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K. 48. Lieilstng h 25. Hril 1899.

Vestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt für die Monate Mai und Juni 1899 werden von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

. Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 18. April 1899.

Zwecks Ausbringung der nach dem Kreishaushalts- Etat für daS Etatsjahr 1899/1900 erforderlichen und in der Kreistagssitzung am 28. März d. JS. auf den Betrag von 25 150 Mark festgesetzten KreiSsteuer ist die Erhebung von 16 Prozent der sämmtlichen direkten Staatssteuern (Grundsteuer, Gebäudesteuer, Einkommensteuer, Betriebssteuer und Gemeindesteuer) als Gemeinde-Umlagen erforderlich geworden.

Den Herrn Bürgermeistern und Gutsvorstehern des hiesigen Kreises wird in den nächsten Tagen ein Aus- ' zug aus der diesbezüglichen Berechnung zugehen und wird ersucht, den darin namhaft gemachten Gesammt- betrag im Wege der Umlagenerhebung von den Pflichtigen zur Gemeindekasse einzuziehen und in vierteljährigen Raten an dieKreiskommunalkasse dahier portofrei einzahlen zu lassen. Die e r st e Rate wird am l 5. M a i, die zweite Rate am 1 5. August, die dritte Rate am 1 5. November d. I S. und die vierte Rate am 1 5. Februar 1 900 fällig und sind diese Zahlungstermine genau einzuhalten.

" Essteht d e n G e m e i n d e n, welche hierzu in der Lage finb, auch frei, ihre Zahl­ungen für das ganze Jahr im Voraus zu leisten.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses:

Freiherr von Schleinitz,

Königlicher Landrath, Geheimer Regierungs-Rath.

I. A. Nr. 1252.

HerSfeld, den 19. April 1899.

Die Landwirthschastskammer für den Regierungsbe­zirk Castel hat unteim 31. Januar d. Js beschlossen,

Der Geusenbote.

Geschichtliche Erzählung aus dem 16. Jahrhundert.

Von Arete G o g a r t e n.

(Fortsetzung.)

Hinein!" schrie der Geuse, als sie am Fluß an- langten. Ohne zu zögern, stürzten die Pferde in die i Flut und schwammen hinüber.

I Am jenseitigen User angekommen, wurden sie schon von den Kugeln der Spanier begrüßt, die auf der Brücke angelangt waren und ihnen zuriesen, sich zu er­geben, während die Reiter, die ihnen über die Wiesen gefolgt waren, auch bereits am Flusse anlangten.

\Vorwärts!" rief der Geuse,dahinten ist das Rottenmoor, der Boden wird hier schon weich. Ich kenne den Weg; folgt mir genau, jedes Abweichen um nur eines Fußes Breite stürzt ins Verderben. Ver­suchen die Spanier uns hier nachzusetzen, so ist der sichere Tod ihr LoS."

Von Kanälen durchschnitten, dehnten sich diese ge­fährlichen Moräste an dem Flusse Rotte in einem Um­fange von mehreren Meilen aus. Es war eine schauer­liche, öde Fläche, theilweise mit trügerischem Rasen überdeckt und hier und da unterbrochen von schwarz­gähnenden Schlüuden und bodenlosen Giuben; schmale, höchst gefährliche und kaum erkennbare Wege, die meist nur der Tolsbauer oder die Kundschafter kannten, führten in verschiedenen Richtungen durch diese * Moore.

I Langsam und vorsichtig ritt der Geuse voran, Dirk

für das Rechnungsjahr 1899 wieder/3 °/0 vom Grund- steuer-Reinertrag als Beitrag zu den Unkosten der Land- wirthschastSkammer zu erheben. Die vorjährigen Hebe­listen finden auch für 1899 Verwendung. Die Herrn Ortsvorstände haben diese Hebelisten sofort an das Königliche Katasteramt dahier abzugeben, damit dieselben für das laufende Jahr berichtigt werden können. Nach Rückempfang der Hebelisten ist die Einziehung und Ab­lieferung der Beträge an die Königliche Kreiskasse dahier anzuordnen.

