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Grattsbeilagen r3 liustritt es Sonnragsblatt" «.Iürrstr^te landwirthschaftliche Vettage".

Nr. 25.

Iitiiftaz ho 28. Fcbrmr

1888.

VestellmnKen auf das Hersfelder Kreisblatt für den Monat März 1899 werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 22. Februar 1899.

Auch in diesem Jahre können einige arme scrophulöse Kinder aus dem hiesigen Kceiie zu einer Badekur (von längstens 4 Wochen) in die Kinderheil - Anstalt zu Sooden a/W. auf Kleiskosten ausgenommen und verpflegt werden.

Die Herren Bürgermeister werden angewiesen, die Eltern ober Angehörigen der einer solchen Badekur be» dürftigen Kinder ihrer Gemeinden hierauf aufmerksam zu machen. Aufnahmefähig sind Knaben im Alter von 3 bis 12 und Mädchen im Alter von 3 bis 14 Jahren. Anmeldungen sind möglichst bald dahier einzureichen.

J. I. Nr. 1016 Der Königliche Landrath.

J. V.:

H e e g , Kreissekretär.

Hersseld, den 27. Februar 1899.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung meiner Verfügung vom 9. ds. Mts. J. II. Nr. 393, Kreisblatt Nr. 19, Bekanntmachung des dies­jährigen Ersatz-Geschäftes betreffend, im Rückstand sind, ; werden hierdurch mit Frist bis zum 2. M ä r z d. I. bei M e i d u n g von 3 Mark Strafe hieran er­innert.

I. II. Nr. 393. Der Königliche Landrath.

I V.:

H e e g , Kreissekretär.

Uichtamtllchrr Theil.

iinii RchtsOze.

Wie eifrig die Socialdemokratie bemüht ist, die

be­

stehende Ordnung umzustürzen, zeigt sich auch deutlich an ihrer Stellung zur Rechtspflege. Zu den stärksten Pfeilern

Seine junge Frau.

Roman von Ida von Conring.

(Fortsetzung.)

Frau Wolter stand, die verschlungenen Hände auf eine Stuhllehne gestützt, neben der Bahre ihres Gatten. Ein Ausdruck furchtbarster, starrer Trostlosig­keit lag in ihren Augen. Rita sah mit Erschütterung, daß das weiche, dunkle Haar der Frau in dieser Nacht ergraut war.

Beatrice kam schüchtern näher, sie umfaßte die Knie der Mutter und rief mit thränenerstickter Stimme:

Mama, Mama, mein lieber, guter Papa ist todt!" Die Frau beugte sich sanft zn der Kleinen hinab, aber sie sprach nicht.

Wer wird uns jetzt lieb haben?" klagte das Kind. Da ging es wie ein Zittern durch MathildenS Gestalt, ihre Knie wankten, und mit herzerschütterndem Weinen brach sie an dem Sarge zusammen.

Vergieb mir, Erich, vergieb mir!" stammelte sie, ihr Kind aber hielt sie fest, fest an die Brust gedrückt. Rita und Doktor Wolter verließen leise das Zimmer sie wußten beide, daß das Eis gebrochen, daß nicht» mehr zu fürchten war.

Das Leichendegängniß war ein großartiges, wie Kielitz kaum je ein solches gesehen hatte. Neben dem vollzählich erschienenen Offizierkorps und den Herrn der Umgegend folgten der Bürgermeister, die Stadtverord­

des Bestehenden gehört ohne Frage ein unabhängiger und in dem Vertrauen des Volkes festgewurzelter Richter- stand. Das weiß die Socialdemokratie, und eben deshalb setzt sie alle Hebel in Bewegung, um die Sicherheit der Rechtspflege zu erschüttern und den Glauben an die Un­parteilichkeit unsers Richterstandes zu zerstören. Einen treffenden Beweis hierfür liefert die Reichstags-Sitzung vom verflossenen Donnerstag.

