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gratis Beilagen r „IUuftrirtes Konnrag-blatt" «. „Illuftviete landwirthschastUche VeUage".
Nr. 96.
KmerstW Den 17. Aiizilst
1899.
Amtlicher Theil.
Proviantamt. Cassel, den 10. August 1899.
Das Königliche Landrathsamt ersuchen wir ganz erge- beust, den landwirthschastlichen Vereinen sowie den Herren Landwirthen des dortigen Kreises in dort geeignet erscheinender Weise Kenntniß davon geben zn wollen, daß das überschriebene Amt mit dem Ankauf von Roggen begonnen hat; auch Heu wird noch fortlaufend angenommen.
An das Königliche Landrathsamt Hersfeld. * *
Hersfeld, den 15. Angust 1899.
Wird veröffentlicht.
Die Herren Ortsvorstände haben Vorstehendes zur Kenntniß der Landwirthe zu bringen. l. 4912. Der Königliche Landrath
F reiherr von S ch l e i u i tz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 16. August 1899.
Die Herren Ortsvorstände zn Allendorf, Eitra, Hedders- dorf, Heenes, Heimboldshausen, Heringen, Malkomes, Petersberg, Rotterterode, Unternenrode und Widdershausen werden hierdurch an die Erledigung meiner Verfügung vom 21. Juli 1899 J. I. Nr. 4294, Kreisblatt Nr. 86, Allgabe der Zahl der am 1. Juli d. Js. vorhandenen deck- fähigen Kühe und Rindern sowie sprungfähigen Bullen betreffend, erinnert mit Frist bis zum 2 1. d. M t s.
Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Regiernngs-Rath.
Hersfeld, den 11. August 1899.
Die Königlichen Herren Ortsschulinspektoren des hiesigen Kreises ersuche ich unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 19. vorigen Monats I. I. Nr. 4248 I, im Kreisblatt Nr. 85, ergebenst, den Ihrer Inspektion unterstellten Herren Lehrern allgemein die Uebernahme von Agenturen ausländischer Versicherungsgesellschaften untersagen zu wollen.
I. 42481. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer NegierungS-Rath.
Hersfeld, den 14. August 1899. Unter den Schweinen in der Gemeinde Friedlos ist die Nothlaufseuche ausgebrochen.
I- 4909. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Eine lustige Geschichte.
Erzählung v. M. von L e t t k 0 w.
(Fortsetzung )
Der Lehrbub Franzi — ein Schelm erster Klaffe, wo es galt, Allotria zu treiben — schlug die konfiszierte Waare in ein grünes „Einbindtuch", nahm das Packet auf den Rücken und stand in demütiger Haltung vor dem gestrengen Herrn Kommissar.
„Nachdem wir unsers Amtes gewaltet hab'u, also voran, meine Herrn, und du Franzi, gehst neben mir. Mir gengen jetzt nach'm „Contreband-Magazin" !"
Kaum, daß die andern sich aber außer Gehörweite befanden, so wandte sich Wiesnecker zu Bonjour:
„Mach' dir nix draus, Freunder!! Das is ja nur a Lappalie —. aber ich steck' dir's! Sei a biffel auf deiner n k »"er dir zwischen die Finger zu schauen. H" ""^We Mal müßt ich halt schärfer vorgehen! Und den Muskateller, den bleibst bis wir wieder im „Rebhändl" g lammen kommen!
^rpimhfsWt brüten sich beide, anscheinend in bester , zollamtS-Kommtffar °ul Me Skate geLten, als d-m
Gefunden : eine Peitsche. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu WillingShain.
Nichtamtlicher Theil.
Ielltschlailil unü Central Mercier.
