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Wr. 123.

I Amtlicher Theil.

Donnerstag den 18. Lkteber 1899.

Auszug

aus der KreiskommunaUrassen-Rechnung

HerSfeld, den 3. Oktober 1899.

Bestehender Vorschrift gemäß wird nachstehend das , Ergebniß der am 2. d. MtS. im hiesigen städtischen Rath- Haussaale abgehaltenen Kreistagssitzung bekannt gegeben:

Zu Punkt 1 der Tagesordnung wurden die Verhandlungen über die Wahl des Tuchfabrikanten W Herrn Wilhelm Braun dahier als Kreistagsabgeordneter ' | für den Wahlverband des Großgrundbesitzes rc. an Stelle des nach Hadamar versetzten Königlichen Oberförsters Herrn Voigt von Niederaula geprüft. Da diese Prüfung Anlaß zu Bemerkungen nicht gab wurde die Wahl für gültig erklärt und der neu Gewählte in sein Amt ein« geführt.

Zu Punkt 2 der Tagesordnung wurde der Landwegebau-Etat pro 1900 begutachtet und bezüglich der überbürdeten Gemeinden und Gutsbezirke wurden Anträge auf Bewilligung entsprechender Unterstützungen | aus kommunalständischen Mitteln gestellt.

H Zu Punkt 3 der Tagesordnung wurde der ü Antrag des Kreisausschusses auf Uebernahme der Grund- entschädigung für den Bau einer Nebenbahn HerSfeld- Treysa, soweit sie den Kreis Hersfeld berührt, auf den Kreis, abgelehnt, indem nur 11 Mitglieder dafür und 6 dagegen stimmten, die nach § 81 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885 erforderliche Majorität von mindestens a/3 somit nicht erzielt wurde.

vom Jahre 1898 99.

A. Einnahme:

Mk. Pf.

Tit. I. Kassenbestand aus voriger Rechnung 1044 96

II Aus nutzbarem Kreisvermögen . 5068 66

III. Eingegangene und zurückgezahlte

Kapitalien........ 40205 42

IV. Aus gemeinnützigen Einrichtungen

und Anstalten des Kreises ... 45 80

V. Dem Kreise überwiesene Gebühren 2604 50

VI. Dotationen........7313

VII. Kreisabgaben....... 26322 34

VIII. Im VerwaltungSstreitverfahren . 47 95

IX. Erstattete Vorschüsse..... 20048 23

X. Eingegangene Rückstände ...

XI. Sonstige Einnahmen .... . 2846 34

Eisenach, den 12. Oktober 1899.

In Dankmarshausen ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und sind die angeordneten Schutzmaßregeln auf­gehoben worden.

Großherzoglicher Bezirksdirektor.

J. V.: Dr. Vermehren.

* * *

Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 16. Oktober 1899.

I. 6186. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

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Zn Punkt 4 der Tagesordnung wurde die Kreiskommunalkassen-Rechnung für 1898/99 auf eine Einnahme von 105 547 Mk. 20 Pfg. und eine Ausgabe von 104 156 Mk. 80 Pfg., mithin auf einen Kassen- bestand von 1390 Mk. 40 Pfg. festgestellt; auch wurde dem Rechnungsführer Decharge ertheilt.

Ein Auszug aus der Rechnung ist hierunter abgedruckt.

Zu Punkt 5 der Tagesordnung wurde ein Drittel der durch Unterhaltung der Verpflegungs- station in der Stadt Hersfeld während des Winterhalb­jahres 1899/1900 entstehenden Kosten auf den Kreis übernommen.

Zu Punkt 6 der Tagesordnung wurde der Gemeinde GoßmannSrode zur Bestreitung von Kosten für die Regulierung des Dorfbaches und Erbauung einer Brücke über denselben eine Unterstützung von 750 Mk. li bewilligt.

Summa der Einnahmen 105547 20

B. Ausgabe:

Mk. Pf.

Tit. I. Ueberzahlung aus voriger Rechnung II. Verzinsung und Tilgung der Kreis«

schulden......... 2880

III. Kreiöverwaltungskosten .... 3504 48

IV. Für das Jmpfweserr^ . . . . 902 85

V. Kosten der technischen MtMon der

Maaße und Gewichte .... 108

VI. Zu gemeinnützigen und wohlthätigen

Zwecken . . . . . . . 12982 52

VII. Unterstützungen bezw. Beihülfen an Gemeinden........ 17694 26

VIII. Ausgeliehene Kapitalien . . . 37794 59

IX. Leistungen an andere Verbände . 8111 53

X. Vorschüsse..... 19986 46

XI. In Abgang zu stellende Soll-Ein- nahmen......... 5

XII. Sonstige Ausgaben . . . . , 187 11

Summa der Ausgaben 104156 80

C. Abschluss:

Die Einnahme beträgt .... 1055 4 7 Mk. 20 Pf.

Die Ausgabe beträgt .... 104156 Mk. 80 Pf.

Mithin Kassenbestand 1390 Mk. 40 Pf.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses.

Freiherr von Schleinitz, Königlicher Landrath, Geh. Regterungs-Rath.

I A. Nr. 2851.

Hersfeld, den 18. Oktober 1899.

Für die durch Hochwasser Beschädigten im Bayerischen Alpenvorlande sind in Folge des Ausrufer im Kreisblatt Nr. 118 anher abgeliefert: von der Gemeinde Obergeis Mark 20,35, von der Gemeinde Lautenhausen Mark 11,25.

Der Königliche Landrath.

J. V.: H e e g.

Nichtamtlicher Theil.

W Bürgerliche

VI.

D e r Vertrag.