Es handelte sich um die bekannte Löbtauer Angelegen­heit. Bei ihrer Erörterung verließen die Soclaldemo- kraten völlig den Boden der Gerechtigkeit und Wahrheits­liebe. Das in dem Prozeffe gefällte Urtheil wurde in allen Einzelheiten rein vom parteipolitischen Standpunkte aus kritisiert. Man nannte die wahrheitsgetreue Ver­öffentlichung des SachverhaltS eineTäuschung", man sprach vonSchubseret" undPrügelei", wo es sich laut richterlicher Feststellung doch um wirklich bestialische Roheiten handelt, man zeterte überexorbitante" und grausame" Strafen, während dieselben in Wirklichkeit noch beträchtlich hinter dem für derartige Verbrechen zu­lässigen Höchstmaße Zurückbleiben, ja, einer der social­demokratischen Redner scheute sich nicht, das Urtheil drS Dresdner Schwurgerichts einSchandmal der Justiz" zu nennen.

Wohin eine derartige Kritik richterlicher Urtheils- Sprüche am letzten Ende führen muß, legte in vortrefflicher Weife Staatssekretär Nreberding dar. Der Richter soll dieser Darlegung zufolge unabhängig von der Stimme des Reichstages nach Maßgabe des Gesetzes und seines Gewissens urtheilen; unter keinen Umständen darf er auf das böten, was einzelne Abgeordnete, die im Namen des Reichstages zu sprechen meinen, an bestimmten Fällen kritisierend auszusetzen wissen. Mit Fug und Recht verurtheilte der Staatssekretär aufs entschiedenste die socialdemokratische Manier, vor dem Reichstage aus einzelnen flüchtig erwähnten Fällen vergleichende Schluß­folgerungen zu ziehen.

Wie kann sich denn der Reichstag in der Kürze des Augenblickes auch nur ein einigermaßen zutreffendes Urtheil bilden! Dazu gehört doch der persönliche Ein­druck der Angeklagten, dazu gehört die Vernehmung der Zeugen, kurz der ganze gerichtliche Apparat. Auf solchem Wege, wie die Socialdemokrat'e ihn einzuschlagen beliebt, ist es freilich leicht, hier die Nichtbewilligung mildernder Umstände unbegreiflich zu finden, dort die Milde des Urtheils zu tadeln und überhaupt das Phantom einer verwerflichen Klassen-Justiz" der juristisch ungeschulten Menge vor Augen zu zaubern. Ein ehrlicher und wahr­

neten und die angesehensten Bürger dem Zuge. Sie alle wollten durch ihre Gegenwart den schlichten Todten ehren, der im Dienst der Nächstenliebe sein Leben ge­opfert hatte. Rita, die noch nie ein militärisches Be- gräbniß gesehen, war durch den düstern Pomp tief er­schüttert. Die umflorte Fahne, die man dem Sarge vorantrug; das Reitpferd, welches ihm nachgesührt wurde, der eigenartige, markerschütternde Ton der gedämpften Trommeln, die todtesernsten Klänge des Beethovenschen Trauermarsches machten einen überwältigenden Eindruck auf sie. Keine der Damen hatte sich ausgeschlossen, sie folgten dem Trauerzuge zu Wagen, und hörten am Grabe die schlichte Rede des Geistlichen an. Er sprach über den Text: Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben lässet für seinen Bruder. Wie groß die Aufopferung und Liebesfähigkeit des Herzens gewesen, das da jetzt kalt und still, im Sarge, unter den mit dumpfem Klang herabpolternden Erdschollen log, das wußte wohl nur die schwarzverschleierte Frau, die, ihr Töchterchen neben sich, »och lange am frischen Grabe kniete, nachdem sich alle Leidtragenden entfernt hatten.

Die nächste Zeit verlief still, wie gewöhnlich, für Herbert und seine Frau. Thilo wurde als Bezirkskomman- deur in seine Heimath Schlesien versetzt, der einzigen Provinz, wo ein vernünftiger Mensch leben könne, wie er glückstrahlend äußerte.

Wissen Sie," sagte er bei dieser Gelegenheit zu

heitsliebender Mensch aber wird sich von einem derartigen Verfahren mit Widerwillen abwenden.

