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eMer Neisblatt

Gratirbeilasrn rIlltrstrirtes Sonntagsblatt" n.^Uwftrirte landwirthschastliche Beilage

St. 148.

AcHag iitn 11 Lezember 1899

Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 16. Dezember 1899.

Der Vorstand der Ortskrankenkasse für die Landge­meinden des Kreises hat auf Sonntag, den 2 4. Dezember d. I., Nachmittags 2 Uhr, in die Wohnung des Rechnungsführers C. Demme (Marktplatz) dahier eine General-Versammlung anberaumt. Die Tages-Ordnung lautet:

1. Wahl von Rechnungsprüfern der Rechnung vom F laufenden Jahre,

2. Wahl des Vorstandes,

3. Wahl eines KassirerS an Stelle des seitherigen,

4. Sonstige Anträge.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben Vor- stehendes baldigst auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.

I. 7587. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.

Hersfeld, den 18. Dezember 1899.

Für die Verwundeten- und Krankenpflege im Transvaal­kriege (Kreisblatt Nr. 139) sind weiter eingegangen: Von Ungenannt.....3 Mk.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

N

an

Nichtamtlicher Theil

le- sp­eist

den

$o§ Bürzerliche 8esttztlich.

XXVII.

Stellung der Ehegatten zu einander.

Das Bürgerliche Gesetzbuch verpflichtet die Ehegatten

ganz allgemein zur ehelichen Lebensgemeinschaft. Ver­ständige Ehegatten werden alle, das gemeinschaftliche Leben ^* betreffenden Angelegenheiten gemeinsam berathen und ent- muaik scheiden. Wenn sie aber verschiedener Ansicht sind, wer . soll dann entscheiden, der Mann oder die Frau? Das Gesetz hat den Mann dazu bestimmt; die Frau muß sich fügen, es sei denn, daß der Mann sein Recht mißbraucht, i Der Mann ist eben das Haupt der Familie. Als solches

hat der Mann den Wohnort und die Wohnung zu be­stimmen. Die Frau hat den Familien - Namen des Mannes anzunehmen. Mit dessen Einwilligung kann sie nebenher noch einen andern Namen führen. Wichtige Um­stände fordern dies zuweilen; beispielsweise wenn die Frau eine Künstlerin ist. Eine Verweigerung der Ein­willigung wäre Mißbrauch des Rechts, dem sich die Frau nicht zu fügen braucht.

Die Frau ist die Leiterin des Hauswesens, ist aber auch zur thätigen Mithilfe, zu Arbeiten im Hauswesen und im Geschäft des Mannes verpflichtet, soweit eine solche Thätigkeit nach den Verhältnissen, in denen die Ehegatten leben, üblich ist. Ein eigenes Geschäft gegen den Willen des Mannes zu betreiben, ist die Frau nicht berechtigt, wenn sie dadurch ihre Pflichten zur Führung des Haushalts und zur üblichen Arbeit und Hilfeleistung im Geschäfte des Mannes verletzen würde. Auch darf die Frau kein Arbeits- oder Dienst-Verhältniß eingehen, durch das die ehelichen Interessen beeinträchtigt werden; thut sie es dennoch, so kann der Mann mit Genehmigung des Vormundschafts-Gerichts dem dritten sofort kündigen.

Dagegen hat die Frau das Recht, in allen auf ihren häuslichen Wirkungskreis sich beziehenden Angelegenheiten selbständig zu handeln und in diesem Rahmen über das Vermögen des Mannes zu verfügen und ihn (den Gläu­bigern gegenüber) zu verpflichten. Dieses Recht der Frau nennt man wohldie Schlüsselgewalt". Die Frau kann also beispielsweise Einkäufe bei Kaufleuten rc. machen, Bestellungen bei Handwerkern 2c. aufgeben, Garten- Erzeugnisse verkaufen und dergleichen mehr. Zu den Rechten der Frau wird auch das Miethen und Entlassen der Dienstboten oder des sonstigen Hilfs Personals ge­hören, wenn nicht etwa dieses Recht durch Landesgesetze ausdrücklich dem Hausherrn vorbehalten ist.

