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Gratisbettasen r „Illuftrirter Ssnnt«s»blatt" «. „)ü«strivte landwirthschastttche Verlage
Sr. 137.
Sitnflin ki 21. November
1888.
Amtlicher Tizeil.
HerSfeld, den 20. November 1899.
Diejenigen Herren Orttvorstände, welche noch mit
Erledigung der Verfügungen:
1. vom 23. März 1880 Nr. 3135, Krri»blatt Nr. 24, Ausräumung der Fluthgräben sowie der Enl- und Bewässerungsanlagen betreffend,
2. vom 13. Oktober b. 3«. J. I. Nr. 6137, Kreisblatt Nr. 125, Zählung des Viehbestandes betreffend, im Rückstände sind, werden mit F r i st b i 8 z u ly 25. d s. M t S. hieran erinnert.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS«Rath.
Her-feld, den 20. November 1899.
Für die durch Hochwaffer Beschädigten (Kreisblatt Nr. 118) sind weiter anher abgeliefert: von der Gemeinde Kru»pi» 16,10 Mk. „ „ „ Mengshaufen 10,65 „ „ „ „ Petersberg 7,00 , „ „ „ Sorga 12,40 „ „ w „ Conrode 4,10 „ „ „ „ Unterneurode 4,00 „ Der Königliche Landrath Freiherr von Schletnitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Nichtamtlicher Theil.
Vichtag.
Der kirchliche Bußtag, der für das gesamte christliche Volk gesetzt ist, leitet uns an, den Blick auf unsere öffentlichen Zustände im Staat, in der wirthschaftlichen Gesellschaft, in der Kirche zu richten und Umschau zu halten, wie er um uns steht. Es gilt da auch wahr, baflig zu sein und sich nicht mit allgemeinen, nichtssagenden Redewendungen zu begnügen.
Wollen wir mit Wahrhaftigkeit unsere öffentlichen Zustände überdenken, so brauchen wir nur an da« zu erinnern, was in unserer Litteratur, auf unsern Theytexn, im täglichen Gespräch an der Tagesordnung ist. Freilich
Gräfin Eessczynska.
Von Harrtet B u ck l e y.
(Fortsetzung.)
Woronzoff versuchte gar nicht, sich zu vertheidigen. Er fühlte sich auch zu tief gekränkt, um Mitleid mit der fo hart vom Schicksal getroffenen Frau zu haben. Stumm wandte er sich ab und ritt einige Minuten später, von Iwan gefolgt, nach Büdnitz.
Nach Schluß der Parade erhielt er eine dringende Berufung von dem Gouverneur, den er in eifriger Be- rathung mit Baruschkin in seinem Privatbüreau fand. I Der Gouverneur erwidert» den Gruß seiner Neffen sehr kühl und bedeutete ihm, Platz zu nehmen. Eine peinliche Pause entstand, die damit ausgefüllt wurde, daß ein Schreiber eintrat und sich an den Tisch setzte. Feder, Tinte und Papier lagen bereit.
Der Gouverneur räusperte sich und begann: .Oberst Woronzoff, ich habe einige Fragen an Sie zu richten!" Ton und Miene waren ganz amtlich. Wasil athmete erleichtert auf; im Angesicht der greifbaren Gefahr kehrte fein Muth zurück.
»Bitte, ich bin bereit, sie zu beantworten!“ entgegnete er höflich.
»Sie sind angeklagt, die Polizei in der Ausübung ihrer Pflicht gehindert zu haben. Können Sie Ihre Un» i^ulb beweisen? Der Schein spricht sehr gegen Sie!" 9Bafii fing einen schadenfrohen Blick seine« Gegners auf und beschloß, sich bis auf» Blut zu vertheidigen. wandte sich lächelnd an den Gouverneur: „Glauben
der zurückblickt auf vergangene Zeiten, auf die Zeit von hundert oder zweihundert Jahren oder auf das Zeitalter der Reformation selber, der wird nicht sagen dürfen, daß er in gliedern nur immer schlimmer bei uns geworden wäre, als e» früher war. Im Gegentheil; hier und da, in einzelnen Punkten und Richtungen des öffentlichen Leben» mag es wohl eher gelten, daß sich doch manches gebessert hat. Aber umso schmerzlicher wird es empfunden werden müssen, daß es immer noch so tiefe Schatten giebt, die auf unserm Leben liegen, und daß manches auch einen traurigeren und beschämenderen Charakter angenommen hat im Vergleich mit früheren Zeiten.
