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Geati^bettaKen: „IUuftrirtes Sonnragsblatt" u. „Illustrivte landwirthschaftliche VeUage
Ir. 29.
Ismerftag )tB 1 März
1899.
Politische Nachrichten.
Inland.
Berlin, den 7. März.
Ihre Majestäten der K a i s e r und die Kaiserin unternahmen gestern Nachmittag eine Ausfahrt und be- suchten Abends um 8 Uhr das Konzert im königlichen Opernhause. — Heute Vormittag unternahmen Beide Majestäten einen gemeinsamen Spaziergang; Se. Ma- i jestät der Kaiser sprach sodann beim Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staatsminister v. Bülow, vor. Ins königliche Schloß zurückgekehrt, hörte Allerhöchstderfelbe den Vortrag des Chefs des MilitärkabinetS, Generalad- jutanten, Generals der Infanterie v- Hahnke, und des , stellvertretenden Chefs des MarinekabinetS, Fregattenkapitäns von der Groeben. Um 12t/.2 Uhr wohnte der Monarch der Taufe des Sohnes des Grafen und der Gräfin zu Lynar bei.
Im Reichstage kamen am Montag bei Berathung des Reichs-Jnvalidenfonds verschiedene Resolutionen zu Gunsten der Veteranen und der Militär-Invaliden zur Erörterung. Die Redner der Konservativen, Ratio- naüiberalen, Hes C/ntrumS, der Freisinnigen und Antisemiten wetteiferten mit einander in der warmen Unterstützung der Ansprüche der Veteranen und Invaliden, während der Staatssekretär des ReichsschatzamteS von Thielmann, ohne bestimmte Versprechungen für die Zukunft zu geben, sich bemühte, das bisherige Verhalten der verbündeten Regierungen in dieser Frage gegen die Vorwürfe einiger Redner zu verteidigen. Die Resolutionen wurden schließlich einstimmig angenommen.
Das preußische Abgeordnetenhaus hat V am Sonnabend das Extra-Ordinarium des Eisenbahn- EtalS ohne erhebliche Debatte bewilligt. — Am Montag beriet das Haus den Etat für Handel und Gewerbe. Die Abgg. G a m p (freik.) und Graf K a n i tz (fünf.) ' traten dafür ein, daß die Zulassung ausländischer Werthe in Deutschland verwehrt werde im Interesse einer Ver- billigung des Diskoulsatzes der Reichsbank, an welcher Hurdmirtbsckast und Gewerbe ein großes Interesse hätten, tristerer wünscht ferner, daß die atrßerhalb der preußischen Grenze errichteten Hypotheken banken, die in Preußen Geschäfte machn, den p-eußischen Normal-Bestimmungen Ä unterworfen werden. Abg. Dr. B a r l h (freis. Vg ) wandle sich gegen jeden Eingriff in die freie wirthschaft-
liche Entwicklung. Handelsminister B r e f e l d stellt fest, daß ihm in den angezogenen Fällen keine Einwirkung zustehe. Abg. Dr. Hirsch (freis. Vp.) beantragte die Einstellung weiblicher Fabrik-Inspektoren in Bezirken, in denen viele Arbeiterinnen beschäftigt werden. Abg. Dr. Hitze (Centr.) wünschte, daß Versuche mit weiblichen Fabrik-Inspektoren zunächst auf einige Gewerbezweige und einzelne Bezirke beschränkt würden. Minister B r e f e l d erklärte, daß über diese Frage noch Ermittlungen schwebten und daß er ihr nicht unsympathisch gegenüberstehe. Abg. G a in p beantragte zu dem Anträge Hirsch, daß nur weibliche Hilss-Beamtinnen angestellt werden, so daß die Verantwortung immer bei dem Aufsichts-Beamten bleibe. In dieser Fassung erklärten sich auch die Redner der Nationalliberalen und der Konservativen für den Antrag Hirsch. Der Titel „Ministergehalt" wurde schließlich genehmigt. — Man hofft im preußischen Abgeordnetenhaus« mit dem Etat bis zum 14. März fertig zu sein. Läßt sich dies nicht anders ermöglichen, so werden Abend-Sitzungen zu Hilfe genommen werden.
