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Gratisbeilagen rIlluftrirtes Sonntag-blatt" n.Illuftrirte lanbwirthschastliche Veilage".

$r. 61. MnM K« ^. W 1899.

Erstes Blatt.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt für den Monat Juni 1899 werden von allen kaiserlichen Postanstalten, tandbriesträgern und von der Expedition angenommen.

AmMcher ©Ijell.

Gaffel, den 20. April 1899.

Bei den Verhandlungen über Beschwerden gegen Fluchtlinienpläne ist es im Provinzialrath ausgefallen, daß die in dem Gesetze vom 2. Juli 1875 (Gef. S. S. 501) bezw. der ministeriellen Ausführungsverordnung vom 28. Mai 1876 (M. Bl. f. d. i. V. S. 171) für die Aufstellung von Fluchtlinienplänen gegebenen Vorschriften häufig nicht durchweg beachtet worden sind.

Da in Folge dessen das Verständniß der Fluchtlinien- pläne sehr erschwert wird, auch die Gefahr vorliegt, daß derartig unvollständige Pläne von den Partheien mit Erfolg wegen formaler Mängel angefochten werden, er­suche ich dahin wirken zu wollen, daß die Fluchtlinien- pläne hinfort mit größerer Sorgfalt und unter genauer Beobachtung der vorgedachten Vorschriften ausgestellt werden.

Der Vorsitzende des ProvinzialrathS Ober-Präsident, gez. Z e d l i tz An den Herrn Regierungs-Präsidenten hier.

* . *

Cassel, den 10. Mai 1899.

Abschrift zur Kenntnißnahme mit dem Bemerken, daß die in Bezug genommene Ausführungsverordnung vom 28. Mai 1876 im hiesigen NegierungSamtsblatt Jahr­gangs 1876 Nr. 29 pos. 314 zum Abdruck gelangt ist.

Ich ersuche die betheiligten Gemeindebehörden in geeigneter Weise in meinem Namen gleichfalls von Vor­stehendem in Kenntniß zu setzen. (A. III. 3803.) Der Negierungs-Präsident. J. V.: von Bremer. An den Herrn Polizei-Präsidenten hier, sowie die Herren

Die Glücklichen.

Von Annie Satt-Felsberg.

(Fortsetzung.)

Ach ja Ihr Glücklichen!" seufzte Dora.

Warte nur, nächstes Jahr kommen du und die Kin­der auch mit!"

Wenn der Fred erst Landinspektor ist!"

Meine Bilder werden immer besser bezahlt. Paff' aus, das Frühstück auf der Ausstellung werde ich auch noch los! Na dann dann ist Polen offen!* sprach zuversichtlich die Malerein und trat zurück, um ihr Werk lächelnd zu prüfen.

Noch hin und wieder ein leichter Pinselstrich, ein kleines Lichtfleckchen oder eine Vertiefung des Schattens, und befriedigt legte sie die Pinsel und Farben bei Seite.

Es war ein wunderhübsches Aquarell, und Frau Träubel konnte mit Recht auf ihr Werk stolz sein.

Es schlug zwei Uhr. Dora band die große weiße Schürze ab und vertauschte sie mit einem koketten Tändel- schnrzchen, zog die Aermel bes Hellen Kleides über die

Zöllen Arme, rückte vor dem Spiegel die rothe Schleife am Halsschluß des Kleides nochmals zurecht und kmxte vergnügt, als ihr Schwager Fred pünktlich kam.

Meine Herrschaften, ich bitte zu Tisch!"

Unter Lachen und Scherzen verging das Mahl.

Sputet euch! In einer Stunde kommt ein Wagen, bet fälfrt uns nach dem Grunewald. Dora und die Ktuder sollen heute auch was haben. Dora und Trine

Ober-Bürgermeister hier, zu Hanau, Marburg und Fulda, an sämmtliche Herren Landräthe und Kreisbauinspektoren des Bezirks.

* *

Hersfeld, den 25. Mai 1899.

Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises zur Kenntnißnahme und Beachtung in vorkommenden Fällen mitgetheilt.

I. 3052. Der Königliche Landrath.

I. V.:

Braun, KreiSdeputirter.

Zugelaufen : ein weißer Hund (Foxterier) mit gelbem Kopf und gelben Ohren sowie schwarzen Flecken über den Augen. Meldung des Eigenthümers bei dem Orts- vorstand zu SchenklengSfeld.

Gesunden: ein Jagdgewehr. Meldung des Eigen­thümers bei dem Ortsvorstaud zu Tann.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 25. Mai.

Heute Morgen hörte Se. Majestät derKaiser den Vortrag des Kriegsministers, Generalleutnants von Goßler und des Chefs des MilitärkabinetS, Generals der Infanterie von Hahnke. Um 10 Uhr 10 Minuten sind die Majestäten nach Cassel abgereist. In Be­gleitung der Allerhöchsten Herrschaften befinden sich Ober- hosmeisterin Gräfin von Brockdorff, Fräulein v. GerS- dorff, Graf von Keller, Graf zu Eulenburg, die Chefs der Civil- und MilitärkabinetS, ferner General v. Plessen, Flügel-Adjutanten Oberst von Mackensen und Major von Berg, sowie Stabsarzt Dr. Jlberg.

Der Kaiser wird, wie nunmehr feststeht, am 1. Juni dem Stapellaufe des PanzerschiffesErsatz König Wilhelm" in Kiel persönlrch beiwohnen und wäh­rend seines Aufenthaltes daselbst auf der Kaiserlichen YachtHohenzollern" Wohnung nehmen. Nach Been- digung des Stapellaufes wird sich Se. Majestät mit ber Hohenzollern" nach Danzig begeben, um von dort aus Cadinen den ersten Besuch abzustatten. Von Crdinen aus begiebt sich der Kaiser voraussichtlich nach Prökelwitz zur Theilnahme an den Jagden beim Grafen zu Dohna- Schlobitten.

fahren mit den Kindern voraus, und wir packen und kommen nach!"

Fred ist ja ordentlich nobel!" meinte Dora schmunzelnd, und die Kinder schwatzten durcheinander und würgte», so rasch wollten sie fertig mit dem Essen wer­den, um das seltene Vergnügen einer Wagenfahrt zu genießen.

Als sie gar am Sekt nippen durften, da tanzten sie wie wild umher und sangen:Heute ist Papas und Mamas Hochzeitstag!"

Fred tollte mit ihnen um die Wette, rannte durch die ganze Wohnung, daß Frau Träubel entsetzt mahnte:

Aber höre, was sollen die Leute unter uns denken! Paß nur auf, mir müssen auch hier wieder ausziehen wegen des Lärms, den du mit den Kindern machst!"

Und richtig, da tönte auch schon ein ominöses Klopsen von unten heraus, und alles wurde plötzlich mäuschen­still und schlich auf den Zehen einher.

Die Kinderaugen blitzten schelmisch zu Papa Fred hinauf, nun hatte er auch Schelte bekommen. Noch dreister kletterten sie auf seine Kniee und zupften ihn am Bart, bis er endlich eins nach dem andern Mama übergab, welche sie in ihren Sonntagsstaat warf mit Hilfe Tante Doras, die mit einem Eifer die blonden Locken kämmte, daß Grete erbärmlich schrie:

Au das ziept!"

Schadet nichts, bist doch kein Struwelpeter!"

Als dann endlich alles bereit war, fuhr der Wagen vor. Mit lustigem Geschrei stieg die Kinder-Gesell- schaft ein.

Prinzessin Heinrich ist gestern Nachmittag 3V-2 Uhr an Bord desPrinz Heinrich" in Genua ein­getroffen. Zur Begrüßung waren erschienen der Mariue- attachee der deutschen Botschaft Korvettenkapitän Wentzel und Generalkonsul Pritsch.

