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Gratisbeilagen r „)llnstrirter Sonntagsblatt" n. „IUnftrirte landwirthschaftliche Beilage
Nr. 126.
Hmerstaz ütn 26. Atober 1891
mit den Gratisbeilagen
Bestellungen auf das
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H „Jllustrirtes Sonntagsblatt" -»
D „Jllustrirte landwirthschaftl. Beilage"
. E für die Monate November und Dezember 1899
I f werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, tand- H Briefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil
Hersfeld, den 25. Oktober 1899.
Diejenigen Personen, welche im Kalenderjahre 1900 das Gewerbe im UmHerziehen b e - - treiben wollen, werden hierdurch aufgefordert, dieses H sofort der zuständigen Orts Polizeibehörde j an zuzeigen, damit die Ausfertigung und h , Einlösungdes Wandergewerbescheines noch j vor Beginn des MonatsJanuar erfolgen kann. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Hersfeld, den 25. Oktober 1899.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche noch mit
Erledigung meiner Verfügungen
1. vom 29. September 1899 I. I. Nr. 5772, Kreisblatt Nr. 117, Einreichung des Erhebungsblattes für die Ermittelung der Hagelwetter und Wasserschäden im Jahre 1899 betreffend;
2. vom 9. ds. MtS. J. I Nr. 6055, Kreisblatt Nr. 120, den Bedarf an Ouittungskarten-Formulare betreffend, im Rückstände sind, werden mit F r i st bis zum 28. bs. Mts. bei Meidung von 3 Mark Strafe hieran erinnert.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 16. Oktober 1899.
Die in der Gemeinde HedderSdorf ausgebrochene Schweinerotlaufseuche ist erloschen. I. 6223. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 24. Oktober 1899.
Die Ortspolizeibehörden und die Gendarmerie des Kreises weise ich wiederholt darauf hin, daß der Handel mit Streichhölzern, deren Köpfe weißen Phosphor enthalten, von dem Gewerbebetriebe im Umher z i e h e n ausgeschloffen ist.
I. III. Nr. 1010. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Nath.
Homberg, den 19. Oktober 1899.
Die unter dem Schweinebestande des Landwirths George Diehl zu Steindorf ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.
Der Landrath, von Gehren.
An das Königliche Landrathsamt zu Hersfeld.
* * *
Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 24 Oktober 1899.
I. 6343. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hünfeld, den 20. Oktober 1899.
In der Gemeinde Schlotzau ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Der Landrath, von Stein m an n.
♦ * *
Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 24. Oktober 1899.
I. 6375. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, ________________________Geheimer Regierungs-Rath.
Der für den 26. ds. Mts. hierselbst vorgesehene Viehmarkt ist mit Rücksicht auf die im hiesigen Kreise und den benachbarten Gebieten in erheblichem Umfange herrschende Maul- und Klauenseuche aufgehoben worden. Ich ersuche dies im dortigen Kreisblatt bekannt machen lassen zu wollen. Fulda, den 19. Oktober 1899. Königl. Preußischer Landrath.
I. A.: Z o b e r b i e r , Regierungs-Afseffor.
An das Königl. Landrathöamt zu Hersfeld.
* *
Wird veröffentlicht. Hersfeld, den 24. Oktober 1899.
I, 6335. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
MchtanrMcher Theil.
Sas Sir|trli|t Gesetzbuch.
Schenkung.
Eine Schenkung ist me unentgeltliche, dem Empfänger nützliche Leistung, bei welcher der Leistende freiwillig und ohne rechtliche Verpflichtung einen Vermögens- Gegenstand aus seinem Vermögen in das Vermögen eines andern übergeytzn läßt. Auf Seite des Gebenden ist sie Vermögens-VSrminderung, auf Seite des Empfängers Vermögens-Permehrung oder Bereicherung.
Das Gesetz will Unüberlegte Schenkungen thunlichst verhüten und bestimmt deshalb zunächst, daß zur Gültigkeit eines Schenkversprechens, d. h. eines Vertrages, durch den eine Leistung schenkweise versprochen wird, die gerichtliche oder notarielle Beurkundung des Versprechens erforderlich ist. In der gleichen Absicht hat das Gesetz ferner den Schenkercherechtigt, die Erfüllung eines Schenkversprechens insoweit zu verweigern, als sein flandes- mäßiger Unterhalt oder die Erfüllung der ihm kraft Gesetzes obliegenden Unterhaltspflichten durch dasselbe gefährdet wird. Auch kann der Schenker, wenn er nach vollzogener Schenkung nicht in der Lage ist, seinen standes- mäßigen Unterhalt zu bestreiten und die ihm seinen Verwandten, seinem Ehegatten oder seinem frühern Ehegatten gegenüber gesetzlich' .obliegende UnterhaltungSpflicht zu erfüllen, von dem Beschenkten die Herausgabe des Geschenkes nach den Värschriften über die Herausgabe einer ungerechtfertigten B-reicherung fordern. Der Anspruch auf Herausgabe des Geschenkes ist aber ausgeschlossen, wenn der Schenker seine Bedürftigkeit vorsätzlich oder durch grobe Fahrlässigkeit herbeigeführt hat, oder wenn zur Zeit des Eintritts seiner Bedürftigkeit seit vollzogener Schenkung bereits zehn Jahre verstrichen sind.
