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r^r. 168. Isilnersiliz den 11 Lehlmber . 1899.
Amtlicher Theil.
* : Hersfeld, den 11. September 1899.
- Auf Montag den 2. Oktober 1 899, Vor - itittags 9 Uhr ist eine Kreistagssitzung in den Saal 3)es hiesigen Rathhanses anberaumt worden.
' ^agesorünung.
M ) Prüfung der Verhandlungen über die infolge Versetzung des Königlichen Oberförster Voigt von ii Niederaula nach Hadamar erfolgte Ersatzwahl des " Tuchfabrikanten Herrn Wilhelm Braun in Hersfeld als | Kreistagsabgeordneter für den Wahlverband der Groß- grundbesitzer, Beschlußfassung über die Gültigkeit dieser ■ f Wahl und Einführting des neu Gewählten in sein Amt. (Die Wahlperiode dauert bis Ende Dezember 1903.) »Begutachtung des Landwegeban-Etats für 1900.
) Uebernahme der Grnndentschädigung für den Bau einer Nebenbahn Hersfeld-Treysa, soweit sie den Kreis Hersfeld berührt, auf den Kreis.
) Prüfung und Feststellung der von dem Kreisausschusse . revidirten und von der seitens des Kreistags in dessen Sitzung am 28. März 1899 beauftragten Kommission geprüften Kreiskomuunuflkasseu-Rechnuug für 1898/99. (§ 87 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885.)
) Beschlußfassung über die Uebernahine des dritten Theiles der durch die Unterhaltung der Verpflegungsstation in der Stadt Hersfeld während des Winterhalbjahres 1899/1900 entstehenden Kosten auf den Kreis.
) Beschlußfassung über die Bewilligung einer Unterstützung an die Gemeinde Goßmannsrode zur Bestreitung von Kosten für die Regulirung des Dorfbaches und Erbauung einer Brücke über denselben.
, i-, 2650. Der Königliche Landrath
i Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hünfeld, den 9. September 1899.
Unter dem Rindviehbestande des Bauern Ferdinand !ogt zu Gruben a/H. ist die Maul- und Klauenseuche usgebrochen. Gehöft- und Gemarkungssperre ist an- eordnet.
Der Landrath. I. V.: L o o ck. n * * *
Mird veröffentlicht. Hersfeld, den II. Septbr. 1899. M 5472. Der Königliche Landrath
W Freiherr von Schleinitz, M 5 Geheimer Regierungö-Rath.
I
j (Nachdruck »erboten.)
8 Die Rache ist mein. Original-Roman in zwei Bänden von Gustav Lange. (Fortsetzung.) g Sein Herz klopfte gewaltig, als er den Kirchthurm keines Heimathsdorfes wieder erblickte, aber er konnte nicht entschließen, jetzt am Hellen lichten Tag die kürzere Dorfstraße zu benutzen, weil er befürchtete, Be-
arnnte zu treffen und hierbei durch Fragen belästigt zu werden, deren Beantwortung ihm bei seiner jetzigen Ge- Ehsverfassung durchaus nicht möglich war — die lange Wlntersuchungshaft wirkte noch nach. Wenn er daran Wuchte, wie er vor Wochen durch Gendarmen wie ein gemeiner Verbrecher abgeführt worden war, trieb es ihm ll^eömal eine tiefe Röte ins Angesicht, dieses untrüg- I^e Zeichen von Schamgefühl.
Als sich ihm heute das Thor des Gefängnisses ge- mnet und nachdem er noch einen Blick voll Abscheu und »rauen hinter sich auf das düstere Gebäude geworfen ^"' er siue schwere PrüfungSzeit verlebt, da er dann flüchtigen Schrittes davongeeilt, wie jemand, ®efa^r 8“ entrinnen sucht. '
n♦ Üblich die letzten Häuser der Kreisstadt hinter beschleunigte er seinen Lauf noch mehr, die äViner Schwester beflügelte seine Schritte; BafhintÄsAp’k ^." ^ohe Botschaft von seiner Ent- 0 4t bald miltheilen zu können, denn während
DielandwirthschaftlicheWinterschule HofgeiSmar beginnt ihren Unterricht am 24. Oktober d. Js. Anmeldungen sowie Anfragen sind an den Herrn Director Tobolo zu richten.