Die Ablieferung der Beiträge hat bis spätestens zum 3 0. August d. J. zu erfolgen.

I. I. Nr. 2272. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Hersfeld, den 19. April 1899.

Die Herren Bürgermeister der Stadt- und Landge­meinden sowie die Herrn Gutsvorsteher des hiesigen Kreises veranlasse hierdurch unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 5. August 1898, J I Nr. 4467, im KreiSblatt Nr. 93, mir bis zum 3 0. d. M t s berichtlich anzuzeigen, ob die Gebäudeeigenthümer in den betreffenden Gemeindebezirken der in der Letzteren ergangenen Aufforderung gemäß ihre Gebäude mit den Nummern und Buchstaben versehen haben, unter welchen dieselben ausweislich des in den Händen der Hausbesitzer befindlichen Brandversicherungsscheines bei der Hessischen BrandversicherungS-Anstalt in Cassel, gegen Feuerschaden versichert sind. Etwaige Säumige find mir behufs weiterer Veranlassung des Erforderlichen namhaft zu machen.

J. I. Nr 2453. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, _______________________Geheimer Regierungs Rath.

Hersfeld, den 19. April 1899.

Vom 1. Mai d. J ab werden im hiesigen Kreise, in Ausführung des Gesetzes vom 7. April 1869 trigono­metrische Vermessungs-Arbeiten auSgefühit werden. Die mit diesen Arbeiten beauftragten Offiziere, Beamten, (Trigonometer und Hülsstrigonomter) werden sich durch offene Ordres" der Herrn Minister des Innern und für die Landwirthschaft ausweisen, die als Hülss- arbeiter kommandirten Soldaten führen zu ihrer Be­glaubigung Ausmeise mit sich, welche von dem Chef der Trigonometrischen Abtheilung der Landes - Aufnahme, Und) Dienststempel und Unterschrift vollzogen sind.

folgte. Der Boden bebte und schwankte unter ihnen, schwarzer Schlamm quoll zu beiden Seiten des Weges aus dem schleimigen Rasengrün, und Kibitz und ^Rohr­dommel stießen ihre kläglichen Warnungsrufe aus. Bald vernahmen die Flüchtlinge hinter sich das laute Geschtei ihrer Feinde und den Hufschlag ihrer Pferde.

Plötzlich schlug ein schweres Klatschen an ihr Ohr, gleich darauf wurde ein Schreckensschrei aus­gestoßen.

Einer unserer Verfolger ist schon zu Grunde ge­gangen," sagte der Geuse. ,.Habt acht auf den Weg, daß Euch nicht das gleiche Schicksal trifft."

Da pfiff eine Kugel an ihnen vorbei, schlug jedoch, ohne zu treffen, ins weiche Moor.

Unsere Schüsse können wir sparen", meinte der Führer,das Moor wird für uns kämpfen."

Der Weg wurde jetzt schmaler und so gefährlich, daß der Geuse absteigen mußte, um den kaum mehr er­kennbaren Pfad finden zu können.

Ein Pferd muß geopfert werden," sagte er, nahm seine Pistole und schoß das seinige mitten durchs Ge­hirn; dieses taumelte und versank im Sumpf, und der Geuse führte seinen Begleiter schweigend auf dem ge­fährlichen Pfade weiter.

Die unglücklichen Verfolger waren bald außer stande, auf dem schauerlichen Wege weiterkommen zu können; einer nach dem andern stürzte und versank in der bodenlosen Tiefe, und die wenigen, welche entsetzt zurückkehren wollten, sahen sich außer stande, solches zu thun, und kamen gleichfalls in dem Moraste um. ,

Bei der Wichtigkeit der zu gemeinnützigen Zwecken gesetzlich angeordneten Arbeiten erwarte ich, daß die be- theiligten Grundbesitzer dieselben nach Möglichkeit unter­stützen und insbesondere das Betreten ihrer Feldmarken den wie vorstehend beglaubigten Personen auch ohne vorherige Anzeige gestatten.