Obwohl die Schenkung, äußerlich betrachtet, ein Ver- mögeus-UebertragungS-Geschäft, ähnlich dem Kaufe, ist, besitzt sie doch auch einen sittlichen Charakter von hoher Bedeutung. DaS Gesetz erkennt dies an, indem es den Schenker nicht mit dem gleichen Maßstabe der rechtlichen Verantwortlichkeit mißt, wie denjenigen, der im Verkehr
Gräfin Cmczynska.
Von Harrtet B u ck l e y. (Fortsetzung.)
Es war kein Grund vorhanden, die Hochzeit noch länger zu verschieben. Die Ausstattung der Gräfin war fertig und alle Vorbereitungen getroffen. Frau Wallis sollte nach der Trauung in ihre Heimath zurückkehren und Ladislaus nach Ablauf des Honigmondes seinen ständigen Aufenthalt bei seiner Schwester in Ziedlin nehmen. Diese letztere Verfügung betrachtete der General- Gouverneur als ein diplomatisches Meisterstück — dem Unter die Aufsicht seines Schwagers gestellten jungen Polen war jede Gelegenheit abgeschnitten, weiteres Un- anzurichten. Sechs Wochen nach der Verlobung ■ die Hochzeit in einer kleinen russischen Kirche zu Pudnitz statt, die mit den Kameraden und Bekannten Wasils gefüllt war. Von Seite der Braut erschienen "ur Ladislaus und Frau Wallis. Oberst Woronzoff k ^"lue, in dem aufregenden Moment eine sehr komische | ^oUe zu spielen und war herzlich froh, als die Ceremonie | ^lich vorüber war und er dem betäubenden Geruch von I und Weihrauch entrinnen konnte.
' ®'ne große Volksmenge hatte sich vor der Kirche : 'gesammelt, um daö neuvermählte Paar zu sehen.
bip°rOn^ ^""b die Verwünschungen einiger Polinnen, Ä ö e? Marie nicht vergeben konnten, sich einem Russen W psert zu haben. Er half ihr rasch in den Wagen.
Ehe er selbst hineinspringen konnte, drückte ihm jemand ein Zettelchen in die Hand.
„Was bedeutet das?" fragte er, um sich blickend. Da er keine Antwort erhielt, warf er einen Blick auf die Adreffe. „Oberst Woronzoff! Bitte den Inhalt zu lesen, er ist sehr wichtig!"
„Ein Anschlag!" brummte er, steckte den Wisch ärgerlich in die Brustlasche und wischte sich sorglich die behandschuhten Hände ab, ehe er in den Wagen stieg. Während er eine halbe Stunde später im Salon auf seine junge Frau wartete, die ihre Toilette wechselte, fiel ihm der mysteriöse Brief ein. Er öffnete ihn ohne besondere Neugier.
„Sie halten sich für einen glücklichen Menschen!" lautete die Epistel, „und Sie sind wahrhaftig zu beneiden. Fragen Sie Ihre Frau nach dem Namen ihres Geliebten. Sie wurde ihm als Kind verlobt, und sie ist ihm mit Leib und Seele ergeben. In drei Monaten werden Sie die Zielscheibe des Spottes aller Menschen zwischen hier und Kiew sein!"
Der Bries war selbstverständlich anonym. Woronzoff ballte ihn entrüstet zusammen und blieb dann nachdenklich vor dem Kamin stehen. Erst die Stimme Maries erweckte ihn aus seinem Brüten.
„Was ist geschehen?" fragte sie beunruhigt.
„Nichts! Das heißt, ich habe schlechte Nachrichten erhalten !"
„Ueber Ladislaus?" forschte Marie, bis an die Lippen
erbleichend. „O, ich habe es gefürchtet. Was hat er wieder angestellt?"
„Nichts. Ich weiß nichts von ihm!" Während er sprach, entglitt der Wrsch seinen zitternden Fingern, und Marie hob ihn rasch auf.
„Ist er von Baruschkin?"
„Leg den Brief nieder, du darfst ihn nicht lesen!" sagte Woronzoff streng und streckte die Hand nach dem Briefe aus. Doch plötzlich besann er sich eines Besseren. „Mag sie ihn lesen, früher ober später muß es doch heraus!" sagte er sich und zog langsam die Hand wieder zurück.
Marie las und wurde ganz ruhig.
„Ist das alles?" bemerkte sie erleichtert.
„Ich bin immer so besorgt um Ladislaus. Er ist so entsetzlich unvorsichtig, der arme Junge, und der Polizeichef ist so eifrig.
Sie legte den Brief gleichgiltig auf den Kaminsims, setzte sich in einen niedrigen Stuhl vor das Feuer und blickte zu dem zornigen Gesicht ihres Gatten auf.
„Ist das wahr?" fragte er, den Wisch mit seinem Finger berührend.
„Ja, es ist wahr!"
„Und Sie wagen es, mir das einzugestehen?" brach er los. „Schämen und fürchten Sie sich nicht?"
„Weshalb denn?" entgegnete sie ganz ruhig. „Ich war mit Stefan verlobt!"
„Mit welchem Stefan?"