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Nr. 74. KOs den 27. Km 18U

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Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 19. Juni 1899.

Zufolge meines Ausschreibens vom 28. Dezember 1898 I. 1. Nr. 7014 Kreisblatt Nr. 154 sollen über He Streiks und Aussperrungen seitens der Ortspolizei­behörden fortab Nachweisungen nach den hierzu vorge­schriebenen Formularen ausgefüllt werden.

Da für die in diese Nachweisungen auszunehmenden Angaben die Ortspolizeibehörden im Wesentlichen auf Erkundigungen bei den Betheiligten angewiesen sind, so erscheint es, damit ein möglichst objektives Bild des Sachverhältnisses gewonnen werde, erforderlich, daß bei diesen die Jntereffen beider Theile berührenden Erkun­digungen sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer be­

rücksichtigt werden.

I. I. Nr. 3505. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlei nitz, Geheimer Negierungs-Rath.

Hersfeld, den 23. Juni 1899.

Nachstehende Mittheilung über die Eröffnung des Samariterhauses für Kinder" in Cracau bei Magdeburg haben die Herren Orlsvorstände möglichst zur Kenntniß der Angehörigen von verkrüppelten oder unheilbar kranken Kindern zu bringen und denselben die Unterbringung der letzteren in die Anstalt zu empfehlen.

Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.

Eröffnung desSamariterhauses für Kinder" iu Cracau bei Magdeburg.

Zu dem SiechenhauseJohannesstift" in Cracau bei Magdeburg, das seit 10 Jahren siechen, altersschwachen, hilfs­bedürftigen Personen aller Stände liebevolle Pflege bietet,, ist jetzt eine neue Zweiganstalt hinzugefügt worden. Am. Mai d. I. wurde das neu erbauteSamariterhaus für Kinder" eröffnet, zu dem viel tausend Gaben aus dem ganzen deutschen Vaterlande zusammen gebracht worden sind.

Dasselbe soll den geistig gesunden, aber körperlich ganz verkrüppelten Kindern der Provinz Sachsen und ganz Deutsch

lands dienen, die um ihrer Gebrechlichkeit willen weder eine öffentliche Schule besuchen, noch bei einem Meister zu ihrer Ausbildung in die Lehre gehen können. Sie sollen hier neben Verpflegung und Schulunterricht auch orthopädische Behand­lung finden und zur Erlernung einer ihren Kräften ange­messenen gewinnbringenden Beschäftigung angehalten werden. Die Mädchen lernen' stricken, nähen, häkeln, sticken, Blumen machen, schneidern u. s. w., und die Knaben werden nach voll­endeter Schulzeit in Schuhmacherei, Schneiderei, Korb- und Stuhlslechterei, Tischlerei, Schnitzerei und im Bürstenmachen unterrichtet, damit sie später ihren Unterhalt, soweit dies ihr körperlicher Zustand gestattet, selber erwerben können.

Dir Anstalt ist zur Erreichung dieser Zwecke für etwa 200 verkrüppelte Kinder überaus praktisch eingerichtet. Sie liegt in einem 12 Morgen großen Gartengrundstück. Im Souterrain befinden sich die verschiedenen sehr hohen und lichten Handwerksstätten, die Waschküche, die Plätt- und Roll- stuben. Die beiden ersten Geschosse des Hauses sind gleich­mäßig eingerichtet. Das Erdgeschoß bewohnen die Knaben, das erste Stockwerk die Mädchen. Alle Räume sind massiv eingewölbt, mit vorzüglicher Ventilation versehen und haben Licht von zwei Seiten. Die Fußböden sind mit Linoleum belegt, und da im ganzen Hause keine Schwellen vorhanden sind, können die ganz gelähmten Kinder mittelst der leichten Naether'schen Wagen aufs bequemste aus einem Flügel in den andern oder aus die Veranden befördert werden. In der Vorderfront liegen die Schulstuben, die Wohnungen für die Diakonissen und für Lehrerinnen, außerdem- und Wirth­schaftsräume. Im Mittelbau des Erdgeschosses befinden sich der Turnsaal mit den orthopädischen Einrichtungen und der Operationssaal; int ersten Stockwerk des Mittelbaues ein großer Versammlungssaal.

