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' Nr. 65.
Sitn^oo in 6. Fmi
1899.
Vestellungen auf das Hersselder Kreisblatt für den Monat Juni 1899 werden von allen Aaiserlichen Poftanftalten, tandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
HerSfeld, den 29. Mai 1899.
An Stelle des verstorbenen Oberbrandmeisters Herrn L. V o l k m a r hier ist der Brandmeister Herr Bürgermeister H. Bätz zu Kalkobes als solcher für . den zweiten Oberbrandmeisterbeziik heute bestellt v worden.
Die Herrn Oltsvorstände der in Betracht konimenden Gemeinden haben die Ortsbrandmeister alsbald hiervon in Kenntniß zu setzen.
I. 1. 3195, Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
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Berlin, den 4. Mai 1899.
Nach Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches darf, mangels einer Uebergangsbestimmung im Einführ- uugsgesetze eine Ehe nur geschloffen werven, wenn die von dem Bürgerlichen Gesetzbuchs aufgestellten Eheer- forderniffe sämmtlich vorhanden sind; nach Ablauf des Jahres 1899 kann z. B. ein Mann zur Eheschließung nur zugelaffen werden, wenn er volljährig ist (b. h. ent- I weder das 21. Lebensjahr vollendet hat oder für voll» jährig erklärt worden ist). Der Vorschrift des Bürgerlichen Gesetzbuchs, daß der Ehe ein Aufgebot vorher- gehen soll, ist aber genügt, wenn das Aufgebot nach Vorschrift des in dieser Beziehung unverändert bleibenden Peisonenstanbsgesetzes ergangen und bei Prüfung der . Eheerfordernisse nur das bisherige Recht zu Grunde gelegt ist. Aus dieser Rechtslage folgt, daß der Standesbeamte, der nach Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches um Schließung einer Ehe angegangen wird, für welche das Ausgebot schon vorher erlassen war, jedesmal noch besondere Ermittelungen darüber anstellen
müßte, ob nach dem B. G.-V. Ehehindernisse vorhanden sind. Um den Verlobten Weitläufigkeiten zu ersparen, werden die Standesbeamten die Verlobten und
zwar mit Rücksicht darauf, daß die Aufgebote 6 Monate Gültigkeit behalten, spätestens von Mitte Juni ab jedesmal zu befragen haben, ob die Ehe erst im Jahre 1900 geschloffen werden soll und bejahendenfalls die Ehe- erforberniffe nicht nur nach dem bisherigen Rechte, sondern auch nach dem B. G.-B zu prüfen haben, ehe sie das Aufgebot erlassen. Bei Ausstellung einer Bescheinigung oder Ermächtigung zur Eheschließung vor einem andern Standesbeamten wird ferner ein Vermerk darüber in die Urkunde aufzunehmen sein, wenn die Prüfung der Erfordernisse auch nach den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches stattgefunden hat.
Der Justizminister. Der Minister des Innern. I V : I V.: gez. Rebe. Pslugstädt. gez B r a u n b e h r e n s. An den Herrn Regierungspräsidenten in Caffel.
Caffel, den 21. Mai 1899.
Abschrift zur Beachtung und rechtzeitigen Anweisung der Standesbeamten in den Landgemeinden.
Der Regierungs-Präsident. J. V.: von Bremer. An sämmtliche Herrn Landräthe des Bezirks.
* * *
Hersfeld, den 2. Juni 1899.
Vorstehendes wird den Herrn Standesbeamten in den Landgemeinden des Kreises zur Beachtung mit- getheilt.
I. A. 1659. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nach Beschluß des Bundesraths findet zwecks Schaffung einer richtigen Grundlage für die Berechnung der Ernteerträge jährlich in der Zeit vorn 10 —15. Juni die Anbauermittelung statt. Die bei ähnlichen Aufnahmen in jüngst verflossenen Jahren ausgesprochene Hoffnung, daß sachkundige Männer, namentlich Mitglieder der land- wirthschaftlichen Vereine, sich bereit finden würden, durch ihre Erfahrungen und Ortskenntnisse die angeordneten Ermittelungen nach Kräften zu fördern und auf einen möglichst hohen Grad der Zuverlässigkeit zu erheben, ist erfreulicherweise nicht getäuscht morden. Dies berechtigt zu der Erwartung, daß auch bei den Ermittelungen des
diesjährigen Anbaus sowohl Mitglieder der gedachten Vereine, als auch sonstige sachkundige und erfahrene Männer ihre thatkräftige Mitwirkung in den SchätzungS- Kommissionen nicht versagen werden. (A. IV. 3705.) Caffel, am 12. Mai 1899.
Der Regierungspräsident. J. V.: v. Bremer.
Nichtamtlicher Theil.
neuer Alsitieii.
In der Thronrede zur Eröffnung der spanischen Cortes (2. Juni) ist ein deutsch-spanisches Abkommen angekündigt worden, dem zufolge Spanien den Rest seines Kolonialbesitzes im fernen Osten, nämlich die Karolinen-, Palau- und Mariannen-Jnseln an Deutschland verkauft. Das ist eine höchst erfreuliche und überraschende Kunde, überraschend zumeist für diejenigen deutschen Kreise, welche unter mancherlei Tadel gegen die Haltung der deutschen Regierung während des spanisch-amerikanischen Krieges und kurz nach demselben immer wieder beklagten, daß unsere Kolonial-Jnteressen zu kurz kämen und nicht genügend wahrgenommen würden. Es war offenbar eine lange stille diplomatisch: Thätigkeit erforderlich, um einen solchen Erfolg zu erzielen, der die alte Hoffnung, daß wir doch noch einmal in den Besitz der einst vom Fürsten Bismarck vergeblich für Deutschland in Anspruch genommenen Karolinen kommen würden, noch weit über- trifft.
