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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel. Postausschlag.

AkOz hu 16. Mai

Die Jnsertionsgebnhren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile^fg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

GratisbeUasen rIlluftvirtes Sonnragsblatt" u.Jünstrirtr landwirthschaftliche Verlage

Amtlicher Theil.

Das Preußische Staatsschuldbuch auch in dem Ende März d. J. abgelausenen Geschäftsjahre seitens der Besitzer von Schuldverschreibungen der konsoli- dirten Staatsanleihen lebhaft in Anspruch genommen worden.

Die Zahl der eingetragenen Konten betrug Ende März 1897 : 19 467 über 1'158 586 500 Mk. Kapital,

1898:21 569 1288 193 100 sie bis Ende März 1899 auf

22 732 über 1 292 244 450 Mk. Kapital gestiegen.

Von den letztgedachten Konten entfallen 84,7 °/0 auf Kapitalien bis zu 50000 Mk. und 15,3 °/0 auf giößere Kapitalsanlagen.

Für physische Personen waren Ende März 1899 15132 Konten über 596 614 450 Mk., für juristische Personen 3613 Kanten über 473 699 150 Mk. einge­tragen. Die Zahl der Konten für bevormundete oder in Pflegschaft stehende Personen im letzen Jahre von 1280 auf 1394 gestiegen.

Von den Zinsen ließen sich die Empfangsberechtigten halbjährlich 12 528 Posten von der Staatsschulden- Tilgungskasie in Berlin durch Werthbrief oder Postan­weisung direkt zusenden, 3617 Posten wurden durch Gut­schrift auf Reichsbank-Girokonto berichtigt und 10.816 Posten wurden bei den mit der Auszahlung beauftragten Königlichen Waffen abgehoben.

Von den Konteninhabern wohnen 19 316 in Preußen, 3147 in anderen Staaten Deutschlands, 206 in den übrigen Staaten Europas, 21 in Asien, 9 in Afrika und 33 in Amerika.

Das Staatsschuldbuch ist allen denjenigen Besitzern Preußischer KonsolS zu empfehlen, für welche diese Pa­piere eine dauernde Anlage bilden, und welche Kapital und Zinsen gegen den Schaden unbedingt sichern wollen, der ihnen, solange ihr Recht von dem jeweiligen Besitze der Schuldverschreibungen und Zinsscheine abhängig, durch Diebstahl, Verbrennen oder sonstiges Abhandenkommen dieser Effekten nicht selten entsteht.

Laufende Verwaltungskosten werden von den Konten­inhabern nicht erhoben. Für jede Einschrist ist ein ein­maliger Betrag von 25 Pfennig für jede angefangenen 1000 Mk des Kapitalbetrages, über welchen verfügt wird, (mindestens 1 Mk.) zu zahlen.

Der Geusenbote.

Geschichtliche Erzählung aus dem 16. Jahrhundert.

Von Arete Gagarten. (Fortsetzung.)

Und Wind und Wellen sind ihm gehorsam!" so sprach Hendrik de Baas, der Hauptprediger, und mit bebender Stimme redete er den Verzweifelten Trost und den Hoffnungslosen neuen Muth ein:Wie auf dem See Genezareth, so gilt auch heute noch das Wort des Allmächtigen Gottes: Er gebietet dem Wind und dem Meere, und sie sind ihm gehorsam!" Und seine Worte drängen ein in die verzweifelten Herzen, beruhigt und getröstet schauten sie auf; jaWind und Wellen sind ihm gehorsam!" so drang es durch aller Herzen, und eine wunderbare Zuversicht und Trost kam über sie.

Und siehe da! Am nächsten Morgen, den 28. Sep- tember, da brach zugleich mit der Fluth ein heftiger Südwest los, und nun stürmten die MeereSwogen durch . durchstochenen Dämme, Vernichtung und Verwüstung n ^ ^ihrend, der Sturm heulte und raste, und die -Lellkn ergossen sich wild und donnernd über die Fluren, ü er Felder, Dölfer, Höfe und Weiler, und die uigei stürzten auf die Wälle, um das grausig schöne k h ^ ^hen, und aus die Kniee sanken die Tau- dankend vor Freude und Gott lobend und

^"^Ee aber entfaltete sich jetzt ein bewegte« ^relven. finstern, narbenbedeckten Gesichter der

Die von uns veröffentlichtenA m t l i ch e n Nach­richten über das Preußische Staatsschuldbuch", welche über Zweck und Einrichtung des Schuldbuches Genaueres ergeben, können durch jede Buchhandlung oder direkt von dem Verleger J. Guttentag, Berlin, für den Preis von 40 Pf. oder durch die Post frei 45 Pf. bezogen werden. (I. 802) Berlin am 11. April 1899.

