Erscheint wöchentlich drei Mal DienZtag, Donnerstag und Sonnabend.
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HmeOz St« 10. August
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auf das
Hersfelder Kreisblatt für die Monate August und September 1899 werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, kandbrief- trägern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 7. August 1899.
Am 15. dieses Monats ist die 2 te Rate der für 1899/1900 zu entrichtenden Kreis st euer fällig und veranlasse ich die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises hierdurch, dafür zu sorgen, daß die Zahlung bei der hiesigen Kreiskommunal- kaffe pünktlich erfolgt.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Gesunden: Mehrere Reservetheile einer Getreidemähmaschine auf dem Wege Hersfeld-Unterhaun. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Unterhaun.
Polilischc Nachrichten.
Berlin, den 8. August.
Se. Majestät der Kaiser nahm gestern Vormittag im Schlosse Wilhelmshöhe den Vortrag des Vertreters des Chefs des Civilkabinets, Geheimen Regierungs- raths von Valentini, und denjenigen des Vize-Präsidenten des Staatsministeriums, Staalsministers Dr. v. Miguel, entgegen. — Heute früh empfing Se. Majestät den Feldjäger Oberleutnant Frhrn. von Strombeck, welcher einen eigenhändigen Brief Ihrer Majestät der Königin von England an Se. Majestät überbrachte. Ihre Majestät die Königin hatte den Frhrn. v. Strombeck in Osborne
Eine lustige Geschichte.
Erzählung v M. von L e t t k o w.
(Fortsetzung.)
Endlich hatte der junge Mann — dem Leser sei sein Beruf, die Malkunst, verrathen — sein Morgenbad genommen.
Während er mit einem Kamme seine feuchten und dennoch krausen Locken bearbeitete, summten seine Lippen den Kehrreim einer spanischen Romanze:
„— Anima della anima mia I
0 Dolores — mia Dolores —"
„O du Seele, meine Seele,
Du mein Schmerz und meine Qual."
Mitten in dieser doppelten Beschäftigung stöite ihn Klopfen an der Thür. Hans horchte. Nun klopfte es stärker.
Endlich — der Titus!" — murmelte der Maler, schob den Riegel zurück und steckte seinen Kopf durch die Thürspalte.
Titus, der Farbenreiber, war es nicht, aber gleich darauf ertönte ein Freudenschrei:
»Du? — Georg — du hier! lieber Junge!"
Frottiertuch und Kamm flogen in das noch ungeordnete Himmelbett, und Hans Reiter schloß den seit Jahren nicht gesehenen Jugendfreund an sein Herz.
„Das nenne ich eine Ueberraschung! Wo kommst du her? Was machst du in W . . . . ? Na — wie leben denU-die Hamburger? — So laß dich doch mal ansehen!
Sapperlot, bist du fesch und kräftig geworden I" —
empfangen. Derselbe berichtet, daß das Befinden und Aussehen der hohen Dame ganz vortrefflich sei.
Nach der neusten Bestimmung des Kaisers findet die Feier der Eröffnung des Dortmund-Ems-Kanals Freitag den 11. d. Mts, Vormittags 9 Uhr, statt. Auch die Minister v. Miguel und Thielen sind zu der Feier geladen.