HofgeiSmar, den 4. September 1899.
Das Curatorium. von R i e ß, Landrath.
Uichiamiiicher Theil.
Nach itiii zweiten Irchfus-Prozeß.
Die Beisitzer des Kriegsgerichts in Rennes haben nicht den Muth gehabt, gegen Dreyfus das „Schuldig" ihrer Vorgänger vom 22. Dezember 1894 einfach zu erneuern. Die getreue Wiederholung der damaligen empörenden Gewaltakte, namentlich eine zweite Verschleppung des unglücklichen Opfers nach der Teufels- Jnsel, wäre zwar der Gipfel der Schurkerei gewesen, hätte aber eben deshalb beinahe imponierend wirken können. Statt dessen bewilligten die zärtlichen Gewissen, denen in Rennes das Richteramt zufiel, einem „Ver- rälher", für den der Presse der Generale keine Strafe zu grausam erschien, „mildernde Umstände"!
Das neue Urtheil ist feig und dumm —• feig: denn die heldenhaften Vertreter der französischen Armee fällten absichtlich eine unhaltbare Entscheidung, nur um die Verantwortung für das Schlußwort in der Dreyfussache von sich ab auf den bürgerlichen Kassationshof zu schieben — dumm: denn die Helfershelfer der ehrlosen Generale können doch ernstlich nicht im Zweifel darüber gewesen sein, daß dieses traurige Spiel sofort durchschaut werden mußte. Schon ist die Revision eingelegt, und der Kampf zur Aufhellung des letzten Geheimnisses der ganzen Dreyfus-Geschichte geht mit Erbitterung weiter.
Deutschland wird durch das am Sonnabend in Rennes gefällte Urtheil nicht berührt. Die Möglichkeit, auch nur den kleinsten Theil der moralischen Verantwortung für den neuen Justizmord unserer Regierung zuzuschieben, ist durch die feierliche Kundgebung des „Reichsanzeigers" im Voraus beseitigt worden. Für uns bleibt Dreyfus, was er immer war: unschuldig, soweit es sich um einen angeblich zu Gunsten Deutschlands begangenen Verrath handelt. Der französischen Regierung ist diese Auffassung nochmals in der eindringlichsten Form kundgegeben worden.
Die Erklärung des „Reichsanzeigers" war aber zugleich ein Appell an das Urtheil der gesitteten Welt, und dieses Urtheil steht jetzt fest. Frankreich hört von
seiner Abwesenheit hatte sie sicher keine ruhige Stunde mehr gehabt, er konnte es sich denken, was für Angst sie um ihn ausgestanden.
Wie er aber der Thalmühle näher kam, überfiel ihn mit einem Male eine seltsame Bangigkeit; er konnte sich selbst keine Rechenschaft darüber geben, aber es wurde ihm so eigenthümlich zu Muthe.
Wie er noch näher kam, glaubte er wahrnehmen zu können, wie verschiedene Veränderungen stattgefunden, auch hörte er bei der herrschenden Windstille ganz deutlich das Klappern der Mühlräder — was war dort während seiner Abwesenheit vorgegangen?
Wie ein Trunkener schwankte er den schmalen Pfad entlang; eine förmliche Angst lähmte seine Glieder, sodaß ihm seine Beine kaum zu tragen vermochten. Es kam ihm vor, als wenn eine innere Stimme ihm abrieth, seinen Fuß in die Thalmühle zu setzen, um sich Schmerz und trübe Erfahrungen zu ersparen, und doch zog es ihn auch wieder mit unwiderstehlicher Gewalt hin.
Eine ungewöhnlich lange Zeit hatte er noch zur Zu- rücklegung des verhältnißmäßig kurzen Stückchen Weges gebraucht und als er endlich die Klinke der Thüre in der Hand hielt und nach kurzem inneren Kampf in das Wohngemach eintrat, da fand er alles so ganz ander«, als wie er fortgegangen war.
Ein ihm wildfremder Mann und Frau und Kinder saßen um den Tisch beim Mittagsmahl; vergebens suchte sein in dem Raum umherirrender Blick die Gretei, aber
allen Seiten die Gewißheit seiner Schande. Ueber Deutschlands loyales Verhalten ist in der Presse der Kulturländer nur eine Stimme: Kaiser Wilhelm hat sich durch sein hochherziges Austreten neue Sympathien erworben und unsere auswärtige Politik durch die ehrenhafte, offene und menschlichgerechte Behandlung der Dreyfussache neues Vertrauen.
