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HerWer Kreisblatt.

Gratisbeilagen:IUuftrirter Ss^ntagsbkatt" «.Illuftrirte landwirthschaftttche Vrttage".

$r. 22. Litltstag den 21. Mnm 1888.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 17. Februar 1899.

Mehrere Herren Orlsvorstände des hiesigen Kreises sind,noch mit Einreichung der 1897/98r Gemeinderechnungen im Rückstände, und sehe ich michdeßhalbveranlaßt, dieselben hierdurch aufzufordern, die Vorlage dieser Rechnungen spätestens bis zum 1. März dieses Jahres zu bewirken.

Der Königliche Landrath.

J. V.:

H e e g, Kreissekretär.

Wichlamtlichcr Tiseil.

3nni PrWcckMihscl in Frllilkreich.

Die Nachricht vom Ableben des Präsidenten Felix Faure traf die politische Welt gänzlich unerwartet. Die Trauerkunde rief überall eine tiefe Bewegung hervor, wie sie beim plötzlichen Heimgang des Stauts-OberHauptes einer europäischen Großmacht natürlich ist. Auch in Deutschland &^»4w4 -msu^ ur-L r^ Kmpfinduna__ menschlicher Theilnahme, die der Tod eines ehrenwerthen, um sein Vaterland wohlverdienten Mannes unwillkürlich erweckt. Die Reichsregierung hat gewiß im Sinne unserer öffentlichen Meinung gehandelt, als sie durch den Mund des Fürsten Hohenlohe bem Verlust des fran­zösischen Volkes vor dem deutschen Parlament würdige Worte des Beileids widmen ließ. In der politischen Gesammtloge aber wird das Hinscheiden Faures aller Voraussicht nach keine schwere Erschütterung zur Folge haben.

Zwar bedeutet für die ehrlich an der republikanischen StaatSform festhaltenden Politiker unsers westlichen Nachbarlandes der jähe Fortfall des verfassungsmäßigen Oberhauptes mehrere Tage hindurch eine nicht unbedenk- liche Lücke. Die Wahrscheinlichkeit sp-icht aber dafür, ; daß der leer gewordene Platz auf dem vorgeschriebenen Wege schnell einen neuen Inhaber erhalten wird, bevor noch die etwa für einen Staatsstreich im Sinne der - Familien OrleanS oder Bonaparte verfügbaren Kräfte Gelegenheit zum Handeln finden. Daß seit längerer Zeit Bestrebungen zur Beseitigung der bürgerlichen

Republik im Werke sind, daß namentlich für die Er­richtung eines dritten napoleonischenKaiserthums in einfluß­reichen Pariser Kreisen gearbeitet wird, ist unzweifelhaft. Aber gerade die Plötzlichkeit, mit welcher der Tod des Präsidenten ganz Frankreich überrascht hat, ist geeignet, Besorgnisse wegen einer gewaltsamen Umwälzung zu zer­streuen. Die Feinde der Republik sind der neuen Lage gegenüber so unvorbereitet, wie ihre Vertheidiger.

Fast ein Menschenalter besteht die gegenwärtige Grundverfassung des französischen Staatslebens. Ein großer Theil des Beamtenthums ist ihr treu, selbst die Generalität zählt noch starke republikanische Elemente. Den mittlern Klassen der Besitzenden bangt vor kliegeri- schen Verwicklungen mit dem Auslande, in die Frankreich durch einen vierten Kaiser Napoleon gestürzt werden könnte. Die Arbeiter-Bevölkerung will keinen neuen Thron ausgerichtet sehen. So fehlt die einheitliche ent­gegenkommende Stimmung, auf die namentlich ein Bona- parte, der die Krone vom Volkwillen empfangen möchte, angewiesen bleibt. Auch äußere Einflüsse stützen die Republik. Kaiser Nikolaus der Zweite von Rußland hat sich mit dem bürgerlichen Prästdenten so eng be­freundet, wie es ein geklöntes Oberhaupt der Franzosen vielleicht nicht erreicht haben würde, und auch der Papst niipd^,bnlt pi rA linst an bar ^ilhll MapnM^lif ninar Entschiedenheit eingetreten, die der höhern Geistlichkeit Frankreichs als Richtschnur ihres politischen Verhaltens gelten muß Vieles also spricht dafür, daß die Wahl des neuen Präsidenten ohne ernstere Verwicklungen vor sich gehen wird. Herr Felix Faure dürfte von den leichtlebigen Parisern bald über dem neuen Bewohner des Palastes in den elyserschen Feldern vergessen werden.

