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A. 72.
Iomierslüg des 22. $iini
1899.
Moiuiniitiifs-jiiiliiiiiiiig.
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Hersfelder Kreisblatt
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W Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme zu und werden wir dieselben nöthizen- falls durch Extrablätter verbreiten.
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die Expedition.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 19. Juni 1899
Diejenigen Herrn Ortsvorstände, welche noch mit Erledigung meiner Verfügung vom 1. Mai d. Js., I. L 2608, KreiSblatt Nr. 52, Vertilgung der Maikäfer betreffend, im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 2 4. d. M. erinnert.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz,
Geheimer NegierungS-Rath.
Sternschnuppen.
Novelle von Detlef Stern.
(Fortsetzung.)
„Mein Fräulein, ein Talent, wie das Ihrige —" „Die Tante sagt, ein Mädchen brauche kein Talent zu haben. und ich thäte am besten, ein Vorhängeschloß vor das Tintenfaß zu legen."
„Ihre Tante ist eine Barbarin —"
„Die vielleicht so Unrecht nicht hat — ich will mir ihre Worte doch überlegen."
„Das werden Sie nicht thun; es wäre ewig schade, wollten Sie ein Talent unterdrücken, welches Sie weit hinaus hebt über die Schaar Ihrer Mitschwestern."
Während sich über diese Frage eine belebte Debatte zwischen dem vorausschreitenden Paar entwickelte, ging das zweite ziemlich einsilbig hinterdrein.
Der Professor war kein Mann der leichten Konversation. Er wußte anregend und geistreich zu sprechen, sobald irgend ein gelehrtes Thema ihn fortriß, aber mit jungen Damen von den tausenderlei Nichtigkeiten zu reden, aus denen eine amüsante Plauderei zusammengesetzt ist, das verstand er nicht. Außerdem befanden sich seine Gedanken bei dem voraufgehenden Paare und die ihm zugefallene Partnerin kam ihm so gar nicht entgegen.
Eisenach, den 18. Juni 1899.
Dem Herrn Landrath theile ich ergebenst mit, daß die im Juli d. Js. in Marksuhl und Gerstungen statt- findenden Viehmärkte wegen der bestehenden Maul» und Klauenseuche aufgehoben worden find.
Der Bezirksdirektor.
An den Herrn Landrath in Hersfeld. B. III. 3076.
* * *
HerSseld, den 20. Juni 1899.
Wird veröffentlicht.
I. 3553. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Gefunden: ein Hut. — Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu RanSbach.
Nichtamtlicher Theil.
Sie Meile iles sklitssekretlirs toftn Hon Pssttilmsky.
Bei der ersten Berathung des Gesetz-Entwurfs zum Schutze des gewerblichen ArbeitSverhältnisseS im Reichstage hat der Staatssekretär des Innern, Dr. Graf von Posadowsky, nach einer kurzen begründenden Einleitung des Reichskanzlers den Inhalt des Entwurfs in eingehender Weise gerechtfertigt. Mit meisterhafter Klarheit und vollendeter Sachkenntniß begründete der Staatssekretär sowohl die allgemeine Tendenz des Entwurfs wie die einzelnen gesetzgeberischen Vorschläge.
Den Ausgangspunkt der Darlegungen des Grafen von Posadowsky bildete der Begriff der Koalitionsfreiheit. Was heißt Koalitionsfreiheit? Die zutreffende Antwort hierauf kann nur lauten: Koalitionsfreiheit ist die Freiheit, sich zu vereinigen oder auch den Beitritt zu einer Koalition abzulehnen. Seitens der sozialdemokratisch organisierten Arbeiter aber wird die Koalitionsfreiheit längst in einem wesentlich andern, durchaus entstellten Sinne ausgefaßt. „Die Koalitionsfreiheit der Sozial- demokratie ist ein Januskopf mit zwei Gesichtern: das eins Gesicht gegenüber dem Staat und dem Arbeitgeber trägt die gesicherten Züge der Freiheil, das andere Gesicht zeigt aber die Züge absoluten, bedingungslosen Zwanges." Offenbare Rechtswidrigkeiten werden, wie der Staatssekretär mittelst einer Reihe einwandsfreier Zeugnisse darthat, von der Sozialdemokratie als nothwendige Voraussetzungen für die Ausübung der Koalitions
Melanie ging gesenkten Blickes neben ihm her, nur von Zeit zu Zeit aufsehend und das schöngeschnittene Profil des neben ihr Schreitenden prüfend.
„Hedwig hat Recht," dachte sie dabei. „Alles an ihm ist regelmäßig, korrekt .und schön wie seine Buchstaben." Dann regte sich ein ärgerliches Gefühl in ihr, daß er es nicht der Mühe werth halte, ein Gespräch mit ihr anzuknüpfen, und sie überlegte, wie sie ihn dazu zwingen wolle. Damit legten sie die Hälfte des Weges zurück. „Wissen Sie, daß ich Ihre Handschrift bewundert habe, Herr Profeffor," platzte sie plötzlich heraus; „sie ist so garnicht die Hand eines Gelehrten."
