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Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Abonnementspreis Vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel. Postansschlag.
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Gratisbeilagen r „Illnftrirtes Sonntag-blatt" u. „)llnftrirtr landwirthschaftliche Verlage".
Rr. 43.IsmieM^ 13. AM 1899.
Vestellnngen auf das Hersselder Kreisblatt für das zweite Quartal 1899 werden von allen Aaiserlichen Poftanftalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 4. April 1899.
Das diesjährige Ober-Ersatz-Geschäft für den hiesigen Kreis findet am
Mittwoch den 26. April d. Js.
(nicht am Freitag den 28. d. Mts. wie im Kreisblatt Nr. 41 angegeben) und
Donnerstag den 27. April d. Js.
(nicht am Sonnabend den 29. d. Mts. wie im Kreisblatt Nr. 41 angegeben)
jedesmal von Morgens präcis 7 Uhr a n im Saale des Gastwirths Herrn B. Bolrnder hierselbst statt
Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden, einschließlich der Herren Gutsvorsteher, des hiesigen Kreises werden angewiesen, die ihnen demnächst zugehenden Vorladungen den betreffenden Militärpflichtigen alsbald auszuhändigen.
Gleichzeitig erhalten Sie den Auftrag, mit den Militärpflichtigen in den besagten Terminen pünktlich zu erscheinen, den Letzteren auch zu eröffnen, daß diejenigen, welche bei Ausrufung ihrer Namen im Musterungsraume nicht anwesend sind, oder überhaupt ohne genügende Entschuldigung fehlen, neben einer Geldstrafe bis zu 30 Mk. oder Haft bis zu 3 Tagen, die im § 26 bezw 66 der Wehrordnung bezeichneten Verluste sowie nach Lage der Sache die sofortige Einstellung als unsichere Heerespflichtige zu gewärtigen haben.
Beim Ober-Ersatz-Geschäft werden sämmtliche in Betracht kommenden Reklamationen der Ober-Ersatz-Commission zur Entscheidung vorgelegt, weshalb alle Familienglieder, auf deren Arbeils - oder Nichtarbeitsfähigkeit es bei B eurtheilung der Reklamation an kommt, (also auch die etwaigen jüngeren oder älteren Brüder des Reklamirten) im Termine m i t z u e r s ch e i n e n
haben, widrigenfalls eine Berücksichtigung der betreffenden Reklamation nicht statt- finden kann.
Besonders wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß bei den zur Vorstellung kommenden Leuten, welche behaupten, au Epilepsie zu leiden, die im § 65, 6 der Wehrordnung vorgeschriebenen 3 Zeugen zur Stelle sein müssen, wenn der Nachweis nicht in anderer glaubwürdiger Weise geführt werden kann. Die von den Zeugen zu machenden Angaben müssen sich auf die in letzter Zeit vorgekommenen Anfälle beziehen und ebenso müssen auch die etwa zur Vorlage kommenden ärztlichen Atteste, welche von einem beamteten Arzte ausgestellt sein müssen, sich vorzugsweise über neuere Anfälle aussprechen.
Außerdem sind auch bei denjenigen Reklamanten, welche sich außerhalb befinden und welche ihre Angehörigen durch Geldsendungen u nterstützthaben,diediesbezü glichen Post- scheine vorzuzeigen, wie auch alle angeblichen Krankheiten durch Vorlage von ärztlichen (Kreisphysikats-) Attesten nach - gewiesen werden müssen.
Die Herren Ortsvorstände haben das Vorstehende in ihren Gemeinoen wiederholt veröffentlichen und namentlich zur Kenntniß der betreffenden Militärpflichtigen und deren Angehörigen bringen zu lassen, auch hrben Sie den Militär Pflichtigen noch besonders einzuschärfen, daß sie mit vollständig reinem Körper und reiner Wäsche $ u erscheinen haben.
Sodann sind dieselben noch anzuweisen, die in ihren Händen befindlichen 8oofitttß3fd)dne mit zur Stelle zu bringen, da andernfalls der Betrag von 50 Pfg. für Ausstellung eines Duplikat- Scheines gezahlt werden muß.
