Einzelbild herunterladen
 

AbonneinentSprciS Vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg excl. Postaufschlag.

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzelle 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Gratisbeilasen rIllustriere- Sonntag-blatt" tu3 litt stritte landwirthschastliche Beilage

Bestellungen

auf

das

Nichtamtlicher Theil

ribft. ruft.

7A n u. 04 db.j.

1186 icbs. » 4.

«r. usb. »4. lern, ' 4.

I rfe, rig« >em ige irf. auch 10S« licht Ger­das -big auf olge ein« he», lach icht, wie tret a6« hat

rch

für den Monat Juni

Aaiserlichen Poftanftalfen,

der Expedition angenommen.

1899 werden von allen Landbriefträgern und von

Amtlicher Theil

Hersseld, den 24. Mai 1899.

Für den am 1. Februar 1885 zu SchenklengSfeld geborenen Heinemann Katzenstein ist um Entlassung aus dem diesseitigen StaatSverbande behufs Auswanderung nach England nachgesucht worden.

I. I. Nr. 3083.

Der Königliche Landrath.

J. V.: Braun, Kreisdeputirter.

HerSfeld, den 20. Mai 1899.

Die unter dem Geflügelbestaude des Rentiers Her­mann Rössing da hier ausgebrochene Cholera ist erloschen. I. I. Nr. 3039. Der Königliche Landrath.

J. B.: _________ Braun, Kreisdeputirter.

Hersfeld, den 25. Mai 1899.

Die Schulstelle in Gethsemane wird vom 1. Juni d. Js. ab vakant.

Bewerber um dieselbe wollen ihre MeldungSgesuche rc. innerhalb 10 Tagen bei dem Königlichen Orts- schulinspektor Herrn Pfarrer Heil in HilmeS oder dem Unterzeichneten einreichen.

Das Einkommen der Stelle besteht in 1000 Mark Grundgehalt und 150 Mark Kirchendienstvergütung neben freier Wohnung. Der Einheitssatz der Alterszulage be­trägt 120 Mark.

Der Königliche Schulvorstand von Gethsemane:

I. V. des beurlaubten Landraths: Braun, Kreisdeputirter.

! J. 1. Nr. 3118.

Die Herren Lokalschulinspektoren und die Herren Lehrer des Bezirks Hersfeld I werden benachrichtigt, daß die

amtliche Aonfevenz

am 12. Juni in Hersfeld im Saale des Herrn Kniese von Vormittags 10 Uhr an gehalten werden soll.

Friedewald, den 30. Mai 1899.

Der Kreisschulinspektor: W. Bötte.

Im Haag sind gegenwärtig nicht nur an hundert Diplomaten aus aller großen Herren Ländern zur Frie­denskonferenz versammelt, sondern auch eine Menge von Journalisten hat sich dort eingefunden, um die Welt von den Thaten der Konferenz zu unterrichten. Da nun die Berathungen der Konferenz nur langsam in Gang kommen und obendrein gleich bei Beginn derselben Geheimhaltung beschlossen worden ist, so haben die Berichterstatter schlimme Tage, und, um sich und andere nicht gar zu sehr zu langweilen, so verlegen sich die kühnsten unter ihnen auf wirkliche oder erfundene Interviews. Bis jetzt ist auch dabei nicht viel mehr herausgekommen als nichtssagende Allgemeinheiten. Ein solches Interview mit einem un­genannten Mitgliede der Konferenz verdient aber doch | Erwähnung, weil es einige wahre Gedanken enthält, deren Einprägung immer gut ist.

Da ist zunächst die Frage der Einsetzung eines Schieds­gerichts zur Entscheidung von Konflikten unter zwei oder I mehr Staaten. Der Diplomat, auf den sich die Londoner Morning Post" beruft, steht der Ausführbarkeit dieses Planes sehr skeptisch gegenüber. Er führt als Beispiel den Faschoda-Streit an und meint, ein Schiedsgericht hätte wohl kaum zustande gebracht, was der Diplomatie gelungen sei, da ein richterliches Urtheil leicht für den Patriotismus des unterliegenden Theils viel empfindlicher sei als eine durch diplomatische Kraft beigebrachte Nieder­lage. Außerdem handelt es sich bei vielen internationalen Fragen, z. B. der armenischen und macedonischen, gar nicht um Fragen des Rechts, sondern um nationale An­sprüche, und wo es sich nicht um bestimmte Rechte handele, könne eS auch keine Richter geben.

