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Hersselder Aeisblatt.

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Sr. 89. Iieiisioz Den 1. Anziist 1899.

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Amtlicher Theil.

Heisfeld, den 27. Juli 1899.

Die erfolgte Wiederwahl des Bürgermeisters Jäger zu Motzfeld als solcher für einen weiteren achtjährigen Zeitraum, mit dem 12. August d J. beginnend, ist diesseits bestätigt worden.

I A. 2221. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

Hersfeld, den 29. Juli 1899.

Die Königlichen Herren Ortsschulinsp-ktoren des hiesigen Kreises ersuche ich hierdurch ergebenst, mir ge­fälligst umgehend, spätestens aber bis zum 5. August cr., mittheilen zu wollen, wie groß die Zahl der Schüler und die Zahl der Lehrerstellen an den Ihrer Aussicht unterstellten Schulen gewesen ist am 1. Mai 1895, am 1. Mai 1896, am 1. Mai 1897, am 1. Mai 1898 und am 1. Mai 1899.

J. L Nr. 4411. Der Königliche Landralh

Freiherr von Schleinitz, Geheimer NegierungS-Rath.

Hersfeld, den 27. Juli 1899.

Die unter den Schweinen in der Gemeinde Meckbach ; ausgebrochene Rothlanfseuche ist erloschen.

J. 1. Nr. 4397, Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Nalh.

Hersfeld, den 27. Juli 1899.

Unter den Schweinen in der Gemeinde Neckerode ist die Nothlansseuche ausgebrochen.

^J. I. Nr. 4346. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

" Giro lustige Geschichte.

Erzählung v. M. von L e t t k o w.

I.

Rabenvaters R u f.

i Etwas über fünfzig Jahre mag es nun wohl her «sein vielleicht gar etwas darüber genau weiß ich es nicht.

Was ich erzählen will ich kann mich aufs gemissen- Mteße an die Wahrheit halten geschah zu einer Zeit, die in ihren Eigenthümlichkeiten so unendlich verschieden von der unserigen war, daß die verehrlichen Leserinnen und Leser meinen könnten, einem arabischenMärchen­erzähler" zu lauschen

An einem wunderschönen, aber auch recht warmen ^uni-Nachmittage gab es in der grünen Epheulaube eines eosös auf dem Mehlmarkte ein Summen und Flüstern und Zwitschern.

Oft klang es auch wie das Piepsen kleiner Mäuschen; ^dlich erschallte ein silberhelles Lachen all' das kam non einem halb Dutzend junger und jüngerer Damen, die ä grünen Winkel ihr Gefrorenes und Carlsbader d Jotaten a^n und fröhlich plauderten.

»Also wer geht mit ?" fragte die klangvolle Stimme " 8rau Hosrath blamier, einer kleinen, kugelrunden

Gefunden: ein Damen-Umhang auf dem Wege von Hersfeld nach Sorga. Meldung der Eigenthümerin bei dem Ortsvorstand zu Sorga.

Nichtamtlicher Theil.

Str Tanz ii dös golütnt MK

Der kürzlich veröffentlichte Bericht der Nettesten der Berliner Kaufmannschaft ist im allgemeinen recht opti- mistish gehalten, und es kann ja auch gar nicht anders sein. Handel und Industrie blühen thatsächlich, und der Unternehmungsgeist entfaltet immer mächtiger seine Schwingen. Kaum ein Tag vergeht, der nicht von Neu- gründungen zu melden weiß. Trotzdem mischen sich selbst in die kaufmännische Schilderung der glänzenden Kon­junktur bereits leise Warnungsrufe, die umso größere Beachtung verdienen, da sie dem Munde von Leuten ent­stammen, deren sachverständiges Urtheil nach dieser Rich­tung hin keinen Zweifel unterliegen kann.

Zunächst ist in dem erwähnten Berichte von der stetigen Steigerung der Produktion die Rede, über deren Gefahr man sich mit allerlei BeschwichtigungS Gründen hinwegzusetzen suche. So wird die Nothwendigkeit fort­dauernder Produktions - Steigerung mit dem ebenfalls ständig wachsenden Konsum gerechtfertigt, obwohl, wie der Bericht meint, der Berechtigung dieser Auffassung manche Bedenken entgegenständen." Es kommt aber noch deutlicher. Die Aeltesten der Berliner Kaufmann­schaft weisen auf die starke Steigerung der Effekten-Kurse hin und lassen sich im Anschlüsse hieran also vernehmen:

Die gewaltige Anspannung von Handel und In­dustrie ist es, die in erster Linie für die Steigerung des Zinsfußes in Anspruch zu nehmen ist. Einen weitern Grund für die Spannung am Geldmarkt war die große Ausdehnung der Emissions-Thätigkeit von Seilen der Banken und Finanzhäuser, die sich neben umfangSreichen Kapitals-Erhöhungen der Berliner-uno Provinzial-Banken auch auf industrielle Unternehmungen erstreckte. Das Kapitalisten-Publikum, welches bei der steigenden Kon­junktur bisher den Werth seines Aktien-Besitzes, nament­lich von Industrie-Unternehmungen, ständig zunehmeu sah, wurde dadurch keineswegs zur Realisierung ange­regt. Im Gegentheil gab es sich, unter Hintansetzung der Grundsätze einer soliden Kapitals-Aulage, der Meinung hin, daß es vortheilhafter sei, Dividenden-Papiere zu erwerben. Diese Strömung war so stark, daß neue, hauptsächlich industrielle Werthe den Emissionshäusern trotz der geforderten Agios so zu sagen aus den Händen gerissen wurden."

