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GratiLbett gLN rIlluftvirter Konntag-bLatt" u. ^JlluitrirU Landwirthschaftliche Beilage".

Nr. 45.LieOs -ei 18. April 1891.

$k sM-Wische Frage im Reichstage.

Wir sind nun aus dem G-öbsten heraus," das ist in Kürze der Eindruck, den die Rede des Staats­sekretärs v. Bülow lm Reichstage zur Samoafiage allerwärts hervorgerufen hat. Die Rede war knapp, ernst und würdig gehalten, sie erfaßte die Situation in ihrem Kerne und verschaffte bem ärgsten Zweifler die Beruhigung, daß die Behauptung einzelner weniger Organe von einem deutschen Faschoda ein thörichtes, würdeloses Gerede war, da es nach den Eröffnungen des Staatssekretärs die kaiserliche Politik verstanden hat, die andern beiden betheiligten Mächte zur vollen Anerkennung der deutschen VertragSrechte und zur An­nahme der deutschen Vorschläge zu nöthigen. Herr v. Bülow, der als Vertreter der kaiserlichen Politik seine Worte genau abwägen und auf ihre Wirkung auch im Auslande bedacht sein mußte, sprach von dennicht unerheblichen Schwierigkeiten," die zu überwinden waren. Aus dem Diplomatischen in die Volkssprache übersetzt heißt es: Wir standen vor einer sehr ernsten Spannung namentlich mit dem auf seine Seemacht pochenden England oder vor einer Demüthigung des deutschen Nationalgefühls, wenn es unserer Diplomatie nicht gelungen wäre, mit friedlichen Mitteln den deutschen Standpunkt zur Geltung zu bringen.

Weniger imponierend war die Haltung des Reichs­tages. Die Schuld daran trug zum Theil die Be­gründung der Interpellation durch den Abg. Lehr. Die Rede dieses Abgeordneten athmete zwar warmes patriotisches Gefühl, sie war aber viel zu lang, ver­weilte, obendrein auf Grund falscher Zeitungsmeldungen, bei Nebendingen und reizte in mehreren zwar gut ge­meinten, aber nutzlos herausfordernden Stellen zum Widersprüche, so daß gegen ihren Inhalt von Rednern der Rechten wie der Linken Verwahrung eingelegt wurde. Wenig angebracht war besonders die Hoffnung auf eine Annektion der Samoa-Jnseln durch Deutsch­land. Es mußte dem Redner bekannt sein, daß Fürst Vismarck bereits 1889 erklärt hatte, daß alle Annektions- gelüste mit der Politik, die er nach kaiserlichen In­tentionen leitete, in direktem Widersprüche ständen, und daß alles Gerede von einer Annektion nur eine uner­wünschte Schwächung unserer Stellung zu den Ver- tragsmächten sei

Immerhin bewies die Einmüthigkeit, mit der die

Der Geusenbote.

Geschichtliche Erzählung aus dem 16. Jahrhundert.

Von Arete G o g a r t e n.

(Fortsetzung.) M.

Die vorgeschlagenen Maßregeln sind in jedem Falle ohne Nützn und Vortheil," sprach Aremberg;selbst wenn Requesens, dessen Milde und Menschenfreundlich­keit allgemein gerühmt wird, ein neues Heer gegen Stäben schickt, so ist es weiser, wenn wir von Anfang an uns nicht widersetzen, sondern durch sofortige Auf­nahme der Truppen unseres rechtmäßigen Herrn uns eine milde Behandlung und leichte Bedingungen sichern. Die drei Vorschläge des Prinzen zur Ausführung bringen, hieße dem Bürger, der durch die Belagerung schon in allem gelitten hat, ganz nutzlose Opfer an Geld, Zeit und Arbeit auferlegen."

Da erhob sich der edle Herr von Nordwyk; mit be­geisterten Worten erinnerte er au das Schicksal der Städte Zütphen, Naarden und Haarlem, die sich auch freiwillig ergeben und dennoch die unerhörtesten Grau­samkeiten erlitten hatten. Er wies darauf hin, daß wenn Requesens und Valdez auch menschenfreundlich ge­sinnt, ihre Ziele doch dieselben seien, wie Philipp und Alba sie gehabt, daß sie dem entsetzlichen Morden der zu Tiger gewordenen wilden Kriegstruppen beim besten Willen nicht immer Einhalt gebieten könnten.Ver­trauen wir," so schloß er seine Rede,dem Scharfblick und der Weisheit des Prinzen und hören wir nicht.auf den Rath derjenigen, die unter dem Vorwande, durch ,

