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«r. 83.
IsmlerstW den 1. Juni
1899.
Gestellungen auf das Hersselder Kreisblatt für den Monat Juni 1899 werden von allen kaiserlichen Mastanstalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Handwerker-Gesetz.
Die Ausführung des Handwerker-Gesetzes schreitet infolge mannigfacher Hindernisse nur langsam vorwärts. Die Frist, innerhalb welcher die Umgestaltung der be- stehenden Innungen und die Errichtung neuer Innungen beendet sein sollte, war zwar bereits am 1. April d. I. abgelaufen, die betreffenden Arbeiten aber harren noch in zahlreichen Bezirken ihrer endgültigen Erledigung.
Besonders macht die Umgestaltung der bestehenden Innungen außerordentlich viel Mühe. Zunächst haben die Handwerker lange Zeit geschwankt, ob sie ihre freien Innungen beibehalten oder die Umwandlung in eine Zwangs-Jnnung beantragen sollten. Meistens haben für die einzelnen Berufe die Verbandstage der Jnnungs- Verbände die Entscheidung übernommen. Da die Verbandstage aber erst im Laufe vorigen Sommers statt» fanden, so hat die Mehrzahl der Innungen ihre Entschlüsse erst im Herbste vorigen Jahres gefaßt. Die Folge davon war, daß am Ende vorigen und im Anfänge dieses Jahres die Behörden mit Anträgen auf Errichtung von Zwangs- Jnnungen und auf Genehmigung der Statuten geradezu , überschüttet worden sind und sich plötzlich einer überaus großen, in kurzer Zeit gar nicht zu bewältigenden Arbeitslast gegenübersahen. So ist es gekommen, daß heute noch eine große Anzahl von freien Innungen keine Entscheidung darüber hat, ob sie künftighin als freie Innungen weiter bestehen oder in Zwangsinnungen umge- wandelt werden sollen.
E,st dann, wenn die Organisation der Innungen beendet ist, kann die Errichtung der Handwerks-Kammern vor sich gehen. Die Mitglieder der Handwerks-Kammern dürfen nämlich nur von Handwerker-Innungen und Gewerbe-Vereinen oder ähnlichen Vereinen, deren Mitglieder mindestens zur Hälfte aus Handwerkern bestehen, gewählt werden. Aber auch mit der Errichtung von Handwerks-
Die Glücklichen.
Von Annie Satt-Felsberg.
(Fortsetzung.)
„Ich kenne eine Dame, die mit fünfzehn Hüten und dreißig Toiletten reist," meinte der Schwarzseher.
Der Behagliche, Gute schüttelte sich vor Grauen.
„Sechs Koffer und zwei Hulkoffer und der Mann daneben — puh — als überflüssiges Möbel — Toiletten die Hauptsache, um gefallen, um andern gefallen zu wollen!"
Träubel wußte nun, woher die stammten. Aus dem Reiche des Ueberfluffes und Genusses, das ihr so fern lag.
„Ach ja, wer da seine Frau suchte, der arme, der war wirklich zu bedauern!" meinte sie und blickte ordentlich mitleidig zu den beiden hin.
„Wir möchten nnS gern verheirathen, aber wir finden nichts!"
Fred lächelte sehr vergnügt. Er kam sich recht glücklich und schlau vor im Besitze seiner Träubel, seiner bescheidenen, vernünftigen Frau, die ihren Stolz darein setzte, ihm beizustehen im Kampfe umS Dasein — die Echte, die edle Frauenart.
Beinahe wäre er herausgeplatzt: „Ich kenne ein Mädchen für Sie, schön, bescheiden, lustig wie ein Vogel, die würde dankbar sein, glücklich genießen und tüchtig arbeiten — die arme, kleine Dora, unser Hausmütterchen. Der si-hlte so ein guter Mann!"
Träubel sah ihn an, sie winkten sich zu mit den
Kammern ist die Ausführung des Gesetzes noch keineswegs abgeschloffen. Die Aufgabe der Handwerks-Kammern wird dann zunächst vielmehr die Bildung der PrüfungS- Ausschüffe für die Abnahme der Gesellen-Prüfung sein. Sind diese zustande gebracht, so gilt es, die Vorschriften über das LehrlingS-Wesen in Kraft zu setzen. Endlich bleibt der Erlaß der PrüsungS-Ordnung für die Meister- Prüfung übrig, deren Abfassung den Handwerks-Kammern auch noch mancherlei Schwierigkeiten bereiten dürfte.