Die Justiz-Kommission des Reichstages hat die erste Lesung der Eides-Vorlage beendet. Der Zeugeneid wurde in der bisherigen Form beibehalten, ein beantragter Zusatz „nach bestem Wissen und Gewissen" mit 10 gegen 6 Stimmen abgelehnt; ebenso mit geringer Mehrheit die Aufnahme einer dem Glaubens - Bekenntnisse entsprechenden BekräftigungsFormel. Schließlich wurde mit 15 gegen 3 Stimmen beschlossen, die Bestimmung über die Eidesleistung nicht selbstständig zu verabschieden, sondern in die vom Abg. Rintelen beantragte Strafprozeß - Ordnungs - Novelle, welche vor allem die Einführung der Berufung bezweckt, aufzunehmen.
Dem Reichstage ist heute die Novelle zur Gewerbeordnung zugegangen, betr. Konzessionspflicht der Gesindemakler, Schutz der Ladenangestellten und der jugendlichen Arbeiter in der Konfektion rc.
Im Reichstage werden, wie j»tzt feststeht, dieOster- ferien am 21. März beginnen und werden bis zum 11. April währen. Bis dahin sollen der Etat in zweiter und dritter Lesung, die Militärvorlage, deren zweite Lesung in der Budgetkommission in nächster Woche nach Durchberathung des Kolonialetats stattfinden wird, in zweiter und vielleicht auch dritter fung, die Novelle zum Postgesetz in erster Lesung beraten worden sein.
Ueber die V e r u n g l ü ck u n g e n (T o t a l v e r -
luste) deutscher Seeschiffe in den Jahren 1896 und 1897 sind in dem 1. Heft des Jahrgangs 1899 der Bierteljahrshefte zur Statistik des Deutschen Reichs einige Zusammenstellungen veröffentlicht. Hiernach sind 1896 (Die Angaben für 1897 sind noch nicht vollständig (84 deutsche registrirte Seeschiffe mit einem Raumgehalt von 36 282 Reg.-Ton« brutto und 30 967) Reg. Tons netto verloren gegangen. Dabei büßten von 1006 an Bord gewesenen Personen (784 Mann Besatzung und 222 Passagieren) 392 (178 Mann Besatzung, 214 Passagiere) ihr Leben ein. Im Vergleich zum Bestand der registrirten deutschen Seeschiffe am 1 Januar 1896 beträgt der Schiffsverlust 2,31 v. H. Dagegen bezifferte sich der Verlust in den Jahren 1895, 1894, 1893 und 1892 auf 4,15 v. H., 3,24 v. H, 3,35 v. H. und 2,80 v. H. des Schiffsbestandes am Anfang des betreffenden Jahres. Für die Schiffsbe- satzung berechnete sich das Verlustverhältniß derart, daß in den I ihren 1896, 1895, 1894, 1893 und 1892 1 Mann von je 225, 107, 154, 150, 158 Seeleuten, welche auf deutschen Schiffen dienten, verunglückte.
Nachdem durch das Handelsgesetzbuch vom 10. Mai 1897 eine zweckmäßige Regelung der rechtlichen Verhältnisse der Angestellten im Handelsgewerbe erfolgt ist, beabsichtig! die dem Reichstage zuge^angen« Novelle zur Gewerbeordnung, die bereits geltenden Vorschriften zum Schutze der Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter in offenen Läden weiter auszugestalten und auf eine festere Unterlage zu bringen, sowie die sozialpolitischen Interessen dieser Berufsstände zu ordnen. Zu diesem Zwecke soll der Gewerbeordnung eine Reihe neuer Paragraphen eingefügt werden. Den in offenen Verkaufsstellen beschäftigten Personen, auch den Geschäfts- dievern, Packern u. s. w, soll in Zukunft nach beendetem Tagewerk eine Ruhezeit von mindestens 10 Stunden gewählt werden. Außerdem ist allen diesen Personen eine angemessene Mittagspause einzuräumen In der einen wie in der anderen Richtung ist der vorliegende Gesetzentwurf, welcher übrigens die Alleinbe- triebe seiner Natur nach nicht berührt, bestrebt, den thatsächlichen Zuständen der Gegenwart die größtmögliche Schonung angedeihen zu lassen. Er verzichtet auf die ' Festsetzung bestimmter Ruhepausen während der Laden- stunden und begnügt sich damit, bei solchen Geschäften, : welche ihr Personal selbst beköstigen, den Ladeninhabern lediglich die Gewährung einer „angemessenen" Pause
Mari e.
Erzählung aus dem AuSwandererleben in Nordamerika. Nach dem Dänischen von F r i e d r. v. K ä n e l.
(Fortsetzung.)
