Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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AeOg den 28. November
gez.: Lademann,
gez.: Magnus,
2. Schriftführer.
An
Kreuz.
mit den Gratisbeilagen
Erster Staatsanwalt beim Geheimer Regierungs-Rath, Kgl. Landgericht II Berlin,
1. Schriftführer.
gez.: Dr. Lieber, Generalarzt a. D., Generalsekretär.
die Vorstände der Provinzial-Vereine vom Rothen
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Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
^rntlrbeilagrn: „^ItaftrirUf Sonntag-blatt" «. „3lui|trirt€ lanvwlrthschaftliche Beilage
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Jllustrirtes Sonntagsblatt" «^ „Mustrirte landwirthschaftl. Beilage" für den Monat Dezember 1899 werden von allen kaiserlichen Postanstalten, kandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher ®ljetl
Berlin, W., den 10. November 1899.
Der in Süd-Afrika entbrannte Krieg ruft die allgemeine Theilnahme in weilen Kreisen Deutschlands hervor. -Das unterzeichnete Central-Comite hat in Erfüllung der den Vereinen vom Rothen Kreuz neutraler Staaten obliegenden Verpflichtung die Hülse der deutschen Vereinsorganisation sowohl dem Central-Comite der Englischen Gesellschaft vom Rothen Kreuz als auch durch Vermittlung des Auswärtigen Amts der Transvaal-Regierung angeboten.
Während das Englische Central-Comite, dem allerdings reiche Hülfsmittel zur Verfügung stehen, mit verbindlichem Dank eine Unterstützung als für den Augenblick nicht erforderlich abgelehnt hat, ist seitens der Transvaal-Regierung durch Vermittlung des Kaiserlich deutschen Consuls jede Unterstützung an Personal und Material als sehr dankentzwerth und als ebenfalls für den Oranje-Freistaat dringend erwünscht bezeichnet worden.
DaS unterzeichnete Central-Comite hat, ungeachtet der hohen daraus erwachsenden Kosten, nicht gesäumt, eine sorgfältig zusammengesetzte SanitätS-Abordnung aus drei Aerzten, ausgebildeten weiblichen und männlichen Pflegepersonal sowie aus merthvollem Material bestehend, mit dem ersten fälligen Dampfer der Deutschen Ost- Afrika-Linie sofort nach Lourenzo Marques abzusenden.
Aber sowohl die Tragweite der entstandenen Kriegsnoth, als auch die voraussichtlich an unsere Abordnung zu stellenden Anforderungen lassen es erforderlich erscheinen, schon mit dem nächsten von Hamburg abgehenden Dampfer derselben Linie weitere Hülfe an Personal und Material in ähnlicher Zusammensetzung nachzusenden. Diese neue Abordnung wird im Auftrage des Central-
Comites vom Hamburger Landesverein vom Rothen Kreuz zusammengestellt und ausgerüstet werden, während ein großer Theil des Materials wiederum dem Depot des Deutschen Central-Comites entnommen wird.
Der Umfang dieser Leistungen macht es nunmehr zur Pflicht, alle Landesvereine vom Rothen Kreuz in Deutschland aufzufordern, Sammlungen für die Unterstützung und Fortführung unserer Thätigkeit im Transvaalkrieg zü eröffnen und deren Ergebniß an unsere Schatzmeisterstelle, die Königliche Seehandlung in Berlin W., Jäger- straße 21, abzuführen. Wir sprechen hierbei die Hoffnung aus, daß die opferwilligen Kreise in Deutschland geneigt sein werden, dem Vorgehen der Deutschen Kolonial- Gesellschaft folgend, ihre Spenden der Deutschen Vereins- Organisation vom Rothen Kreuz anzuvertrauen. Unermüdlich bestrebt, alle bte Wunden des Krieges lindernden und heilenden Einrichtungen schon im Frieden zu fördern und vorzubereiten, ist dieselbe seit dem Kriegsjahre 1870/71 stets in den außerhalb Deutschlands geführten Kriegen helfend eingetreten, und im gegenwärtigen Augenblick vielleicht allein berechtigt und in der Lage, das allgemeine Verlangen der Hülfeleistung in die That zu verwandeln.
