredtsamkeit gemacht hat. Auch seine neueste, bilderreiche Rede, vollendet nach Form und Inhalt, dürste nicht verfehlen, in den weitesten Kreisen lebhaften Beifall zu finden; hat doch der Kaiser abermals kundgethan, welch hohe Auffassung er von seinem Herrscherberuf hat.
Der Obelpräsident, Herr v. Achenbach, hatte in seinem Hoch auf den Kaiser die Verdienste der Hohenzollern und die Geschichte Preußen-Deutschlands in kurzen Umrissen dargelegt. Hier knüpfte der Kaiser an, indem er als Hauptumstand, daß die Hohenzollern ihre Aufgabe in dieser Weise haben lösen können, die Thatsache bezeichnete, daß sie die persönliche Verantwortlichkeit dem Herrscher im Himmel gegenüber fühlten und vertraten. Selten ist die Bedeutung des Königthums von Gottes Gnaden trefflicher beleuchtet morde n als hier von unserm Kaiser: „Wenn wir Uns in den Augenblick versetzen, wo der Landes - Hauptmann und zum Kurfürsten ernannte Friedrich I. sein herrliches fränkisches Heimathland mit der Mark vertauschte, die damals in einem Zustande war, wie wir es uns kaum nach den Beschreibungen der Historiker vorstellen können, so ist dieser Tausch nur so zu verstehen, daß der Herr in sich den Beruf suhlte, in dieses Land zu ziehen, I
reiten verstand. Zur Table d’höte im Adler begabeu sie sich indeß grundsätzlich nicht, weil der Major die bösen Zungen der jungen Kameraden fürchtete.
Als Papens dort am Sonntag Mittag zur feierlichen Visite anlangten, hatte der Hausfrieden wieder, wie es schien, einen Riß bekommen. Rieke war nicht sichtbar. Das Ehepaar saß fröhlich zu Tisch bei Rebhühnerpastete und kalter Zunge, während eine geöffnete Champagnerflasche ihren goldenen Hals aus dem Kühlgefäß reckte.
Die Visite verlief sehr vergnügt, Papens aßen gleich ein wenig mit — der Major war in glänzender Laune und beglückwünschte Herbert einmal über das andere zu der reizenden jungen Frau, welche er seelenvergnügt willkommen hieß und deren Glas er immer wieder mit dem seinen berührte. Frau von Hübel zeigte Rita ihre hübsche Wohnung, die drei hellbraunen Deckel, die einen Heidenlärm oollsührten und im Stall eine Menge Riesen- und Angora-Kaninchen französischer und belgischer Zucht. Die großen Thiere machten mit ihren fußlangen Haarlocken, den breit herabfallenden Ohren und sonderbaren Färbungen einen förmlich phantastischen Eindruck. Frau von Hübel wies mit Stolz auf die bereits Preisgekrönten unter ihnen und die zahlreiche, zu den schönsten Hoffnungen berechtigende Nachkommenschaft. AIs Papens endlich das Haus verließen, lachte Herbert hell auf:
„Dein Gesicht war bisweilen zum Malen, geliebter Schatz. Aber glaube nur, Hübels sind seelengute Menschen. Er ist außerdem ein vorzüglicher Soldat und ein schneidiger Reiter."
Nun gingen sie zu Hauptmann Wolter, dem Bruder
welches ihm anvertraut war von kaiserlicher Huld, um hier geordnete Zustände herbeizuführen, nicht bloß um des Kaisers Willen oder um seiner selbst willen, sondern weil er überzeugt war, daß Ihm die Aufgabe von oben gestellt war! Dasselbe können Wir bei allen Meinen Vorfahren verfolgen. Die großen Kämpfe nach außen, die Entwicklung und die Gesetzgebung nach innen sind immer nur von dem Gedanken geleitet gewesen der Verantwortlichkeit für das Ihm untergebene Volk, für das Ihm anvertraute Land."