Politische Rachrichtcu.

Inland.

Berlin, den 19. Februar.

Se. Majestät der Kaiser traf gestern Abend gegen 6 Uhr von Hubertusstock hier ein und begab sich direkt vom Bahnhöfe zum französischen Botschafter, um dem­selben sein Beileid auszusprechen. Die Unterredung dauerte etwa 40 Minuten. Zur Beisetzung des Präsi­denten Faure begeben sich auf kaiserlichen Befehl der Generaladjutant Fürst Anton Radziwill, Oberstallmeister Graf Wedel, General a la suite von Scholl, der

Kommandeur des Alexander-Regiments Oberst von Moltke und der Major im Ersten Garde-Regiment von Plüskow nach Paris.

Se. Majestät der Kaiser Wilhelm sandte folgendes Telegramm an Madame Felix Faure in Paris : Tief bewegt durch die Nachricht von dem Tode Ihres Gemahls, des Herrn Präsidenten der französischen Republik; beeile Ich Mich, Ihnen auszusprechen, einen wie aufrichtigen Antheil Ich an Ihrem schmerzlichen Verluste nehme. Die Kaiserin vereint sich mit mir in dem heißen Wunsche, daß der allmächtige Gott Ihnen die Kraft geben wolle, die Trauer zu tragen, welche Sie heimgesucht hat.

DieN. A. Z." schreibt:. In einem hiesigen Blatt ist gefragt worden, was man von dem Scharfblick der leitenden Staatsmänner halten sollte, wenn diese im vorigen Herbst die Neisepläne Sr. Majestät des Kaisers infolge der damals in Alexandrien entdeckten Anzeichen einer anarchistischen Verschwörung abgeändert hätten. Demgegenüber mag daran erinnert sein, daß der Verzicht auf den Besuch Egyptens bereits am 8. Oktober v. Js. durch eine Berliner Meldung desWolfffcheu Bureaus" der Presse mitgetheilt worden ist, und zwar unter aus­drücklichem Hinweis darauf, daß diese Abänderung des SHjiunfnna_hnrA_fflriinhabar_in nar.ni _Q^asit»^^ ... .-Ll. sei. Von einem verbrecherischen Anschlag gegen die Kaiserlichen Majestäten war vor der Auffindung der Bomben in Alexandrien, die erst am 13. Oktober er­folgte, an amtlicher deutscher Stelle nichts bekannt.

Zur Vermehrung der Feldartillerie wird noch gemeldet: Die vom Abgeordneten Bafsermann verfaßte Uebersicht ergab folgendes Bild von den gegen­wärtigen Artillerie-Stäcke-Verhältnissen. Rußland hat 555 Batterien, Frankreich 508 Batterien Friedens-For- mation; das sind zusammen 1063 Batterien. Der Dreibund hat zusammen 955 Batterien, davon kommen auf Oesterreich-Ungarn 254, auf Italien 207, auf das Deutsche Reich 494. Also sind Rußland und Frankreich um 108 Batterien voraus. Nun soll das Deutsche Reich 80 Batterien mehr erhalten, was den bestehenden Vor- sprung der für einen Landkrieg allein in Betracht kom­menden Mächte einigermaßen ausgleicht. Die Kommission begriff, was der Kriegsminister wiederholt betonte: daß die Militär-Verwaltung, bevor sie mit jenen Forderungen gekommen ist, die Verhältnisse anderwärts studiert hat, und daß der Friede nur durch unsere gute Heeresrüstung

Seine junge Frau.

Roman von I d a von C o n r i n g.

(Fortsetzung.)

Käthe ließ sich küssen und meinte dann etwas spitz: Empfängst Du Deine Visiten immer in der Küche, Rita? Ich bin auf einen Tag von Stettin herüberge­kommen, wo ich meine Schwägerin besuchte. Aber ich fürchte, Dich zu stören. Du hast Besuch"

Bohlen war auch dieser Situation gewachsen. Er legte sein Butterbrod fort, löste ruhig die Bänder seiner Schürze und bat Rita, ihn vorzustellen. Dann empfahl er sich mit tiefer Verbeugung und ging zu Herbert.

Komm in mein Zimmer, Käthe, wie herrlich, daß ich Dich einmal wieder habe! Leider ist mein Mann nicht wohl aber ich hoffe, er wird Dir zu Ehren, aufstehen können! .