Die Mittheilungen, die wir jüngst über den Besuch Sr. königlichen Hoheit des Prinzen Heinrich in Korea brachten, reichten bis 11. Juni. Ueber den weiteren Verlauf des Besuches wird folgendes mitgetheilt: Am Morgen des 12. Juni begab sich Se. königl. Hoheit von Söul zu Pferde mit einem Gefolge von acht Herren sowie dem deutschen Konsul unter der Führung des Herrn Wolter nach Tang Kogä (dem heiligen Berg), wo er am Abend des 14. eintraf. Die Wegstrecke beträgt 130 Kilom. Der König hatte zu Nachtquartieren sowie zur Einnahme der Abendmahlzeiten die auf dem Wege liegenden Präfekturen Herrichten und zur Verfügung stellen laffen, ebenso auch Sorge für Transportmittel und Wechsel der Reitthiere getragen. Der König hatte auf der ganzen Strecke den Weg in guten Zustand bringen laffen, und wie mit Zauberhänden waren die größten Schwierigkeiten beseitigt worden. Als erste Etappe auf dem Ritt von Söul nach Tang Kogä war das sogenannte „Kalte Loch" ausersehen, wo dem Prinzen von Herrn Bergingenieur Bauer der erste Trunk kredenzt wurde. Trotz feines wenig poetischen Namens ist dieser Punkt ebenso an- muthig wie malerisch am Wege gelegen und rings von üppig grünen Waldungen umgeben, in denen sich ein Gemisch von Bäumen, wie wir sie in Deutschland kennen, nur daß sie hier viel größer und schöner werden, nämlich Eichen, Ahorn, Linden u. s. w., mit Magnolien und anderen subtropischen Gewächsen finden. Am nächsten Tage ging es weiter nach Tang Kogä. Die Gebäude der Bergingenieure liegen auf einer Höhe etwa fünfzig Meter über der Thalsohle. Hier war für Se. königliche Hoheit ein Unterkommen eingerichtet, das eben so gut war, wie es die Verhältnisse erlauben. Leider konnte der Betrieb aus der Mine selbst nicht in größerem Umfange vorgeführt werden. Trotzdem weilte der Prinz fast zwei Stunden in dem Bergwerk, nahm unter der Führung des Herrn Bauer Alles genau in Augenschein, ja verschmähte es auch nicht, selbst etwas Gold und schwarzen Kiesel zu waschen. Nach kurzer Siesta am Nachmittag ging es nochmals in das Bergwerk. Zum
So sprudelte der Maler zehn Fragen auf einmal hervor, ohne auf die Beantwortung einer einzigen zu warten.
Plötzlich aber unterbrach er sich.
„Aber halt! — ich vergaß. Du wirst noch nüchtern und hungrig sein — und Titus —1 dieses Kamel--"
Bei diesen Worten streiften Hans Reiters Augen die Ueberreste eines nichts weniger als opulenten Abend- effeus: Käserinden, Apfelsinenschalen und ein paar leere Gumpoldskirchner Weinflaschen.
„Es war gestern nämlich mein Namenstag — daher diese entschwundene Pracht--"
„Sorge dich nicht, mein Hans, ich habe bereits gefrühstückt. Auch schon einen tüchtigen Spaziergang gemacht. Du weißt, — ich war immer ein Frühaufsteher."
„Ja — eine deiner verwerflichsten Eigenschaften. Als mir in Hamburg gemeinsam die Schule besuchten, hatte ich oft genug unter dieser deiner Liebhaberei, beim Morgengrauen Käfer und Pflanzen zu sammeln, zu leiden. Zu meinem Glücke habe ich diese Schwärmereien niemals getheilt. Doch, laß dich noch einmal in meine Arme schließen — ich bin so vergnügt, daß du da bist!"
Er drückte Georg Helmsen nochmals an seine breite Brust.
„Und nun erzähle, mein Freund! Was führt dich in unsere schöne Stadt?"
Während Hans Reiter aus dem bewußten Wäscheschränke eine .letzte Flasche Gumpoldskirchner herbeitrug und in Zinnbecher leerte, erklärte Georg Helmsen dem
Abendessen hatten die sämmtlichen Europäer, die in Tang Kogä waren, eine Einladung erhalten. Am nächsten Morgen wurde der Rückritt angetreten ; dieses Mal ging es im Eilmarsch vorwärts. Am 18. Nachmittags war Söul wieder erreicht. Hier machte Se. königl. Hoheit zunächst dem Könige und dem Kronprinzen einen Abschiedsbesuch, wobei der Prinz nochmals seinen Dank für die herzliche Aufnahme aussprach, während der König ihm sowohl wie den Herren des Gefolges werthvolle Gastgeschenke überreichen ließ.
