Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Abonnenientspreis Vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel. Postaufschlag.
aUw^rirtelot^ Brilag«
®rati«kUögen: „311 tistritte» Ssnnragsbtatt
Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklanien die Zeile 20 Pfg. Bei größere» Aufträgen entsprechender Rabatt.
Sr. W
laiiiifi'finn iitti -7 Annl
Gestellungen auf das Hersselder Kreisblatt für die Monate Mai und Juni 1899 werden von allen Kaiserlichen f)ostanstalten, kandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
> Cassel, den 7. April 1899.
Bekanntmachung.
An der L a n d w i r t h s ch a f t s s ch u l e in Weil« bürg, Regierungsbezirk Wiesbaden, soll auch in diesem Jahre, und zwar in der Zeit vom 14. August bis 16. September ein Kursus zur Ausbildung von Volksschul- lehrern zur Ertheilung des Unterrichts an ländlichen Fortbildungsschulen abgehalten werden, welcher den ersten Theil eines Gesammtlehrganges darstellen wird.
Lehrgegenstände des bevorstehenden Kursus sind: Chemie, Pflanzenproduktionslehre, Zoologie (Anatomie und Physiologie der If.-iihmirthfrfinfWirken (Sausthiere) ‘Tnrtr-ttmtntrtTt^ai t li$ es Unterrichtwesen nebst Uebungen.
Den Theilnehmern wird ein Zuschuß aus Staatsmitteln in Aussicht gestellt, wobei jedoch vorausgesetzt wird, daß auch die Gemeinden ihr Interesse an der Sache möglichst durch Uebernahme eines Theiles der Ausbildungskosten der Lehrer bekunden. Die Beihülsen (Staatsund Gemeindezuschuß) zusammen betragen in der Regel 90 Mark. Nach den maßgebenden Grundsätzen haben diejenigen Bewerber, deren Gemeinden sich zur Tragung eines angemessenen Theiles der Reise- und Ausenthalts- kosten verpflichten, Aussicht auf vorzugsweise Berücksichtigung. Wir geben den betreffenden Gemeinden anheim, sich durch einen von dem Lehrer auszustellenden Revers dahin zu sichern, daß derselbe die erhaltene Summe < zurück zu zahlen hat, wenn er innerhalb Jahresfrist nach
> stattgehabtem Kursus die Gemeinde verläßt.
Indem wir noch bemerken, daß es im Interesse der gründlichen Ausbildung der Kursisten sehr erwünscht ist, daß sie nicht nur an einem einzelnen Kursus, sondern an einem vollständigen, 2 Kurse umfassenden Lehrgänge theilnehmen, fordern wir die Lehrer, welche an dem
diesjährigen Kursus theilnehmen wollen, auf, ihre Gesllche bis spätestens zum 20. Mai d. Js. durch Vermittelung des Königlichen Schulvorstandes bezw. der Stadtschul- deputation an uns einzureichen.
* , *
*
Abschrift mit der Veranlassung, durch weitere Veröffentlichung vorstehender im Amtsblatt zum Abdruck kommenden Bekanntmachung oder in sonst geeigneter Weise auf den Kursus aufmerksam zu machen und uns die eingehenden Meldungen bis spätestens Ende Mai d. J einzureichen. Dabei erwarten wir eine Aeußerung darüber, ob von der beabsichtigten Ausbildung der betr. Lehrer eine Förderung des ländlichen Fortbildungsun- terrichls zu erwarten steht und wie viel die Gemeinde zu der Ausbildung beizutragen bereit ist. Falls keine Meldungen eingehen sollen, ist Fehlanzeige zu erstatten.
Königliche Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen.
F l i e d n e r.
An die Herren Landräthe und die Stadtschuldeputationen des Bezirks.
* * *
Hersfeld, den 24. April 1899.
Wird den Königlichen Herren Ortsschulinspektoren des biestaen .$r»ii»& mit hem »vnefionRen ffriiiAon um gefällige Bescheidung der Herren Lehrer hiernach nirrge- theilt. Etwaige Meldungsgesuche sind mir bis spätestens zum 15. Mai cc. einzureichen, wobei auch anzugeben bleibt, ob die betr. Gemeinde einen Beitrag zu den Reise- und Aufenthaltskosten leisten will und in welcher Höhe, ev. aber roesi) ilb nicht.
I. 2316. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Ralh.
HerSfeld, den 24 April 1899.
Die Königlichen Herren Ortsschulinspektoren des hiesigen Kreises ersuche ich hierdurch ergebenst, mir gefälligst bestimmt bis zum 2. Mai d. Js. mittheilen zu wollen, wie viel Kinder die Ihnen unterstellten Schulen am 1. M a i d. I s. besuchen und (bei in e h r k l as- sigen Schulen) wie viel davon auf eine Lehrkraft entfallen.
J. 1. Nr. 1778. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regieruirgs-Rath.
Cassel, den 24. April 1899.
Im hiesigen Schlachtviehhofe ist heute an einem Stück Rindvieh der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche festgestellt worden. Der Abtrieb von Wiederkäuern und Schweinen vom Schlachtviehhofe ist bis auf Weiteres untersagt.
(Mittheilung gemäß Verfügung des Herrn Regierungs- Präsidsnten vom 31/8. 98 — AIII. 6950 —.)
Der Königliche Polizei-Präsident: Graf Königsdorff.
An das Königliche Landralhsamt in Hersfeld.
* ^ *
*
Hersfeld, den 25. April 1899.
Wird veröffentlicht.
I. 2565. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz,
Geheimer RegierungS-Rath.
Homberg, den 20. April 1899.
Die unter den beiden Schafheerden zu Mühlbach ausgebrochene Räüdekrankheit ist erloschen.
Der Landrath von Gehren.