J. II. Nr. 1375. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
M lehrt TMli?
Das Vorgehen der Engländer und der Amerikaner gegen die Deutschen aus Samoa hat in allen nationalen Kreisen berechtigte Entrüstung erregt. Wenn wir auch zu der bewährten Leitung unserer auswärtigen Politik das Vertrauen haben, daß sie in der Samoafrage die
deutschen Interessen in jeder Hinsicht wahren wird, so dürfen wir doch die Lehre nicht vergessen, die in jenen Ereignissen beschlossen ist. Woran liegt es denn, daß sich England hat herausnehmen können, uns in einer so schroffen Weise entgegenzutreten? Nur daran, daß die Engländer eine große Flotte haben und wir nicht! Der Macht seiner Kriegsschiffe bewußt, pocht England auf sein Uebergewicht zur See. Wie ganz anders würden wir bei den Samoa-Wirren dagestanden haben, wenn wir uns ebenfalls auf eine starke Marine hätten stützen können! Die Kriegsflotte ist eben die reale Macht, die in überseeischen Fragen hinter einem Lande steht; sie ist sein Werkzeug, seinen Willen in die That umzusetzen.
Eine Großmacht wird in den Beziehungen der Völker zu einander nur nach der Kraft geachtet, die sie einsetzen kann. Ohne unser Heer würde alle staats- männische Kunst nicht Deutschlands Stellung in Europa geschaffen haben, ohne eine starke Flotte kann selbst die geschickteste Diplomatie das Ansehen und die Interessen des Reiches im Auslande auf die Dauer nicht schützen und fördern. Dank seinem Heere steht Deutschland als Lanomacht unerreicht da. Nur unser starkes Heer hat die Franzosen bisher daran gehindert, uns zu überfallen, nur unser Heer hat uns den Frieden erhalten. Zur See dagegen rhlen uns die nöthigen Machtmittel. Auch eine starke Kriegsflotte ist in erster Linie nicht bestimmt, Kriege zu führen, sondern dazu, sie zu verhindern. Amerika hätte niemals den Krieg gegen Spanien begonnen, wenn letzteres über eine entsprechende Flotte verfügt hätte. Frankreich hat wegen Faschodas gegen England keinen Krieg erklärt, allein aus dem Grunde, weil England eine mächtige Flotte hat.
Das deutsche Volk kann in den Verhandlungen über Samoa der Leitung unserer auswärtigen Angelegenheiten gegenwärtig leider! nur eine moralische Unterstützung gewähren, indem es mit dem Ausdruck seiner gerechten Entrüstung ebenso wenig zurückhält, wie mit dem loyalen Vertrauen auf die Festigkeit und Geschick- lichkeit unserer Diplomatie, aber es kann doch im Laufe der Jahre auch wirkliche Macht-Werkzeuge dadurch liefern, daß es immer wieder für die Stärkung unserer Macht znr See eintritt. Deutschland kann nicht lediglich Festlands-Politik treiben; seine politischen und wirthschaftlichen Interessen ziehen es hinaus, und die Weltlage legt ihm die Pflicht auf, sich neuen Aufgaben zu widmen. Dazu bedarf es einer starken Flotte, die sich nicht auf die Vertheidigung der heimischen Küsten
Der Geusenbote.
Geschichtliche Erzählung aus dem 16. Jahrhundert.
Von Arete G o g a r t e n.
(Fortsetzung.)
„Nein, das nicht; man kann ihnen Furchtsamkeit, Schwanken, Feigheit vorwersen, aber Verräther sind sie doch wohl kaum. Wer zu fürchten ist, das ist vor allen andern Arenberg."
