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MOz Sei 22. August
1899.
Amtlicher Theil.
Cassel, den 31. Juli 1899.
Der Herr Minister des Innern hat auf eine Anfrage des Regierungs - Präsidenten in Wiesbaden dahin entschieden, daß bei der Eintragung eines Sterbefalles in das Standesregister es der Angabe des Vor- und Familiennamens des Ehegatten des Verstorbenen nur dann bedarf, wenn der Ehegatte den Verstorbenen überlebt hat. Wollte man § 59 Nr. 4 des NeichSgefetzeS vom 6. Februar 1875 anders auslegen, so würden, falls der Verstorbene mehrfach verheirathet war, die Vor- und Familiennamen sämmtlicher vorverstorbenen Ehegatten einzutragen sein und zwar auch dann, wenn der letzte Ehegatte ihn überlebt hat. Es ist bei Berathung des Entwurfes der Bundesrathsvorschriften ausdrücklich festgestellt worden, daß dies nicht der Sinn des Gesetzes sei. Der Ausdruck „Wittwer" in dem Musterbeispiel C. 2 zu der Bekanntmachung vom 25. März 1899 (N. G. Bl. S. 225) bedeutet so viel wie „ledig" im Sinne der vorbezeichneten Gesetzesstelle und weist zugleich, was aus manchen Gründen erwünscht sein kann, darauf hin, daß der Verstorbene verheirathet gewesen ist und seinen — falls er mehrfach verheirathet gewesen ist, seinen letzten — Ehegatten überlebt hat.
Der Ober-Präsident der Provinz Hessen-Nassau, gez. Zedlitz.
An den Herrn NegierungS-Präsidenten hier. Nr. 5528.
* * *
Cassel, den 11. August 1899.
Abschrift zur weiteren Veranlassung bezw. Nachachtung.
Der NegierungS-Präsident. I V.: v o n B r e m e r.
An sämmtliche Herren Landräthe und die Herren Standesbeamten in den Städten des Bezirks. A. I. 6118.
* *
Hersfeld, den 19. August 1899.
Wird den Herren Standesbeamten des Kreises zur Nachachtung mitgetheilt.
A. 2505. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Hersfeld, den 12. August 1899.
Die Herren OrtSvorstände zu Allmershausen, Biedebach, Bingartes, Eitra, Friedlos,
Eine lustige Geschichte.
Erzählung v M. von Lettkow.
(Fortsetzung )
Daß Monsieur Bonjour nicht in der rosigsten Laune in seinem Geschäft zurückblieb, wird der Leser mir sicher glauben. Jeder der Angestellten ging seinem Prinzipal „eine Meile weit" aus dem Wege.
Unterdessen marschierte der Konfiskations-Zug gravitätisch dem Contreband-Magazins-Amte zu.
Den Zug eröffnete Franzi, der Schelm von Lehrbube. Er schleppte das Bündel im grünen Einbindtuche. Dann kam die bewaffnete Macht: der Offizial-Molch, mit den Akten unter dem Arme, den hohen Cylinderhut auf dem völlig kahlen Haupte, die steife, kummetartige Halsbinde so eng als nur denkbar geschnallt.
Dann der Herr OberamtS-Kontrolleur Dünnbein, in einem abgeschabten, langschößigen Rocke, mit grüner Weste und so spindeldürr, daß er seinem Namen Ehre machte.
Endlich Herr Traugott Wiesnecker und der Vize- drrektor Langenhuber, denen Georg Helmsen und Hans Netter folgte.
W7it vergnügtem Schmunzeln rieben sich die Inhaber anderer Modegeschäfte die Hände, als sie des „Contre- bande-Zuges" ansichtig wurden.
,, T .^ gönnten sie dem hochmüthigen, aufge- n. , V"".' d-m Bonjour, ber immer bei allem bte erste Geige spielen wollte.