Politische Nachrichten.
Berlin, den 10. September.
Die Anwesenheit unsers Kaisers in Württemberg u n d i n B a d e n hat wie der Besuch in Straßburg zu begeisterten Kundgebungen des nationalen Empfindens geführt. Der stürmische Jubel, der den Monarchen überall begleitete, entsprang nicht nur dem Bedürfnis des Volkes, dem Reichs-Oberhaupt zu huldigen; er war mehr als eine EhrfurchtS-Bezeugung. Der Kaiser erfreut sich — das hat die überaus warme Aufnahme durch die Bevölkerung gezeigt — starker und immer steigender Sympathien in Süddeutschland. Kaiser Wilhelm II. ist der Träger der deutschen ZukunftS-Jdeale; mit klarem Blick hat er erkannt, was dem deutschen Volke notthut, und fort und fort ist er darauf bedacht, das Wohl feiner Unterthanen zu fördern und die Stellung des Deutschen Reiches nach innen und außen zu festigen. Die Erfolge der kaiserlichen Politik sind nicht am wenigsten Süddeutschland zugute gekommen. Auch hier hat man es erfahren, daß die von unserm Kaiser unermüdlich verfolgten Bestrebungen von der Erkenntnis der höchsten Lebens-Jnteressen der Nation getragen werden. Deshalb liegt in der bekundeten Volksbegeisterung offenbar eine laute Zustimmung zu der kaiserlichen Politik, und anderseits beweist sie, wie wenig es berechtigt ist, von „ReichS- verdrossenheit" zu reden, die sich angeblich in Süddeutsch- land bemerkbar gemacht haben sollte. Von besonderer Bedeutung sind die Reden, die der Kaiser in Stuttgart und in Karlsruhe gehalten hat. Durch sie alle klang die Freude hindurch über die Tüchtigkeit und Schlagfertigkeit unsers Heeres in allen seinen Verzweigungen. Mit Genugthuung wird das deutsche Volk vernommen haben, daß der Kaiser abermals mit Nachdruck unsere tapfere Armee als den höchsten Schutz des Friedens bezeichnete. Unser Heer bis zur höchsten Ausbildung kriegsbereit und doch gleichzeitig die sicherste Gewähr des Friedens: darin liegt das kaiserliche Anerkenntnis, daß in den Herzen unserer Offiziere und Soldaten nicht nur todtverachtende
sie war nicht da. Tie Kehle war ihm wie zugeschnürt, sodaß er kaum einen leisen Gruß zu stammeln vermochte.
Auch die Leute um den Tisch blickten erstaunt auf den so plötzlich eingetretenen jungen Mann, dessen bestaubte Kleidung und verstörtes Wesen einen fragwürdigen Eindruck machten. Der Mann legte seinen Löffel beiseite, erhob sich von seinem Platze und ging dem Eingetretenen einige Schritte entgegen, um sich nach dem Begehr desselben zu erkundigen.
„Wo ist meine Schwester?" fragte Franz mit zitternder Stimme.
„Ach, Ihr seid wohl der Franz Porschinger, den sie gefänglich eingezogen hatten, weil er am Haberfeldtreiben betheiligt gewesen sein sollte," mischte sich jetzt die Frau, die einen guten Zungenschlag besaß, ein.
Ein strafender Blick ihres Mannes hielt die Frau ab, durch weitere Fragen Befriedigung ihrer Neugierde zu suchen.
„Ja, der bin ich," entgegnete Franz, noch mehr außer Fassung gebracht durch die unverblümte Frage dieser Frau, die ihn an die Zeit erinnerte, welche er als große Schmach betrachtete.
„Dann thut Ihr mir wirklich leid," sagte jetzt der Mann, gewissermaßen um den schlechten Eindruck der Worte seiner Frau wieder zu verwischen. „Aber solltet Ihr nicht wissen, was sich während Eurer Abwesenheit hier zugetragen hat?"
„Wie kann ich dies wissen, war ich doch bis heute