Hauptverwaltung der Staatsschulden. v. H o f f m a n n.

Caffel, 6. Mai 1899.

Für die Zeit vom 15. Mai bis Ende September wird in Bad Wildungen eine Postanstalt mit Telegraphen­betrieb als Zweigstelle des Kaiserlichen Postamts in Wildungen Stadt unterhalten werden.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 13. Mai.

Aus Metz, 12. Mai, wird berichtet: Die heutigen Manöver zwischen Ars und Novsant standen unter der Leitung des kommandirenden Generals Grafen v. Haeseler, welcher die Aufgabe gestellt hatte, daß nach in der Nacht erfolgtet Kriegserklärung eine Division auf dem linken Moselufer Vorgehen solle, um den vor Pont ä Mousson stehenden Feind zurückzuwerfen. Den Befehl über diese Division führte Se. Majestät derKaiser, welcher um 7 Uhr früh mit Ihrer Majestät der Kaiserin in Ars anlangte und sofort zu Pferde, stieg, während Ihre Majestät die Kaiserin das Manöver zu Wagen beobachtete. Nachdem der Gegner, ebenfalls eine Division unter Führung des Generalleutnants v. Freyholt, anfänglich einige Vortheile errungen hatte, mußte er dem seinen rechten Flügel theilweise umfassenden Angriff der kaiser­lichen Division weichen, welche den Feind schließlich gegen 10 Uhr durch einen allgemeinen kräftigen Vorstoß auf Novsant zurückwarf. Ihre Majestäten begaben sich so­dann von Ar« mit der Bahn nach Urville zurück. Zu der heutigen Abendtafel in Urville waren der Statthalter Fürst zu Hoheulohe-Langenburg und Gemahlin erschienen, außerdem waren an die Stabsoffiziere des Königs-Jn- fanterieregiments Nr. 145 Einladungen ergangen Heute Vormittag 10 Uhr haben Se. Majestät der Kaiser und Ihre Majestät die Kaiserin Urville verlassen und sind nach Wiesbaden abgereist. Unterwegs hörte Seine Majestät der Kaiser den Vortrag des Chefs des Zivil-

Geusen erheiterten sich, und die mettergebräuten, harten Hände griffen nach den Tauen und Rudern. In drei Abtheilungen brach die gesammte Flotte auf und steuerte auf die spanischen Verschanzungen an den Dämmen von Zoetermer, Benthuyzen, Zoetermonde und Lammen los. Die ersten derselben am sogenannten Kirchweg wurden um Mitternacht nach heftigem Kampfe genommen, der Damm an drei Stellen durchstochen, und nun fuhr die Provianlflotte, aus beiden Seiten von den Batterieen geschützt, in den Meerburger Polder bei Zoeterwonde hinein.

Eine starke Abtheilung Spanier hielt hier die durch treffliche Bollwerke geschützten Dämme besetzt. Die Geusen begannen sofort ein heftiges Geschützfeuer. Ein blutiger Kampf entspann sich, die Häuser des Dorfes Zoeterwonde sammt der Kirche und der Schanzen fingen Feuer, und bald loderte ein Flammenmeer durch die dunkle Nacht und beleuchtete meilenweit die in ein tosendes Meer ver­wandelte Landschaft.

Dazwischen erscholl der Siegesruf der Geusen, das Geschrei der Kämpfenden. Der Sturm heulte, peitschte die Wogen, trug die brennende Asche durch die Lust, und bald hatten auch die Dörfer Zoetermer und Benthuyzen Feuer gefangen und gingen in Flammen auf.

In Leyden aber fand in dieser Nacht niemand den Schlaf. Aus den Wällen lagen und standen Männer, Frauen und Kinder dicht gedrängt und schauten unver­wandt auf das grausige Schauspiel vor ihren Augen. Sie sahen Hunderte von Lichtern auf- und niedertauchen

kabinets, Wirkt. Geh. Raths Dr. von Lucanus. In Münster am Stein hatte sich der kaiserliche Sonderzug eine Viertelstunde aufgehalten, wo die Söhne Sr. königl. Hoheit des Prinzen Heinrich, die Prinzen Waldemar und Sigismund, das Kaiserpaar begrüßten. Um 4 Uhr 40 Min. sind Ihre Majestäten mit den jüngsten Kindern bei prachtvollem Wetter in Wiesbaden eingetroffen und am Bahnhof von der Prinzessin Luise von Preußen und den Spitzen der Behörden empfangen worden. Vom Bahnhof fuhren die Majestäten durch die herrlich ge­schmückten Straßen nach dem Schlosse, überall von der zahlreichen Menschenmenge enthusiastisch begrüßt.

