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Nr. M KOs K« 29. Bjtf ILSS.

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 26. August 1899.

Die geistesgestörte Witwe Elisabeth S ch w a l m geb. Pfeiffer von Niederaula hat sich am Sonnabend den 19. d. MtL. Nachmittags aus ihrer Wohnung heimlich ent­fernt und ist bis jetzt nicht zurückgekehrt. An demselben Tage soll sie in Jbra (Kreis Ziegenhain) gesehen wor­den sein.

Die Ortspolizeibehörden und Gendarmerie des Kreises haben über den Verbleib der rc. Schwalm Ermittelungen anzustellen und im Betretungsfalle dieselbe nach Nieder­aula zurückbringen zu laffen. Die Vermißte ist 58 Jahre alt, mittelgroß, hat graues Haar, graue Augen, von schwächlichem Aussehen und war bekleidet mit dunklem Rock, hellblauer Schürze, schwarzem Kattun-Halstuch, ohne Jacke.

J. I. 5173. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schlei nitz, Geheimer RegierungS-Nath.

Gesunden: 1. eine Peitsche, 2. eine gestrickte wollene Jacke. Meldung der Eigenthümer bei dem OrtSvorstand zu Kleba.

Zugelaufen: ein kleiner weißschäckiger Hund. Mtt^ dung des Eigenthümers bei dem OrtSvorstand zu Kleba.

Nichtamtlicher Theil.

Südafrika.

Das finstere Gewölk, das sich über dem Transvaal- Freistaat langsam zusammenzieht, ist in den letzten Tagen noch um einige Grade dunkler geworden. Portugal sperrt seine Kolonie Mozambique für Waffen- und Munitious- Sendungen nach Transvaal, Rußland will für die Zu­kunft Südafrikas gegen England keinen Finger rühren, Frankreich weist seinen Vertreter in Pretoria an, sich ja nicht zu Gunsten der Buren in eine britenfeindliche Stellung drängen zu lassen, Cecil Rhodes erklärt, Trans­vaal müsse ein Land englischer Zunge werden. Das alles sind Zeichen der Zeit, die dem klugen Piästdenten Krüger nicht entgehen können. Er weiß, daß ihm kein anderer Ausweg bleibt, als mit Ehren einzulenken, oder j

lNachdruck verboten.)

Die Rache ist mein. Original-Roman in zwei Bänden von Gustav Lange.

(Fortsetzung,)

Unter den heiligsten Beteuerungen hatten sie sich das Versprechen gegeben, nie von einander zu lassen, und wenn es die Zeit erlaubte und sie heimlich ein Stündchen miteinander verplaudern konnten, da wurden gar man­cherlei Pläne für die Zukunft geschmiedet, goldene Luft­schlösser gebaut, denn wie sollten sie auch dabei daran denken, daß es einmal anders werden könne in dem beglückenden Bewußtsein ihrer gegenseitigen aufrichtigen Liebe fanden solche Gedanken bei ihnen keinen Raum. Wie ein Keulenschlag traf daher jetzt Franz die Er­kenntniß von der Gefahr, die ihrer Liebe drohte, aber nur einen Augenblick ließ er sich von den ängstlichen Gedanken, von der Besorgniß beherrschen, dann kehrte die feste Entschlossenheit zurück, er wollte um sein Lebens- glück sümpfen, sümpfen bis zum Aeußersten und sollte er darüber zu Grunde gehen; die Flinte feige ins Korn werfen, das wollte er nicht, auch soviel stand fest, daß er um seines eigenen Glückes willen nicht dasjenige seiner Schwester opfern durste.

. d^ch.kuier Weile des Schweigens warf die Wittwe einen Blick auf ihren Sohn, der noch immer wortlos

^"bn entging ihr die Veränderung in P r e C,L wenn sie auch die eigentliche Ursache Ä W,"^ ""'S* >^° r- t*:

seinen Heimathsstaat in einen Kampf auf Leben und Tod zu stürzen.