, Arenberg?" erwiderte Frau Metella verwundert, „er "ein Verrächer? Irrt Ihr Euch nicht? Er ist Katholik und Anhänger der spanischen Herrschaft, aber daß er ein Verräther sein soll" —
„So ist es, edle Frau, und nicht erst seit gestern und "heute. Schon seit Jahren hat er den heimlichen Verräther gespielt. Er steht im Dienste der Inquisition; aber der Tag ist nicht fern, wo ihm die Larve vorn I Gesichte gerissen wird, und dann wird manches offenbar werden, was bisher dunkel war."
Betroffen schaute Frau Metella den Geusen an, der i» heftiger Erregung gesprochen hatte und dessen Augen
| mit seltsamem Ausdruck auf ihr ruhten.
„Was meint Ihr?" fragte sie, aufs höchste verwirrt, denn wie ein Stich war es ihr durchs Herz gegangen, als sie diese blitzenden Augen auf sich gerichtet sah.
„Nichts, edle Frau! Doch was wollt Ihr thun in Bezug auf die Bitte des Prinzen?"
„Ich könnte Euch ein Versteck, — aber ich weiß nicht" -- brach sie stockend hervor, „vielleicht — doch der Prinz wünscht es. Wie ist er nur zu dieser Kenntniß gekommen? Kennt Ihr den Inhalt dieses Schreibens?"
„Ja, ich weiß genau, um was der Prinz Euch gebeten hat."
„Laßt mir Zeit, zu überlegen!"
„Es gilt das Wohl Leydens, edle Frau!"
„Nun wohl, geschehe es denn, wie der Prinz es wünscht. Ihr sollt das Geheimniß des Ganges erfahren; dort ist nicht nur das sicherste Versteck, sondern Ihr könnt auch völlig unentdeckt in die Stadt hinein und wieder herauskommen, ohne daß Ihr von den Wachen gesehen werdet. Ich werde Euch einen Brief an meine Schwiegertochter Frau Magdalena mitgeben. Sie muß Euch den Eingang zeigen, der nur ihr allein bekannt ist. Unsere Freunde, Pieter van der Werff, Jan van der Does und Pieter Bosch, wissen nur, daß er da ist, nicht aber, wo er sich befindet. Ich bin indessen über alle Maßen erstaunt, aus diesem Schreiben zu erfahren, daß der Statthalter das ganze Geheimniß kennt. Ihr wißt wohl nicht, wer es ihm mitgetheilt haben kann?"
Der Geuse verneinte.
„Ihr wohnt wohl bei Bosch?" fuhr die Baronin fort.
„Ja, und an ihn ist auch die Botschaft des Prinzen
gerichtet, die er jedoch dem Bürgermeister zu übermitteln hat. Wie ist es aber mit Euch, edle Frau? Wollt Ihr nicht in der Stadt wohnen, wo Ihr sicherer seid?"
„Nun, einstweilen haben wir ja nichts mehr von den Spaniern zu fürchten, und Gott gebe, daß unsere Truppen den Sieg davon tragen und die Unterdrücker für immer aus dem Lande jagen. Wißt Ihr Genaueres, wo der Kampf sich entscheiden wird?"
„In der Gegend zwischen Boermonde und Ny »wegen erwartet man einen Entscheidungskampf; die Prinzen Ludwig und Christian von Oranien führen selbst das große Hilfsheer aus Deutschland herbei; die nächsten Tage können die Entscheidung bringen."
„Mein jüngster Sohn Dirk dient im Heere," sagte leise die Baronin, „gebe der Herr unserer gerechten Sache Sieg, und Rettung und Freiheit für unser unglückliches Vaterland!"--
„Gritta" sagte die alte Baronin zu ihrer Dienerin, als sie sich erst spät in der Nacht zur Ruhe begab, „fiel Dir nichts auf an dem Geusen?"
„Gott steh uns bei, Frau! An einem solchen Seebären fällt ja alles auf, vor dem sollte sich ja der Teufel selbst fürchten! Mich wundert nur, daß der Prinz solche Geheimboten wählt. Sehen lassen kann er sich gewiß nicht in Leyden, sonst läuft ihm die halbe Stadt nach."
„Die Stimme, die Stimme!" murmelte Frau