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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

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Bei größeren Aufträgen entsprechende'' . Rabatt.

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Gratisbeilagen:IUnftrirter Kennragsblatt" «.^Ouftrirte LanSwirthschaftlietze Beilage".

Sr. L

Iomrstsz des 23. Miirz

1899.

JÜonnrmfNts-JmlahHg.

Ant dem l- April beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende Hersfelder Kreisblatt

mit den Gratisbeilagen

Jllustrirtes Soiiiltagsblatt" »^ Jlliistrirte laudwirthschaftl. Beilage".

DasKreisblatt" bringt außer den aintlichen Bekanntmachungen zuverlässige Mittheilungen über Er­eignisse in der Politik, Berichte aus dem Kreise und der Provinz. Reichhaltige Nachrichten vermischten In­halts bringen alle sonstigen inittheilenswerthen Ereig­nisse des täglichen Lebens zur Kenntniß der Leser. Daneben werden sorgfältig ausgewählte Erzählungen einen weiteren Theil des Lesestoffes bilden.

D^ Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme zu und werden wir dieselben nöthigcn- falls durch Extrablätter verbreiten.

Der vierteljährliche Abonnementspreis für das Kreisblatt" beträgt { Mark 40 Pfg.

finden durch das ^Kreisblatt"

8 J V4 zweckentsprechende Verbrei­tung und kostet die fünfgespaltene Garmondzeile oder deren Raum f0 Pfg

Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein

die Expedition.

Amtlicher Theil.

Berlin, den 25. Februar 1899.

Trichiuenfunde in amerikanischen Schweinefleischwaren.

Unser Runderlaß vom 24. November 1898 (M. 8395 M. b. g. A. I. G. 8600 I. Ang. M. f. L.) wird hiermit dahin eingeschiäiikt, daß fortan nur noch Proben von trichinenhaltigen W n r st e n , die aus den Vereinig-

Frau Barbara'- Kunst

Erzählung von Z o e von N e u ß.

(Fortsetzung )

Ich weiß, Ihr seid ein gutes Kind, und werdet die Wunden der Greta mit geeigneten, milden Kräutern waschen, auf daß sie bald verheilen", sagte Frau Bar­bara, mit der weißen Hand sanft die Wange des Mäd­chens streichelnd.Und an einer Flasche Rheinweins soll es auch nicht fehlen, um Eurer Ahne auszuhelfen."

Ich selbst werde sie Euch bringen, Jungfer Renate", ließ sich plötzlich auch Caprice vernehmen.Dann aber wollen wir plaudern gelt? Und wenn Herr JustuS auch dabei sein will nun, dann werde ich Tugend­leuchte fein !" setzte sie mit schelmischem Augeublinzeln hinzu, indem sie dem jungen Täschner sogar sehr ver- städnißvoll zunickte, zum offenen Mißvergnügen Frau Barbaras.

Freilich werde ich wiederkommen, um nach der Ahne meiner liebsten Spielkameradin zu sehen, und da Ihr keine Kopshängeri» zu sein scheint, soll es mich freuen, die Jungfer allhier zu finden", antwortete Justus mit zierlicher Verbeugung, der man den Bürgermeisters- sohn nicht abstreiten konnte.

»Ihr gefallt mir, Herr JustuS! Wahrlich, Ihr seid der erfte, an den ich mein Herz verlieren könnte, hier in diesem Türkentaube!" lachte die kleine Französin.

Schweige und schäme Dich!" schalt Frau Barbara. Wahrlich, Deine Mutter, die um ihres Glaubens willen

ten Staaten Amerikas stammen, dem hygienischen Institut der hiesigen thierärztlichen Hochschule einzusenden sind.

Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten.

Im Auftrage gez. B a r t s ch.

Der Minister für Landwirthschaft, Domänen u. Forsten.

In Vertretung, gez. Sterneberg.

Gesch. Nr. M. 5480 M. b. g. A. I. G. 1288 II. Ang. M. f. L.