In denselben Bahnen wandelt auch unser Kaiser. Das zeigten die tiefempfundenen Worte, in denen er seiner Orientreise gedachte: „Von allen Eindrücken der erhabendste und ergreifendste war doch nächst unserer Feier in unserer Kirche der, auf dem Oelberg zu stehen und die Stätte zu sehen am Fuße desselben, wo der gewaltigste Kampf, der je auf der Erde ausgesochten worden ist, der Kampf um die Erlösung der Menschheit von dem Einen ausgefochten wurde. Diese Thatsache hat mich dazu bewogen, an dem Tage gewissermaßen noch von neuem Mir den Fahneneid zu schwören nach oben, nichts unversucht zu lassen, um Mein Volk in sich zu einigen und das, was es trennen könnte, zu beseitigen." Wie ein guter Gärtner einen ihm anvertrauten Baum, so will der Kaiser die deutsche Reichseiche beschützen, fördern und pflegen, „die Zweige zurückschneiden, die überflüssig sind; auf die Thiere zu gehen, die seine Wurzeln benagen wollen, um sie aus- zurotten." Der Kaiser will also nicht nur positiv wirken, sondern auch — wie bisher — alle die bekämpfen, welche den Bau des Reiches zu untergraben, seine Festigkeit zu erschüttern drohen.
Wenn nun einige Blätter aus den Worten des Kaisers: „Sicher ist der Friede, der hinter dem Schild und unter dem Schwert des deutschen Michel steht" und „so lange in der Menschheit die unerlöste Sünde herrscht, so lange wird es Krieg und Haß, Neid und Zwietracht geben" einen Gegensatz zu der Friedens-Kundgebung des Czaren aufbauen wollen, so dürfte das verfehlt sein. Kaiser Wilhelm hat seine Friedensliebe oft genug betont, als daß sie je in Zweifel gezogen werden könnte. Und auch diesmal hat er seiner friedlichen Gesinnung Ausdruck gegeben, indem er seine Rede mit den Worten schloß: „Deswegen wollen wir trachten, daß wir Germanen wenigstens zusammenhalten, wie ein fester Block. An dieser rocher de bronce des deutschen Volkes,
des Doktors, der Herbert während seiner Krankheit behandelt hatte. Ein bildschönes, kleines Mädchen, etwa sieben Jahre alt, dem die tiefschwarzen Locken in das weiße Gesicht und die dunklen Wunderaugen hingen, öffnete die Thür und wies Papens in ein großes, niedriges, sehr einfach möblirtes Wohnzimmer:
„Mama ist zu Hause, ich werde sie rufen."
Als Herbert bat: „Komm Beatrice, gieb mir Dein Händchen und dieser Dame einen Kuß, schüttelte die Kleine lächelnd das Köpfchen und lief davon.
Eine große schlanke Frau mit dunklem, glatt gescheitelten Haar und wunderschönen Augen erschien sofort und begann mit dem jungen Paare eine Unterhaltung, der es an Leben und Interesse gebrach. Rita hatte das Gefühl, als spräche die Frau im Traume, so gleichgiltig und kalt kam ihr jedes Wort über die Lippen. Herbert fragte nach Hauptmann Wolter. Ein unbeschreiblich geringschätziges Lächeln ging über das Gesicht der Frau:
„Mein Mann malt", erwiderte sie.
„Dann besuchen wir den Gemahl in seinem Zimmer" rief Herbert aufspringend, „er hat es mir ein für allemal erlaubt. „Komm, Rita — Du mußt den lieben Kameraden kennen lernen."
Frau Wolter hielt die beiden nicht zurück — sie öffnete nur mit höflichem Gruße eine Thür, um den Besuch heranszulassen. Auf dein dunklen Vorplatz stahl sich ein warmes, zartes Händchen in Herberts Rechte.
„Gehst Du zu Papa, Onkel? Nimm mich mit, bitte!"