Führer aller Parteien die Uebertreibungen des Abge­ordneten L-Hr ablehnten und auf eine Besprechung der Interpellation verzichteten, daß die Leitung der aus­wärtigen Politik auf die Unterstützung der gesammten Volksvertretung zu zählen hat. Auch der Abgeordnete Lehr selbst, Generalsekretär des Alldeutschen Verbandes, hatte wiederholt sein vollstes Vertrauen bekundet. Das mögen einzelne Ortsgruppen des Verbandes wohl be­achten, die ohne das von Herrn v. Bülow scharf be­tonte richtige Augenmaß für die reale Bedeutung der Dinge recht naive oder gar prahlerische Resolutionen gefaßt hatten. Von den paar Wegelagerern aber, die aus einseitigsten, mit der samoanischen Frage außer jedem Zusammenhang stehenden Partei-Intereffen mit Klappern der eigenen Regierung in den Rücken gefallen waren, wollen wir nicht weiter reden.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 15. April.

S e Majestät der Kaiser nahm gestern Abend beim Osfiziercorps des Garde-Füsilierregiments an einem Abschiedsessen für den General ä la suite, General­major v. Hülsen-Haeseler Theil, von wo Allerhöchst- derselbe um '/§ l2 Uhr ins königliche Schloß zurückkehrte. Heute Morgen unternahm Se, Majestät der Kaiser den gewohnten Spaziergang und hörte die Vorträge des Chefs des Generalstabes, Generaladjutanten, Generals der Kavallerie Grasen v. Schlüssen, und des Chefs des Militärkabinets, Generaladjutanten, Generals der In­fanterie v. Hahnke. Um 1 Uhr nahm Se. Majestät das Frühstück beim Oberstallmeister Grafen v. Wedel ein und gedachte später die fertiggestellten Theile des neuen Marstallgebäudes in Augenschein zu nehmen.

Das p r e u ß i s ch e A b g e o r d n e t e n h a u S be­gann am Donnerstage die erste Berathung der Kanal- Vorlage. Am Freitag wandte sich der Abg. Stengel (freit.) mit finanziellen und wirthschaftlichen Gründen gegen den Mittellandkanal. Das herrschende Verkehrs Bedürsniß müsse durch Eisenbahnen, nicht durch Kanäle, befriedigt werden, die im Winter einfrieren. Dazu kämen technische Schwierigkeiten, wie der unzulängliche Wafserreichthum der Elbe. Abg. Herold (Ctr ) trat da­gegen für den Kanal ein ; man könne doch den Dortmund- Emskanal nicht ohne Fortsetzung laffen. Der Kanal

Unterwerfung mildere Bedingungen von den Feinden erlangen zu können, nur ihren selbstsüchtigen Interessen leben."

Noch einige heftige Reden beider Parteien folgten, dann drang des Bürgermeisters ernste Ermahnung durch, und die Vorschläge des Prinzen ivurderk mit ge­ringer Stimmenmehrheit angenommen. Noch am selben Tage wurden Boten nach allen großen Handelsplätzen, der Küste gesandt, um großartige Lieferungen an Korn Getreide, Hülsenfrüchten usw. zu bestellen, auch Vor­bereitungen getroffen, daß die zwei übrigen Vorschläge so schnell als möglich ausgeführt werden sollten.

Drittes Kapitel.

Der Geheimgang.

Die Trinkstuben der Stadt waren heute mit zahl­reichen Gästen aus allen Ständen gefüllt; überall herrschte Freude, Heiterkeit und Frohsinn, und mit großer Spannung sah man Nachrichten über den bevor­stehenden Kampf an der Grenze entgegen. Daß der­selbe für die niederländische Sache siegreich ausfallen würde, darüber herrschte nur geringe Meinungsver­schiedenheit, und der Rathsbeschluß fand daher wenig Beifall, ja große Mißbilligung, selbst seitens der manischen Partei.