Das Central-Comite der Deutschen Vereine vom Rothen Kreuz.
Der Vorsitzende: gez : B. von dem K n e s e b e ck, Vice-Ober-Ceremonienmeister und Königl. Kammerherr.
An die Vorstände der Rothen Kreuz.
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Berlin
Deutschen Landes-Vereine vom
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W., den 14. November 1899.
Vorstehenden an alle Deutschen Landes-Vereine vom Rothen Kreuz gerichteten Aufruf des Deutschen Central- Comites bringen wir mit der Bitte um die Gewährung von Spenden, über welche öffentlich Rechnung gelegt werden wird, zur allgemeinen Kenntniß.
Das Central-Comite der Preußischen Landes-Vereine vom Rothen Kreuz.
gez.: B. von dem Knesebeck, Vice-Ober-Ceremonienmeister und Königl. Kammerherr, Vorsitzender.
gez. : von Spitz, General der Infanterie
1. stellverir. Vorsitzender.
gez.: Dr. Koch, Präsident des Reichsbank- Direkloriums, Wirklicher Geh. Rath, 2. stellvertr. Vorsitzender.
Eingehende Zweck sind am
Hersfeld, den 25. November 1899.
Gaben für den vorstehend bezeichneten besten durch Vermittelung der Herren
Ortsvorstände des Kreises, welche sich gewiß dieser Mühe gern unterziehen, an das hiesige Landrathsamt zur Weiterbeförderung zu senden.
An alle edeldenkenden Menschen ergeht die Bitte, dieser Angelegenheit jede thunlichste Förderung zu Theil werden zu lasten.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Räth.
Hersfeld, den 25. November 1899.
Der bisherige Ortsschätzer für Mobilien, Kaufmann Adam Wolff dahier, sowie der bisherige Stellvertreter desselben, Stadtrechner Johs. Möller dahier, ist auf seinen Antrag von diesem Amte entbunden worden. An Stelle des 2C. Wolff ist der Rentier Ferdinand Heer dahier als Ortsschätzer für Mobilien und an Stelle des 20. Möller ist der Tapezierer Friedrich Richter dahier als Stellvertreter des Ortsschätzers für Mobilien wider- rnflich bestellt und verpflichtet.
I. I. Nr. 7007.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Rotenburg a/F., den 20. November 1899.
Unter dem Schmeinebestande des RittergutSbelitze rs von Bodelschwing zu Schwarzenhasel ist die Rotlaufseuche ausgebrochen. Der Königliche Landralh. T ü r ck e.
Uichinmtlicher Theil
Los Bvrgtrliihe Aetzbuch.
XX.
Erwerb und Verlust von Grundeigenthum. Die Rechtsfragen, welche sich auf das Eigenthum a
Westliche Scherze.
Von G. R.
Unter dem graublonden Schnurrbart quoll eine andert-
halb Ellen lange Perlenschnur von Worten hervor, die zusammen einen grimmigen Fluch darstellen sollten. Die einzelnen Theile waren aber recht harmlos; so zum Bei- ^AM spiel bestand der letzte und kräftigste Bruchtheil nur aus
t bem schönen Wort: „Mohrenelement!
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„Stimmt," bemerkte der Nachbar, „ist vollkommen richtig heute!"
F „Was stimmt?"
„Na, zweiunddreißig und ein halb Grad Noamur im tiefsten Schatten! Da kann sich doch mit vollem Recht ein Mohr in seinem Elemente fühlen?"
„Werden wohl ein paar Grad mehr sein — ist das tin Sommer heuer — giebt ein feines Weinchen, was?"
„Sie sind eine wunderbare Mischung von Gemüthc- mensch! Erst kommt ein endloser Stoßseufzer über die Hitze, und nun freut sich der brave Staatsbürger schon auf das Herbsten!"