Der Vertrag ist ein unentbehrliches Mittel für die Erhaltung des bürgerlichen Verkehrs. Er kommt bei I Käufen, Schenkungen, Darlehen, bei der Ehe, der An­nahme an Kindesstatt und dergleichen zur Anwendung. Die Verträge sind entweder einseitige oder gegenseitige; bei jenen wird nur der eine Theil gegenüber dem andern, bei diesen werden beide Theile gegen einander belastet. So ist beispielsweise die Schenkung ein einseitiger Ver­trag, der Kaufvertrag ein gegenseitiger.

Jeder Vertrag besteht aus einem Anträge und dessen Annahme. Der Antrag wird entweder einem Anwesenden oder einem Abwesenden gemacht. Im letztern Falle können allerlei Zufälligkeiten eintreten. So kann der Antrag dem Abwesenden verspätet zugehen oder die Annahme verspätet angezeigt werden. Das Bürgerliche Gesetzbuch begegnet derartigen Möglichkeiten durch eine Reihe von Einzelvorschriften.

Jemand macht zum Beispiel einem Abwesenden den Antrag, bei ihm unter bestimmten Bedingungen in Dienst zu treten. Er kann alsdann seinem Anträge die Be­stimmung einer Frist beifügen, bis zu welcher die An-

Ä

sei

Gräfin Cessczynska.

Von Harrtet B u ck l e y.

(Fortsetzung.)

Du weißt, sie kann nichts dafür. Ich beschwöre dich, vorsichtig, Ladislaus! Er beobachtet dich, ich habe

kes gesehen. Du mußt tanzen. Fordere sofort Fräulein Lituraska oder eine der beiden Kossakowska zum Tanze auf, er bemerkt alles."

Ich warte auf Helene," entgegnete der Jüngling mürrisch.

Marie stieß einen verzweifelten Seufzer aus, und wollte weitergehen, aber Woronzoff hielt sie noch einen Moment ; zurück und fragte:Das istsJhr Herr Bruder, nicht wahr ? Wollen sie mich nicht vorstellen?"

Sie murmelte einige unverständliche Worte und der Oberst verneigte sich tief vor dem jungen Polen. Dieser erwiderte die Verneigung und beantwortete alle Fragen Ti U ^r freundlich, ja, der Russe gewann ihm sogar ein » schein ab und auch auf den Lippen der Gräfin spielte be.r Schatten eines Lächelns, das aber ebenso I» ? ."b^ch wieder verschwand. Ihre Hand, die noch auf I nr Arm ruhte, zitterte merklich, und er fühlte, wie K gleich einem schüchternen Vögelchen fester an ihn ®or ihnen stand, wie aus dem Boden ge- si» "'' "" untersetzter Herr in mittleren Jahren mit

großer Glatze, gewichstem Schnurrbart und einem Orden im Knopfloch.

Der nächste Tanz ist Quadrille," begann er,darf ich um die Ehre bitten, mit Ihnen zu tanzen, Gräfin?" Er reichte ihr seinen plumpen Arm.

Marie blickte finster vor sich hin, nickte aber stumm. Woronzoff, der aus ihrem Benehmen rasch seine Folge­rungen gezogen und in dem Herrn den Polizeichef des Büdnitzer Bezirks erkannt hatte, hielt ihren Arm fest und sagte:Sie weisen mich also ab, trotzdem Sie mir schon früher den Contretanz zugesagt? Ich lasse mir das aber nicht gefallen, so sehr ich bebaute, daß Sie mit einem Korb abziehen müssen, Baruschkin! Darf ich Sie bitten, Graf Leßczynski, unser vis ä-vis zu sein?"

Er fürchtete zwar, daß Marie ihn desavouieren werde, aber sie that es nicht, sondern legte die Hand, die sie ihm bereits entzogen hatte, wieder auf seinen Arm und stellte sich mit ihm zur Quadrille an. Ladis­laus kam zu spät, und Baruschkin war mit der schwarz­haarigen Schönheit ihr vis ä-vis. Unter den wachsamen Augen des Polizeichefs schien Marie aufzutauen, denn sie beantwortete jetzt Woronzoffs Fragen lebhafter und belächelte seine Bemerkungen; sie erzählte ihm sogar, daß sie in dem einige Meilen von Büdnitz entfernten alten Schloß Ziedlin wohne und daß Frau WalliS,

eine Cousine ihrer verstorbenen Mutter, als Gesellschaf­terin bei ihr lebe.

Ein Ball wie der heutige muß Ihnen eine ange­nehme Abwechslung in Ihrer Einsamkeit bieten," bemerkte Woronzoff.

Marie unterdrückte einen Seufzer, entfaltete langsam ihren Fächer, und schien die Malerei aufmerksam zu studieren; aber fühlend, daß ihr Tänzer auf die Antwort warte, erhob sie ihre Augen zu ihm und sah ihn einen Augenblick forschend an. Was sie in seinem Gesichte las, ermuthigte sie zu den Worten:

Die Wahrheit muß einmal heraus, koste es, was es wolle. Ich bin Polin mit Leib und Seele, und das sagt alles."

Der Ton, in dem ste das sagte, zitterte vor ver­haltener Entrüstung, Zorn und Widerwillen, sodaß Wo­ronzoff einen Schritt zurückwich. Sie richtete sich stolz auf, und der Fächer, den sie hastig zuklappte, brach entzwei.

Der Oberst zürnte ihr nicht; denn sie sah in ihrer plötzlich ausbrechenden Leidenschaft sehr schön aus. Er vermochte die zornig aufblitzenden Augen, die hoch« wüthig gekräuselten Lippen nicht zu vergessen. Den ganzen Abend tanzte er mit niemandem als mit der Leß« czynska, und als endlich ihr Wagen angemeldet wurde, folgte er ihr die Treppe hinab, um zu seiner Enttäuschung