Die betreffenden Trigonometer sind angewiesen, jede Flurbeschädigung nach billiger Uebereinkunft, alle Kosten für Fuhrwerk, Holz, Baumaterial, besondere Hülfs- leistungen, Arbeiter rc, nach ortsüblichen Preisen baar zu bezahlen; dagegen haben dieselben mit dem Ankauf der Bodenflächen, welche zum Schutze der Festlegungs­steine von den Grundbesitzern an den Staat abzutreten sind, Nichts-zu schaffen. Die Erwerbung dieser Schutz- flächen für den Staat erfolgt später im Verwaltungswege; die Zahlung hierfür wird durch die Steuerkassen geleistet.

Gegen Vorzeigung ihrer oben erwähnten offenen Ordres bezm Ausweise sind die Offiziere und Beamten überall, wo sie es verlangen werden, für sich und ihre Diener, Burschen und Hülfsmannschaften mit geeignetem Quartier zu versehen, welches sie stets ebenso wie ihre Verpflegung unmittelbar und baar bezahlen werden. Es werden hierzu keinerlei Zuschüsse aus Staats- oder Ge­meinde-Mitteln gewährt.

Alle übrigen Hülfsleistungen und aller Vorschub, welche den Beauftragten widerfahren, werden gern be- merkt werden.

Die Ortsvorstände haben für die möglichste Ver­breitung dieser Bekanntmachung Sorge zu tragen.

I. 2459. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 22. April.

Inland.

Se. Majestät der Kaiser traf zur Feier des Geburtstages des Königs Albert heute Vormittag um 11 Uhr 40 Min von Eisenach kommend mit Gefolge in Strehlen ein. Die Begrüßung zwischen den Monarchen war überaus herzlich. Nachdem das Frühstück eingenommen war, begaben sich die Majestäten nach dem Paradefelde, woselbst bei herrlichstem Wetter die glänzend verlaufene Parade stattfand. Der Kaiser führte bei derselben dem

Endlich war jeder menschliche Laut verstummt, und die Flüchtlinge entnahmen daraus, daß ihre Feinde alle den Tod gesunden hatten. Nach einer Stunde wurde der Boden fester, der Weg breiter und bald erreichten sie einen Damm, der direkt nach Rotterdam führte.

In der Nähe der Stadt halten sie keine umher­streifenden Feinde mehr zu befürchten und gegen 11 Uhr morgens langten sie an den Thoren an und begaben sich sofort nach dem Palais des Prinzen-StatthalterS.

Schon vor dem Eingänge des Schlosses vernahmen sie von mehreren dort versammelten Obersten und Hauptleuten, daß die Trauernachricht von der Schlacht auf der Mookerheide die Stadt erreicht habe, was ihnen einige Erleichterung gewährte, da es sie der schmerzlichen Nothwendigkeit enthob, die ersten Ueber» bringet der Nachricht bei dem Prinzen zu sein. Nach­dem sie das Pferd und die Tauben einem Diener über­geben, nannten sie ihre Namen einem der wachthabenden Soldaten. Sie hatten nicht einmal Zeit, den Schmutz von ihren Kleidern zu entfernen, als der Prinz sie schon zu sehen verlangte.

Sie folgten ihrem Führer in ein einfach auSge- stattetes Gemach, wo an einem mit Schriften bedeckten Tisch der Statthalter saß, der sich erhob, als die beiden Angekündigten hereintraten, und sie herzlich, aber ernst begrüßte.

Ihr beide kommt zusammen aus Leyden?" fragte er erstaunt und warf dem Geusen einen ausdrucks­vollen, fragenden Blick zu, den dieser mit leisem Kopf- schütteln zu verneinen schien.