«Na ja, den Stoßseufzer that der Kulturmensch im entsetzlichen Eisenbahnkasten, verstehen Sie wohl, und an oen hoffnungsvollen Herbst dachte der vernünftige Mensch "n allgemeinen. Das ist doch ein berechtigter Gefühls- wechsel, was?"
. "Nun kommt's bloß darauf an, daß in unserm ge- ettsi, H '"einsamen Vaterlande der Sonnenschein mit ähnlicher
Kraft und Ausdauer arbeitet, sonst ist die Hoffnung Essig, im wahren Sinne des Wortes!"
„Hin, Puh, — ist das 'ne Hitze! was? Wird wohl drüben ähnlich sein!"
Dieses geistreiche Gespräch mit Stöhn-Pausen wurde in einem Wagen der Nordamerikanischen „Atlantic und Pacific-Bahn" zwischen einem Solinger Stahlwaaren- Reisenden Namens Heinrich Grübes und mir geführt. Derjenige mit dem „Mohrenelement" war Grübes, der Nachbar war ich. Grübes fuhr im Auftrage seiner Firma bis San Frauzisko mit und wollte dann zu Schiff über Chile wieder nach Hause zurück, so daß er zum „Federweißen" wieder am Rhein sein konnte, denn diese« „hinreißende" Heimathgetränk ließ er sich ungern entgehen. Er hegte den festen Aberglauben, daß derjenige, welcher die Mostgährnirg trinkend übersteht, im ganzen nächsten Jahre kerngesund bleibt; bis jetzt hatte es allerdings bei ihm gestimmt: er zählte fünfund fünf zig Jahre und war ein Bärenkerl, der keine kranke Faser am ganzen Leibe spürte. Gegen Hitze war er indessen bei seiner gesunden Leibesfülle etwas empfindlicher als ich langer, magerer Hering und beneidete mich heute ganz entschieden um diesen Schönheitsfehler. Gegen Abend wurde es ganz angenehm kühl in den Koloradoschluchten und wir, namentlich Grübes, athmeten bei Eibbier und einer vortrefflichen Pfeife Tabak wieder auf.
„Fein, unser Tucher-Export, was? Da kommt kein englisches oder gar Nankeebräu gegen aus, was? Mohren
element! Das war eine Erfrischung, wie wir sie vor fünf Jahren hier noch nicht genossen, ja, die Welt schreitet vorwärts. Dafür gab's aber einen Jndianer-Ueberfall mit allen Chikanen, interessant, was? Auch so bei tiefer Schlafenszeit wie jetzt ging's los, hatten aber Wind und aus Fort Winsloe ganz heimlich Truppen mitbetommen. Die Paffagiere wurden garnicht groß belästigt, wer Lust hatte, machte mit!"
»Haben Sie sich an dem Vergnügen belheiligt?" fragte ich ganz über flüssiger Weise, denn Grübes blieb sicher nicht hinten, wenn's knallte.
„Na ja, ein bischen! Bin doch früher mal Einjähriger bei den Achtundzwanzigern gewesen, beim Füsilierbataillon in Koblenz, mit dem Schießen schnitt ich leidlich ab. Da kann man doch nicht hinten bleiben, was!"
„Namentlich wenn man Junggesell ist!"
„Mohrenelement, ich glaub' nicht, daß ich als Ehekrüppel das Kneifen lernte, was?"
»Ich hoffe es ebenfalls nicht!" meinte ich hochmüthig, Ich war nämlich solch ein Ding, welches Herr Grübes „Ehekrüppel" zu nennen beliebte, nebenbei übrigen s ein gedienter preußischer Soldat.
„Haben Sie gutes Schießeisen, was?" fragte der Solinger Stahlmensch und äugte nach meinem Handae- päckswinkel.
„Danke, bin zufrieden," erwiderte ich und reichte ihm meinen Spenoer-Karabiner zur gefälligen sachverständigen