y.........'--_.--^-r-- r
Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Abonneinentspreis vierteljährlich 1 Atark 40 Pfg. excl. Postaufschlag.
U-:.-=^- . -- ■ —---^^
Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.
Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
>--- . -
(Gratisbeilagen: „SUnftrirtes Sonntagsblatt" u. „3Uuftrirte i«n-wirthschaftLiche Verlage".
Sr. Y.
Snititü den 18. Riirz
1899.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 16. März 1899.
Im Anschluß an meine Verfügung vom 14. d. Mts. A. Nr. 758 (Kreisblatt Nr. 32) mache ich bezüglich der alsbald aufzustellenden noch rückständigen Voranschläge ausdrücklich darauf aufmerksam, daß in allen Fällen, wo der Betrag desneuenVoranschlagtzvon dem des vorjährigen Voranschlags wesentlich abweicht, es hierüber in der hierfür bestimmten Rubrik einer näheren Erläuterung bedarf.
Die Voranschläge müssen außerdem am Schlüsse (unter dem Feststellungsvermerk) von der Gemeindevertretung unterschrieben und mit der OffenlegungSbeschei» nigung versehen sein.
Soweit die Umlagen Erhebung mehr als 100 °/0 der direkten Staatssteuern beträgt und hierzu die gesetzlich vorgeschriebene Genehmigung eingeholt werden muß, ist zugleich der hierüber zu fastende Beschluß der Gemeindevertretung miteinzureichen.
Die Herren Orlsvorstände derjenigen kleineren Gemeinden, in welchen weniger als 1 0 0 °/0 der direkten Staatssteuern voraussichtlich zur Erhebung gelangen und die von der Aufstellung des Voranschlags für das neue Rechnungsjahr befreit sein wollen, haben gleichfalls bis zum obigen Termin dahier entsprechenden Antrag zu stellen.
A. Nr. 758 II. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
T^R5^'
Ziegenhain, den 15. März 1899.
Unter dem Rindviehbestand des Gutsbezirks Hausen ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gemarkungssperre über den Gutsbezirk sowie über die Gemeinde Hausen angeordnet.
Der Landrath: von Schwertzell. * *
*
An den Herrn Landrath in Hersfeld.
HerSfeld, den 16. März 1899.
Wird veröffentlicht.
Der Königliche Landrath.
J. V:
Heeg, Kreissekretär.
Frau Barbara's Kunst.
Erzählung von Z o e v o n 91 e u ß.
Das Haus des kurfürstlich sächsischen Bergherrn Christoph Ultmann zu Annaberg im Erzgebirge war das räumlichste und ansehnlichste der Stadt. Es war mit seinem stattlichen Giebel dem grasbewachsenen Marktplatz zugekehrt und verrieth inmitten der Hütten der Armuth nicht nur Wohlhabenheit und Wohlanständigkeit, sondern auch Kunstgeschmack. Der große, steinerne Hausflur war schön gewölbt und mit guter Steinmetzen-Arbeit versehen, rings um die Wände liefen breite Steinbänke, auf denen die Armen der Stadt an jedem Freilag Mittag sehr bequem sitzen konnten, um mit wohlzugerichtetem Hafermus oder dampfender, fettreicher Mehlsuppe bewirthet zu werden. Rechts war ein großes Gemach, das dem Bergherrn und seiner jungen Frau gewöhnlich als Wohnraum diente. Die Wände daselbst bestanden aus kostbarer Täflung verschiedenartiger Holzarten und konnten nur einem wirklichen Kunstschreiner ihre Entstehung verdanken. Der Erker enthielt den teppichbe- legten Thron der Hausfrau und war mit einer schönge- schnitzten Gallerie umgeben, die im Sommer mit Gelbveigelein und Rasenstücken besetzt war; jetzt im Herbst standen daselbst nur ein paar Töpfe mit Melisse und Götlerdust, von denen sich Frau Barbara Sonntags ihre wohlriechenden Zweiglein zum Kirchenbesuch brach. Links von dem Hausflur war ein gewölbter kellcr- artiger Raum, in dem die selbstgeernteten Vorräthe des Hausstandes ausbewahrt wurden. Daselbst schaltete . FrauBarbara täglich nach Gebühr und wohlanständigerSitte.