Im Reichstag wurde am 10. d. Mls. trotz des sozialdemokratischen Widerspruchs die zweite Berathung des Jnvaliditäts- und Alters Versicherungs-Gesetzes be­gonnen. An den Paragraphen 3a, welcher nach den Kommissions-Beschlüssen ausländische Arbeiter in gewissen Fällen von der VersicherungS-Pflicht entbindet, den Ar­beitgebern aber trotzdem die üblichen Beiträge auferlegt, knüpfte sich eine eingehende und heftige Debatte. Der Abg. Stadthagen (Sozd.) verglich die in Deutschland arbeitenden polnischen und russischen Arbeiter mitchine­sischen Kulis" und warf ihnenSchmutz - Konkurrenz" vor. Seine Aeußerungen erfuhren sowohl von dem Staatssekretär Grafen von Posadowsky wie von Mit­gliedern der konservativen Parteien und der Polen ent­schiedene Zurückweisung. Abg. Graf Klinckowström (dk.) zeigte darauf an einem recht drastischen Beispiele, wie wenig arbeitersreundlich gerade sozialdemokratische Guts­besitzer zu verfahren pflegten. Auch die Sitzung am 12. d Mts. wurde noch fast ganz von der Debatte über den Paragraphen 3a ausgefüllt. Dieselbe entfernte sich völlig von dem eigentlichen Gegenstände und gestaltete sich zu einem scharfen MeinungS-Kampfe zwischen der Sozialdemokratie und den nichtsozialdemokratischen Par­teien. Die Angriffe der Abgg. Bebel (Sozd.) und Mol- kenbuhr (Sozd.) wurde von den Abgg. Nißler (dk.), von Kardorff (Np ), Graf Klinckowström (dk.), Lücke (B. d. L.) und Oertel (dk.) mit Erfolg zurückgewiesen. Nachdem als­dann noch die Paragraphen 4 und 9 mit einer geringen Aenderung angenommen worden waren, wurde die weitere Berathung vertagt. Am Sonnabend wurde die Be- .rathung des Jnvalidenversicherungögefetzes beim § 4a (Befreiung von der Versicherungspflicht auf Antrag) fort­gesetzt. Der Paragraph wird nach längerer Debatte mit dem Amendement jZehnter, Lehr angenommen. Der von diesen Abgeordneten beantragte Zusatz bestimmt, daß

durch die dunkle Nacht und den Wiederschein derselben in den glitzernden Wassern, hörten das Rauschen und Anschlägen der Brandung, den heftigen Kanonendonner, dann erblickten sie dunkle, schwarze Massen, die Rümpfe der Schiffe, sich auf- und abbewegen, und mitten auS den Wasserfluthen loderten plötzlich die Flammen der brennenden Dörfer riesengroß zum Himmel empor und beleuchteten den Mastenwald, die Segel, das Tauwerk, ja die dunkeln Gestalten der sich hin- und herbewegenden Mannschaft auf der Flotte.

Und als der Morgen kam, da ward ihnen ein wun­dersamer Anblick: aus den gesegneten Fluren war im Umkreis von zehn Meilen ein rauschendes Meer gewor­den, aus welchem nur die Spitzen der Baumkronen, der Häuser, Erdhügel und die Rücken der lang sich hinziehen­den Dämme hervorragten und aus diesem Meere schau­kelten sich Hunderte von Schiffen, und die weißen Segel der Geusenflotte blähten sich im Winde.

Allein so schnell sollten die Hoffnungen der Bürger sich nicht erfüllen. Die Flotte war siegreich bis Zoeter­wonde vorgedrungen, da die Gegend unmittelbar um Leyden höher liegt und das Wasser hier noch nicht ge­nügend Tiefe besaß; auch ließ der heftige Westwind nach und das Wasser stieg daher nicht Zwar versuchten die Geusen, die Fahrzeuge über die seichten Stellen hinweg- zuschieben, allein der Erfolg war gering, und es blieb nichts anderes übrig, als die eintretende Fluth und frischen Wind abzuwarten.

Mit Entsetzen hatten die Spanier indessen die Er-