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1899.

Gestellungen

m auf das s Hersselder Kreisblatt ^ für den Monat September 1899 werden von . allen Aaiserlichen Postanstalten, tandbriefträgern und IH, von der Expedition angenommen.

Amtlicher Theil.

Hersseld, den 4. September 1899.

Unser den Schweinen des Gastwirths Nutzn in Heddersdors ist die Nothlaufseuche ausgebrochen.

I. 5347. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz, Geheimer Negierungs-Nath.

Hersfeld, den 2. September 1899.

Die unter den Schweinen in den Gemeinden Mecklar, Oberhaun, Obergeis und Heenes ausgebrochene Rothlauf- seuche ist erloschen.

I 5324. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Negierungs-Nath.

Berichtigung.

In dem in der vorigen Nummer des Kreisblatts abgedruckten Verzeichnis; der im Monat August ds. Js. ausgestellten Jagdscheine muß es statt a) unentgelt­liche a) entgeltliche heißen.

Nichtamtlicher Theil.

Miiilsttmechsl! in Prechn.

In Preußen hat sich, wie wir durch ein Telegramm in der vorigen Nummer desKreisblattes" noch mittheilen konnten, folgender Wechsel im Staatsministerium voll- Är ,«.>»-.^, n.ui,

zogen: An die Stelle des Kultusministers, Dr. Bosse, ist der seitherige Oberpräsident von Westfalen, Studt, getreten, und statt des Frhrn. v. d. Necke v. d. Horst ist der bisherige Regierungspräsident von Düsseldorf, Frhr. v. Rheinbaben, Minister des Innern geworden.

Die hohe Ordensverleihung, durch welche der Monarch die scheidenden Minister ausgezeichnet hat, läßt darauf schließen, daß sie des allerhöchsten Wohlwollens und Ver­trauens mit ihrer Verabschiedung nicht verlustig gegangen sind. Frhr. v. d. Recke hatte sich, bevor er Minister wurde, als Regierungspräsident von Düsseldorf als ein hervorragend tüchtiger Staatsbeamter gezeigt, der bei der Verwaltung es vor allem verstand, den thatsäch­lichen Verhältnissen gerecht zu werden. Beinahe vier Jahre hat er als Nachfolger des Herrn von Köller das Ministerium des Innern geleitet. Ein durchaus grader und vornehmer Charakter hat er fein verantwortungs­volles, schwieriges Amt mit großer Gewissenhaftigkeit ausgeübt. Ganz besonders muß es ihm zum Verdienst angerechnet werden, daß er der Sozialdemokratie stets mit Entschiedenheit entgegengetreten ist. Folgerichtig vertrat er den Standpunkt, daß man die revolutionäre Partei nicht durch Entgegenkommen, sondern durch Ent­gegentreten überwinden muß.

Mit dem Kultusminister Dr. Bosse scheidet ebenfalls ein um Preußen und das Deutsche Reich hochverdienter Mann aus dem Staatsdienste. Als Direktor im Reichs- amte des Innern hat Dr. Bosse die ersten Arbeiter- versicherungs-Gesetze, das Unfall- und das Krankengesetz, in die Wege geleitet und mit unermüdlicher Ausdauer sich an der Ausarbeitung der verschiedenen Entwürfe betheiligt, die nothwendig waren, ehe die Gesetze im Parlament zur Verabschiedung gelangten. Bekannt sind die hervorragenden Verdienste, die sich Dr. Bosse um das Zustandekommen des Bürgerlichen Gesetzbuches er­warb, als er in seiner damaligen Eigenschaft als Staats­sekretär des Reichsjustizamts den Vorsitz in der für dieses Werk eingesetzten Kommission führte. Seine bedeutendsten Thaten als preußischer Kultusminister, als Nachfolger des Grafen von Zedlitz-Trützschler, stellen das Lehrer­und das Pfarrer-Besoldungsgesetz dar, die unter seiner Leitung trotz der größten Schwierigkeiten glücklich durch - geführt wurden. Ein Mann von positiv-christlicher Ge­sinnung ist Dr. Bosse auch den Katholiken gegenüber in jeder Beziehung gerecht nach dem Grundsätze der Parität verfahren.