Hersfeld, den 15. März 1899.
Diejenigen Herrn Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügungen
1. vom 19. Juni 1878 Nr. 6053, Kreisblatt Nr 49, Revision der Kirchen-, Pfarr- und Schulgebäude betreffend,
2. vom 15. April 1886 Nr. 4578, Kreisblatt Nr. 46, Körung der Zuchtbullen betreffend, im Rückstände sind, werden mit Frist bis z u m 22. d. Mts. bei Meldung von 3 Mark Strafe hieran erinnert.
Der Königliche Landrath.
J. V.:
H e e g, Kreissekretär.
Fulda, den 15. März 1899.
Ich ersuche im dortigen Kreisblatt bekannt machen lassen zu wollen, daß für den am 23. d. Mts. hier statt- findenden Vieh- und Schasmarkt die in meiner Bekanntmachung vom 6. Februar l. Js. (Kreisblatt Nc. 17) getroffenen Sicherheitsmaßnahmen ebenwohl Anwendung finden, Der Auftrieb des Buhes beginnt morgens um 6'/.) Uhr.
Es dürfen nicht mehr als drei Thiere zusammengekoppelt auf einmal den Eingang zum Marktplatz passiren.
Der Königliche Landrath. J. V.: Zoberbier. An den Herrn Landrath zu Hersfeld.
* * *
Hersfeld, den 16. März 1899.
Wird mit Bezug auf die im Kreisblatt Nr. 19 (Beilage) bekannt gemachten näheren Bedingungen veröffentlicht.
I. 1747. Der Königliche Landrath.
I. V:
H e e g, Kreissekretär.
Nichtamtlicher Theil.
Sie Willis M 7 ’ Bismrck.
Entgegen frühern Verfügungen, wonach die Beisetzung des Fürsten und der Fürstin BiSmarck in dem
„Nimm den weitbauchigsten Korb und bringe ihn, damit ich ihn füllen kann, es sind der Armen noch ein halbes Dutzend mehr geworden in der Stadt! . . . Wo steckst Du, Caprice?* fragte die Hausfrau, sich umsehend.
Die Angeredete kam aus einem Nebenraum des Gewölbes hervor, in welchem das Obst des Gartens auf saubern Strohlager verwahrt wurde. Sie war ein ganz eigenartiges Geschöpfchen, das in die hiesige Umgebung keineswegs zu passen schien. Trotzdem sie volle Mittelgröße erreicht hatte, erschien sie durch einen feinen Knochenbau klein und zart und war in ihren Bewegungen von der Geschmeidigkeit eines Kätzchens Die Gesichtsfarbe war von warmem Bronzeton, das Haar schwarz und glänzend wie Rabenflügel, und die dunklen Augen blitzten gleich zwei Hellen Sternen. Der nicht zu kleine Mund war gegenwärtig in vollster Thätigkeit, trotzdem die Rede verzog, denn die fest wie Backsteine in einander geschichteten, weißen Zähnchen zermalmten erbarmungslos den allerschönsten Apfel des Strohlagers.
„Schmeckt's", lachte die Hausfrau. „Nun kenne ich auch die Katze, die meine Trauben maust!"
„Nein Herrin, sie sind mir zu sauer!"
„Wo ist der Korb?"
Caprice hielt das Gerälh geschickt zum Füllen bereit, und Frau Barbara beeilte sich, es mit den besten Erzeugnissen ihres Hausgartens zu füllen. Es gab buchstäblich darin Kraut und Rüben, aber auch Birnen und Aepsel fanden darin ihren Platz. Obenauf legte sie eine Anzahl Trauben, die zum Keltern ungeeignet waren, denn der Weinbau hier auf dem Kamm des Gebirges blieb selbst in den Kometenjahren ohne wirklichen Erfolg, und die Rebe bildete mehr einen freundlichen Schmuck
für sie in Friedrichsruh erbauten Mausoleum am 1. April erfolgen sollte, ist diese Trauerfeier bereits am Donnerstag, den 16. März, abgehalten worden. Als des Reiches hehrster Leidtragender ging der Kaiser im Leichenzuge, nur die Familie des unvergeßlichen Todten und wenige Auserlesene nahmen noch daran theil. Zu diesen gehörte der Hamburger Reichstags - Wahlverein von 1884, dem der Verstorbene besonders nahe gestanden hat. Die Feier trug einen militärischen Charakter; sie ging in würdiger, aber schlichter Form vor sich, entprechend der Gemüths-Richtung des Fürsten, dem äußeres Schau-Gepränge stets zuwider gewesen war.
