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Dienstag den 14. März

1899.

Amtlicher Theil.

Hersseld, den 9. März 1899.

Auf Dienstag den 28. März 1899, Vor­mittags 10 Uhr ist eine Kreistagssitzung in den Saal des hiesigen Rathhauses anberaumt worden.

Tagesordnung.

1. Feststellung des Kreishaushalls-Etats für 1899/1900. (§ 84 der Kreisordnung.)

2. Beauftragung einer Commission aus den Mitgliedern des Kreistags mit Prüfung der demnächst aufzu- stellendenKreiskommunalkassen-Rechnungfür 1898/99. (§ 87 der Kreisordnung.)

3. Wahl von je 7 Vertrauensmännern für den Aus- schuß bei den Amtsgerichten Friedewald, Hersfeld, Niederaula und Schenklengsfeld zur Mitwirkung beider in 1899 stattfindenden Auswahl der Schöffen und Geschworenen für das Jahr 1900 (§ 40 des Gerichtsverfassungsgesetzes vom 27. Januar 1877, Reichsgesetz-Sammlung Seite 49 von 1877 und § 35 des Ausführungsgefetzes zum Deutschen Gerichtsver­fassungsgesetz vom 24. April 1878, Gesetzsammlung Seite 237 von 1878).

J. A. 400. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Rath.

H»!llllÄc Rüchetchicu

Inland.

Berlin, oen 12. März.

S e. Majestät derKaiser unternahm vorgestern Nachmittag einen Spazierritt und besuchte Abends die Vorstellung derStummen von Portier" im königlichen Opernhaus, wo auch das Souper eingenommen wurde. Heute früh um 8 Uhr hörte Se. Majestät den Voc- trag des Chefs des Militärkabinets, Generoladjutanten, Generals der Infanterie v Hahnke, und daran anfchließend deinen wen des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts, ^^^WaatSministerS v. Bülow. Um 9 Uhr 25 Min begab sich Allerhöchstderselbe mit Sonderzug nach Potsdam, wohnte dort den Reitbesichtigungen der Offiziere der Garde-Kavallerieregimenter bei und nahm das Frühstück beim 1. Garde-Ulanenregiment ein.

2.11 a r i e.

Erzählung aus dem Auswandererleben in Nordamerika. Nach dem Dänischen von F r i e d r. v. K ä n e l.

(Fortsetzung.)

O nein, ich möchte viel lieber gleich mit Dir reisen!" hörte er Marie unter Weinen sagen.

Es war Nygaard, der antwortete. Er sprach sanft und eindringlich, und seine Stimme zitterte unmerklich.

,Nein, nein, liebe Marie, das kannst Du doch nicht!" sagte er.Du mußt ja zu Deiner Tante! Sie wird wohl eintreffen, um Dich zu empfangen; sonst will ich Dich hinauf zu ihr begleiten. Weine nun nicht mehr, Mariechen! Es wird wohl noch alles gut!"

Eine Weile hörte man nur das Weinen, da begann sie wieder:

Du hast mir ja Deine Adresse nicht gegeben!"

Hier ist sie . . . da ist meine Karte! Ich lege sie in Deine Tasche!" antwortete er. Und ein wenig nach­her fügte er hinzu:Wenn es Dir bei Deiner Tante nicht gut gehen sollte, so schreibe mir !"

Sonst nicht?" ertönte es zweifelnd und schmerzlich.

Es war eine Weile ganz still, und er schien auf ihre Frage nicht zu antworten. Das Schiff legte unterdessen am Lande an, und nun sagte er gedämpft und sanft:

Nun müssen wir uns trennen. Lebe wohl, Mariechen!" Lebe wohl!"

Erhalte ich einen Kuß zum Abschied? . . . Dann gehen wir! Dein Reisegepäck trage ich!"--