Der Centralverband deutscher Kaufleute, dem über 400 Vereine selbstständiger Kaufleute und Gewerbetreibender mit 16000 Mitgliedern angeschloffen sind, und dessen Präsident Schulze-Gifhorn ist, hält am 22. und 23. d. M. in Berlin seine General- Versammlung ab. Aus der Tagesordnung heben wir hervor: Errichtung von Wohlfahrtseinrichtungen und Kreditgenossenschaften für Handel- und Gewerbetreibende; Jnnungsbildung im Kleinhandelsgewerbe; das obligatorische Fortbildungsschulwesen; die Besteuerung der Großbazare und Konsumvereine. Ergänzung des Gesetzes über den unlauter« Wettbewerb; Heranziehung der Hausirer zu Ortsabgaben und zwar in allen Orten, wo sie ihre Waaren anbieten; Heranziehung derjenigen Schneider zur Gewerbesteuer, die neben ihrem Handwerk Handel mit Tuchen und Buckskins treiben; Gründung von mittleren Handelsschulen, die mit der Reife für den einjährigen Militärdienst abschließen; Ruhezeit der Angestellten in offenen Verkaufsstellen.
In der „Deutschen Weinzeitung" wird der vorläufige Entwurf eines neuen Weingesetzes mitgetheilt, wie er im Anschluß an die Berathungen des sogenannten „Weinparlaments" hergestellt worden ist. Die wichtigsten Bestimmungen des Entwurfes, der im ganzen 16 Paragraphen zählt, wären danach: 1. das Verbot der gewerbsmäßigen Herstellung der Trester-Rosinen- und Hefenweine, sowie die Bereitung von Kunstweinen mittels Säuren, Essenzen u. dergl. Dagegen ist der Zusatz von technisch reinem Rohr- oder Rübenzucker sowie technisch reinem Stärkezucker, auch in wässeriger Lösung, zulässig, wenn dadurch der Wein verbessert wird, ohne daß seine Menge erheblich vermehrt wird. 2. Für Schaumweine, die mittels Kohlensäurezusatzes bereitet sind, ist die Dekla- rationspflicht vorgesehen; die deutliche, nicht verwischbare Inschrift „Kohlensäurezusatz" muß sowohl auf der Flasche als auch in den Preislisten ober sonstigen Angeboten
Jugendfreunde, daß er den Wunsch seines Vaters erfüllen und sich hier längere Zeit aufzuhalten gedenke.
„Also — du bist deiner Neigung gefolgt, hast den Rock des Advokaten an den Nagel gehängt und bist Maler geworden, mein Hans?"
Hans Reiter, der unterdessen seine Toilette beendet hatte, nahm eine theatralische Stellung an und deklamierte :
„— Ja, ich bin's, den alle kennen, Bin's, den Räuber Bruder nennen — Bin der Räuber Jagomir!"
Helmsen mußte laut lachen.
„Und die Kunst? — Was malst du mein Junge?" —
Hans Reiter steckte die Hände in die Taschen und zuckte die Achseln.
„Die Kunst? — WaS willst du — die Kunst geht nach Brot. Es bleibt mir oft keine Wahl. Ich male die Poesie und die Prosa — heute Elfenzauber, in Gestalt von der „Wirthin Töchterlein" — und morgen das Gegenstück — die wohlbeleibte Wirthin selbst, bei deren Anblick alle zarten geflügelten Geister der Phantasie enteilen. Heute die zierlichsten Rococco-Figuren auf den Atlasfächer einer Hofdame, und morgen das Schild eines reichen Fleischers."
Hans Reiter hatte sich in Extase geredet.
„Ach, Georg — du Sohn bemittelter Eltern! Was weißt du von der Faust der Noth, die uns arme Kunstjünger stets zum Erdboden niederdrückt! Wenn uns nicht unsere Träume in den Himmel trügen, es wäre schlecht um uns bestellt!"