Rita führte ihren Gast durch die Wohnung in das schiefwinklige Schlafzimmer.

Arme Rita", sagte Käthe in tragischem Tone,wre kannst Du das Leben hier überhaupt ertragen. Diese Wohnung erstaunt mich nicht mehr, nachden ich die so­genannte Stadt gesehen habe. Keine Droschke und dies Pflaster! Mir thu» die Füße von den wenigen Schritten, die ich gegangen bin, weh! Und die Leute verstanden mich nicht einmal, als ich nach Eurer Wohnung fragte. Ich mußte umkehren und mir einen Kellner mitnehmen. Das ist ja viel schlimmer, als ich fürchtete. Was wollte ? der Leutnant in Deiner Küche?"

Mein Mädchen ist krank", sagte Rita kleinlaut.

Sie begann sich der harmlosen Sache zu schämen. Er hat nur ein bischen geholfen, weil ich so ganz rathloS war."

Käthe, warf einen Blick gen Himmel und sagte nichts mehr. Sie nahm nur Ritas Hände in die ihren und betrachtete sie prüfend und kopfschüttelnd.

Kann ich Deinen Mann sehen? Ich möchte gerne, daß Du mit mir ins Hotel kommst, da ich in zwei Stunden wieder abreise, Rita."

Herbert richtete sich aus der Chaiselongue empor und begrüßte seinen Gast sehr heiter und erfreut.

./Natürlich begleitest Du Deine Freundin, Rita. Bohlen ist gegangen, um König Bescheid zu sage», beide werden mir Gesellschaft leisten wir spielen dann ein bischen Skat "

Rita verschwand, um Toilette zu machen, und Käthe, die nicht mehr an sich halten konnte, rief erregt:

Aber Herr von Papen, was ist aus Rita geworden ? Sie "sieht blaß und abgearbeitet aus und hat nicht ein­mal die nothwendigste Dienerschaft. Geschieht es mit Ihrem Willen, daß sie in so bedenkliche Situation geräth, wie die, in welcher ich sie autraf

Inwiefern glauben Sie, daß die Situation, in welcher Sie Rita fanden, bedenklich sei, Fräulein Mirow? Für ihre Gesundheit, ihre Moral oder ihre gesellschaftliche Stellung?" fragte Herbert lächelnd.

Ach, Sie weichen mir aus", rief Käthe heftig. Sie wissen wohl, daß man Rita hier Dinge zumulhet, j für die sie urcht erzogen wurde, für die sie, weiß Gott, zu schade ist."

Rita macht momentan eine Lehrzeit durch", sagte Herbert ruhig.Das ist keine leichte und angenehme Periode. Sie gab ihre Equipage, die Theaterloge, den Toilettenluxus auf als sie m. ine Frau wurde, und that es gern. Nun kommt das zweite Stadium, das ich ihr nicht ersparen kann das der Selbstenläußerung. Rita verzichtet auf ihre bisherige Weltanschauung. Sie lernt ihre Wünsche, die allzuseine Aeußerung ihrer Ansichten meiner dienstlichen Stellung unterordnen, sie lernt, sich in eine große, sestgegliederte Gemeinschaft einzufügen und entwickelt sich mit einem Worte aus einem verwöhnten Töchterchen, das feine kleine Person für den Mittelpunkt des Weltalls hielt, zu einer lieblich sorgenden, entsagenden Gattin uub Hausfrau, die sich ihrer Opfer kaum bewußt ist."

Was für ein heilloser Egoismus aus dieser ehe- herrlichen Rede spricht", zürnte Käthe.

Herbert war sehr ernst geworden:

Ich stand Ihnen Rede, Fräulein Mirow, weil ich weiß, daß Sie Ritas Freundin und ihr sehr lieb sind. Nicht etwa, um selbstverständliche Dinge zu entschuldigen. Lassen Sie Rrta ihr Schicksal auf eigenen Schultern tragen. Sie machen es ihr durch Bedauern und Klagen über kleinliche, unvermeidliche Unannehmlichkeiten nicht leichter."

Käthe schob zornig die blitzenden Ringe an ihren rosigen Händen hin und her und rief dem eintretenden Bohlen in ihrer ungenirten Manier entgegen:

Sie sind natürlich davon überzeugt, daß es kein für ein junges Mädchen beneidenswertheres Schicksal