„Meine Handschrift! Sie? Ah, ich vergaß, Freundinnen haben ja wohl keine Geheimniffe vor einander." Er biß die Zähne auf die Unterlippe und schwieg wieder. Innerlich aber kochte es. Einer solchen Indiskretion war sie fähig, die reizende Melanie, und vielleicht hatte sie gar mit der Freundin über den Inhalt seines Briefes gespottet.
„Natürlich haben Freundinnen, wie wir Beide, keine Geheimniffe voreinander," fuhr Melanie unbefangen fort. „Wir haben einen ganzen Haufen Briese miteinander durchgesehen; darunter war auch der Ihre."
„Sein Bries unter einem ganzen Hausen!" Dem Profeffor wurde heiß und kalt. „Und hat Fräulein
Freiheit angesehen. Diesem mißbräuchlichen FreiheitS- begriffe will die Vorlage eine Schranke setzen. Jedem Arbeiter soll das vollkommen freie Selbstbestimmungsrecht, unter welchen Bedingungen er arbeiten will ober nicht, wiedergegeben werden.
In schlagender Weise zeigte der Staatssekretär, wie die auf Zwangsherrschaft über die gesammte Arbeiterschaft abzielenden Forderungen der Sozialdemokratie sich gesteigert haben. Noch 1891 hat die sozialdemokratische Fraktion im Reichstage durch ihre Anträge zu § 153 der Gewerbeordnung körperlicher Zwang, Drohung, Ehr- verletzung und Verrufs-Erklärung als Waffen in den Arbeiterkämpfen unter Strafe gestellt missen wollen und dadurch die Verwerflichkeit dieser Kampfesmittel und ihre Entbehrlichkeit für eins berechtigte Ausübung des Koali- tionsrechtes ausdrücklich anerkannt. Heute aber heißt es bereits: Ohne Drohungen und überhaupt ohne die rechtswidrigen Mittel, die in dem Gesetzentwürfe unter Strafe gestellt sind, ist das KoalitionSrecht nicht aus- zuüben.
Dies bedeutet nichts anderes als die Forderung von Zwangsrechten. Einer solchen Forderung aber muß der Staat im Interesse seiner Selbstbehauptung mit aller Schärfe entgegentreten. Treffend bemerkte Graf von Posadowsky: „Wenn der Staat duldete, daß die Sozial- demokratie den Arbeitern Beschlüsse auferlegt und diese Beschlüsse auch gegen jeden Widerwilligen exekutiert, so würde man in der That sagen können, der Staat lege das Schwert seiner Gewalt aus der Hand. ZwangS- rechte kann nur der Staat ausüben und der, dem die Zwangsrechte durch staatliche Autorität und staatliche Vollmacht übertragen sind, aber nie ein Privatmann." Indem die Sozialdemokratie sich gegenüber den widerstrebenden Elementen innerhalb der Arbeiterbevölkerung auch noch das Staatshoheitsrecht der Exekution anmaßt, will sie ihr Werk der Gründung eines neuen Staates im alten krönen.
In dem Dargelegten liegt der Kern der trefflichen Ausführungen des Grafen von Posadowsky. Auf die ebenso wirkungsvolle Einzelbegründung, welche derselbe den verschiedenen Paragraphen zutheil werden ließ, können wir an dieser Stelle leider nicht eingehen. Hingewie^sen sei nur noch darauf, daß insbesondere das in Aussicht genommene Verbot des Streikpostenstehens und tumul- tuarischer Zusammenrottungen durch den Staatssekretär in treffender Weise begründet wurde. So erscheint denn die Rede des Grafen von Posadowsky in jeder Hinsicht geeignet, einer richtigen Auffassung des Gesetzentwurfs Bahn zu brechen und die Hindernisse für ein Einver- ständniß der staatserhaltenden Parteien Hinwegzuräumen.
Ewald den ganzen Haufen beantwortet?" fragte er mit gezwungenem Tone."
„Bewahre, ws denken Sie hin! Es waren unleidliche Krähenpfoten darunter!"
„Also nur der schönen Handschrift verdanke ich die Beantwortung."
„Halb und halb."
„Nur halb und halb? Und wem noch sonst?"
„Ich denke, der „einsame Gelehrte" interessierte Sie. —"
„Wirklich?" Der Profeffor blickte gespannt in die großen blauen Augen MelanieS, die einen schönen Kontrast bildeten zu den dunklen Haaren und Brauen und wiederholte sich, was er bereits dem Astronomen im Theater gesagt hatte: „Sie ist nicht so blendend, als die Blondine, aber die Züge sind durchgeistigter."
„Es ist ein seltsamer Zufall, der uns nun in demselben Hause zusammengeführt hat," fuhr er fort; „ich hatte keine Ahnung, daß die Frau Majorin eine Tante der so schnell beliebt gewordenen Schriftstellerin sei, glauben Sie, daß Fräulein Ewald Kenntniß hatte von d.m Einwohner, den sie bei derselben treffen würde?"
„Sie hatte keine Ahnung davon, bis sie Ihren Brief erhielt; es waren ja Straße und Hausnummer darin angegeben."
»Ja, so" — machte der Profeffor. Dann entstand