Das zweite Stockwerk ist dazu bestimmt, daß in demselben 60 ganz siechen, bildungsunfähigen Kindern, welche oft Jahre lang in Krankenhäusern behandelt und dann schließlich als unheilbar entlassen worden sind, eine Zufluchtsstätte und liebevolle Pflege gewährt werden kann.

Rechts vom Samariterhause erhebt sich ein dreistöckiges Gebäude, in dem erwachsene Krüppel, die noch ausgebildet werden sollen, sowie die Handwerksmeister und einige Beamte der Anstalt ihre Wohnung haben, und drüben auf'der linken Seite liegt der Wirthschaftshof.

Die Pflege der Kinder geschieht durch Diakonissen, die ärztliche Behandlung durch einen orthopädisch gebildeten Arzt.

Dem Schulunterricht, der durch seminaristisch vorgebildete Lehrkräfte ertheilt wird, liegt der Lehrplan der Volksschule zu Grunde.

Der Pensionspreis für Verpflegung, orthopädische und ärztliche Behandlung, Unterricht und Ausbildung fürs Leben, soweit dies der körperliche Zustand gestattet, beträgt in der Regel monatlich 30 Mark, in der ersten Klasse 60 Mark.

Das Pflegegeld ist vierteljährlich im voraus an die Kasse des Johannesstifts in Cracau bei Magdeburg zu zahlen.

Bandagen und maschinelle Einrichtungen, welche zur Er­leichterung des Gehens der Kinder oder zu andern Zwecken (z. V. zum Erlernen von Fertigkeiten) nach dem Urtheil des Arztes erforderlich sind, werden nach vorhergegangener Ver­einbarung mit denen, welche die Kinder untergebracht haben, durch Vermittelung des Vorstandes der Anstalt aufs billigste beschafft.

Zu etwa nothwendig oder rathsam erscheinenden größeren Operationen wird vorher die Zustimmung der Angehörigen der Kinder eingeholt.

Anmeldungen sind an den Leiter der Anstalt, Superinten­dent Pfeiffer in Cracau bei Magdeburg, zu richten. Den An­meldungen ist ein Tauf- und Impfschein und eine Krankheits geschichte des Kindes beizulegen.

Rotenburg a. F den 20. Juni 1899.

Unter dem Rindviehbestande des Carl Schenck in Gerterode ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Ueber sämmtliches Klauenvieh(Rindvieh, Schafe, Schweine, Ziegen) angespanntes Rindvieh einbegriffen der Gemeinde Gerterode ist Feldmarksperre verhängt worden.

Das Treiben von Klauenvieh aus der Gemeinde Gerterode über die Feldmarkgrenze und das Verladen von solchem Vieh auf den Eisenbahnstationen ist verboten worden. Ebenso ist der Durchtrieb von Klauenvieh aus anderen Ortschaften durch die Gemeinde Gerterode und deren Gemarkung verboten.

Der c. Landrath: T u e r ck e.

An das Königliche Landrathsamt in Hersfeld.

-i° * *

Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 23. Juni 1899.

Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs Rath.

Hersfeld, den 20. Juni 1899.

Dem am 11. März 1878 zu Heringen geborenen

Georg Friedrich Haas ist gestattet worden, fortan den Familiennamen Zinn zu führen.

