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$r. 52. SoiintiN ho 4 Mai 1899.

Gestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt für die Monate Mai und Juni 1899 werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 1. Mai 1899.

Dem Vernehmen nach steht in diesem Jahre ein Flug­jahr der Maikäfer zu erwarten.

Der große Schaden, den die zahlreich vorkommenden Engerlinge, aus denen bekanntlich die Maikäfer sich ent­wickeln, an den Feldfrüchten anrichten, sowie der den Waldbäumen durch Maikäferfraß an den Blättern und durch Abnagen der Wurzeln junger Pflänzlinge von Engerlingen zugefügt wird, gebietet im allgemeinen In­teresse ein wirksames, auf Vernichtung dieser Schädlinge gerichtetes gemeinsames Vorgehen der Wald- und-Feld- besitzer. Soll ein Erfolg erreicht werden, so muffen alle Betheiligten, sobald die ersten Maikäfer sich zeigen, sofort mit dem Einfängen und Vernichten derselben beginnen, da gerade diese die Eier ablegenden Weibchen sind. Am geeignetsten hierzu sind die Morgenstunden (vor 8 Uhr), in denen das Abschütteln und Absuchen der belaubten Bäume zweckmäßig durch Schulkinder zu geschehen hat, denen aus den Gemeindekussen dafür angemessene Prämien zu bewilligen sein werden. Von Seiten der Staalsforst- verwaltung sind derartige Prämien bereits in Aussicht gestellt, wenn die Schulkinder sich eifrig i» den nächsten Wochen mit dieser Thätigkeit befassen. Die Herren Forstbeamten werden nähere Auskunft ertheilen.

Die Herren Bürgermeister des Kreises erhalten hier- .mit auf Grund des § 15 der Polizei-Verordnung vom 22. April 1892 (Amtsblatt S. 109) die Weisung, die grundbesitzenden Ortsangehörigen aufzufordern, mit allen verfügbaren Kräften die Vertilgung der Maikäfer zu be­treiben, auch diejenigen, welche dieser Aufforderung bös­willig nicht Nachkommen sollten, auf Grund des § 34 des Feld- und Forst-Polizeigesetz s vom 1. April 1880 zu bestrafen.

Bis zum 15. Juni d. J. ist mir sodann zu berichten, welche Mengen Maikäfer in den Gemeindebezirken ge­sammelt und vernichtet sind, und welche Erfahrungen bei der Durchführung dieser Anordnung gemacht worden sind. 1. 2608. Der Königliche Landrath

I. V : , Braun, Kreisdeputirter.

Hersfeld, den 24. April 1899.

Nach Mittheilung der Königlichen Staatsanwaltschaft zu Gaffel sind die Herren Ortsoorstände zu

Biedebach, Bingartes, Eichhof, Eitra, Harnrode, He­ringen, Kleinensee, Lampertsfeld, Lautenhaufen, Leng- ers, Meckbach, Mecklar, Meisebach, Oberrode, Peters­berg, Sorga, Tann, Unterhaun und Untergeis mit Einsendung der Anzeige über das Ableben bestrafter Personen für das 2. Kalenderhalbjahr 1898 im Rück­stände, und werden dieselben deshalb hierdurch an die sofortige Erledigung der diesseitigen. Verfügung vom 24. September 1890 Nr. 8876, Kreisblatt Nr. 114, erinnert, mit Frist bis z u m 8. M a i d. I s. b e i M e i - dung von 3 Mark Strafe.

Die erfolgte Einsendung der fraglichen Anzeige ist mir hprirfitlirh ntuiupinpti------ I. I. Nr. 2641k- Der Königliche Landrath

I. V.:

Braun, Kreisdeputirter.

Hersfeld, den 26. April 1899.

Nach Mittheilung des Königlichen Landrathsamtes zu Ziegenhain ist die unter dem Rindviehbestand des Konrad Heinrich Wagner zu Olberode und des RittergutSpächters Collmann zu Hausen ausgebrochene Maul- und Klauen­seuche erloschen.

I. I. Nr. 2587 u. 2588. Der Königliche Landrath.

J. V.:

Braun, Kreisdeputirter.

Hertzfeld, den 26. April 1899.

Die Herren Ortsoorstände zu

Allmershausen, Biedebach, Bingartes, Eitra, Eicbhof, Friedlos, Mecklar, Meckbach, Meisebach, Reilos, Rohr- bach, Unterhaun, Tann, Lampertsfeld, MalkomeS, Ober- rode, Petersberg, Sorga, Wehrshausen, Wilhelmshof, Harnrode,Heringen,Hillartshausen, Kleinensee, Lengers, Philippsthal, Widdershausen, Kerspenhausen, Engel­

bach, Kohlhausen, Mengshausen und Niederaula haben das rückständige Verzeichniß der Hand- und spann- dienstpflichtigen Personen für das laufende Jahr als­bald an den zuständigen Straßenmeister einzusenden.

I I. Nr. 2595. Der Königliche Landrath.

J. V.:

Braun, Kreisdeputirter.

Hersfeld, den 1. Mai 1899.

Im Monat April d. Js. sind folgende JahreS-Jagd- fcheine ausgefertigt worden:

1. am 1/4. für den Mühlenbesitzer Herrn Christoph Klein- kanf zu Ludwigsaumühle bei Reilos,

2. 4/4. vonBaumbach'schenUnterförsterHerrn G. Kehl in Goßmannsrode (unent­geltlich),

3. 5/4. Forstmitaufsrher Herrn Göbel in Hersfeld (unentgeltlich),

4. 5/4. Landwirth Herrn Valentin Meister zu Hof Beiersgraben,

5. 19/4 Gastwirth Herrn Conrad Grenzebach in Niederaula,

».",,,. ,. -p-ujauiuiuiu u. jv. ^erru vruun in Biedebach,

7. 20/4. Volontair-Verwalter Herrn Walther Ehrler zu Eichhof,

8. 26/4. Rechtsanwalt Herrn L. Suntheim in Hersfeld,

9. 26/4. Musikus Herrn Wilhelm Wenzel in Rotterterode,

10. 26/4. Landwirth Herrn Wilhelm Klotz­bach III. in MalkomeS,

11. 27/4. Landmirth Herrn Heinrich Heiderich II. in Lautenhaufen.