Die merkwürdigen Selbstbekenntnisse des ehemaligen französischen Kriegsministers General Mercier in seiner Zeugenaussage vor dem Kriegsgericht in Rennes werden den Gleichmuth nicht stören, mit dem unsere amtlichen Kreise die ganze Entwicklung der Dreyfusgeschichte verfolgt haben. Deutschland braucht sich nicht getroffen zu fühlen, wenn ein Mitglied der französischen Generalität öffentlich allerlei tolles Zeug über die internationale Lage der Republik zusammenfaselt. Die Vorstellung, die sich General Mercier und mit ihm gewiß noch recht viele DurchschnittS-Franzosen von den europäischen Beziehungen Frankreichs macht, ist von dem Grundgefühl einer geradezu krankhaften Furcht beherrscht. Er fürchtet einen deutschen Ueberfall, er wartet Stunden lang mit Zittern unb Zagen auf eine den Krieg bedeutende Erklärung aus Berlin, er erschrickt bei dem Gedanken an das Netz von Spionage, das der deutsche Kaiser unter persönlicher Mitarbeit den Franzosen über den Kopf werfen will, er fürchtet die Unzuverlässigkeit der russischen Hilfe für den Ernstfall.
So verkörpert General Mercier in seinem Auftreten vor dem Kriegsgericht alle Angstzustände der französischen Volksseele. Es ist eine arge Bloßstellung Frankreichs, eine fast beleidigende Rücksichtslosigkeit gegen Rußland, aber nichts, was in Deutschland eine andere Bewegung hervorrufen könnte, als Achselzucken, eine andere Stimmung als Mitleid oder stille Heiterkeit. Unser politisches Verhältniß zur französischen Republik bleibt durch solche Entgleisungen, wie die Aussage des Generals Mercier, unberührt. Wir können nur wünschen, daß auch die übrigen Zeugen in Rennes aus ihrem gequälten Herzen keine Mördergrube machen, sondern alles heraussagen, auch ihre geheimsten Empftndungen. Das wird für alle Welt, für uns, für Frankreich und für Rußland lehrreich und nützlich sein. Und Krieg giebt es darum noch lange nicht.
Politische Nachrichten.
Berlin, den 15. August.
Am Montag fand bei herrlichem Wetter in Arolfen die Enthüllung des Landesdenkmals für Kaiser Wilhelm I. '
Besitzer des „Rabenvater" die Maske der Konvenienz vom Antlitz fiel.
Er drehte die Lampe aus, warf die schwere Eichen- thür des „Geheimen" klirrend ins Schloß und murmelte:
Fahr' in die ewige Hitz' oder dahin, wo der Pfeffer wächst, du Blindschleiche! Auf den Muskateller aber kannst du diesmal warten!"
VI.
Die Geheimnisse der Fliederlaube.
Es war einen Tag nach dem „Rosenseste" dem fast ganz W.....beigewohnt hatte. Lustig und flott war getanzt, musiziert und gesungen worden, und Gott Amor hatte seine verwirrenden Fäden um so manche Herzen gelegt.
Der mondscheinhellen Nacht war ein frischer Morgen gefolgt.
Man schrieb den 17. Juli.
Von seinem freundlich eingerichteten Wohnzimmer aus konnte Georg Helmsen hinunter in den grünen Hausgarten sehen. Dieser Garten hatte ursprünglich zu dem ang kauften Nebenhause gehört. Bonjour aber ließ von seiner Wohnung eine massive Steintreppe anlegen, die in diese wohlgepflegte Blumenwelt führte.