An sämmtliche Herren Regierungs Präsidenten und den Herrn Polizei-Präsidenten hierselbst.

* *

Cassel, den 10. März 1899.

Abschrift zur Kenntniß und weiteren Veranlassung.

Der vorbezeichnete Runderlaß ist durch Verfügung vom 14. Dezember v Js. A. II. 12878 mitge­theilt. (A. II. 2751.)

Der Regierungs-Präfident. von Trott zu S o l z. An den Herrn Polizei-Präsidenten hier und die sämmt­lichen Herren Landräthe des Bezirks.

* *

Hersfeld, den 20. März 1899.

Wird mit Bezug auf das Ausschreiben vom 20. De­zember 1898 I Nr. 0901 (Kreisblatt Nr. 152) zur Kenntniß der Ortspolizeibehörden gebracht.

I. 1811. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlei n i tz , Geheimer RegierungS-Rath.

|üd|tnmtlidKt Theil.

Her WM -er 6i}iiI)tiM.

Die letzte Monlagssitzung des Reichstages wurde zur größeren Hälfte wiederum von einer Sozialistendebatte ausgefüllt, in welcher die Sozialdemokratie sich zwar Anfangs als Anklägerin geberdete, schließlich aber eine scharfe Verurtheilung über sich selbst ergehen lassen mußte.

Der Sozialdemokratie kann nach Lage der Gesetzge­bung das Eindringen in die Volksvertretung nicht ver­wehrt werden. Diese Thatsache macht sie sich zu nutze und erhebt mit wachsender Dreistigkeit die Forderung, ihre Weltanschauung als vollkommen gleichberechtigt mit derjenigen der bürgerlichen Parteien anerkannt und ihre Vertreter als vollberechtigte Theilnehmer auch an allen,

ihr Vaterland verließ, war w it ehrbarer« und gesetztern Sinnes!"

Halte ich nicht gleichfalls aufrichtig zur neuen Christen­lehre ? Zürnt nicht um den Scherz, Frau Barbara!" bat Caprice, indem sie den auf Sammtschuhen umher­schleichenden Kater aufgriff, und wie ein Wickelkind in ihren weitfaltigen Mantel nahm.

Komm heim, Mädel!" schloß Frau Barbara den Wortwechsel.Der Bergherr wird auf die Abendsuppe warten und verspürt vielleicht auch noch Lust zu einer Schachpartie.Wollt ihr uns heim begleiten durch die Finsterniß?" wandle sie sich an den jungen Täschner, wahrscheinlich weniger um die entbehrliche Begleitung als um ihn nicht wieder mit der schönen Spielkameradin allein zu lassen. Was er Gutes gewirkt an der Befreiung der Ahne, schien Frau Barbara kaum nennenswerth und wäre mit einem Kusse von Renates keuschen Lippen zu theuer bezahlt gewesen.

III.

Lichte, federartige Schneeflocken trieben in der Luft und ließen niedersallend die Tümpel und Pfützen der Straßen im winterlichen Frost erstarren. Im Hause des Bergherrn rüstete man bereits auf Weihnacht.

Der Ratsherr von Elterlein in Nürnberg hatte auf Wunsch Frau Barbaras einen jungen Maler nach Anna­berg gesandt, der ein Schüler Albrecht Dürers war, um Antlitz und Gestalt der jungen Hausfrau abzukonterfeien. Das Bildnis sollte das Weihnachtsgeschenk an ihren Ehe­herrn werden. Jeden Morgen saß sie zwei Stunden

der Festigung der staatlichen Autorität und des nationalen Gedankens dienenden Organisationen zugelasten zu sehen. Diese Forderung enthält nicht nur einen Widerspruch in sich selbst, sie wirft auch ein bezeichnendes Schlaglicht auf den in den Reihen der Umsturzpartei gepflegten Ehrbegriff.