Die neuen Minister des Innern und des Kultus haben das mit einander gemein, daß sie beide aus der Beamtenlaufbahn hervorgingen und niemals politischen Körperschaften angehörten, auch niemals in das Partei- und Fraktionstreiben verwickelt waren. Freiherr von Rheinbaben, der neue Minister des Innern, ist Jurist. Er war bis Anfang 1896 Geheimer Oberfinanzrath und vortragender Rath im Finanzministerium und wurde dann als Nachfolger des Ministers Freiherrn von der Recke Regierungspräsident in Düsseldorf. Er gilt als einer unserer hervorragendsten und befähigsten Verwalt­ungsbeamten und ist erst 44 Jahre alt. In Düsseldorf sieht man ihn ungern scheiden.

Der neue Kultusminister, Exzellenz Studt, ist eben­falls Jurist. Als Assessor wurde er Landrath in Obornik. Nachdem er dann vor 23 Jahren in das Ministerium des Innern berufen war und er sich darauf als Regie­rungspräsident erprobt hatte, wurde ihm das verantwort­ungsvolle Amt eines Unterstaatssekretärs im Ministerium für Elsaß-Lothringen anvertraut. Hier bewährte er sich so vorzüglich, daß im Jahre 1889 das Auge des Kaisers auf ihn fiel, als sich in Westfalen infolge des großen Bergmannsstreikes höchst schwierige Verhältnisse entwickelt hatten.

In verschiedenen Blättern wird so dargestellt, als ob die Veränderungen in den beiden Ministerposten mit der Kanalfrage in Verbindung ständen. DenBerl. Pol. Nachr." zufolge ist das nicht zutreffend. Darnach hatte der Kultusminister Dr. Bosse mit Rücksicht auf sein Nervenleiden schon seit längerer Zeit den Rücktritt ge­wünscht. Wie das Blatt weiter hört, wird der Kaiser über eine andermeite Verwendung des Freiherrn von der Necke im höher» Staatsdienste, welche dessen Wünschen wohl in besonder»; Maße entsprechen dürste, Verfügung treffen.

Politische Nachrichten.

Berlin, den 5. September.

Se. Majestät der Kaiser traf am Montag Morgen in Straßburg ein, wo er eine Parade über das 15. Armeecorps abhielt. Damit nahmen die Kaiser-Manöver ihren Anfang. Abends fand im Kaiserlichen Schlosse eine große Paradetafel statt. An derselben nahmen unter andern Theil der Großherzog von Baden, Regent

lNachdruck verboten.)

_ Die Rache ist mein. MOriginal-Noman in zwei Bänden von Gustav Lange. M (Fortsetzung.)

Nach jeden Vers, den der Nugmeister verlesen hat, folgt ein entsetzliches Getöse und die Haberer brüllen } dazu im Chor:

Scham Di doch, schäm Di doch!

, Pfeifst scho bald aufm letzten Loch.

Laßt Di nit belehren?

Willst Di nit bekehren?

I Als der letzte Vers, der den Fall mit der Thal­müllerin behandelt, vom Nugmeister vorgetragen worden, da schwillt der Lärm so furchtbar, daß man meinen könnte, der Weltuntergang sei angebrochen und alle Hunde im Dorfe stimmen in ein entsetzliches Geheul ein. Ml!Lauts Verwünschungen werden gegen den Bräuer aus­gesprochen, der nun schon so viel Unrecht begangen hat, ohne daß dasselbe an ihm gesühnt worden ist.--- Dieser steht zuerst beim Beginn des Gerichts wie ew Bild des Jammers oben am Fenster und droht zu- dammenzubrechen, aber wie ein gehetztes Wild zuweilen im Augenblick der höchsten Angst zu einem Kampf auf Leben lnd .tob sich aufrafft, so kommt auch über den Bräuer ' "r JiutQ der Verzweiflung. Und als Josef, eine wahre Öunengeiiait, der stärkste Knecht im ganzen Bräuhof, mit ^nner brennenden Unschlittkerze zu ihm in die Kammer Mwinmt, da leuchtet ein wildes Feuer aus den schon halb-

