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Nr. 135.
IoNerstsg »es 18. November
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 13. November 1899.
In der heute im hiesigen Rathhaussaale stattgehabten Sitzung des Kreistags des Kreises Hersfeld, an welcher 19 Mitglieder Theil genommen haben, wurde über den von den Kreistagsabgeordneten der Stadt Hersfeld ein« gebrachten Antrag auf Uebernahme der Grunderwerbskosten für den Bau einer Nebenbahn Hersfeld - Treysa durch Zahlung einer entsprechenden, unverzinslichen, nicht rückzahlbaren Pauschalsumme, welche von dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten festzustellen ist, und Erfüllung der im § 1 Lit. G. des Gesetzes vom 20. Mai 1898 (Gesetz-Sammlung Seite 91) enthaltenen Bedingung beschlossen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen, nachdem ein von dem Kreistagsabgeordneten Bürgermeister Bätz in KalkobeS eingebrachter Antrag auf Vertagung der heutigen Sitzung und Anberaumung einer weiteren Sitzung, in welcher zuerst über die Uebernahme der Landwegebaupflicht auf den Kreis und erst dann über die Bewilligung der Grund- ermerbskosten für den Bahnbau beschlossen werden möge, mit 11 gegen 8 Stimmen abgelehnt worden war.
I. A. 3233. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hünfeld, den 10. November 1899.
In der Gemeinde Obernüst ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Der Königliche Landrath.
I. V.: L o o k.
Nichtamtlicher Theil.
Ins Ärgerliche Gesetzbuch.
XVI.
Leihe.
Durch den Leihvertrag verpflichtet sich der Verleiher, dem Entleiher den unentgeltlichen Gebrauch einer Sache zu gestatten. Verleihbar sind bewegliche Sachen und Grundstücke, Wohn- und andere Räume. Der Leihvertrag nimmt erst mit der thatsächlichen Ueberlassung des
Gräfin ße$$ayn$ka.
Von Harrtet B u ck l e y.
(Fortsetzung.)
Woronzoff berührte leicht ihre schlanke, weiße Hand, die aus der Tischkante ruhte und sagte lächelnd: „Sie ist vielleicht so stark wie die der Charlotte Corday, aber ich fürchte sie trotzdem nicht, meine liebe Gräfin! Wozu die Drohungen? Ich habe dich gebeten, mich auf Schloß Prachatitz zu begleiten und du willigst ein. Sollten wir nicht an die Vorbereitungen zu unserer Abreise streiten?"
Marie verstand den Wink, reichte ihrem Gatten zum erstenmal in ihrer jungen Ehe die Wange zum Kusse und ^gab sich seufzend in ihre Gemächer, wo sie Anna als Wachtposten ausstellte, während sie mit Ladislaus verhandelte. Anfangs war er ganz entzückt von dem Plan, es ihm ermöglichen sollte, Helene sobald zu sehen.
„Ich werde dich also als Kammerzofe begleiten, das heißt soviel, als meinen prächtigen Schnurrbart opfern. Das ist noch schlimmer, als Helenens Reitknecht zu sein/'
Er setzte sich auf die Kante seines Feldbettes und starrte nachdenklich vor sich hin.
»Worüber grübelst du, Ladislaus?"
»Ueber meinen Schwager, Maruschka. Ist er groß- """h'g oder durchschaue ich sein Spiel nicht? Er muß doch reiften —--"
«Ich bin überzeugt, daß er alles weiß!" or r'^f^cr“4 er vor? Wenn er großmüthig ist, stürzt ” selbst durch diesen Plan in große Gefahr. Ist er "äs erwartet er zu gewinnen? Warum ließ er
Gebrauchs, mit der Uebergabe der Sache oder mit der Einräumung des Miethbesitzes derselben seinen Anfang. Die Leihe ist von großer praktischer Bedeutung, da sie zahlreiche Bedürfnisse des täglichen Lebens deckt. Der Gelehrte, der sich nicht alle zu seinen Forschungen erforderlichen Bücher als Eigenthum anschaffen kann, entleiht dieselben einer öffentlichen Bibliothek, der kleine Landwirth, dessen Pferd lahm geworden, dessen Wagen oder Pflug zerbrochen und noch nicht wiederhergestellt ist, leiht sich, um seine drängenden landwirthschaftlichen Arbeiten zu vollenden, von seinem Nachbar Pferd, Wagen oder Pflug, der Kreditbedürftige ersucht seinen Freund, ihm Werthpopiere zur Verpfändung zu leihen, mit der bestimmten Zusage, dieselben nach einer gewissen Zeit im Original wieder zurückzugeben, u. s. w.