Heute beging Se. königliche Hoheit der Prinz- Negent Luitpold von Bayern den 78. Ge­burtstag. Am gleichen Tage war ein Jahrhundert verflossen, daß die jetzt regierende königliche Linie des Hauses Wittelsbach den bayerischen Thron bestieg. Aus Anlaß dieser Zentenarfeier des Hauses Wittelsbach sagen dieBerliner Neuesten Nachrichten" :Seit fast einem Menschenalter ist nun Bayern ein wichtiges und hochge­achtetes Glied des neu geeinten Deutschen Reiches. Und wie schon vor 100 Jahren den Hohenzolleru gerade die pfälzischen Wittelsbacher besonders nahe standen und ihr Besteigen des bayerischen Throns preußischerseits alle Sympathie und Förderung fand, so herrscht auch heute zwischen den Herrschern Bayerns und Preußens, zwischen Prinz-Regent Luitpold und Kaiser Wilhelm, politisch und persönlich ein für unser Gesammtvaterland segensreiches, gutes und herzliches Einvernehmen. Prinz-Regent Luil- pold hat sich bei allen wichtigen Gelegenheiten stets als feste Stütze des Deutschen Reiches erwiesen. Mit be- neidenswerther körperlicher Frische tritt er in sein neun- undsiebzigstes Lebensjahr. So werden ihm und dem Bayernlande zu der heutigen Feier aus allen deutschen Gauen sympathische Gedanken und Wünsche zufliegen."

Manchen wird es überraschen, zu hören, daß Rhodes, der reiche Dramantminen-Besitzer von Kim- berley, der frühere Minister-Präsident von Kapland, der rücksichtsloseste Vertreter der britischen Expansions-Politik in Südafrika, der Eroberer weiter Landstrecken und Be­dränger der Buren - Republik, am letzten Freitag in Berlin eingetroffen ist, um Verhandlungen über sein großes Lieblings-Projekt, den Bau einer Eisenbahn und einer Telegraphen - Linie längs dem afrikanischen Kon­tinent von Kapiand zum Nil, anzuknüpfen. Eine nüchterne Realpolitik konnte natürlich die Frage, ob man ihn empfangen sollte, nicht nach der persönlichen Abneigung entscheiden, die manche seiner südafrikanischen Zettelungen und Eroberungsthaten hervorgerufen haben. Er ist zweifellos eine politische Macht, für die praktische Kolonial-Politik wenigstens, und schon seine Eigenschaft als Mitglied des Geheimen Rathes der Königin von England verleiht ihm einen gewissen Anspruch auf höf­liche Behandlung. Lange genug ist versucht worden, auf Umwegen der Verwirklichung jenes großen Eisen­bahn-Projekts näher zu kommen. Die Reise des Herrn Rhodes nach Berlin beweist, daß der Plan ohne Ver­ständigung mit Deutschland kaum ausführbar ist. Deutsch-

Andreas war empört und gelobte sich selber, Nygaard seine Meinung rund heraus zu sagen, wenn er ihn allein träfe; aber als er sich nach der allgemeinen Ver­wirrung beim Landen in dem großen runden Bienen­korb, Castle Garden genannt, umsah, war er nicht mehr zu entdecken.

Unterbeffen war der Baumeister mit Marie zu ihrer Tante gegangen, die sich nicht beim Schiff eingestellt hatte. Nach einigem Suchen fand er sie in einer der Nebenstraßen in der Nähe des East R.ver, wo sie ein Kosthaus für Kohlenträger und Kloaken-Arbeiter besaß. Sie war ein kleines, behendes Weib von großer Zungen­fertigkeit, das mit aufgeschürztem Rock und einem Staub­tuch in der Hand umherfuhr und sich Nygaard und Marie mit einer Miene näherte, als wenn sie im Sinne hätte, auch ihnen ein Abstäuben zu theil werden zu lassen.

Na, das ist also LiSbethS Tochter!" schnatterte sie. Bewahre! Hast Du Dich nicht anders heraus ge­wachsen ! Nun, nun, wirst doch etwas schaffen können; und hier ist genug zu thun, da wird es sich bald zeigen, zu was Du taugst!"

Marie stand und sah sich um, um die feinen Boden­teppiche und die kostbaren Möbel zu entdecken, von denen die Tante in ihren Briefen geprahlt hatte. Dann richtete sie einen enttäuschten, hilflosen und tieftraurigen Blick auf Nygaard, der die Hand auf die Thürklinke ge­legt hatte, um zu gehen.