Der Diplomat vergleicht dann die finanzielle und ökonomische Lage der Großmächte und findet, daß Deutsch­land am besten stehe. Die persönlichen Steuern seien geringer als in vielen andern Ländern, die ein viel kleineres Kriegsbudget hätten. Wem ist der Wohlstand zu danken? Den mächtigen Rüstungen Deutschlands, die den Frieden sichern und für Handel und Industrie einen kräftigen Anstoß geben. Das deutsche Volk kann ohne Sorge in die Zukunft sehen. Frankreich sucht zwar in der Rüstung gleichen Schritt mit Deutschland zu halten, aber es leidet im Gegensatz zu diesem fort und fort an Entvölkerung. England sei zwar sehr reich, aber seine Rüstung sei trotz Millionen von Pfunden für Schiffs­bauten lückenhaft, so lange es keine allgemeine Wehrpflicht habe und die Bemannung der Schiffe schwierig bleibe.

Das Vertrauen in den Gerechtigkeitssinn von Schieds« richtern wird uns niemals dieselbe wohlthätige Sicher­heit zu geben vermögen, die wir Dank unserm Heere und unserer leider noch viel zu unvollkommenen Flotte thatsächlich besitzen. Deshalb werden wir uns immer am Besten auf unsere eigene Kraft verlassen.

Politische

Berlin, den 28. Mai.

Inland.

Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin trafen mittelst SonderzugeS um 7 Uhr 50 Min. früh auf der Wildparkstalion ein. Zum Empfang waren die fünf ältesten Prinzen anwesend. Nach herzlicher Be­grüßung fuhren die Majestäten und die Prinzen in offenem Wagen nach dem Neuen Palais.

In der heutigen Schlußsitzung des Kongresse« zur Bekämpfung der Tuberkulose theilte der Kom­missar Ihrer Majestät der Kaiserin, Kammerherr v. d. K n e s e b e ck, der Versammlung mit, daß es Ihrer Majestät eine Freude gewesen ist, Ihren erlauchten Namen an die Spitze eines Unternehmens stellen zu können, das dazu dienen soll, durch Ergebnisse ernster Arbeit dir Grundlage neu zu schaffen, auf welcher der gemeinsame Kampf gegen ein menschenverheerendes Uebel wieder ausgenommen und weitergeführt werden kann.Wenn die Uebernahme des Protektorats Ihrer Majestät eine Freude war, so ist es der hohen Frau heute, nach dem glänzenden Verlauf dieser in ihrer werthvollen Zusammen­setzung einzig dastehenden Versammlung eine Genugthu­ung, im Geiste und im Herzen mit Ihrem Werk, mit Ihrem Streben und mit Ihrem Erfolg verbunden ge­wesen zu sein. Es ist der Wunsch Ihrer Majestät, daß dies zu Ihrer Kenntniß gelange und daß der Dank der Allerhöchsten Protektorin des Kongresses den Mitgliedern desselben in wärmster Weise ausgesprochen werde. Ihre Majestät begleitet die Theilnehmer an dieser Zusammen­kunft bei ihrer Rückkehr in die verschiedenen Pflichten- kreise ihres Berufs und ihrer Lebensstellung mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß das in diesen Tagen durch vereintes Wirken hier vollbrachte Werk eine Errungen­schaft bedeuten möge, deren Früchte segenbringend für die Leidenden, würdig der darauf verwendeten geistigen Arbeit, lohnend für den Fleiß und die Hingebung sich erweisen, Ergebnisse, die unserem deutschen Vater­lande, aus dessen schöpferischer Kraft schon manche be­freiende, dem Gemeinwohl dienende That hervorgegangen ist, dauernd zur Ehre gereichen.