Als Familienhaupt hat der Mann der Frau einen seinen Verhältnissen entsprechenden Unterhalt zu gewähren. Aber auch die Frau ist unter Umständen zum Unterhalt des Mannes verpflichtet. Wenn der Mann den für sich und seine Familie nöthigen Unterhalt nicht schaffen kann, so muß die Frau nach Maßgabe ihres Vermögens und ihrer Erwerbsfähigkeit dazu beitragen. Leben die Ehe­gatten, ohne daß ihre Ehe geschieden oder gerichtlich auf Aufhebung der ehelichen Gemeinschaft" erkannt ist, des­halb getrennt, weil der eine Gatte aus triftigem Grunde das Zusammenleben mit dem andern zu verweigern be­rechtigt ist, so muß der Verpflichtete dem andern eine

Geldrente zahlen. Der Mann hat außerdem die zur Führung des gesonderten Haushaltes der Frau erforder­lichen Sachen aus dem gemeinschaftlichen Haushalt herauszugeben.

Geräth der Mann in eine mißliche Vermögenslage, so gilt für die ausschließlich zum persönlichen Gebrauche der Frau bestimmten Sachen (Kleider, Schmucksachen und Arbeits-Geräthe), daß sie der Frau gehören, für andere Sachen jedoch nur zu Gunsten der Gläubiger, daß sie dem Manne gehören.

Ier Weg in Mafrika.

Heute muß die Hauptaufmerksamkeit dem Schauplatz von Natal gelten. Dort hat, beim Tugelaflusse, zwischen Colenso und dem südlich davon belegenen Chieveley, General B u l l e r eine Niederlage erlitten, die er in einer aus dem Lager von Chieveley unter dem 15. De­zember nach London gerichteten Depesche folgendermaßen meldet: Ich bedauere, einen schweren Schicksalsschlag melden zu müssen. Ich rückte um 4 Uhr Morgens mit der ganzen Streitmacht aus dem Lager bei Chieveley aus. Es sind zwei passirbare Stellen im Tugela. Es war meine Absicht, die Passage an einer dieser beiden Stellen zu erzwingen, uud zwar durch eine Brigade, welche durch die Hauptbrigade unterstützt werden sollte. General Hart sollte links von der Furt, General Hil- dyard rechts angreifen und General Lyttleton in der Mitte Beide unterstützen. Früh am Tage sah ich, daß General Hart nicht im Stande^fein würde, die Passage zu erzwingen, und wies ihn an, sich zurückzuziehen. Er hatte jedoch bereits mit großer Bravour angegriffen, und sein Spitzenbataillon erlitt schwere Verluste; Oberst Brooke wurde schwer verwundet. Ich befahl hierauf General Hildyard, vorzugehen, was dieser auch that. Sein an der Spitze vorgehendes Regiment besetzte Colenso Station und die Gebäude in der Nähe der Brücke. In diesem Augenblick hörte ich, daß die ganze Artillerie, die ich zur Unterstützung des Angriffs abgesandt hatte, näm­lich die 14. und die 66. Feldbatterie und sechs zwölf- pfündige Schiffs-Schnellfeuergeschütze, dicht an den Fluß vorgerückt waren, der sich vom Feinde stark besetzt erwies. Der Feind eröffnete plötzlich ein wirksames Feuer auf kurze Entfernung und tödtete alle Pferde. Die Kanoniere mußten mit den Geschützen zurückbleiben; es wurden ver­zweifelte Anstrengungen gemacht, die Feldgeschütze fortzu-

10'«

Gemeinsam Sterben.

Eine wirklich erlebte Geschichte. Von M. V.

(Fortsetzung.)

Der nächste Brief, wieder auf einen rosafarbigen, großen Bogen geschrieben, lautete:

L . . . ., den 19. Juli 18 ..

Wie danke ich Ihnen, mein verehrtes und geliebtes Fräulein, daß Sie mich ruhig anhörten, daß Sie mich neben sich gehen ließen, daß Sie mir die Hand, die ich nahm, nicht wieder entzogen. Aber welche Bedenklich- keiten führten Sie nicht alle ins Feld! Und wie hart­näckig kamen Sie immer wieder darauf zurück, wenn ich sie schon ganz zerstreut zu haben glaubte! Ich sollte mich tu Meinesgleichen halten, sagten Sie. Reich und Arm, Vornehm und Gering paßten nicht zu einander. Es werde zu keinem guten Ende führen, wenn Sie meinen Sitten nachgäben.

