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Sr. 69.

ImtiM -ei 15. ZVi 1899.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 7. Juni 1899.

Auf Grund eingeleiteter Verhandlungen mit der Ludwig Funk's Buchdruckerei basier hat sich dieselbe bereit erklärt, alle im Kreisblatte zum Abdruck gelangen­den amtlichen Verfügungen der diesseitigen Stelle rc. nach Ablauf des betreffenden Kalendeijahres neu zu | drucken, diesen Neudruck in Form eines Büchelchens j (Oktavformat) mit dauerhaftem Einband versehen zu I lassen und den Gemeinden zum Preise von 3,15 Mk. | bis 3,65 Mk. pro Exemplar zu liefern.

Da hierdurch die von mehreren Herren Bürgermeistern mir gegenüber vorgetragenen diesbezüglichen Wünsche erfüllt, der andernfalls rasch eintretenden Ueberfüllung der GemeindeReposituren möglichst vorgebeugt wird und die Gemeindekassen pekuniär auch nicht erheblich belastet, g werden, da sich der Einband der einzelnen j Kreisblattsnummern am Jahresschlüsse L hierdurch erübrigt, so veranlasse ich die Herren Bürgermeister der Stadt- und Landgemeinden sowie die | Herren Gutsvorsteher des hiesigen Kreises hierdurch, mir b i S spätestens z u m 25. d i e s e S M o n a t s be- r richtlich anzuzeigen, ob ihrerseits v o m laufenden k Jahre ab alljährlich ein Neudruck der diesseitigen I amtlichen Verfügungen rc. für die betreffende Gemeinde- | Nepositur a u f Kosten der Gemeinde gewünscht < wird, damit ich den Neudruck vom 1. Januar d. I ab > veranlassen kann.

I. l. Nr. 2635. Der Königliche Landrath Freiherr von Schlei nitz, Geheimer RegierungS-Nath.

Hersseld, den 1. Juni 1899.

| Der Bürgermeister Johannes Nuppel zu OberlengS- | selb ist heute als solcher für einen weiteren achtjährigen | Zeitraum eidlich vcipflichlet worden.

| I A. Nr. 1535. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Nath.

-".......... -. '"..... '_______________i Sternschnuppe«.

Novelle von Detlef Stern.

(Fortsetzung.)

Sauerbier hatte keine Zeit, seine Verwunderung über diesen ostensiblen Platzwechsel nachzuhängen, dessen Ursache er wohl bei allem Scharfsinn schwerlich ergründet haben würde, denn das Wartezimmer füllte sich zusehends, und die Neuankommenden drängten sich mit Hutschachteln, [ I Packeten und Schirmen zwischen ihn und den Gegenstand Vc seiner Beobachtung. Die Luft kam ihm plötzlich sehr £ schwül vor; er hatte das dunkle Gefühl, die Ausmerk- I samkeit der Majorin erregt zu haben, aber in nicht an- I genehmer Weise. Der Gedanke, sich ihr vorzustellen, I trat ganz in den Hintergrund; er verließ das Zimmer. I Draußen in der kalten Winterluft wurde ihm leichter; I es war die Atmosphäre drinnen, die ihn irritiert hatte, I so tröstete er sich; eine alte Dame mit inquirierenden I Augen und unhöflichen Nückenwendungen konnte ihm doch

| unmöglich Furcht einjagen. Da schallte ein gellender | Pfiff durch die Lust, die Bewegung im Vorraum wurde I eiliger, der Zug fuhr in die Halle ein. Sauerbier | drängte sich durch die Restauration auf den Perron; in I der Eile trat er etwas unsanft den Fuß seines Neben- ) Mannes; sich entschuldigend wandte er den Kopf.

Ah, Sie hier, Professor; ich wußte nicht, daß Sie j verreisen wollten."

| Der Angeredete verzog keine Miene, aber die seine l mädchenhafte Nöthe, welche so leicht seine Wangen über- fiog, stieg bis zur Stirne hinauf.

Nichtamtlicher Theil.

Ae TmsmlfrW.