Die Mode von Versailles, Hecken, Büsche und Bäume
statt. Die Stadt prangte im Festesschmuck, dem durch die schwarz-roth-goldenen Fahnen ein eigenes Gepräge verliehen wurde. Se. Majestät der Kaiser traf Mittags 121/z Uhr in Begleitung des Ober-Hofmarschalls Grafen zu Eulenburg, des Chefs des Militär- und Civilkabinets, Generals der Infanterie v. Hahnke und Wirkl. Geheim- raths v. Lucanus, des Generaladjutanten, Generals der Infanterie von Pleffen, des Generals ä la suite v. Scholl, des Gesandten Grafen v. Wolff Metternich und des Flügeladjutanten, Kapitänleutnants Grafen v. Platen unter Glockengeläute hier ein. Kurz vorher waren Se. königl. Hoheit der Prinz Friedrich Leopold und der kom- mandirende General des 11. Armeekorps, General der Infanterie v. Wittich, angelangt. Auf dem Bahnhof wurde Se. Majestät vom Fürsten Friedrich, dem Prinzen Heinrich, den Grafen Adalbert, Hermann, Friedrich und Georg zu Waldeck und Pyrmont und einer Ehrenkom- pagnie mit Fahne empfangen. Seine Majestät fuhr im Wagen zur Stadt, die Eskorte bildete eine Schwadron des 5. Dragonerregiments, voraus fuhr Landesdirektor v. Saldern. Die Schulen und Kriegervereine bildeten auf dem Wege Spalier; die Landbevölkerung füllte in dichten Schaaren die Straßen. An der Stadtkirche, wo Ehrenjungfrauen Aufstellung genommen hatten, sprach Bürgermeister Major a. D. Trainer, umgeben von den städtischen Behörden, den Willkommengrub aus. Redner gedachte des Umstandes, daß Seine Majestät schon als Prinz Arolsen besucht habe. Das heutige Erscheinen gelte der Feier der Enthüllung de« Kaiser Wilhelms- Denkmals, das Fürst und Volk von Waldeck errichtet haben. Redner schloß mit dem Gelöbniß der Treue. Se. Majestät der Kaiser dankte mit huldvollen Worten und setzte hierauf die Fahrt zum Schlöffe fort, überall von dem Jubel der Bevölkerung begrüßt. Kurz nach 1 Uhr begann auf dem glänzend geschmückten Festplatze gegenüber dem Residenzschloffe die Feier der Enthüllung des Denkmals für Kaiser Wilhelm 1. Nachdem die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften im Kaiserzelt versammelt waren, trug ein Sängerchor Beethovens Hymne: „Die Himmel rühmen" vor, worauf Geheimrath Dr. v Möhlmann im Namen des Komitss die Festrede hielt. Redner führte aus, daß das ganze Land freudig am Feste theilnehme und dankbar sei für das Erscheinen Sr. Majestät des Kaisers. Auf ein vom Fürsten zu Waldeck und Pyrmont nach eingeholter Genehmigung Sr. Majestät des Kaisers gegebenes Zeichen fiel hierauf die Hülle des Denkmals. In demselben Augenblicke gab eine Batterie des Artillerieregiments Nr. 11 Salutschüsse ab, während das in Arolsen garnisonirende 3. Bataillon des Infanterieregiments Nr. 83 das Gewehr präsentirte und sämmtliche Glocken der Stadt mit Geläute einfielen.
nach alten Mustern zu verschneiden — sogar Figuren heraus zu künsteln, eine Geschmacklosigkeit sonder gleichen — das heißt, der Natur ins Handwerk zu pfuschen, hatte auch „Rabenvaters" Garten nicht verschont.
Immerhin gab es genügend schattige, uralte Bäume und Lauben, wie gemacht, sich zu verstecken oder einsam zu träumen.
Georg Helmsen liebte diesen Garten sehr. Wenn andere junge Leute im Restaurant, im Cafo oder beim Heurigen saßen — ihn zog es mit einem guten Buche in diese lauschigen Winkel.
War es der Garten allein? —
Es ist wahr, er hatte von Tag zu Tage gehofft, daß Zizzi, die böse Zizzi, aus ihrem Trotze heraustreten würde. Nachgeben wollte er ja auch in den ersten Wochen nicht. Er war doch ein Mann — und sie hatte ihn doch zuerst gekränkt. Aber sie mußte doch endlich sehen, wie unglücklich ihn dies gespannte Verhältniß zwischen sich und der Tochter seines Chefs, sagen wir seines väterlichen Freundes, machte.
Bonjour verhielt sich abwartend, wenn auch erstaunt, daß zwei so junge Leute keinen Gefallen an einander fanden.
Freilich, Georg hatte ja, dem Rathe Hans Retters folgend, den Trotz und die Kälte der Unnahbarkeit auf