Die Wurzel, aus der alle Uebel der Zeit ihre Nahrung ziehen, ist der Mangel an religiösem Sinn. Nicht nur der Glaube ist selten geworden, auch die Ehrfurcht vor dem Glauben anderer, die Scheu vor den heiligen Dingen ist au« den Gemüthern der meisten geschwunden, und am betrübendsten ist es, daß schon die Jugend unter den schlimmen Eindrücken und Anschauungen aufwächst. Die Weltlichkeit der Gesinnung nimmt überhand. Viel Fleiß bei der Arbeit um Erwerb und irdisches Gut, aber ebenso auch allgemein verbreitete Genußsucht und 93er* gnügungrsucht sind bezeichnend für die gegenwärtige Menschheit. Die Anstalten der Barmherzigkeit mehren sich, und die schlimmsten Gestalten der Noth begegnen uns seltener als früher; aber Aufopferung, Selbstverleugnung, hingehende Liebe für die Brüder weichen allzuoft dem trockenen Geschäftssinn und der berechnenden Selbstsucht. Die Sinnlichkeit giebt der Phantasie ihre Richtung; nicht die hohen Ideale, die den Geist in ein schönes Jenseits entrücken, sind für die Schöpfungen der Dichter und Künstler heute zielweisend, sondern die niederen Seiten der gewöhnlichen Menschennatur werden mit großem Fleiße ausgesucht und zur Darstellung gebracht.
Es ist ein schlechter Trost, daß es auch früher so und daß es wohl noch schlimmer gewesen ist. Gott hat unserer deutschen Nation in diesen letzten Jahrzehnten eine hohe, eine führende Stellung unter den Völkern verliehen, und wir müssen uns dieser Stellung würdig erweisen. Es wird besser bei uns werden, wenn wir uns wieder mehr mit sittlich-religiösem Geiste erfüllen. Staatliche Gesetzgebung kann einzelnes von besonders schlimmer Art abwehren; aber sie kann keine innere Erneuerung bewirken. Diese kann allein au» der zunehmenden Macht religiösen Sinnes erwachsen. An der zunehmenden Fruchtbarkeit der kirchlichen Verkündigung, der christlichen Liebes-
Sie, daß der Herr Polizeichef sich in amtlicher Angelegenheit zu mir bemühte, da er seine Stellung dazu ausnützte, um einen persönlichen Haß zu befriedigen? Niemand kennt den Grund seines Grolles besser als Ihre Exzellenz!"
„Sie geben also die Thatsache zu?"
»Ich muß vorerst die ganze Anklage hören!"
„Sie sind beschuldigt, der Polizei den Eintritt in ein gewisses Gemach verweigert zu haben, wiffmb, daß Ladislaus L'ßczynska darin versteckt war !"
»Ich wußte nichts dergleichen. Da ich kein Polizeiagent bin, hielt ich es nicht für nöthig, alle Schränke und Möbel meiner Frau zu durchstöbern!"
„Ihr Spott wird Ihnen nicht aus der Patsche helfen, Können Sie leugnen, in Gegenwart mehrerer Polizeibeamten die Verantwortlichkeit für da», was hinter jener Thüre vorging, übernommen zu haben?"
»Ich leugne es nicht!"
Eine kurze Pause entstand; die Feder des Schreibers flog eilig über das Papier. Woronzoff fühlte, wie sich die Maschen des Netzes immer enger schloffen, aber er bewahrte seine sorglose Miene. Wer konnte ihm beweisen, daß er in der Affaire nicht ebenfalls hinter« Licht geführt worden war?
Sie sind ferner angeklagt, Ladislaus Leßczynska zur Flucht verholfen und den Bredauer Wachtposten hinter- gangen zu haben!"