Das Schiff fvhr von bannen. Vor ihrem Blick schien das Land davor zurückzuweichen, während sie durch das kleine runde Fenster neben der Koje starrte. Cux- Hafen mit dem spitzen Vorsprung davor und die ganze Küstenlinie wichen weiter und weiter zurück, bis sie • verschwanden. Nur Meer und Himmel war zu sehen. Später stieg eine kurze, hohe, geschwungene Küste aus dem Meere aus. Es war Helgoland« Felsenmauer — und dann wieder nichts mehr, außer Himmel
4 und Meer
„Brot holen! . . . Raffer holen! . - . Butter holen!"
Diese Rufe ertönten in verschiedenen Zwischenräumen ; aber Marie verstand nicht eine Silbe davon, bis einige deutsche Mädchen mit mehreren weißen Broten in den Armen kamen und sie auf die Koffer und in die Kojen legten — dann in blechernen Töpfen und Eimern Butter und Wasser holten — lachend, schwatzend und gestikulierend. Sie redeten Marie deutsch an ; aber sie schüttelte den Kopf. Da bestricken sie Brot und boten es ihr an, und nun verstand sie, daß sie mit ihr theilen wollten; aber sie hatte keine Eßlust.
Später befreundete sie sich mit der schwedischen Tilda, ^i“ und sie begleiteten einander hinauf auf Deck und am Abend wieder hinab zu den Kojen.
Hier sollten ein paar hundert jüngere Mädchen im gleichen Raum schlafen, und von ihnen durch eine Bretterwand getrennt, waren wenigstens ebenso viele ledige Männer eingepfercht. Auf der anderen Seite befanden sich die Familien. Die Luft wurde bald schwül, und Marie kämpfte mit der Seekrankheit.
Weiter draußen wurde das Meer unruhig, und nun war es Nacht — die erste, entsetzliche Nacht auf dem Meer mit den auf allen Seiten stöhnenden, klagenden, seekranken Menschen — den stampfenden und schaukelnden Bewegungen und den angstvollen, schmerzhaften Gefühlen. . .
III.
Die Sonne schien Marie in die Augen, als sie am nächsten Morgen den Kopf über das Deck empor streckte, so rotwangig und lächelnd, als wenn sie nie an der Seekrankheit gelitten hätte. Sie hatte während der letzten Stunden auf dem Kanal geschlafen, und dies genügte, um wieder das Gleichgewicht der Gesundheit herzustellen. Nun wollte sie sich das große Meer vom Deck aus betrachten.
Nygaard und Andrea« nebst einigen andern Dänen kamen und boten ihr „guten Morgen" und fragten, ob sie erraten könne, wo sie sich befinde.
Sie wandte den Blick gegen Süden, dort sah sie eine sanfte, wellige Küstenlinie in der Entfernung von ein paar Flintenschüssen, lief am Wasser, aber nach dem Innern aufsteigend.
„Ist es nickt, als sähest du ein Stück von Füllen vom Meer aus?" fragte Nygaard.
„Ja — aber wo sind wir denn?"
„Sieh mal nach Westen," fuhr der Baumeister fort und drehte sie um.
Sie sah nur, wie sich die Wellen an einem steilen Abhang brachen, dessen röthlichgrane Thonmassen in der Sonne leuchteten und dessen oberer Rand mit dem frischen Grün des Frühlings bekleidet war.
„Was ist denn das und wo sind wir?" Sie stand verwundert und die andern lachten.
„Tritt hier an die Reeling und sieh nach Norden," sagte gtygaarb und bahnte ihr den Weg durch die Menge, die hinausblickte. Da lag das Schiff im Hafen neben einer hübschen Stadt, deren Dächer und Fenster im Sonnenschein strahlten
„Reizend — reizend!" hörte sie einen Mann sagen, der mit einem Operngucker neben ihr stand und auf die Stadt hinaus zeigte, die flach und belebt dicht am Hafen lag, dahinter aber in Teraffen mit großen, prächtigen Gebäuden anstieg, bis sich ganz oben die Straßen in einzelstehende Villen auf lösten, die sich halb im Walde vetbargen
Sie begriff noch immer nichts und alle ergötzten sich an der Ueberraschung des muntern fünensischen Mädchens, ihren kindlich treuherzigen Ausrufen der Verwunderung und eifrigen Fragen: „Wo sind wir doch? Ist das New York?"
„Das ist Havre!" sagte Andreas, der sich ihrer Un-