In Gegenwart Ihrer Majestät der K a i s e r i n wurde der Kongreß zur Bekämpfung der Tuber­kulose alsVolkSkrankheit am Mittwoch feier­lich eröffnet. Die hohe Frau, in deren Gefolge sich die Prinzessin Elisabeth zu Hohenlohe und die Herzogin von Ratibor befanden, wurde am Fürstenportal des Reiche« tagshauses von den Herren des Oraanisationskomite«, dem Herzog Viktor von Ratibor und dem Geh. Med.-Rath Prof. Dr. v. Leyden, empfangen und in die Hofloge geleitet. Der große Sitzungssaal des Reichstages, die Stätte der Eröffnung, bot einen glanzvollen Anblick dar. Rechts von der Rednertribüne hatten die offiziellen Ver­treter des Deutschen Reiches Platz genommen. Links saßen die offiziellen Vertreter der Großmächte. In Ver­tretung des Reichskanzlers begrüßte Staatsminister Dr. Graf Posadowsky-Wehner die Erschienenen in längerer Ansprache. Der Vorsitzende des Organisations-Comites, Herzog von Ratibor, ergriff hierauf zunächst das Wort und dankte in erster Reihe den kaiserlichen Majestäten für die Förderung, welche dieselben dem Kongresse an« gedeihen ließen. Redner gedachte sodann der Großher- zogin von Baden, dankte derselben für das rege Inter­esse, welches sie dem Kongresse entgegenbringe und sprach allen Regierungen, staatlichen und kommunalen Behörden, die mit dem Kongreß in den gemeinsamen Kampf gegen die Tuberkulose eingetreten sind, den wärmsten Dank aus.

Der in der XVI. Commission deS Reichs­tages in zwei Lesungen berathene Gesetzentwurf betr. die Abänderung der Gewerbeordnung wird nach den Pfingstserien nicht mehr in das Plenum des Reichstag» gelangen. Die bezüglich der Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter in offenen Verkaufsstellen beschlossene Haupt­bestimmung lautet nach der offiziellen Zusammenstellung: § 139c. In offenen Verkaufsstellen und den dazu ge­hörenden Schreibstuben (Kontoren) und Lagerräumen ist den Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens zehn Stunden zu gewähren. In Ge­meinden, welche nach der jeweilig letzten Volkszählung mehr als 20 000 Einwohner haben, muß die Ruhezeit für offene Verkaufsstellen, in denen zwei oder mehr Ge-

Papa Fred stand auf dem Balkon, oben vier Treppen, und winkte feelenvergnügt hinab, so lange er den Wagen sehen konnte.

Nun war es still im Hause.

Geräuschlos kramte Frau Träubel umher.

Sie war in wonnigster Stimmung.

Endlich erfüllte sich ihr Herzenswunsch.

Fred war auf der Chaiselongue im Speisezimmer eingeschlummert.

Frau Traudel ging leise aus und ein, und als sie fertig gepackt, da setzte sie sich neben ihn und blickte lange in sein Gesicht.

Sie dachte zurück.

Vor zehn Jahren, wie es da war und weiter, all die Zeit hindurch.

Es war nicht immer so, sie mußten sich erst beide an einander gewöhnen; sie waren beide selbständige Naturen, es hatte oft Szenen und Thränen gegeben.

Jedes ging für sich. Keines wollte dem andern sein Inneres zeigen. Es gab Wochen, in denen sie sich grollten und nicht ansahen, in denen jedes Wort auf die Wag- schale gelegt wurde und die größten Harmlosigkeiten miß­deutet wurden. Sie waren beide empfindliche Seelen.

Allmählich lernten sie sich kennen und verstehen und Nachsicht haben mit den gegenseitigen Schwächen.

Durchs Fegefeuer gelangten sie erst ins Paradies.

Frau Traudel dachte jetzt daran. Sie nahm sich vor, alles zu thun, damit sie es nicht wieder verliere, bieS schwererrungene Paradies.

Sie küßte den Schläfer auf den Mund.