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33SBF Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Eckgramme zu und werden wir dieselben nöthigen- alls durch Extrablätter verbreiten.
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die Expedition.
Amtlicher Theil
° Ziegenhain, den 25. März 1899.
Unter dem Rindviehbestand zu Olberode ist die i Raul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gemarkungs- - perre ungeordnet.
) Der Landrath. J. V.: Brunn er.
* In den Herrn Landrath in Hersfeld. ^ * * * • Hersfeld, den 27. März 1899. ' Wird veröffentlicht.
> 2019. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, 5 W Geheimer Negier ungs-Rath. |B ^rau Barbara's Kunst. ■2 M Erzuyrung von Z v c—V » " »».,. c>.-- Z | (Fortsetzung ) - | Sie sah sich plötzlich wieder in Antwerpen, wohin die Mutter, eine Tochter von Mynher tom Have, Handelsherrn zu Antwerpen, einst als zartes Mägdlein kgleitet hatte. Ihr Vetter Ruprecht tom Have war alt) ihr guter und treuer Kumpan geworden. Er f. a'atte das Mühmchen in seiner venetianischen Barke oft weit inS Wasser hinausgerudert, im HauSgarten aber eflejatten sie täglich als zwei glückliche Kinder miteinander gespielt. Einst hatte er die schwanken Zweige zweier nstelirahe beieinander stehenden Weiden tief herabgebogen und unten durch Flechtwerk verbunden. In solcher Schaukel hatten sie miteinander gesessen, still und träumend, wie zwei Vögel im Neste. Da« alles ging ____Frau Barbara durch den Sinn. . . . Auch des Abschiedes mußte sie gedenken. Ruprecht tom Have hatte ^»ihr dabei das elfenbeinerne Kästlein gegeben; das Bild ^drinnen hatte er selbst mit Hilfe des großen venetianischen !t> Spiegels im Prunkzimmer gemalt. Denn Ruprecht ^ wollte ein Maler werden, wie schon mancher vor ihm [(Jauö den großen Geschlechtern seiner Vaterstadt. Er hatte auch später außer wundervollen Konterfeis allerlei prächtige Zeichnungen gemacht, nach welchen die vor- , nehmen Frauen der reichen Niederlande ihre herrlichen ^^GobelinS autzführte», mit denen sie ihre herrlichen
Zufolge Ermächtigung des Herrn Ministers für Land- wirthschaft, Domänen und Forsten wird auf Grund der Verordnung, betr. die Ausführung des Fischereigesetzes im Regierungsbezirk Cassel vom 8. August 1887 (G. S. S. 441) der Betrieb des Aalsanges für die ganze Dauer der diesjährigen Frühjahrsschonzeit — einschließlich der wöchentlichen — hierdurch gestattet.
Cassel, den 9. März 1899.
Der Negierungs-Präsident. I. V.: von Bremer.
Nichtamtlicher Theil.
Rarfreitag.
Karfreitag ist der stille Freitag. Draußen auf Markt und Straße soll es stille sein; das Geräusch des geschäftigen Lebens soll ferne bleiben, und selbst die Feier wie stille Trauer mit leisem Klang das Herz berühren Drinnen im Herzen soll Stille herrschen, der Geist in sich gewandt in ernstem Nachdenken den großen Tag auf sich wirken lassen und das Gefühl in Gott ergeben sein, fern von heftigem Ausbruch in inniger Versenkung. Es ist das Geheimnis des Kreuzes Christi, das Haupt voll Blut und Wunden, das unserm Geist sich immer aufs neue und unauslöschlich lief einprägt.
Bald zwei Jahrtausende sind es nun, daß dieses Marterbild Jesu, diese sieben Worte am Kreuz, daß der ganze große Vorgang vom Einzug in Jerusalem bis zur Gefangennahme, Verhör, Verurtheilung und Tod die frommen rührt und die Nachdenklichen stille macht. Die Phantasie der Künstler, derer, die in Formen und derer, die in Farben gestalten, der Dichter und der Tonkünstler werden nicht müde, das unerschöpfliche Thema in immer neuen Weisen zu behandeln. Die Wißbegier der Denker und der Weisen bemüht sich, das große Geheimniß der für uns gekreuzigten Liebe zu ergründen; in Abhandlung, Lied und Predigt hallt es vieltausendstimmig wieder, und bald wird es nirgend, wo Menschen wohnen, unverkündigt sein. Erschöpft hat die unergründliche Tiefe des göttlichen Geheimnisses kein menschlich Wort und kein menschliches Gebilde; aber mit siegreicher Gewalt schreitet
es durch- die Jahrtausende und bezwingt mehr und mehr die Herzen und Sinne der Menschen überall auf dem Erdenrund.