Der Königliche Landrath.

J. V.:

Braun, Kreisdeputirter.

Die chirurgische Klinik in Marburg nimmt Kranke unter folgenden Bedingungen auf: I. Klasse (Einzelzim­mer) täglich 6 Mark, II. Klasse (2 in einem Zimmer) täglich 4 Mk., III. Klasse täglich 1,50 Mk.

Die Klinik besitzt ein vollständig eingerichtetes medico- mechanischeS Institut und einen Röntgen-Apparat. Für Benutzung des erster» wird von Kranken I. u. H. Klasse

Der Geusenbote.

Geschichtliche Erzählung aus dem 16. Jahrhundert.

Von Arete G o g a r t e n.

(Fortschung.)

,,Verräter!" rief eine Stimme laut in das tiefe Schweigen der Menge. Denke an das Blutgericht in Brüssel! Denke an deine Opfer und an den verrathenen 3 Joost von Moor!"

Aremberg fuhr zusammen, Leichenblässe bedeckte sein Antlitz, entsetzt und verwirrt blickte er um sich. Was war das? Wer hat gerufen?

Niemand wußte, von woher die Stimme kam, aber der Bann, in dem ArembergS Rede sie gehalten, war plötzlich gebrochen.

Was ist'S mit dem Verräther?" riefen mehrere.

Hub mit dem Blutgericht?'

Was ist mit den Opfern gemeint?"

Was hat Aremberg mit Joost von Moor zu thun gehabt?"

«Das ist ja der Verräther, der Vatermörder!"

Freunde," erscholl Arembergs tiefe Stimme aufs neue, während seine Blicke unsicher und forschend über die Menge glitten,zerreißt den alten Bund nicht, rerzt nicht den Zorn des KönigS, ihr seid nicht stark geling, um erfolgreich sümpfen zu können. Unter« W- « öutwillig, so behaltet ihr alle Rechte, ja werdet vielleicht noch"

Der Schluß seiner Rede verhallte unter dem lauten Droh«» und dem entrüsteten Widerspruch der Menge.

Einzelne Gesellen, klüftige Männer hoben sogar drohend die Fäuste gegen ihn, und er sah ein, daß es das beste für ihn war, wenn er sich entfernte. Im nächsten Augen­blicke war er in einer Seitengasse verschwunden.

Aus dem Rathhause aber trat, begleitet von den Wachen, der spanische Unterhändler mit der Botschaft an Valdez Nach dem Vorschläge des Kommandanten bestand sie aus einem großen Bogen Papier, auf dem nur die Worte geschrieben standen:Fistula dulce canit, volucrem dnm decipit anceps. (Sanft flötet der Pfeifer, wenn er den Vogel ins Garn lockt.)

*

*

In einem Gemach des van der Doesschen Hauses saßen an demselben Tage die alle Baronin von Moor und Frau Magdalena, die Beguine, zusammen. Das Zimmer war in alter, gediegener Pracht gehalten, welche den Reichthum des Hauses bekundete. Schwere Sammet­vorhänge vor den Fenstern verbreiteten ein sanftes Dämmerlicht, Teppiche zierten den schön eingelegten Fußboden und kostbare Schaustücke von Goldschmiedearbeit standen auf den herrlich und kunstvoll geschnitzten alten Schränken.

Die Frauen waren in einem ernsten religiösen Ge­spräche begriffen. Auch das Herz der Beguine begann, wie es schien, sich unvermerkt immer mehr der neuen Lehre zuznneigen.

Da öffnete sich die Thüre, und Karel trat mit Adrian van der Does herein.

Mutter," rief er fröhlich,heute Abend nimmt der

Geuse noch zwei Tauben mit. Ich darf sie ihm bringen, der Onkel Hat's erlaubt."

Hoffentlich werden sie uns gute Dienste leisten," er- widerte Frau Magdalena freundlich,ich freue mich, daß du deine Lieblinge gerne opferst."

So ist der Geuse noch hier?" fragte die alte Dame, nachdem die Knaben nach einer Weile wieder fortgegangen waren.Ich hätte ihn gern noch einmal gesehen."

Er hat sich bisher verborgen halten müssen," enteignete die Beguine. Nach einer Weile fügte sie stockend hinzu:Mutter, erinnert dich seine Stimme an niemand?"

Die alte Baronin fuhr zusammen:Also auch dir kommt die Stimme bekannt vor?"

Ja," war die Antwort, wenn das Aeußere des Mannes nicht so völlig verschieden wäre, man könnte glauben" sie hielt zögernd inne.

Ich weiß, was du meinst," sagte die Greisin hart. Aber das ist unmöglich. Auch mich hat die Stimme einige Tage laug weich gemacht. Aber das ist vor­über. Er, dem sie gehörte, ist ausgelöscht aus meinem Leben!"

Mutter, dein Urtheil ist zu hart," antwortete erregt Frau Magdalena.Wenn er auch ein Freund und Anhänger Spaniens war, wie so viele verlockt durch Ehr­geiz, verblendet durch die Pracht und den Glanz des Hoflebens, so ist er doch kein Verräther, ein Vatermörder geworden. Aremberg war sein böser Eng l; dessen Schuld war es, daß Joost und ich nicht mit übertraten