Das Verkaufs Objekt stellt den Rest des spanischen Kolonialreichs in der Südsee dar, deffen Werth für das Mutterland natürlich nach dem Verluste der Philippinen stark vermindert worden war. Der Entschluß, diesen Rest zu veräußern und alle Kräfte nach dem schweren Unglück des vergangenen Jahres auf das Mutterland zu konzentriren, ist durchaus begreiflich und klug; hoffentlich wird er von den Cortes gebilligt werden.
Auf der andern Seite genügt ein Blick auf die Karte, um zu zeigen, welchen Werth die neue Erwerbung für die Abrundung unsers Kolonialbesitzes in der Südsee hat. Karolinen-, Mariannen-, Palau-, Marschall-Juseln, Bis- marck Archipel und Neu-Guinea bilden eine geschlossene Gruppe, und außerdem ist der Zuwachs zu unserm alten Besitzstände dort noch deshalb von besonderer Wichtigkeit, weil es sich um bereits kultivirte Inseln handelt, die
Die Glücklichen.
Von An nie Salt-Felsberg.
(Schluß.)
Träubel stieß ihn ganz verlegen an, als er Dora so anpiics.
Aber der blonde Gutmüthige reichte Fred deffen Karte wieder hin und bat um seine Berliner Adreffe.
Nun lachten alle drei ihn aus, aber er blieb sehr ernst und meinte: „Morgen fahre ich nach Berlin und bestelle Grüße von Ihnen, erkundige mich nach den Kindern und bringe übermorgen Ihnen Bescheid zurück."
„Jawohl, das können wir!" stimmte her Assessor zu.
„Bitte, diese Reise mache ich allein. Du weißt, ich bin der Acltere!"
Nun lachten sie wieder, und man blieb den ganzen Tag zusammen.
Zur Vorsicht hatte die kluge Träubel an ihre Schwester Dora depeschiert:
„Dein Prinz kommt, empfange ihn gut! Ich verbürge wich für ihn, er ist gut, bescheiden, wird eine Frau sehr glücklich machen!"
Am andern Morgen war der Hamburger wirklich abgereist, und der Assessor sehr elegisch gestimmt.
„Nicht war, Sie sind auch Dichter?" fragte ihn plötzlich Frau Träubel.
„Ich möchte es sein!" gestand er ein und erzählte, daß er schon manches Werk geschaffen und sein Können geprüft habe.
„Das sah ich Ihren Augen an !" meinte Frau Träubel
— „Sie suchen nach der blauen Blume, und ich glaube, Sie finden sie auch — Geist und Gemüth, das sind die rechten Wegweiser!" —
Am Abend kam eine Depesche von Dora:
„Wir kommen morgen an!"
Traube! bekam einen großen Schreck.
„Sie wird die Kinder doch nicht allein lassen !"
Der Assessor beruhigte sie:
„So wie ich meinen Vetter kenne, bringt er alle mit, da können wir ja die Verlobungs-Bowle brauen!"
Wirklich, am andern Tage mit dem Mittagszuge trafen sie ein. Der Hamburger hob eins nach dem andern von den süßen, aufjauchzenden Plagegeistern aus dem Koupee, und dann erschien Dora, strahlend schön und glücklich und zuletzt Trine, die dumme Trine, grinsend vor Vergnügen.
„Meine Braut!" — stellte der Hamburger vor, und ein sonniges Glück leuchtete aus seinen Augen.
„Da ich die Schwester kannte und sie mir so wohl- grfiel, brauchte ich nur einen Blick auf sie zu werfen, und ich wußte, daß es die rechte sei!" meinte er vergnügt.
„In zwei Monaten machen wir unsere Hochzeitsreise und zwar nach Italien und dir, Vetter, suchen wir dann auch eine Frau. Bis dahin hast du dich als deutscher Dichter vor der Welt legitimirt. Ich weiß ja längst, daß du es bist !"
Ein Onkel aus Hamburg kam dann auch noch einige Tage später an und gab freudig seinen Segen, als er Dora sah, so lieblich und bescheiden und glückstrahlend
an der Seite seines Neffen, der in zartester Weise um ihre Liebe warb.
„Ach Träubel, als er mich so bittend ansah aus seinen guten Augen und mich bat, ihm zu vertrauen, er wolle mich sehr glücklich machen, da konnte ich nicht anders, ich konnte nicht „nein" sagen. Und als er nun mit uns allen hierher fahren wollte, da mußte ich ihm um den Hals fallen und ihn küssen, den fremden, lieben, besten Mann!" —
„Das war nun der rechte Schluß unserer Hochzeitsreise !" meinte Fred und umarmte den Schwager und dessen Vetter und trank Brüderschaft mit ihnen.
Frau Träubel kam und schloß sich an. Lange sprachen sie noch von dieser Harzreise, die Glücklichen.
Sternschnuppen.
Novelle von Detlef Stern.
„Nein, das ist aber zu komisch, Melanie, nun, glaube ich, ist das Dutzend bald voll." So rief eine allerliebste Blondine mit braunen Schelmenaugen, indem sie vergnügt in die Hände klatschte und die vor ihr stehende dunkelhaarige Freundin mit halb spöttischen, halb bewundernden Blicken ansah. „Dreh Dich mal um," fuhr sie dann fort und gab Melanie einen kleinen, freund- schaftlichen Schubs, „ich muß doch sehen, wie Du eigentlich aussiehst, nachdem Du so gleichsam über Nacht eine gefeierte Schriftstellerin geworden bist."
„Ach was, laß mich zufrieden," wehrte Melanie halb amüsiert, halb erzürnt ab, „das alte Sprichwort: „Keine