Die Sprache der englischen Blätter wird mit jedem Tage drohender. Trotzdem rechnet wohl selbst der Kolonial­minister Chamberlain noch darauf, daß es ihm erspart bleiben werde, diese Drohungen wahr zu machen. Denn zum Losschlagen gegen ungefähr 50 000 kriegsgeübte Männer, denen diesmalneben ihren todtbringendenBüchsen auch sehr ansehnliche artilleristische Verleidigungsmittel zur Hand sind, ist die britische Streitmacht am Kap noch lange nicht fertig. Die bisherigen Rüstungen erfüllen nur gerade den Zweck, das schroffe Auftreten der eng­lischen Staatsmänner und ihrer Presse zu unterstützen. Ohne militärische Begleit-Erscheinungen würde sich das Brüllen des britischen Löwen gar zu schwächlich aus­nehmen.

Was aber für die Regierung der Südafrikanischen Republik schwerer als Truppentransporte und sonstiges Beiwerk ins Gewicht fällt, ist, wie oben angedeutet, die nicht zu übersehende Thatsache, daß Transvaal beim Ausbruch des Krieges allein stehen würde gegen einen übermächtigen und aufs äußerste gereizten Feind. Diese klare Erkenntniß der Lage dürfte dazu führen, daß von den Buren fortdauernd eine Haltung beobachtet wird, bei welcher England, was es gewiß gern thut sein Schwert in der Scheide lassen kann.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 26. August.

Se. Majestät der Kaiser unternahm heute Morgen um 7 Uhr einen Ausritt und hörte von 9 Uhr ab im Neuen Palais bei Potsdam die Vorträge des Chefs des Zivilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths Dr. v. Lucanus, des Chefs des Generalstabes der Armee, Generaladjutanten, Generals der Kavallerie Grafen v. Schliessen, und des Chefs des MilitärkabinetS, General- adjutanten, Generals der Infanterie v. Hahnke. Um 11 Uhr begab Sich Se. Majestät zur Einweihung des neuen Kuppelbaues und des großen Refraktors des kö­niglichen Astrophysikalischen Observatoriums auf dem Telegraphenberge bei Potsdam. Nachmittags gedachte Se. Majestät Sich zur Enthüllung zweier Denkmalsgruppen in der SiegeSallee, darunter derjenigen Friedrichs des Großen, nach Berlin zu begeben.

Nichts, liebe Mutter, ich dachte nur darüber nach, wie wir den Brauer gehörig heimleuchten können," ent- gegnete er unbefangen, mußte aber doch sein Gesicht ab- rvenden, um die Nöte nicht erkennen zu lassen, welche sein Gesicht überzog, weil er nicht gewohnt war, die Unwahrheit zu sagen.

Du hast doch der Gretei noch nichts von dem Ver­langen WendelS gesagt?"

Nein, Mutter, ich hatte sie vorausgeschickt, um der Geis das Futter zu bringen. Kein SterbenSwörtlein darf sie davon erfahren, ich glaube, das gute Kind würde keine ruhige Stunde mehr haben und sich zu Tode ängstigen."

Du hast recht, lieber Franz, aber werden wir denn das Schreckliche auch immer vor ihr verbergen können?"

Nun, wir wollen uns wenigstens bemühen, es zu verheimlichen; vor allem mäßige Dich aber in Deinem Schmerz, damit sie nicht aufmerksam wird und uns mit Fragen bestürmt, was vorgefallen ist, denn sie läßt dann keine Ruhe, weil es ihr auch leid thut, jemand bekümmert zu sehen, ohne den Kummer mit tragen helfen zu können, und wer weiß, ob Du ihr gegenüber standhaft genug bleibst."

Der Eintritt des jungen Mädchens ließ Mutter und Sohn sofort in ihrem bisherigen Gesprächsthema inne- halten und zu einem anderen, gleichgiltigen Gegenstand übertreten.

Zweites Kapitel.

Schreckliche Tage der Ungewißheit waren die nächsten

DieN. A. Z." bezeichnet die Meldung, der Kaiser gedenke Schloß Bernstorff zu besuchen und werde dort mit dem Kaiser von Rußland zusammentreffen, als gänzlich aus der Luft gegriffen.

Der auf Sonnabend Nachmittag 5 Uhr angesetzte offizielle Schluß der beiden Häuser des preußischen Landtages beim Ministerpräsidenten Hohenlohe ist abgesagt worden, weil das Abgeordnetenhaus in seiner Sitzung am Sonnabend Beschlüsse der vorher stattgehabten Herrenhaussitzung wieder umgestoßen hat. Montag oder Dienstag wird daher das Abgeordnetenhaus seine Be­rathungen fortsetzen.