Es ist das erschütterndste, es ist zugleich das trostreichste Bild unter allen, die je in eines Menschen Herz gekommen sind, das uns der Karfreitag vor die Seele
Prachträume ausstatteten. Einst hatte ihn sogar die stolze und kunstsinnige Katharina von Medici nach Paris tea“ jifaW PWErM z--„»E- baras Augen stand er freilich immer noch als ein schöner, wilder Knabe, mit einem Herzen weich wie Wachs. Die Trennung von ihm war unendlich schmerzvoll gewesen — wie ein tiefer, unheilbarer Riß schien sie ihr durchs Leben zu gehen! Sie hatte ein Gefühl, als ob ein schönes, farbenbuntes Blatt ihres Lebens umgewandt sei, und als ob die andern Blätter nur leere, inhaltlose Flächen zeigten. Und als der Bergherr in das Haus des Nürnberger Patriziers gekommen war, um sich das Ehegespon« auszuwählen, halte sie zuerst den lieben Gott, dann aber in ihrer Herzensangst auch sämmtliche abgesetzte Kalenderheilige gebeten, den Sinn des Freiers von ihr abzulenken. Als Herr Lebrecht Christoph Uttmann aus Annaberg aber doch an der schönen, stolzen Schwester Judith vorüberging, um sich der sanften Barbara zuzuwenden, hatte sie dennoch keinen Augenblick das vierte Gebot vergessen und war ihm aus Kindespflicht und Wohlanständigkeit auf Geheiß des Vaters in die ferne HeimUh gefolgt. Behütet von Zucht und Sitte lag die Erinnerung an ihre Jllgend- liebe wohl verwahrt in ihrem Herzensschrein. Selbst den Anblick des Konterfeis hatte sie lange vermieden, um sich nicht von neuem von seinem Zauber umstricken zu lassen. Zwei volle Jahre hatte es in der Truhe
führt. Das Bild des ewigen Gottessohnes, den die Liebe trieb aus seinem Himmel herabzusteigen und in das arme Leben des menschlichen Geschlechtes einzu- kehren, vollendet sich in seinem blutigen Opfertode zur Versöhnung der Welt. Ihm, der in demütiger Knechtsgestalt auf Erden wandelnd lehrte/ heilte, wohlthat, von seinem Vater zeugte, ein göttlich Leben in menschlicher Geberde führte und in ungetrübter Reinheit seines himmlischen Vaters Gebot und Auftrag erfüllte, ihn haben die Menschen zum Danke dafür, daß er ihnen das Heil brächte, zum martervollsten Tode geschleppt und ans Kreuz geschlagen.
Der Glaube hat eine beseligende Macht an diesem Bilde des leidenden und sterbenden Heilands, der sein Blut gegeben hat für die Erlösung der Welt. Das ist nicht der Märtyrer, der die erkannte Wahrheit mit dem freudig übernommenen Tode besiegelt, nicht der Weise und Gerechte, der vor keiner Marter zurückschreckt, um Licht und Wohlthat zu verbreiten. Damit wäre Christus in die gleiche Linie mit vielen standhaften und unbeug- samen Männern herabgedrückt, von denen uns die Geschichte der Menschheit erzählt, und der Or^b des evangelischen Glaubens wäre hinweggenommei^x Hier haben wir es mit göttlicher Geschichte, nicht mit menschlicher zu thun.
Gott selber hat seinen Sohn in den Tod gegeben für uns. Also hat Gott die Welt geliebt; und hat er seines eigenen Sohnes nicht verschont, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Christus der Gekreuzigte ist das Heil der Seelen, das Brot des Lebens, das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Ohne die durch Christum gestiftete Versöhnung giebt es keine Gewißheit für die Vergebung der Sünden, keine ewige Erlösung.
Der Tod am Kreuz war für unsern Heiland der Durchgang zur Herrlichkeit, in welcher der erhöhte Heiland zur rechten des Vaters sitzt, von bannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Todten. So werden auch wir im Glauben an ihn hindurchdringen . durch Nacht zum Licht und durch Karfreitagsschmerzen zum Osterleben.
Politische Nachrichten.
Berlin, den 28. März.
Ihre Kaiserlichen Majestäten begaben Sich gestern Nachmittag nach Schloß Monbijou zum
geruht, unangerührt, wie die Liebe in ihrem Herzen!
Da, plötzlich, ließ ihre Barmherzigkeit und die Sorge um die Armuth ihre Gedanken sich zu dem Vetter zurück- welche die Kunstfertigkeit des'SJntzeiiclvpMns'"^^!iil hatten, blieb, so wie sie war, wenig lohnend. Es mußte kräftigere Hilfe geschafft werden, um dem um sich greifenden Elend zu begegnen. Mit einemmale war ihr ein rettender Gedanke gekommen. Die geschicktesten Klöpplerinnen, Renate Hepperlein voran, sollten der Frau Kurfürstin Eleonore, einer Tochter des Herzogs Bogislav von Pommern, einen prächtigen Schleier klöppeln. Die Arbeit ihrer Landeskinder würde sie sicher erfreuen und mußte ihr Herz rühren — eö war kein Zweifel! Um die Zeichnung zu dem Kunstwerk aber wollte sie Vetter Ruprecht ersuchen, er verstand dergleichen wie ein Meister. Schon morgen wollte sie ihm einen ausführlichen Brief schreiben, er würde sicherlich die höfliche Bitte nicht verweigern. . . . Wieder ruhte der Blick auf dem Bilde, wie prüfend. . . .
»Welch herrliches Konterfei? Wer gab es Euch, Frau Barbara?" klang plötzlich Caprices Stimme hell wie Lerchenschlag hinter der Herrin. Leise, als trüge sie eine Tarnkappe anstatt des zierlichen Goldhäubchens auf dem dunkeln, anmutigen Haupte, war die Kleine ins Zimmer geglitten. Mit weiblicher Neugierde blickte sie Frau Barbara über die Schulter hinweg.
.Wen stellt es dar? O, wie ich ihn — liebe!