An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld. * * juuui den 22. April 1899 8
I. 2507. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Eisenach, den 21. April 1899.
In Marksuhl ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und die Feldmarksperre verfügt worden. Großherzogl. Bezirksdirektor.
An den Herrn Landrath in Hersfeld. * * *
Hersfeld, den 24. April 1899.
Wird veröffentlicht. I. 2537. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hierdurch mache ich bekannt, daß der Beginn deö nächsten Kursus zur Ausbildung von Lehrschmiedemeistern an der Lehrschmiede zu Charlottenburg auf Montag, den 3. Juli d. I., festgesetzt ist.
Der Geusenbote.
Geschichtliche Erzählung aus dem 16. Jahrhundert.
Von Arete G o g a r t e n. (Fortsetzung.)
Was in der Umgegend von LebenSmitteln zu haben war mini» nnf_Befebl_das—Bnra^«»»»'^^—»«—*“-“- Stadt aufgekauft, und on in den nächsten Tagen kamen Barken, Boote und Wagen, beladen mit Lebens- milteln, an. Allein diese Lieferungen waren doch nur unbedeutend, da alles Land ringsumher von den Spaniern fast auögesogen war und umherstreifende Truppen, die sich schon bis in die Nähe der Dörfer auf Leydener Gebiet wagten, allenthalben die Zufuhr zu verhindern suchten. Die großen Kornlieferungen, welche von den Getreidehändlern bestellt worden waren, konnten erst in einiger Zeit erwartet werden, und schwere Sorge be- schlich das Herz des Bürgermeisters, wenn er daran dachte, daß die Spanier ankommen könnten, ehe diese Sendungen angelangt waren. Draußen vor dem Thore, zwischen den Wällen und den Schanzen, weideten an 1000 Milchkühe und eine noch größere Anzahl Ochsen; Wein und Bier gab es auch noch in reicher Fülle, aber von der Hauptsache, Getreide und Korn für Brot, waren nur 110 Scheffel vorhanden! Was war baß für eine Bevölkerung von 15 000 Menschen.
Der Bürgermeister befahl daher, daß alle vorhandenen Vorräthe an Mehl und Hülsenfrüchten abgeliefert werden sollten, und daß, solange die erwarteten Getreidesendungen nicht angekommen seien, eine jede erwachsene Person
nicht mehr als ein halbes Pfund Brot täglich erhalten durfte, die Wachtposten sollten ein Pfund und die Kranken ein Pfund Zwieback bekommen.
Von Vertheidigungstruppen fanden sich in der Stadt nur etwa 800 Freischützen und ein Fähnlein kriegsgeübter Truppen unter Joost van Sickert. Daher »>..'„"'» Ori ener be- soldet wurden, in den Waffen geübt und diesen allen die Vertheidigung der Wälle übertragen. Jan van der Does wurde einstimmig zum Kommandanten gewählt, der Bestätigung des Prinzen war Man sicher.
Der Monat Mai war gekommen, die schweren Regenwolken, welche lange über Leyden gehangen, hatten lichteren Tagen Platz gemacht, überall in der Natur blüthe und duftete es, Schmetterlinge gaukelten von Blume zu Blume aus Wiesen und Feldern, und die wilde Heckenrose zeigte ihre ersten Knospen. Doch die sonst so üppigen Aecker lagen unbebaut inmitten der Frühlings- prachl, denn die Landleute bangten vor der Arbeit und fürchteten die Scharen der wilden Krieger, die nun bald raubend und sengend in das unglückliche L ydener Gebiet ziehen würden.
Sorge und Bekümmerniß auf dem Antlitz stand der Bürgermeister aus dem Walle des Waitlhurms und fragte sich, wie lange noch? und alle diese gesegneten Fluren rings um die Stadt widerhalleu vom Getöse der Waffen und dem Lärm und Toben der wilden Kriegshorden? — DaS geräuschvolle Treiben in der Stadt drang bis zu ihm heraus, er sah, wie die Leute mit Freude'und Lachen, unter Gesang und Scherz an
den Festungswerken arbeiteten, und der furchtbare Ernst der Lage kam mit erneuter Gewalt über ihn.
In seinem Geiste sah er den blutrothen Schein der Kriegsfackel schon auflodern am Himmel, sah die spanischen Horden raubgierig gegen die reiche stolze Stadt heranziehen, er wußte, daß, wenn sie kamen, es einen furchtbaren Kamvt auf Leben und Tod aeben würde.______ und er gelobte sich, daß die seinen Händen anvertraute Stadt ehrenvoll siegen oder untergehen sollte.
Da naheten sich eilige Schritte, und Pieter Bosch trat heran: „Ich suche Euch überall. Heute Nacht ist der Geuse mit Botschaft vom Prinzen gekommen, der Kommandant ist schon bei ihm."
„Endlich!" kam es wie ein Seufzer der Erl.ichteruirg über des Bürgermeisters Lippen. Wir erwarteten ihn schon seit Tagen mit Angst und Bangen!" Beide begaben sich eilig zu dem Hause des Gastwirths.
„ES hat lange gedauert, ehe ich wiedeikommen konnte," begann der Geuse nach den ersten Begrüßungen. „Ich wurde von einem Trupp Spanier verfolgt, mußte in die Festung Polderwaert flüchten, — und war gezwungen, hier mehrere Tage zu bleiben, bis es mir gelang, die Feinde als Hausierer zu täuschen und zu entkommen."
Dann übergab er dem Bürgermeister verschiedene von dem Statihalter gesandte Papiere. Sie enthielten die schriftliche Bestätigung der Ernennung des Jan van der Does zum Kommandanten, sowie die Nachri-bt, daß Oberst Francesko Valdez seine Truppen nach der Schlacht auf der Mookerheide zusammengezogen, durch zahlreiche