Und es schien als ob der Vizedirektor absichtlich recht langsam durch alle bie Gassen und bei allen Thüren ge-
Heenes, Meisebach, Oberhaun, Reilos, Rohrbach, Sieglos, Tann und Unterhaun
sind nach einer Mittheilung des Landerbauamts dahier mit der Erledigung von Landwegebau-Arbeiten im Rückstands. Falls die rückständigen Arbeiten nicht b i S spätestens zum 10. September d. J s. ausgeführt sind, müßte die Veraccocdirung derselben auf Kosten der Gemeinde erfolgen.
I. I. Nr. 4863 bis 4875 Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Hersfeld, den 16. August 1899.
Der Landwirth Heinrich Schwalm zu Gersdorf ist am gestrigen Tage als Bürgermeister der dortigen Gemeinde eidlich verpflichtet worden.
I. A. Nr. 2482. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Hünfeld, den 18. August 1899.
Die in Neukirchen ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen und die angeordneten Schutzmaßregeln aufgehoben.
Der Landrath. I. V.: L o o ck.
* * *
Hersfeld, den 19. August 1899. Wird veröffentlicht.
I. 5024. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Der Beginn des nächsten Kursus zur Ausbildung von Lehrschmiedemeistern an der Lehrschmiede zu Char - lottenburg ist auf Montag den 6. November d. I. festgesetzt.
Anmeldungen sind an den Direktor des Instituts, Ober-Roßarzt a. D. Brand zu Charlottenburg, Spreestraße 42, zu richten. (A. II. 8736.)
Cassel am 30. Juli 1899.
Der RegierungS-Präsivent. J. V.: F l i e d n e r.
Vermißte Person.
Die am 24. Dezember 1831 zu Hersfeld geborene Wittwe Christine Albach geb. Steinberg, deren Signalement unten abgedruckt ist, hat sich am 12. d. Mts. Abends gegen 6 Uhr von Gonzenheim entfernt und ist zuletzt in Bonames gesehen worden. Vermuthliche Rich-
wisser Modehändler vorüber ginge — als abschreckendes Beispiel, wobei der Kommissar Wiesnecker triumphierend freundliche Grüße austheilte, die besagten:
„Servus!! Seht, wie ich den gefangen habe! Was? — Ich lasse mich nicht überlisten, das merkt euch nur, wenn die Reihe an euch kommt!"
Endlich langte man, — e« begann schon zu dunkeln, und Regen schien im Anzüge — vor dem HauptzollamtS- gebäude an.
Rechts, unter dem Thore, bezeichnete eine kleine schwarze eiserne Thüre den Eingang zum Contrebande- Magazin.
Ueber diese Thür hätte man schreiben sollen:
«Ihr, die ihr eintretet.
Lasset alle Hoffnung fahren! —"
„Nun heißl's handeln! Deine Idee ist famos! Thu', wie ich dir sagte, Hans! Es ist ein Wagstück!" flüsterte Georg und trat neben den Lehrbuben.
Der Herr Oberzollamts - Vizedirektor hatte zu der eisernen Thür einen eigenen Schlüssel. Mit diesem öffnete er und trat in den halb dunkeln Raum, den Schlüssel von außen stecken lassend.
Das Hauptbüreau befand sich im niedrigen Halbstock, allwo der Herr Ober-OberzollamtS-Direktor saß und — schlief.
Einer nach dem andern der Beamten kroch durch die niedrige Eisenthür. Als an Georg Helmsen die Reihe kam, sagte er leise dem Franzi:
„Gieb dem Herrn Reiter später das Bündel und folge auf jedes feiner Worte!* — dann schlüpfte er
tung: über Hanau, Gelnhauseu nach Hersfeld zu; es ist auch nicht ausgeschlossen, daß sich die rc. Albach ein Leid angethan hat.
Um Nachforschung unb schonendes Anhalten im Be- tretungsfalle wird gebeten.
Bemerkt wird, daß die rc. Albach geistig beschränkt ist.