Der Staatssekretär schloß mit den Worten:Welchen Gefahren setzt sich der Reichstag aus, wenn er die öffentliche Meinung in dieser Weise beeinflußt! Dann ist unsere ganze Rechtspflege verloren!" Damit ist scharf und deutlich gesagt, worauf die Socialdemokratie lossteuert, indem sie, um in der heuchelnden Sprache des Vorwärts" zu sprechen, den Reichstag zumAppellhofe der öffentlichen Dleinung" macht, und jeder Freund des Vaterlandes wird es dem Regierungs-Vertreter herzlichen Dank wissen, daß er nach dieser Richtung hin die Um­sturzpartei ihrer trügerischen, mit dem Schilde des Rechts­schutzes geschmückten Maske entkleidet hat.

Politische Nachrichten.

Inland.

Berlin, Den 25. Februar.

Se Majestät d e r K a i s e r unternahm heute Morgen den gewohnten Spaziergang und wohnte um 10 Uhr der Schlußbesichtigung in der Militär - Turn- anstalt bei. Später hörte Allerhöchstderselbe die Vor- träge des Chefs des Generalstabes, Generatabzulanten, Generals der Kavallerie Grafen v. Schliessen und des Chefs des Militärkabinets, Generaladjutanten, Generals der Infanterie v. Hahnke. Um P/4 Uhr fand bei Ihren Majestäten zu Ehren des Geburtstages Seiner Majestät des Königs von Württemberg eine Frühstücks- taset statt, zu welcher geladen waren die Chefs des 'Militär- und des Civilkabinets, Erbprinz zu Wied, württem- bergischer Gesandter Frhr. v. Varnbüler, Generalmajor Frhr. v. Walter, Major Schäfer, die Ministerialdirektoren v. Schicker und v. Fischer, Ober-Kriegsrath v. Schaefer, ferner der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe-Schillings- fürst, Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Slaats- minister v. Bülow, Hofmarschall Frhr. v. Reischach.

S e. M a j e st ä t d e r K a i s e r und König hat an den Direktor der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt- gesellschaft Herrn Ballin folgendes Telegramm gerichtet: Mtt tiefem Danke gegen Gott, der in so wunderbarer Weise Schiff und Mannschaft gerettet hat, spreche Ich Ihnen Meine wärmsten Glückwünsche zur Errettung der Bulgaria" aus. Der Kapitän Schnndt hat in echter deutscher Seemannsart in festem Gottvertrauen einen 24 tägigen Kampf auf Leben und Tod siegreich gegen den Ozean ausgefochten, unterstützt von einer aufopfern-

Herbert,es ist keine Kleinigkeit für einen Mann, der . sieben Kinder und eine kranke Leber hat, wenn er, an der Majorsecke stehend, jeden Tag den blauen Brief erwartet. Auf diesem Posten kann ich jahrelang in ' Ruhe bleiben und, wie es im Katechismus heißt: ein ; ruhiges und stilles Leben führen, in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit Es kommt so leicht nicht vor, daß die hochmögenden Herrn da oben einem Bezirkskommandeur den Hals umdrehen "

Rita nahm die sieben Kinder tagelang in ihre Ob­hut, bis die geplagte Mutter das Packen und den Um- zug besorgt hatte. Es wurde ihr gar nicht schwer, die wilde Schar ruhig und artig zu halten. Sie erzählte Geschichten und Märchen, Herbert schnitt in dienstfreien Stunden, deren es leider immer noch nicht viele gab, Puppen, Thiere und dergleichen aus Papier, sonnte auch allerlei nützliche und angenehme Dinge aus Holz und Pappe verfertige», und wenn die wilden Buben gar nicht Ruhe geben wollten, durften sie bei der dicken Liese in der Küche toben der wurde es nicht so leicht zu viel.

Es that Rita förmlich leid, als sie ihre kleinen Gäste nach unzählichen Küssen, Umarmungen und feier­lichen Gelöbnissen,! sie nie zu vergessen, wieder hergeben mußte. Aber an Arbeit fehlte es ihr nicht mehr. Wie kurz waren die Tage für alle ihre Geschäftigkeit! Die Musik verlangte ernstes Weiterstreben, die Armen­besuche, die sie mit Frau von Hübel machte, wurden