»Was die letztere Anklage betrifft, so bitte ich, Platoff zu verhören!" entgegnete Wasil lächelnd. „Ich bin, wie sich Platoff überzeugt hat, mit meiner Frau nach Prachatitz
werke, der christlichen Seelsorge hängt das Heil der Seelen, hängt die Zukunft des deutschen Volkes. Es gilt, sich abzuwenden von jenen Richtungen unseres Volkslebens, die verflachend und zerstörend wirken und bestrebt sind, an die Stelle der altbewährten idealen Güter ihre felbstgeschaffenen Götzen zu setzen. Eine innere Erneuerung thut noth, um der äußeren Machtstellung einen tragfähigen sittlichen Halt, eine feste, auf den Kräften des Gemüthes und Willens ruhende Grundlage zu geben. Möge zu dieser Sinnes-Erneuerung, zu dieser Einkehr und Umkehr auch der diesjährige Bußtag seinen Theil beitragen. Das walte Gott!
$ü§ Bürzerliche ffitftW. XVIII.
Bürgschaft.
Die Uebernahme einer Bürgschaft für die Schuld eines Anderen ist das wirthschaftlich gefährlichste Geschäft. Wer sich für jemand verbürgt, übernimmt dessen Gläubiger gegenüber die Verpflichtung, dafür einzustehen, daß Jener (ver Schuldner) seine Schuld bezahlt. Eine Bürgschaft kann jeder übernehmen, der sich rechtlich verpflichten kann. Die Bürgschaft muß aber schriftlich eingegangen werden; aus einer nur mündlich erkärten Bürgschaft kann nicht geklagt werden.
Stehen dem Schuldner gegen seine Gläubiger Einreden zu, die sich auf das Schuldverhältniß beziehen, für das die Bürgschaft übernommen ist, so kann auch der Bürge diese Einreden gegen den Gläubiger geltend machen. So kann beispielsweise der Gläubiger, der dem Schuldner eine Frist oder Ratenzahlungen bewilligt hat, vom Bürgen nicht sofortige Zahlung verlangen. Der Bürge verliert die Einrede auch dadurch nicht, daß etwa der Hauptschuldner auf sie verzichtet. Ist der Hauplfchuldner gestorben, so können unter Umständen seine Erben die volle Zahlung ablehnen, indem sie sich darauf berufen, daß der Nachlaß zur Deckung aller Nachlaßschulden nicht ausreiche. Der Bürge aber kann sich auf diese Einrede nicht berufen, er haftet in solchen Fällen für die ganze Schuld. Ist die Schuld verjährt, so ist auch die Bürgschaft erloschen Wenn sich mehrere Personen für dieselbe Schuld verbürgt haben, so kann jeder von ihnen vom Gläubiger in Anspruch genommen werden, ohne daß sie (dem Gläubiger gegenüber) die Einrede der Theilung gellend machen können. Unter
I gefahren. Er ist ein wahres Glück, daß er in den Wagen i geblickt hat!"
। „Saß Madame allein drinnen?"
„Mit ihrer Kammerzofe. Ich nahm meinen Diener Iwan als Kutscher mit!"
„Ich möchte gerne Näheres über diese Kammerzofe hören. Wer war sie?"
„Wenn ich aufrichtig sein soll, muß ich sagen, daß ich sie gar nicht gesehen habe, denn wenn man in Gesellschaft der Gräfin ist, hat man nur Augen und Ohren für diese Frau — sie läßt Einen alles andere ver- geffen!"
Der Gouverneur und Baruschkin wechselten Blicke. Dem einen sah man die Genugthuung, dem andern den unterdrückten Zorn an. Haß ist beharrlich. Der Polizeichef gab das Spiel nicht verloren, denn er hatte noch einen Trumpf auszuspielen. Er klingelte und Iwan wurde hereingeschoben.
„Ich glaube, wir werden jetzt genauere Auskunft über die Kammerzofe bekommen!" meinte der Polizeichef mit feiner Ironie.
Woronzoff biß sich in den Schnurrbart und lächelte, er konnte sich auf Iwans Schweigsamkeit verlaffen. Unter andern Umständen hätte dieser da« Vertrauen auch gerechtfertigt; aber da er nicht wußte, um was es sich handelte, war er verloren. Er studierte zwar das Gesicht seines Herrn aufmerksam, konnte aber seine Verhaltungsmaßregeln daraus entziffern. Woronzoff hatte ihm nur vor der Abfahrt nach Prachatitz befohlen, nichts zu sehen und nichts zu hören und danach lichtete er sich jetzt. Auf