Signalement: Statur: Mittel. Haare: dunkelblond. Stirn: gewöhnlich. Augenbrauen: dunkel. Nase und Mund: gewöhnlich. Zähne: sehr schlecht. Kinn: spitz. Gesicht: oval. Gesichtsfarbe: blaß. Besondere Kennzeichen: im Nacken eine Narbe. Kleidung: gedruckte Jacke, grauer Rock, gedruckte Schürze, schwarzlederne Halbschuhe, ohne Hut.
Gonzenheim, den 17. August 1899.
Der Bürgermeister Dasselmann.
Politische Nachrichten.
Berlin, den 19. August.
Ueber die Feier der Enthüllung des Denkmals des
1. Garderegiments z. F. bei St. Privat, wird aus St. Privat unterm 18. d. gemeldet: Se. Majestät der Kaiser traf gegen 81/2 Vormittags in Amanweiler ein, stieg zu Pferde und ritt nach St. Privat. Die Ankunft daselbst wurde durch Glockengeläute angekündigt. Die Bevölkerung begrüßte den Kaiser enthusiastisch. Nach Abreiten sämmtlicher Fronten hielt Se. Majestät der Kaiser zu Pferde gegenüber dem zu enthüllenden Denkmal des 1. Garderegiments z. F. Alsdann stimmten die Sänger der Garnison Metz das Tedeum an, worauf der protestantische und der katholische Garnisonpfarrer Ansprachen hielten, in denen sie der Gefallenen gedachten. Kurze Gebete der Geistlichen schlössen sich den Ansprachen an. Hierauf hielt Se. Majestät eine Ansprache und übergab das Denkmal dem 16. Armeekorps und dem Bezirkspräsidenten. Der kommandirende General Graf v. Haeseler ließ präsentieren, und unter dem Donner der Geschütze und den Hurrahrufen der Anwesenden fiel die Denkmalshülle. Am Fuße des Denkmals sind zahlreiche Kränze niedergelegt, darunter auch solche von den aus ganz Deutschland herbeigeeilten Veteranen des Regiments. Se. Majestät der Kaiser ritt nach Schluß der Feier an der Spitze der Fahnen und der Leibkompagnie des I. Garderegiments z. F. durch St. Privat nach Metz, wo er um 3/42 Uhr eintraf.
gleichfalls durch das Pförtchen, wandle sich aber noch einmal um und rief dem Maler laut zu:
„Wir sehen uns ja beim „Wallfisch", — geh' nur voraus!"
Devot und mit einer seinem Prinzipal abgelauschten höflichen Miene stand der Lehrbube da.
Der Respicient, alias „Spinatwächter" wollte nun das Bürschchen vorwärts drängen, allein Franzi, der einige seltsame Winke Hans Reiters ganz gut verstanden, meinte bescheiden:
„O, ich bitte, Herr Oberamts-Respicient — nach Ihnen — bitte! Ich werde schon folgen! Ich weiß schon, was ich Ihrem Range schuldig bin!"
Schmunzelnd und höchst geschmeichelt blickte der Beamte auf den höflichen Lehrbuben, während der Maler sich anscheinend entfernte, ging auch der Respicient durch die kleine, unheimlich kreischende Thür.
Blitzschnell drehte sich Hans Reiter in dem Augen, blicke um, zog das Pförtchen rasch zu und schloß es ab, den Schlüssel steckte er ein.
„Komm schnell!" rief er dem Franzi zu, dem er das Bündel tragen half. Das Hauptzollamt lag etwas einsam ; aber links hinunter, da standen Fiaker. Einen derselben rief Hans an, warf das Bändel hinein und stieg mit dem Lehrbuben in den Wagen.
„In die H ... . straße, zur Hollriegelschen Fabrik."
Aus dieser Fabrik bezog Bonjour sonst all' seine Waaren.
Nun instruierte der Maler den verschmitzten Franzi, dem solch ein Spaß eine riesige Freude bereitete.