Nach der imZentralblatt für das Deutsche Reich" veröffentlichten Nachweisung verschiedener Einnahmen im Reiche in der Zeit vom 1. April 1899 bis zum Schlüsse des Monats Juli 1899 betrug die Einnahme der Post- und Telegraphenverwaltung 121927 447 Mk. gegen 113241277 Mk. in demselben Zeitraum des Vor­jahres, mithin im Rechnungsjahr 1899 8 686170 Mk. mehr; die Einnahme der Reichs-Eisenbahnverwaltung 27 393 000 Mk. gegen 25 758 000 Mk. (die definitive Einnahme stellte sich im Vorjahr um 712117 Mk. höher), mithin 1635 000 Mk. mehr.

Im amtlichenJustiz-Min -Bl." wird ein Verzeichnis der preußischen Richter veröffentlicht, die zufolge des Erlasses vom 2. d. M. auf Grund des Gesetzes vom 13. d. M. in den einstweiligen Ruhestand treten. Wir heben aus diesem Verzeichnis folgendes hervor: Von den 13 Oberlandesgerichtspräsidenten tritt keiner in den Ruhestand. Von den 45 Senats- präsidenten werden 14, also 31 v. H. in den Ruhe­stand treten. Beim Kammergericht scheidet kein SenatS- präsidentaus. Oberlandesgerichtsräthe treten 25, d. i. 9 v. H. der Gesammtzahl in den Ruhestand, darunter 4 vom Kammergericht. Von den 93 Land- gerichtSpräsidenten treten 20, also 21,5 v. H. der Gesammtzahl in den Ruhestand. Die Zahl der in den Ruhestand tretenden Landgerichtsdirektoren beträgt nur 20, d. i. nicht ganz 9 v. H. der Gesammtzahl. Die Zahl der abgehenden Amtsgerichtsräthe beträgt 128. Von den 3869 Land- und Amtsrichter­stellen werden hiernach nur 182 oder noch nicht 5 v. H. frei. Die Gesammtzahl der in den Ruhestand tretenden Richter beträgt 261. Wann die einzelnen Richter in den Ruhestand treten, geht aus der amtlichen Liste nicht hervor. Ein Theil von ihnen macht jeden-

Wochen für die Bewohner der Thalmühle; selbst für die Gretei, obwohl man ihr von dem Antrag des Bräuers nichts mitgetheilt. Zwar hatte das junge Mädchen wieder­holt ihre Mutter und auch ihren Bruder schon mit drängenden Fragen bestürmt, da ihr die heimlichen Seufzer und betrübten Gesichter derselben, die nur zu deutlich den inneren Kummer verriethen, nicht entgangen waren. Aber sie erhielt keine befriedigende Antwort auf ihre Fragen es seien die Sorgen um die Zukunft, wurde ihr gesagt. Trotz ihrer Jugend besaß sie doch schon einen scharfen Verstand, und so sagte sie sich, daß dies der Grund allein nicht sein konnte, was den sonst so lebensfrohen Franz und ihre durch harten Kampf umS Dasein stark gewordene Mutter so völlig nieder­drückte, es mußte doch noch eine andere Ursache zu dem Kummer vorliegen, und weil man ihr dieselbe nicht mit­theilen wollte, so lag es auch auf ihrer Seele wie ein Alp.--

Pünktlich nach Ablauf der gestellten Frist, just zu einer Zeit, wo Franz und Gretei zur Messe gegangen waren, augenscheinlich hatte er diese Gelegenheit abge- paßt, um die Wittwe allein anzutreffen, erschien der Bräuer in der Thalmühle, um sich die Antwort auf seine Anfrage um die Hand der Gretei zu holen.

Die Unterredung war nur eine kurze, sie mußte einen recht jähen Abschluß gefunden haben, aber eS waren gewiß harte, unversöhnliche Worte, kalt abweisend auf der einen, drohend auf der anderen Seite, die zwischen der Thalmüllerin und Alois Wendel gesprochen worden waren.