Am lebhaftesten ging es bei Dieter Bosch zu. Hier waren die meisten spanisch gesinnten Adligen, darunter Aremberg, auch viele Verwandte der aus Leyden ent­flohenen Glippers versammelt. Laut und heftig wurden die RathSbeschlüsse von ihnen verurtheilt, und sie ver­

werde sowohl für die Industrie, wie für die Landwirth­schaft von Nutzen sein. Finanzminister v. Miguel wies darauf hin, daß die Forderung des Baues eines Mitlel- land-Kanals vom Landtage ausgegangen sei. Verkehrs- Verbindungen zwischen dem Osten und dem Westen seien für beide Theile vortheilhast. Die Landwirthschaft werde nicht nur keinen Schaden, sondern Nutzen von dem Kanal haben; es sei ihm unbegreiflich, daß diese dem Kanal- Projekte entgegentrete. Der Staat gehe nur ein Risiko von 6 Millionen jährlich ein, da im übrigen die Pro­vinzen Garantie leisten. Eine Entlastung der Eisenbahn sei dringend nöthig, schon mit Rücksicht auf das sonst ungemeffene Anwachsen des Beamten-Heeres und der dadurch bedingten Ausgabe-Steigerung. Die geforderten Kompensationen würden sich hoffentlich gegenseitig selbst ausheben. Abg. Gothein (freis. Vgg ) begründete unter scharfen Angriffen auf die Regierung, die Minister Thielen zurückwies, die Kompensations-Ansprüche Schle­siens. Am Sonnabend wurde die Berathung fortgesetzt.

Die Reichstags - Kommission für die sogenannte lex Heinze beschloß mit 11 gegen 9 Stimmen, statt des 16. das 18. Lebensjahr als dasjenige festzusetzen, welches für die Strafbarkeit der Verführung eines Mädchens maßgebend sein soll.

Au der K a i s e r p a r a d e, welche in den ersten Tagen des September auf dem Kannstatter Exerzierplatz bei Stuttgart stattftuden soll, werden, lautSchwäv. Merkur", auch der Kaiser von Oesterreich, der König von Sachsen, der Prinzregent von Bayern und der Groß- Herzog von Baden theilnehmen. Diese Nachricht wird in weiten Kreisen mit Freude ausgenommen werden.

Die Kommission für S a m o a wird am 25. April an Bord des amerikanischen Transport-Schiffes Badger" von San Franzisko abreisen. Die amtliche Mittheilung der Ernennung des ersten Sekretärs der deutschen Botschaft in Washington Legationsraths Baron Speck v. Sternburg zum deutschen Kommissar für Samoa ist am Donnerstag in Washington eingetroffen. Ein Artikel derTimes" drückt die Befriedigung über die Ernennung des Frhrn. Speck v. Sternburg zum Mit- gliede der Samoa-Kommission aus und sagt, Deutsch­land habe hierdurch einen thatsächlichen Beweis von der Aufrichtigkeit seines Wunsches für eine schnelle Erledig­ung der Samoa-Frage gegeben. Der Artikel spricht weiter die Hoffnung aus, daß sich nun einer befriedigenden Lösung keine Hindernisse mehr entgegenstellen werden.

schworen sich hoch und heilig, daß es ihnen mit der Ausführung so eilig nicht gehen solle.

In einem Privatzimmer des Wirthes, fern von den Trinkstuben, hatte sich dagegen eine ganz andere Gesell­schaft zusammengefunden. Hier saßen bei einem Becher Wein in ernster Unterhaltung, der Bürgermeister, der Geuse, Jan van der Does und Dietrich van Bronkhorst, auch der Wirth fand sich ab und zu ein.

Dem Himmel sei Dank," sagte der Bürgermeister, daß die Beschlüsse durchgegangen sind, es hat Mühe genug gekostet!"

Wären sie nur schon ausgeführt!'' erwiderte der Geuse.Seid versichert, daß der Prinz, der überall, im spanischen Lager wie im Geheimrath zu Brüffel, seine Spione hat, nicht ohne die dringendsten Gründe so ernstlich auf sofortiger Ausführung besteht. Wann kann ich fort?'

Frau Magdalena von Moor wird gegen Mitter­nacht hier sein, um Euch den Geheimgang zu zeigen. Wir können uns nicht eher auf den Weg zu dem alten Moorschen Hause begeben, als bis alle Bürger zur Ruhe gegangen sind. Die Spanier bezahlen es mit 1000 Goldgulden, wenn der Geheimbote des Prinzen in ihre Hände füllt. Was würden sie erst zahlen, falls jemand ihnen den Weg zu einem so wichtigen Ver- bindungsmittel zwischen der Stadt und dem Freien zeigte! Es sind genug Leute in der Stadt, die eine solche Entdeckung sofort verrathen würden!"

Wer bewohnt jetzt das Momsche Haus?"

Der größte Theil ist armen Leuten von bet Baronin