Erloschenen Augen des Gebrandmarkten und seine Fäuste

ballen sich zornig; er fühlt sich gedeckt durch diesen Bei­stand, denn nun weiß er, daß auch die übrigen Knechte zur Stelle sind.

Josef, kannst Du's mit ansehen, wie sie es mit Deinem Herrn treiben? Geh, lauf was Du kannst zum Gendarmen, er soll Militär requirieren und die Bande verhaften!" befiehlt er dem eintretenben Knecht.

Wäre nutzlos, Bräuer, denn ehe Gendarm und Militär kommen, sind die Haberer schon wieder über alle Berge," entgegnete der Knecht und verzieht sein Gesicht zu einem höhnischen Grinsen.

So laß Sturm läuten! Versprich dem Küster das fetteste Schwein, damit er es thnt."

Auch das wird nichts nützen, die Haberer werden wohl Posten ausgestellt und die Thür zum Thurme verrammelt haben," weigert sich wiederum der Knecht zu gehen.

Die wilde, aufbrausende Natur des Bräuers kommt bei diesem Widerspruch zum Durchbruch, er kennt sich selbst nicht mehr und seine Wuth ist grenzenlos.

Was, Du Schandbub, treibst wohl ein abgekartes Spiel?" schrie der Bräuer wuthentbrannt und sprang hin zu seinem Bette, wo über demselben an der Wand schon seit langem eine alte geladene Neiterpistole hängt, weil der Bräuer allezeit Furcht vor Einbrechern hat. Hastig greift er nach der Waffe, zum ersten Male will er sie zu seiner Vertheidigung benutzen; er weiß damit umzugehen, es ist zwar schon lange her, seit er dem König als schmucker Reitersmann gedient hat. Ehe es der Knecht noch hindern kann, hat er schon den Hahn

gespannt einen Augenblick zielt er durch das offene Fenster auf die untenstehende Menge in der Richtung wo der Habermeister steht dann kracht ein Schuß, dessen Schall in dem allgemeinen Lärm untergeht.

Wie auf Befehl verstummt mit einem Male da unten der Lärm; die Fackeln werden zusammen auf einen Haufen geworfen, wo sie weiter qualmen, sodaß der Ge­stank durch das geöffnete Fenster in die Kammer dringt, wo der Bräuer noch immer die Waffe in der Hand hält, bereit, noch einen Schuß abzugeben.

Da ist einer getroffen worden," murmelte der Knecht dumpf.

Was meinst Du?" fragte der Bräuer, dessen Zorn wieder verraucht war und dem es nun doch nicht gleich- giltig war, daß er Blut vergossen hatte.

O, ich hab den Aufschrei wohl gehört, der durch all den Lärm herausklang, so schreit nur einer, wenn ihn; die Kugel im Fletsche sitzt."

Eine schreckliche Nacht, mär doch diese erst vorüber," jammerte der Bräuer und legte sich völlig erschöpft auf sein Lager nieder.

4. Kapitel.

Der Lärm des Haberfeldtreibens, der wohl das ganze Dorf alarmiert, war nicht heraus bis zur Tahlmühle gedrungen, hier ruhten die beiden Geschwister im tiefsten Schlummer. Mitternacht war schon lange vorüber und bereits begannen im Osten die ersten Strahlen der aus­gehenden Sonne stch Bahn zu brechen, als vom Dorfe her ein kleiner Trupp Menschen sich der Thalmühle