Die Verhandlungen, die kürzlich zwischen dem Gou­verneur der Kapkolonie, Milner, und dem Präsidenten der Südafrikanischen Republik, Krüger, in Bloemfontein im Oranje-Freistaate gepflogen worden sind, haben zu keinem befriedigenden Ergebniffe geführt.

Der Kernpunkt des Streites zwischen England und Transvaal besteht noch immer in der Ausländerfrage. Nach der Entdeckung neuer Goldfelder in Transvaal in den achtziger Jahren haben sich eine große Menge Aus­länder, hauptsächlich britische Unterthanen, dort nieder- gelaffen. Es ist kein Zweifel, daß die Masse dieser Zuwanderer von der Buren-Regierung unbillig behandelt wird. Mit dem Eigensinn der Buren sind ihnen alle politischen Rechte vorenthalten und drückende Mißstände in der Verwaltung konserviert worden. Aus der be­greiflichen Furcht, der englische Theil der Zuwanderer könne die Selbständigkeit der Republik gefährden, hat man die Naturalisation aufs äußerste erschwert und selbst den Naturalisierten das politische Stimmrecht vorenthalten oder beschränkt. Das ist natürlich für diejenigen, die im Lande bleiben und sich dort redlich nähren wollen, ein höchst lästiger Zustand, zumal da die Verwaltung des Landes viel zu wünschen übrig läßt und mit dem in­dustriellen Aufschwung in keiner Weise Schritt gehalten hat. Die Vorschläge Krügers über Naturalisation und Stimmrecht sind ziemlich verzwickt und laufen darauf hinaus, daß der Zuwanderer frühestens ungefähr nach 7jährigem Aufenthalt das Bürgerrecht erwerben kann.

Auf der andern Seite ist die Ausländersrage für England ein willkommener Anlaß, der Buren-N-publik, welche die Ausdehnung und Befestigung der englischen Macht in ganz Südafrika aushält, zu Leibe zu gehen. Englische Blätter führen wieder eine sehr drohende Sprache und verlangen mehr oder weniger deutlich die Anwendung von Gewalt. Gleichwohl glauben wir nicht, daß es zum Kriege kommt.

Wenn auch natürlich Großbritannien mächtig genug ist, seinen Willen gegen die Buren durchzusetzen, so würde doch die Anwendung von Gewalt zu große Opfer er­fordern. Die etwa 8000 Mann, die im Kapland stehen,

Ich will nicht verreisen," entgegnete er kurz,ich kam"

Suchen Sie doch keinen Vorwand," lachte der Astronom, indem er des Professors Arm unter den seinigen zog,Sie kamen aus demselben Grunde, an» welchem ich mich hier befinde, und wenn wir nicht um­sonst gekommen sein wollen, da müssen wir gut auspassen. Sehen Sie, die Räume entleeren sich schon. Wo ist die Hakennase der Majorin? Vergebens suche ich diesen Weg­weiser."

Er drängte, den Professor mit sich ziehend, der zweiten Wagenklasse zu und kam noch gerade zur rechten Zeit, um die Majorin eine steife Umarmung mit zwei jungen Mädchen austauschen zu sehen, die sie dann wie Pensions­kinder vor sich herschob, mit ihrer langen Figur und dem weiten Pelzmantel den Rückzug deckend.

Schnell hier herum; ich weiß, wo ihr Wagen hält," rief Sauerbier und dirigierte den willenlosen Professor nach der anderen Seite des Gebäudes. Aber auch dort kamen sie zu spät, um mehr von den Ankömmlingen zu sehen, als zwei schlanke, in ganz gleiche Pelzjäckchen ge­kleidete Mädchengestalten, welche leichtfüßig in den Wagen sprangen, während die Tante Majorin wie eine Schild­wache davor stehen blieb und das Gepäck erwartete.

In einen Koffer habt Ihr gepackt? So viel gesunde Ueberlegung hätte ich Euch gar nicht zugetraut," sagte sie mit ihrer tiefen Baßstimme, als der Träger das aller­dings umfangreiche Gepäckstück dem Kutscher hinaufreichte.