I. I. Nr. 3568. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 24. Juni.

Ihre Kaiserlichen Majestäten blieben gestern Abend, wie aus Kiel gemeldet wird, an Bord der Hohenzollern". An dem Diner nahmen der Herzog und die Herzogin Friedrich Ferdinand von Schleswig-Holstein- Sonderburg-Glücksburg, Prinz Rupprecht von Bayern und zahlreiche Besitzer von Dachten Theil, unter denen sich auch die englischen Sportsleute befanden. Heute früh wurde das Frühstück auf der Rennyacht Ihrer Ma­jestät der Kaiserin,Jduna", eingenommen; an demselben nahmen der Kronprinz und die Kronprinzessin von Grie­chenland, die Prinzessin Heinrich, Prinz Rupprecht von Bayern und der Herzog und die Herzogin Friedrich Ferdinand Theil. Gegen Mittag fuhr dieJduna" auf das Regattafeld hinaus, um die Segelregatta desNord­deutschen Reggttaveccrn»" zu beobachten.

Ueber die Nordlandsreise Sr. Maj. des Kaisers wird derVoff. Ztg." aus Christiania ge­schrieben : Kaiser Wilhelm wird in der Nacht zum 5. Juli bei der Lootsenstation Kopervik eintreffen. Wie aus Bergen drahtlich gemeldet wird, gedenkt der Kaiser, die Fahrt nach Hardanger, Voß, Stahlheim und Sage in diesem Jahre ausfallen zu lassen und von Bergen aus geraden Weges zu den Romsdalsfjorden zu gehen. Von dort aus reist der Kaiser nach Droutheim, um so­dann zum Nordfjord zursickzukehren, wo Loen und Olden besucht werden solle».

Die Paradetage während der Kaisermanöver sind wie folgt festgesetzt: Am 4. September Parade bei Straßburg über das 15. Armeecorps, am 7. September Parade bei Stuttgart über das 13. Armeecorps, am 8. September Parade bei Carlsruhe über das 14. Armee- corps.

Aus Friedrichsruh wird vom 24. Juni gemel­det : Vor der Grabkapelle und am Sarkophage des FürstenBismarck fand heute Mittag eine erhebende Trauerfeier statt. Delegirte der deutschen Hoch­schulen legten Kränze nieder, wobei Studiosus Brederek- Berlin eine zündende Ansprache hielt. Nach Schluß der Feier sprach Fürst Herbert Bismarck bewegten Herzens seinen Dank für die dem Andenken seines Vaters ge­brachte Huldigung aus.

Der Kaiser hat den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Staatsminister v. B ü l o w , in den Grafenstand erhoben. Die Mittheilung von dieser Standes-Erhöhung ging dem Staatssekretär in einer überaus huldvollen Depesche zu, die ihm der Kaiser aus Kiel auf die tele­graphische Anzeige von der Annahme des Karolinen- Vertrages übersandte. Hängt so diese Auszeichnung un­mittelbar mit dem Erwerb der spanischen Südsee-Juseln zusammen, der mit meisterhafter Geschicklichkeit eingeleitet und durchgeführt wurde, so dürfte darin doch die Kaiser­liche Anerkennung für die ganze Leitung der auswärtigen Politik während der nahezu zweijährigen Thätigkeit des Staatssekretärs zum Ausdruck kommen. Die auswärtige Politik des deutschen Reiches hat in dieser veihältniß- mäßig kurzen Zeit zweifellos große Erfolge errungen. Die wichtigste Aufgabe: die Wahrung des Friedens und des Ansehens zugleich ist ihr in kritischen Zeiten gelungen. Selbst die Gegner unserer Kolonial-Bewegung erkennen an, daß die Erwerbung von Kiaulschou sowohl in politischer, als auch in wirthschastlicher Hinsicht von der größten Bedeutung für uns ist. Auch die Erwerbung der Südsee-Juseln und nicht am wenigsten die weise Haltung Deutschlands in der Samoafrage haben bewiesen, daß unsere auswärtige Politik von großen Gesichtspunkten geleitet wird, die an die beste Z it des Altreichskanzlers Fürsten Bismarck erinnern. In Samoa hat sich Deutsch-