Die Bildung von Zwangs-Jnnungen hat bisher in einzelnen Fällen. zu dem bedauernswerthen Ergebnisse geführt, daß solche Innungen einer sozialdemokratischen Mehrheit überantwortet wurden. Es ist aber nicht angängig, daraus nun gleich Folgerungen gegen das Handwerker-Gesetz überhaupt zu ziehen. Dieses Gesetz wird vielmehr mit seinen Vorschriften über das Recht der LehrlingS-Haltung und der Führung des Meistertitels allmählich auf eine Säuberung des Standes hinwirken und daher ähnlichen Vorkommnissen in Zukunft einen Riegel vorschieben. Auch sind die Befugnisse der Auf- sichts Behörde so weitgehend, daß vereinzelte sozialdemokratische JunungS-Vorstände jederzeit an einem schädlichen Gebrauche ihrer Macht verhindert werden können.
Zum Schlüsse sei mit allem Nachdrucke darauf hin- gewiesen, daß die Haudwerrer leider vielfach bei der bisherigen Ausführung des Handwerkergesetzes nicht die nöthige Rührigkeit und Energie bewiesen haben. Auch in Handwerkerkreisen selber wird dies empfunden, wie sich denn neuerdings beispielsweise die „Allgemeine Handwerker - Zeitung in Worten schärfsten Tadels ergangen hat. Der Handwerker-Stand darf niemals vergessen, daß es sich hierbei um seine Lebens-Jntereffen handelt, und daß es vornehmlich in seiner eigenen Hand liegt, das Gesetz so auszugestalten und in die Praxis überzuführen, daß dasselbe ihm zu dauernden und nachhaltigem Vortheile zu gereichen vermag
Politische Nachrichten.
Berlin, den 30. Mai.
Se. Majestät der Kaiser empfing gestern Abend die Regimentskommandeure Allerhöchstseiner österreichischen Regimenter, k. und k. Obersten Edlen von Appel und k. und k Oberstleutnant Freiherr« von Leo- nardi. Um 7*/4 Uhr empfing Se. Majestät den Kar
Augen, sie dachten beide dasselbe: „Das wäre der Prinz für Dora!"
Am andern Tage ging es weiter.
Eine herrliche Fußwanderung durch Wälder, über Berg und Thal —
Eine Reise zu zweien, wie sie schöner nicht gedacht werden konnte!
Die beiden Vettern, die reisten auch zu zweien, aber sie schleppten die Sehnsucht mit nach dem rechten Weibe, mit dem sie Hand in Hand durchs Leben gehen wollten, so wie sie jetzt gingen.
All das Sorgen und Arbeiten dünkte ihnen jetzt Wonne, das oft sie niederdrückte mitten im Kampf, all die Kämpfenden um sich herum, ein Hasten und Jagen, ohne Genuß, ohne Freude, nur um« tägliche, armselige Brot.
Hier in Gottes Natur, ein herrliches Blühen und üppiges Gedeihen. Kein Kampf, Ruhe ringsum, göttliche Ruhe, die mit nichts zu vergleichen ist.
Zwischen den Bergen, den alten Baumriesen, den hohen Felsenriffen, der weiten Einsamkeit, wie klein, wie winzig dünkten sie sich und doch so glücklich, so still befriedigt, daß sie dies alles schauen konnten, daß sie athmen konnten mit freier Brust und mit jedem Athemzug sich sichtet fühlten, gepanzert für den neuen Kampf nach der kurzen Rast
Wenn sie auSruhten, dann hatten sie das Skizzen- buch bei der Hand, und er ober sie zeichneten. Er Felsen und Fernsichten und sie Waldblumen und Sträucher, Farren, Kräuter und sprudelnde Wellen.