Dame, der man die Fünfundvierzig wahrhaftig nicht ansah.

Wer mit geht? Ich!"

Unter einem riesigen, blumengeschmückten Strohhute, einem sogenanntenItaliener", antwortete Fräulein Melanie Langerhuber für sich und ihre beiden niedlichen Schwestern vierfache Hausbesitzers Töchter.

Ich! Und die Peppi und die Lori gewiß auch. Wir wollen uns nämlich drei ganz gleiche rosa Jaqueconards- Kleider mit Pelerinen und dazu passenden Hüten zum Rosenfeste machen lassen."

Mit Pelerinen und rosa Hüten!" wiederholte mit ahnungsvollem Entzücken Lori, die jüngste Langer­huber.

Und wenn der Stoff im ganzen hält, was diese kleine Probe hier verspricht, meine Damen"

Ah er ist köstlich, süperb! Sie haben gar keine Ahnung von dem graziösen Faltenwurf, liebe Melanie!" meinte die kleine Hofräthin voller Enthusiasmus und tauchte auf den Grund ihrer großen Schale Chokolade

Hm! Nein rosa macht mich zu gelb," erwiderte

der Hofräthin gegenüber die blasse, schwarzhaarige Frau Doktor Lindemannrosa ist keine Farbe, die ich tragen kann; aber einen prächtigen, hochroten Selbem Foulard soll er bekommen haben und himmelblauen I

Damit ist in der That der Finger auf eine der schlimmsten Wunden der Gegenwart gelegt. Der Tanz um das goldene Kalb, die Profitgier und Dividendensucht haben alle Klassen der Bevölkerung erfaßt und alle Be­rufsstände mit fortgerissen. Unter dem Drängen der zumeist kleinen Kapitalisten, die auf der Jagd nach schnellem Gewinn ihr Geld unter allen Umständen in Dividenden-Papieren angelegt wissen wollen, schießen die Emissionen wie Pilze empor. Im verflossenen Jahre sollen die gesammten Emissionen in Deutschland sich auf einen Kurswerth von 22/3 Milliarden (2697 Millionen) belaufen haben, gegen 2 Milliarden im Borjahre. Daß im laufenden Jahre flott weiter gegründet worden ist, weiß jeder. Daher auch die bedauernswerthe Erscheinung, daß der Kurs der sichern Rentenpapiere, besonders der Staatspapiere, einen so auffallenden Tiefstand zeigt.

Hält diese Entwicklung noch längere Zeit an, so rückt, wie schon die Breslauer Handelskammer bemerkt hat, die Gefahr der Ueber-Spekulation in immer größere Nähe." Wir gehen dann Zuständen entgegen, wie sie uns der große Krach nach der Gründungs-Aera der 70er Jahre so drastisch vor Augen geführt. Der Moloch der Spekulation verschlingt am letzten Ende seine Anbeter, und nichts als riesige Vermögens-Verluste, zertrümmerte Existenzen, vernichtetes Familienglück, Thränen und Reue bezeichnen schließlich den Weg, den das Gründungs- Fieber einst genommen. Daher kommt das Warnungs- Signal der Berliner Kaufmannschaft gerade zur rechten Zeit, und jeder Freund des deutschen Volkes wird wün­schen, daß ihm ein tausendfältig verstärktes Echo zutheil werden möge.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 30. Juli.

Die H o h e n z o l l e r n " ist, um Kohlen für die Rückfahrt zu nehmen, am 29. d. M. in Bergen eingetrof- sen. Die Abreise erfolgt voraussichtlich morgen Abend. Die Kommandanten der in Bergen liegenden englischen Schiffe haben gestern Abend an Bord derHohenzollern" dinirt. Heute findet ein Frühstück bei dem deutschen Konsul statt. Es regnet andauernd.

Der Allerhöchste Erlaß, betreffend die Erklärung des Schutzes über die Karo­linen, M a r i a n e n u n d P a l a u , vom 18. Juli d. J. datirt, wird im amtlichen Theil desReichs-An- zeigers" veröffentlicht. Der Erlaß lautet:

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kai­ser, König von Preußen 2c. thun kund und fügen hiermit zu wissen:

.. .JULI " .. .. - .1 _!---------. -M'-H Bengalin und kostbare Brüsseler Spitzen. Auf jede Fall gehe ich mit!"

Na und Sie, Frau von Hallenfei?" meinte Josephine Langerhuber, gemeiniglichPeppi" geheißen.

Die hübsche Brünette, Gattin eines höhern Beamten, knabberte mit ihren kleinen, spitzen Zähnen an einem knusprigen Mandelgebäck.

Jeannette von Hallenfei, eine geborene Berlinerin aus guter, alter Bürgerösamilie, sprach ein wenig den Dialekt Spree-Athens.

Trotz ihrer fünfundzwanzig Jahre war sie mit einem ganz wunderbaren Phlegma ausgestattet, das sie ganz gut kleidete.

Sie schüttelte bedächtig das Köpfchen und meinte:

Ach nein mein Nante sieht es nicht gerne und dann aufrichtig ist mir das ganz egal, ob inländisch oder ausländisch, wenn es man hübsch ist, und nicht gar zu ville kostet. Nicht, daß mirs nicht hätten o nein, wir können's ja thun; aber ich freue mich immer riesig, wenn ich 'wo was Schönes billig kriege!"

Warum nicht gleich geschenkt" flüsterte Melanie Langerhuber ihrer nächst sitzenden Schwester Peppi etwas boshaft ins Ohr.

Die Hofräthin Klanner band sich die bieilen Bliide- bänder ihres fliederfarbenen Hutes fest.