Der Entleiher ist zur sorgsamen und schonenden Behandlung der geliehenen Sache verpflichtet und haftet dem Verleiher für allen Schaden, der aus einer Vernachlässigung dieser Pflicht entspringt. Er darf von der Sache keinen andern Gebrauch machen, als ihm vom Verleiher ausdrücklich oder stillschweigend gestattet ist. Gebraucht er die Sache in anderer als der vertragsmäßig ihm zustehenden Weise oder überläßt er den Gebrauch der Sache ohne Erlaubniß des Verleihers andern Personen, so haftet er dem Verleiher auch, falls die Sache durch einen Zufall, ein Natur.Ereigniß oder dergleichen untergegangen ist oder Schaden erlitten hat, wenn der Zufall infolge des vertragswidrigen Verhaltens des Entleihers die Sache betroffen hat. Dagegen haftet der Entleiher nicht für Veränderungen oder Verschlechterungen der geliehenen Sache, die durch den vertrags- und ordnungsmäßigen Gebrauch der Sache herbeigeführt werden.
Die Erhaltung der Sache liegt dem Entleiher ob, so lange er sie gebraucht; die gewöhnlichen Unterhaltungskosten fallen ihm zur Last, insbesondere hat derjenige, welcher ein Thier geliehen hat, die Fütterungskosten zu tragen. Hat der Entleiher die geliehene Sache mit irgend einer besondern Einrichtung versehen, so kann er diese bei Rückgabe der Sache wieder fortnehmen. Nach dem Abläufe der für den leihweisen Gebrauch bestimmten Zeit ist der Entleiher zur Rückgabe der Sache an den Verleiher verpflichtet. Hat der Entleiher den Gebrauch der geliehenen Sache einem andern überlassen, sie etwa ohne Erlaubniß des Verleihers weiter verliehen, so kann der Verleiher, wenn die für den leihweise» G e-
mich nicht gestern durch die Bestie ausheben? Warum hat er den Eingang zu deiner Thüre so heldenmüthig vertheidigt?"
„Ich glaube, er ist ein Ehrenmann!"
„Aber er ist ein Russe, Maruschka!"
„Ladislaus, du selbst sagtest mir einst, daß es Ausnahmen gebe, und ich bin überzeugt, daß er eine ist. Du hattest ihn ja immer lieb und lobtest ihn so--"
„Für einen Russen ist er ja ein ganz netter Mensch, aber er bleibt doch immer ein Russe, und Vorsicht ist geboten. Könntest du ihm unbedingt vertrauen, Maruschka!"
„Für meine Person, ja!"
„Ach, ich wußte es!" riefLadislaus mit erwachender Eifersucht, „du liebst ihn und liebst ihn mehr als mich. Du bist eine Verrätherin und Russin geworden und liebst ihn sogar mehr als Stesan!"
„O nein, nein!"
„Doch! Ich habe es ja gesehen, wie du erröthet bist, als du ihn priesest und wie deine Augen aufleuchteten, aber der Russe macht sich nichts aus dir. Ihr Weiber seid alle gleich! Ein Mann braucht nur gerade Glieder und einen schönen Schnurrbart zu haben, und er kann euch um den Finger drehen. Sag' selbst, bist du jemals für den armen Stefan so dunkelroth geworden?"
Marie mußte es sich gestehen, daß dies nie der Fall gewesen. Ueberhaupt war das Gefühl, das sie für Stefan empfunden, ein ganz anderes, als sie es jetzt für Wasil empfand. Jenen liebte sie nicht ganz so sehr wie ihren Bruder Ladislaus. Und Wasil? Ihr Herz schlug höher, wenn sie an ihn dachte. Wäre er nur kein Russe, sie
brauch bestimmte Zeit verstrichen ist, die Sache auch von dem andern zurückfordern. Wegen der ihm gegen den Verleiher etwa zustehenden fälligen Gegenansprüche kann der Entleiher die vom Verleiher zurückgeforderte Sache bis zu seiner Befriedigung zurückbehalten. Ob die geliehene Sache dem Verleiher gehört oder nicht, ist für die Verpflichtung des Entleihers, sie dem Verleiher zurückzugeben, ohne Bedeutung.