dinal-Fürstbischof Dr. Kopp. — Im Laufe des Tages trafen hier ein Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich, Prinz Johann Georg von Sachsen und Herzog Nikolaus von Württemberg. — Abends fand bei Ihren Majestäten ein Diner statt, bei welchem Seine Majestät der Kaiser gegenüber Ihrer Majestät der Kaiserin saß. Rechts von Ihrer Majestät folgten Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich, Herzog Ernst Günther zu Schleswig - Holstein, Kardinal-Fürstbischof Dr. Kopp, Oberst Edler v. Appell, links Prinz Johann Georg von Sachsen, der österreichische Botschafter von Szögyeny Manch, Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staatsminister v. Bülow, Oberstleutnant Frhr. v. Leo- nardi. Rechts von Sr. Majestät saßen die Herzogin Albrecht von Württemberg, Herzog Nikolaus von Württemberg, Prinz Windischgrätz, links die Herzogin Ernst Günther zu Schleswig Holstein, Herzog Albrecht von Württemberg, der österreichische Feldmarschall-Leutnant Graf Nostiz. — Ihre Kaiserlichen Majestäten begaben Sich heute Morgen zur Parade nach dem Tempelhofer Felde. Auf demselben nahm Se. Majestät der Kaiser militärische Meldungen entgegen, u. A. diejenigen des neuernannten kommandirenden Generals des XV. Armeekorps, Generals von Meerscheidt-Hüllessem, und des Generals der Artillerie von Hoffbausr. Nach dem Schluß der Parade begleitete Se. Majestät in Gemeinschaft mit dem Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich, welcher a la suite des Kaiser Franz Garde- Grenadierregimentö Nr. 2 gestellt worden war, die Fahnen und Standarten nach dem königl. Schloß zurück. Nach dem Frühstück, zu welchem Einladungen nicht ergangen waren, unternahmen Beide Majestäten eine Spazierfahrt. Später wird Se. Majestät der Kaiser den Kriegsminister, Generalleutnant v. Goßler und den Chef des ZivilkabinetS, Wirkl. Geh. Rath Dr. von Su» kanus, zum Vortrag empfangen. Um 6 Uhr findet Paradediner im Weißen Saale statt.
An diesem Donnerstag (1. Juni) Mittag 12 Uhr wird in Gegenwart des Kaisers des Linienschiff „Ersatz König Wilhelm" getauft iverden und von seiner Helling auf der Germania-Werft ablaufen. In fertigem Zustande wird das dem Typ „Kaiser Friedrich III." augehörende gepanzerte Schiff 11130 Tonnen Gewicht, bei 115 w Länge, 20,4 in Breite und 7,85 m Tiefgang haben. Die Bewaffnung wird nur aus Schnelllade- und Maschinen - Kanonen sowie fünf
An ihnen vorüber zogen Menschen, aber keine erregten wieder ihr Interesse in solchem Maße wie die beiden Junggesellen; so mußte man sie nennen, da sie keine Namen genannt.
Tapfer marschierte Träubel mit Fred um die Wette. Oft schritt er voraus und gab das Marschtempo an, sang auch ein fröhliches Lied um das andere — und immer kehrte der eine Sang zurück:
„Träubel, Träubel, Träubel mein" —
So ging es lustig vorwärts.
Den Hut in der Hand schwenkend, singend streiften sie dicht am Felsrand über die Waldeshöh'.
Eben stieß Fred einen fröhlichen Juchzer aus, der auch nicht allzu weit Erwiderung fand.
Aber — o Schreck, — sein Hut, den er lustig geschwenkt, war seinen Fingern entglitten und rollte nun den Berg, die steile Höhe hinab.
Träubel lachte über den kollernden Hut und über Freds verdutztes Gesicht.
„Er hat doch nur drei Mark gekostet!"
„Bitte sehr, fünf, und ohne Hut kann ich doch den ganzen Tag nicht wandern, den muß ich mir wieder holen 1"
„Fred, thue es nicht! Wegen des dummen Hutes sich der Gefahr des Abstürzens auSzusetzen. Fred, denk' an deine Kinder! — Aber Fred — Fred, komm' doch zurück !"
Fred kletterte hinab, von Baum zu Baum, den Blick fest auf seinen Hut gerichtet.