Gelegentlich der dritten Lesung des Etats, bei welcher auch über das Wesen der Kriegervereine debattirt wurde, äußerte der Herr Staatssekretär des Innern:

Ein Mann, welcher sich zur Sozialdemokratie be­kennt, also Republikaner ist und die Monarchie besei­tigen will, ist in meinen Augen ein ehrloser Mann, wenn er in einem Kriegerverein bleibt."

und weiter:

Wenn die Kriegervereine sich das Ziel setzen, die Treue zu Kaiser und Reich zu pflegen, dann müssen sie auch dahin wirken, daß ihre Mitglieder dieser Ge­sinnung auch im öffentlichen Leben und bei den Wahlen Ausdruck geben."

und endlich:

Wenn ein Beamter Sozialdemokrat ist, so bricht er damit seinem Könige oder Fürsten den Eid der Treue; denn er bekennt sich zu einer Partei, die offen den Republikanismus predigt. Er ist ein unwürdiger Geselle, denn er dient einem Herrn, den er innerlich bekämpft, und niemals werden wir ein solches Verhalten als moralisch bezeichnen können."

Das sind die Anschauungen von Ehre, die in der überwiegenden Mehrheit der bürgerlichen Parteien be­stehen und zu denen auch die verbündeten Regierungen in ihrer Gesammtheit sich bekennen. Mit diesem Ehr­begriffe steht derjenige der Sozialdemokratie in unver­söhnlichem Gegensatze. Durch den Mund des Abgeord­neten Bebel li' ß sie verkünden, daß es ihrer Anschauung nach genüge, wenn ein Sozialdemokrat darauf verzichte, als Mitglied eines Kriegervereins keine Politik treibe, und daß der Eid den Beamten nur zu treuer Berufser­füllung innerhalb seines Dienstzweiges verpflichte. So also kommentirt Herr Bebel den Beamteneid, durch welchen der Beamte mit seiner ganzen Persönlichkeit unwandelbare Treue bis zum Tode dem Kaiser oder seinem Landesherr» gelobt! Und mit einem solchen Eide sollte es vereinbar sein, einer Partei anzugehören, welche die Niederwerfung der Monarchie bewußt betreibt?

Immer tiefer öffnet sich die Kluft, welche die Sozial­demokratie von der überwiegenden Mehrheit des deutschen

lang droben im Kabinet des Malers, der mit wunder­barer Geschicklichkeit ihre schöne, frauenhafte Gestalt auf die ausgespannte Leinwand zu bannen wußte. In­zwischen schaltete Caprice unten im Haushalt, zwar nicht mit gleicher Kenntniß und Würde wie Frau Barbara, aber doch mit Anmuth und Schalkhaftigkeit. So kam die heilige Festzeit immer näher.

In der Weihnachlswoche aber stand Frau Barbara selber wieder schaffend unten in Reih und Glied. Die Tröge in der Backstube waren mit feinstem, weißem Weizenmehl gefüllt, obgleich die Teuerung im Lande stark im Zunehmen begriffe, war. Dazu duftete es herrlich nach allerlei Spezereien, welche, so kostbar sie waren, der Patrizier von Elterlein massenhaft aus Nürnberg ge­sandt hatte, damit die Tochter nach Heimatssrtte ihre Lebkuchen trefflich mürze. Die Aermel des Kamisols hochausgestreift, die blüthenweißen, vollen Arme im weichen Teich der Christbrote vergraben, stand sie knetend am Backtrog.

Reiche mir noch von dem Zimmt und Kardamom, Caprice!" redete die Hausfrau, damit die Christbrote lieblich und kräftig duften, gleich den Gewürznelken im Garten. Auch von dem braunen Heidehonig gieb noch ein Maß voll, damit es an der Süßigkeit nicht fehle !"

Caprice schüttete das Gewürz aus der festverschloffenen Metallbüchse in den quellenden Teig und that auch den Honig hinzu, aber nicht ohne den süßen Rest des Gefäßes später auszulöffeln.

Ich hörte sagen, daß ein Kuß von bärtigen Lippen