Die Ersatz-Ansprüche des Verleihers wegen Veränderungen oder Verschlechterungen der geliehenen Sache sowie die Ansprüche des Entleihers auf Ersatz von Verwendungen oder auf Gestaltung der Wegnahme einer Einrichtung verjähren in sechs Monaten. Die Verjährung beginnt für die Ansprüche des Verleihers mit dem Zeitpunkt, in dem er die verliehene Sache zurückerhielt, für die Ansprüche des Entleihers mit der Beendigung des Leih-Verhältnisses.
Ier Srito in Bofritn.
Aus Kapstadt kommen Meldungen über eine ganze Reihe von Versuchen der A f r i k a n d e r , die Bahnlinie de Aar in Kapstadt an den verschiedenen Stellen zu unterminieren, bezw. aufzureißen, und der Nachtdienst ist bereits auf den sämmtlichen von Kapstadt nordwärts führenden Bahnstrecken infolgedessen eingestellt worden. Alle verfügbaren Freiwilligen sind eiligst nordwärts gesandt, um vor allen Dingen die Bahnlinie nach de Aar zu sichern, und haben zu diesem Behufe zuerst die wichtigsten Brücken besetzt. Man erwartet stündlich die Erklärung des Belagerungszustandes für die gesammte Kap-Kolonie.
Ueber das Bombardement von Ladysmith wird gemeldet : Kapstadt, 12. Novemb.r. In Ladysmith wurde am 9. November schwer gekämpft. Seit Tagesanbruch hörte man in Estcourt Geschützfeuer, in welchem die britischen Marinegeschütze und die Vierzigpfünder der Buren deutlich zu unterscheiden waren. Von den Hügeln fünf Meilen nördlich von Estcourt ist dicker Rauch sichtbar, der sich über Ladysmith ausbreitet und von FeuerS- brünsten herzurühren scheint, da die englischen Kanonen rauchloses Pulver haben. Ungeheuere weiße Rauchwolken steigen alle sechs oder sieben Minuten von der Spitze des Umbilwani auf, wenn der Vierzigpfünder der Buren, von den Engländern „de lange tom“ getauft, feuert. Von Estcourt werden ständig Panzerzug'Rekognoszierungen
würde stolz sein, sich seine Gattin nennen zu dürfen Merkwürdig, auf Stefan war Ladislaus nie eifersüchtig, er mußte gefühlt haben, daß er im Herzen seiner Schwester den ersten Platz eingenommen. Jetzt, wo er einen Eindringling darin vermuthete, ward er ernstlich böse.
„Du wagst es nicht, mich anzusehen? Du hast auch recht, dich abzuwenden, du solltest sterben vor Schande!"
„Wirst du in der Dämmerstunde bereit sein?" fragte sie zaghaft.
„Ich bin überzeugt, daß er uns beide verrathen wird."
„Du willst also nicht mitfahren?"
„Ja doch," rief Ladislaus trotzig. „Ich will ihm in die Hände arbeiten, aber ich traue ihm nicht über den Weg. Die ganze Geschichte scheint abgekartet zu sein. Alle Offiziere in Büdnitz wußten, wie sehr du sie haßtest und ich bin überzeugt, daß sie ihn aufgehetzt haben, dich zu demüthigen. Sein gut gespielter Edelmuth ist ein Theil der Komödle, und die Szene mit Baruschkin gestern war ebenfalls abgekartet. Heute lachen sie darüber in ihren Wachtstuben!"
Marie versuchte es, ihn zum Schweigen zu bringen — vergebens. „Wer weiß, welche Wetten er eingegangen ist," fuhr er unbeirrt fort, „daß er die stolze Leßcynska zu seinen Füßen sehen wird! Ich werde heute Nacht gefangen werden, unser heldenmüthiger Oberst wird mich beschützen und nachher meine Schwester trösten. O, es wird ihm nur zu gut gelingen! Sieh mich nicht so wüthend an, du bist bereits auf seiner Seite und es wird ihm gelingen!"
Marie erhob sich und verließ in sprachlosem Zorn