Ich finde es viel anerkennenswerther, Tantchen, daß wir nicht einmal Handgepäck haben," tönte es aus dem Innern der Droschke.

reichen bei weitem nicht aus zu einem Angriff auf die Südafrikanische Republik und den mit ihr für den Kriegs­fall verbündeten Oranje-Freistaat, die zusammen wohl 50 000 Mann aufbringen können. Im Kap-Parlament hält die Afrikander-Partei, die Vertretung des alten holländischen Elements, den reinen Engländern das Ge­gengewicht. Die Londoner City, d. h. die englische Handelswelt hätte, soweit sie an südafrikanischen Unter­nehmungen betheiligt ist, arge Verluste zu befürchten, wenn es zum Kriege käme. Im englischen Kabinet selbst mögen die Meinungen darüber getheilt sein, ob das Ansehen Großbritanniens nun militärisches Einschreiten erfordere oder ob es besser sei, mit Geduld den allmäh­lichen AussaugungSprozeß, dem schließlich die Buren doch kaum entgehen würden, weiter abzuwarten. Wir glauben, wie gesagt, daß trotz des Preßlärms eine Verständigung erzielt werden wird, dies umso mehr, wenn es sich be­stätigen sollte, daß die Vereinigten Staaten von Nord­amerika die Vermittlerrolle übernehmen würden.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 13. Juni.

Ihre Kaiserlichen Majestäten kehrten gestern von dem Nennen des Berlin-Potsdamer Reiter­vereins in Sperlingslust nach dem Neuen Palais bei Potsdam zurück. Um 8 Uhr fand daselbst bei Ihren Majestäten Abendtafel statt, zu welcher verschiedene Ein­ladungen ergangen waren. Heute Vormittag von 8 Uhr ab hörte Se. Majestät der Kaiser die Vorträge des Chefs des Militärkabinets, Generaladjutanten Ge­nerals der Infanterie v. Hahnke und anschließend des Chefs des Admiralstabs, KontreadmiralS von Bendemann und des Chefs des MarinekabinetS, KontreadmiralS Frhin. von Seuden-Bibran. Um 10 Uhr begab Se. Majestät Sich von Wildpark nach Station Grunewald zum Besuch der Ateliers der Prof. Leffing, Schott, Bild­hauer Casal, Pros. Pfreschner, Wenck, Goetz, Schaper, Manzel. Um 1 Uhr nahm Allerhöchstderselbe das Früh­stück beim OsfizierkorpS des 1. Garde-Feld-Artillerieregi- mentS ei».

Der Reichstag erledigte am 12. d. M. den Rest des Nachtrags-Etats. Eine längere Debatte entspann sich bei der Forderung, das Gehalt für einen neuen vor-

Welch eine süße Stimme," flüsterte Sauerbier dem Professor zu.

Beide hatten sich auf die andere Seite des Wagens begeben, und der Astronom bemühte sich vergebens, durch das geschlossene Fenster einen genauen Einblick in den­selben zu thun. Jetzt entstand ein ungeheurer Aufruhr in demselben; die Tante Majorin hielt ihren Einzug. Ein graues Filzhütchen mit nickendem Federbusch schob sich einen Moment vor das Fenster, verschwand jedoch sogleich wieder, und der Wagen rollte davon.

Ihnen nach!" rief Sauerbier entschlossen, packte den Professor am Rockärmel, schob ihn in eine Droschke und rief dem Kutscher zu:Immer dicht hinter dem andern Wagen her und zugleich mit demselben stillgehalten."

Aber, bester Freund, wozu das?" wandle Marbach etwas ärgerlich ein.

Das begreifen Sie nicht? Wollen wir die beste Gelegenheit zu einer Anknüpfung vorüber gehen lassen? Wir treffen zugleich ein, stoßen im Hausflur oder früher schon aufeinander. Sie stellen mich vor holla! mir fällt etwas Besseres ein! Wir müssen vor ihnen an = kommen, damit wir den Damen aus dem Wagen helfen. Kutscher! An dem andern Wagen vorbei! Garten­straße 4 anhalten!"

Im Galopp rasselten sie dahin; Marbach mit resig­nierter Miene und innerlich seinen Gang nach dem Bahnhöfe verwünschend, der Astronom in der angereg- testen, unternehmungslustigsten Stimmung.

Sie werden sehen, Professor, wie reizend sie ist, ganz so süß, wie ihre Stimme."