Wohl sind meine Eltern vermögend, und unsere weit­verzweigte Familie gehört seit Alters zu den angesehensten der Stadt. Aber wenn Sie wüßten, wie vereinsamt ich inmitten meiner zahlreichen Angehörigen dahin lebe; wie mich keines von allen versteht; nicht meine Eltern, nicht meine Schwestern, nicht eines von all den Onkeln, Tanten und Cousinen. Wie hinter all den vornehmen, stolzen Gesichtern nur die kahlste Alltäglichkeit wohnt, die lächer­lichsten Vorurtheile; hinter dem äußern Glanz der un- erträglichste Zwang und die gähnendsie Langeweile. Wie lede freie Regung in Nüchternheit und Schablone er- IMt, jedes natürliche Gefühl erdrückt und ertödtel wird.

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ei.

Ach, wie es mich aus dieser eingeengten Stickluft, aus diesen ausgefahrenen Gleisen hinausverlangt, wie ich mich nach einem Wesen sehne, dem ich all meine Ge­danken, all meine Bestrebungen rückhaltlos mittheilen kann, ohne alsbald berichtigt, zurückgewiesen, verlacht zu werden.

O, wollten Sie doch, mein holdes, theueres Mädchen, dies mein verzehrendes Verlangen, diese Lücke in meinem Dasein ausfüllen, meine treue, theilnehmende Freundin sein, mein Käthchen von Heilbronn, mein Egmontisches Klärchen, in dessen friedliche und unverdorbene Welt ich mich aus meiner kalten, harten, gleißnerischen Umgebung flüchten, an dessen unschuldiger, lebenswarmer Brust ich meine heiligsten, innersten Gefühle bergen könnte!

Sie fürchten, daß ich nur ein leichtfertig Spiel mit Ihnen treiben wollte. Bei allem, was mir lieb und theuer ist, schwöre ich Ihnen, daß mich nicht niederer Sinn zu Ihnen hindrängt, sondern die lauterste Absicht, die edelste Empfindung; daß ich Sie hegen und pflegen und vor aller Gefahr beschützen werde!

In Ihren schlichten Worten, Ihrem natürlichen, trau­lichen Wesen tritt mir die ganze Volksseele entgegen, mit all ihrem Schmerz, aber auch mit all ihrer Lebens­kraft und ihrem beherzten, unverwüstlichen Frohsinn. Wie ein Engel vom Himmel erschienen Sie mir, freilich wie einer von denen, mit denen man ringen muß. Aber ich lasse Sie nicht, Sie segnen mich denn.

Auf Wiedersehen denn morgen zur verabredeten Stunde am verabredeten Orte! Mein liebes, einziges, herrliches Mädchen!"

Nummer vier, eine mit goldenen Verzierungen ver­sehene Karte, trug folgende Zeilen:

L., 20. Juli 189 .

Aus dankerfülltem, übervollem Herzen sende ich Dir, mein süßer, goldiger Schatz, noch diesen Gruß, ehe ich : zur Ruhe gehe. Ich sehe nach Deinem Vorhang hinüber, ob ich nicht wenigstens Deinen vorüberhuschenden Schalten erspähe! Aber die Zauberlaterne ist schon erloschen. Noch bebe ich von der Berührung Deiner Lippen, Deines weichen, duftigen Haares, Deines zarten Leibes.Was ich nur an Dir armen Mädchen fände?" fragtest Du. Wie ein Balsam breitet sich Dein sanftes, heilkräftiges., verständiges Wesen über mein krankes, wundes, unstetes Gemüth. Du giebst meinem Leben Inhalt und Mark, meinen Gedanken Schwung und Ziel, meiner Seele Frieden und Freude. Du bist der Leitstern auf meinen verworrenen Pfaden, Du bist von nun an der Mittel­punkt, um den sich meine ganze Welt drehen wird. Wie traurig und verlassen war alles um mich her, als Du von mir hinweggegangen warst. Ich zähle die Stunden, die Minuten, bis ich Dich wiedersehe, und beneide selbst diese Karte, die schon morgen früh zu Dir gelangen wird, während ich noch ganze zwölf Stunden länger auf Dich warten muß. Ein sanfter Schlaf umfange Dich. Laß uns im Traume bei einander sein."

Nummer fünf war eine kleine, beim ersten. Anblick nicht besonders geschickt erscheinende Zeichnung, einen Baum mit einer Bank darunter vorstellend. Erst bei näherm Zusehen fand ich, daß die Schattierung des Stammes, der Baumschlag, das Gras des Bodens, ja