Er konnte nicht bleiben, wie gern er auch gewollt hätte, und jetzt als er sah, welche Enttäuschung ihr an dem neuen Aufenthaltsort begegnete, da erwachten die

Ostafrika schiebt sich zu tief in den schwarzen Erdtheil hinein, jene Linie muß Deutschlands Gebiet berühren. In den Audienzen des Herrn Rhodes in Berlin wird es sich daher darum gehandelt haben, um welchen Preis Deutschland darein willigen würde, daß die projektirte Eisenbahn- und Telegraphenlinie durch das deutsche Hinterland in Ostafrika am Njasia- und Tanganika-See führt. Selbstverständlich wäre es verkehrt, von einem solchen Geschäfte blos deshalb, weil der Unterhändler aus seiner Vergangenheit manches auf dem Kerbholz hat, auch dann abzustehen, wenn es offenbare Vortheile für Deutschland böte. Daß dies möglich ist, liegt auf der Hand; es kommt auf die Garantien an, die unsere Regierung verlangen und die Rhodes zu geben in der Lage sein wird. Dahin gehört z. B. die Forderung, daß auf der Strecke im deutschen Schutzgebiete deutsche Beamte und deutsches Material verwendet würden und daß eine deutsche Verwaltung herrscht. Jedenfalls darf man das Vertrauen zu unsern leitenden Kreisen haben, daß sie sich die Wünsche des Herrn Rhodes sehr genau ansehen und sich nur auf Dinge mit ihm einlaffen werden, bei denen die Wahrung und Förderung des deutschen Interesses garantirt ist.

DerNationallib. Korresp." wird von wohlunter­richteter Seite bestätigt, daß die maßgebenden Stellen sich zur Reichstagsauflösung genöthigt sehen würden, wenn der Beschluß der Budgetkommission, 7000 Mann Infanterie zu streichen, aufrechterhalten werden soll.

Im Reichstag fand am 10. ds. Mts. die Be­rathung des Etats der Schutzgebiete statt. Bei dem Etat für Deutsch-Ostafrika erklärte Direktor v. B u ch k a auf Anregung Bebels bezüglich der Brochüre Peters', die Post-Verwaltung habe Straf-Antrag gestellt. Abg. Lieber (Centr.) verlangte sodann Entschädigung der Familie Denhardt, welche durch die Aufgabe von Witu seitens des Reichs geschädigt sei. Direktor v. Buchka erwiderte, das Reich habe keinerlei rechtliche Verpflichtungen gegen Denhardt. Adg. v. K a r d o i f f (Rp ) glaubte, daß doch auch eine rechtliche Verpflichtung des Reichs gegenüber Denhardt vorliege. Ihm schloffen sich die Adgg. Graf Orila (natl.) und Graf Stolberg (dk) an. Es entwickelte sich dann ein sehr heftiges Wortgefecht zwischen dem Abg. Arendt (Rp ) und dem Abg. Bebel (Socd.). Abg. Arendt kam nämlich auf das Disziplinar Verfahren gegen Peters zu sprechen und setzte auseinander, daß dieses die völlige Unwahr-

Selbstvorwürfe in seiner Brust mit voller Stärke. Wie leichtsinnig und rücksichtslos hatte er doch an ihr ge­handelt, indem er ein Gefühl weckte und nährte, das ihr eine viel bitterere Enttäuschung bereiten mußte, als irgend etwas anderes auf der Well! Sein Leben lang hatte er sich noch nie auf einer solchen Gemeinheit ertappt.

Mit gesenktem Kopf, niedergeschlagen und gereizt kam Nygaard zurück und traf Andreas in dem großen Wartesaal in Castle Garden.

Mir kommt es vor, als wenn Sie eine Sünde an ihr begangen hätten!" wagte Andreas zu sagen.

Wer? . . . Was geht das Sie an?' antwortete er mit einer Heftigkeit, bte ihm selber ganz fremd war.

Aber gleich darauf bat er Andreas um Verzeihung für diese Antwort unb gab zu, daß er zu weit gegangen sei, suchte sich ab-r gleichzeitig damit zu entschuldigen, daß sie ihm einen tiefern Sinn untergeschoben habe, als er gemeint hatte.

Ich dachte nicht, daß sie es so ernst nehmen würde", sagte er, während sie in die Zollkammer gingen, um ihr Reisegepäck untersuchen zu lass.». Man braucht sich das auch nicht so sehr zu Herzen zu nehmen ... Es ist auch nur zum Lachen I" fügte er mit einem erzwungenen Gelächter hinzu, das sowohl Andreas, als ihm selber sehr übel klang.

Drinnen in der Zollkammer stand Tilda glühend roth und in der tödlichsten Verlegenheit vor ihrer großen fichtenhölzernen Kiste, in der ein Zollbeamter stöberte. Und sie wurde noch verlegener, als er derselben ein Paar hübsche, blaue Seemanns-Hosen entnahm.