Allerwärts in Deutschland regt sich gegen den Be-

Die Glücklichen.

Von An nie Satt-Felsberg.

(Fortsetzung.)

Auch die beiden Herren beobachteten im Stillen Paar. Auch ihnen war es interessant, die Art Menschen, die ihnen aus der Reise begegneten, zu

das der er-

kennen. Auch sie gingen nicht gleichgültig an ihren Mit­menschen vorüber.

Fred zeichnete gern nach der Natur und malte aus Leidenschaft. Sein Talent war ganz hübsch, aber er wagte nicht, sich ihm ganz zu widmen und seinen Beruf als Baumeister zu vernachlässigen. Aber sein Skizzen- buch schleppte er auf allen Ausflügen mit sich herum. Jetzt lag es auch vor ihm.

Der Mann ist ein Maler. Jedenfalls Hochzeits- reifende!" meinte der mit den blauen, sehnsüchtigen Augen.

Der andere nickte beistimmend dazu; sein Vetter war thm in allen Dingen so ziemlich maßgebend.

Nun hörten sie, wie Fred und Träubel lustig plauder- den und lachten. Als die Speisen aufgetragen wurden, da legte sie ihrem Gatten sorglich vor, und Fred schmun­zelte behaglich und ließ sich die besten Bissen recht wohl schmecken.

Die beiden da drüben an ihrem Tisch, die sahen eS mit neidvollen Blicken.

Sie blickten sich an und seufzten.

Die Habens erreicht!" meinte der Behagliche und setzte hinzu:Meinst du nicht?"

Wie lange es wohl dauert?" entgegnete der andere pessimistisch.Auf der Hochzeitsreise, Flitterwochen natürlich eitel Wonne aber nachher?!"

Die kleine Frau sieht garnicht gefährlich aus," meinte hinüber nach Träubel blinzelnd der muthmaßltche Kaufmann, der entschieden große Sehnsucht nach einem Weibe fühlte, das sein Leben verschönen sollte.

Da werden Weiber zu Hyänen" zitirte der an­dere und zerlegte mit Grazie ein junges Huhn und bot dem Vetter die schönsten Bruststückchen. Egoist war er also nicht.

Man und trank und beobachtete im Stillen, spitzte zuweilen ein bischen die Ohren, um hin und wieder ein lauteres Wort auszusangen, das Ausschluß geben konnte über Art und Wesen der sich im Leben zum ersten Mal Begegnenden.

Jetzt fuhren Wagen vor das Hotel. Eine laut redende Gesellschaft trat lärmend aus die Veranda.

Eine ältere Dame mit weißem Haar, kleidsamem Reisekostüm und energischen, jugendlichen Bewegungen,

führte die Unterhaltung so laut und ungenirt, daß die vier Menschen am entgegengesetzten Ende plötzlich mäus­chenstill wurden.

Jetzt konnten sie von neuem beobachten, und staunend blickten sie sich zuweilen au und lächelten diskret über die burschikose Weise der alten Dame mitten im Kreise der jungen Leute.

Herrschsucht sprach aus jedem Wort und eine Un- geniertheit, die oft die Herren mit leisem Lächeln die Blicke senken ließ.

Sie bestellte für die Herren das Essen.

Man kam offenbar vom Rennplatz. Ein starkes Parfüm von Stall-Atmosphäre haftete ihnen an, sicher hielten sie alle mehr oder weniger ihren Rennstall.

Man trank Bier, ein einfaches Rostbeaf und rüstete wieder zum Ausbruch.

Mit einer verblüffenden Selbstverständlichkeit zündete die Dame sich ihre Cigarette an und blies den Rauch vor sich hin, daß man die Ueberzeugung gewann, daß das Rauchen ebenso ihre Leidenschaft war, wie Reiten und Radeln; denn diesen neuesten Sport behandelte sie wie die Rennen als ein Gebiet, auf dem sie sehr zu Hause war. Sie schien dem herannahenden Alter trotzig die Stirn bieten zu wollen.

Laut wie man gekommen, verließ man das Hotel und