Es ist eine ergreifende Huldigung des verstorbenen Kanzlers an seinen kaiserlichen Herrn, daß der letzte Weg, der ihm vorbehalten war auf dieser Erde, noch an den großen Kaiser erinnerte. Am 16. März ward Kaiser Wilhelm zur Gruft seiner Eltern getragen, am 16. März, elf Jahre später, betteten wir den treuen Gehilfen seines Königs-Amtes zur letzten Ruhe.
Das Mausoleum in Friedrichsruh ist im romanischen Stile gehalten. Es besteht aus einem sechseckigen, massiven Thurme und der Gruftkirche, welche einen chor- artigen Anbau hat. Die Kapelle steht auf einem Sockel aus Feldsteinen. An der Südseite des Schiffes befindet sich das Portal, das von einem hohen Giebel überragt wird. Die Nordseite des Schiffes zeigt vier Bogenfenster. Der Thurm und das Schiff werden von spitzen Dächern, das Chor von einem runden Dache gekrönt. Die Ruhestätte des Fürsten und der Fürstin befindet sich im Thurme des Mausoleums. Dort werden beide vereint ruhen, und was das Lied einst von Theodor Körner und seiner Gruft unter der Eiche zu Wöbbelin gesungen hat:
Ihr habt in Fürstengrüften Bestatten mich gewollt — Hier in den frischen Düften Ihr ruh'n mich lassen sollt! das gilt nun auch vom Fürsten Bismarck und seiner letzten Erdenruhe.
Inmitten des Waldes, den er so sehr geliebt, unter dem Rauschen seiner Eichen und Buchen, umwogt vom Dufte seiner Tannen, schläft der Schöpfer des Deutschen Reiches den ewigen Schlaf. Doch das schlichte Gebäude wird ebenso wenig wie das Mausoleum in Charlotten- burg einsam bleiben. Denn wie am 16. März die Ge-
der Umfassungsmauern als einen lohnenden Erwerb ihres Pflegers.
In diesem Augenblick blies der Novembersturm durch das Luftloch bis in die Mitte des Kellergewölbes hinein, so daß die Oellampe hoch aufflackerte und zu verlöschen drohte. Caprice schauderte unwillkürlich und sprach: „Wie mögt Jhr's nur aushalten hier droben, Frau Barbara? Mich dünkt, Ihr müßtet schier vergehen vor Sehnsucht nach Euerer Heimath!"
Ueber Frau Barbaras Antlitz glitt ein Schatten und machte die sanften Züge tief traurig. Dennoch zwang sie den Mund zum Schelten:
„Dumme Dirne, redest Du schon wieder den alten Schnickschnack? Muß ich nicht meinem Herrgott danken, daß er mir solch guten Eheherrn beschert hat?"
„Wie man'« nimmt!" erwiderte Caprice gleichmüthig.
„Mein Vater, der Patrizier Hans von Elternlein in Nürnberg, hat es weise gemacht, als er seinen Freund, den Bergherrn Christoph Uttmann, in sein Haus einlud, um unter uns die Brautschau zu halten. Mein Eheherr hätte überall anklopfen können, besonders heutzutage, wo die neue Lehre die Patriziertöchter aus den Klöstern heimgeschickt hat!"
„Mich dünkt, eine heimgeschickte, alte Nonne wäre just das passendste Ehegemahl für ihn gewesen!" sagte Caprice, wie zu sich selbst. (Fortsetzung folgt.)
— (Fein gegeben.) Richter: „ . ... Und drei Vierteljahre haben Sie dort im Zuchthaus gesessen ?' Angeklagter: „Ja!" Richter: „Warum denn?" Angeklagter : „Hatte in einer Sache andere Ansicht wie'S Strafgesetzbuch!"