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Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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GratLsbeilassn: „^Uuftrirte* Ssnn»«Hsbl«tt" *♦ „3U«ftrirte iandwirthschaftLichs Betlage '
A. 11
Lo»kr««g hi 1. Februar
19W.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt
mit den Gratisbeilagen „Jllustrirtes Soiiutagsblatt" «n» „Jllnstrirte landivirthschaftl. Beilage" für die Monate Februar und März 1900 werden von allen kaiserlichen Poftanftalten, kandbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil.
Hersseld, den 30. Januar 1900,
Die Herren Orlsvorstände erhalten hierdurch die Weinrug, das im § 8 Abs. 3 des Reglements vom 4. März 1875 (Amtsblatt Nr. 15) vorgeschriebene Ver- zeichniß derjenigen noch nicht geimpften Kinder, welche in den Gemeindebezirken nicht geboren, sondern dahin verzogen sind, bis zum 10. Februar d«. I S mir einzureichen. Die Herren Standesbeamten werden an. gewiesen, unter Benutzung des Ihnen in den nächsten Tagen zugehenden Formulars, die vorgeschriebenen Jmps- listen durch Eintrag der im Jahre 1899 geborenen noch lebenden Kinder (Spalte 2 bis 5) vorzurichten und bis zum obigen Termine gleichfalls mir einzureichen. Bei Aufstellung dieser Liste ist noch zu beachten, daß die Impflinge einer jeden Gemeinde zusammen in unmittelbarer Reihenfolge eingetragen werden.
Gleichzeitig ersuche ich die Herren Ortsschulinspektoren unter Benutzung des Ihnen übersandten Formulars durch Eintragung der sämmtlichen Schüler, welche im laufenden Jahre das 12. Lebensjahr zurücklegen werden, die Listen für die Wieder- Impfung seitens der Herren Lehrer vorrichten und hieruächst dieselben bis spätesten» j u in 1 5. k. M t s. entreißen zu lassen.
Falls Schüler sich vorfinden sollten, von welchen ein Nachweis der Erstimpfung nicht erbracht werden kann, sind solche in einem Begleitschreiben besonders namhaft zu machen.
I. I. Nr. 638. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Aus K n n « e.
Roman von M. H e y.
(Nachdruck verboten.)
( Fortsetzung.)
Alfred nahm das Anerbieten gern an. Vom Wagen herab rief er den Damen nochmals zu, daß er ihren ®efnd) erhoffe. Dabei schaute er ElSbeth so durchdringend an, daß fie ben Blick zu Boden senkte.
Frau Walter und ElSbeth traten in die Thür und sahen dem Wagen nach.
Prüfend schaute darauf die Pfarrerin in das Gesicht der Tochter.
„Fährst Du denn auch gern mit zu JustizrathS?" fragte sie. „Du kennst ja keinS der jungen Mädchen, die dort verkehren."
„Ich kenne doch Alfred — Herrn Dunkelmann," verbesserte sich ElSbeth. „Er wird mich schon mit ihnen bekannt machen. Ach, Mütterchen, er ist — so gut, und — und — so schön," stotterte sie.
»Das darf ein junges Mädchen von einem jungen Manne nicht sagen," belehrte die Pfarrerin, „wenn das andere Leute hörten--was sollten sie wohl davon denken?"
„Aber, Mütterchen, man kann doch die Wahrheit sagen," schmeichelte ElSbeth, „und da« ist doch wahr. — Ich habe noch nie so schöne Augen gesehen, wie die
Her-feld, den 29. Januar 1900.
Die Herren Standetbcamten des Kreise» erhalten in den nächsten Tagen je zwei Sonderabdrücke des Erlasses der Herren Minister der Justiz und des Innern vom 16. j 7642
v. Mts. ' ■ ‘ \ - 7^, betreffend das kostenfreie Nachschlagen der Regist»r selten» der Standesbeamten bei der Anmeldung des Aufgebot» zur Eheschließung, zur Kenntnißnahme und Nachachtung.
A. 231. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersseld, den 26. Januar 1900.
Auf Sonnabend den 17. Februar 1900, Vormittags 10 Uhr, ist eine Kreistagssitzung in den Saal des hiesigen RathhauseS anberaumt worden.
Tagesordnung: Uebernahme der Landwegebaupflicht auf den Kreis.
A. 193. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Hersfeld, den 26. Januar 1900.
Unter den Schafbeständen in KruSpi« ist die Räude ausgebroche».
I. 490. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Bekanntmachung.
Die. Interessenten der Ludolphschen Familienstiftung werden auf die diesseits in dem Amtsblatte der König, lichen Regierung zu Cassel heute erlassene Bekanntmach, ung, betreffend Anmeldung der Ansprüche an den Zinsen- gennß der Stiftung hierdurch aufmerksam gemacht.
Rotenburg a. F., den 19. Januar 1900.
Der Königliche Landratb T u e r ck e.
Hünseld, den 25. Januar 1900.
In der Gemeinde Unterstoppel ist die Schafräude auSgebrochen. Der Königliche Landrath.
des Herrn Dunkelmann, aber — aber ich fürchte mich vor ihnen," fuhr sie leise fort.
„Laß uns in» Haus gehen," sprach die Mutter, „die Abendluft ist kühl, und wenn Du Dich erkältest, dann müssen wir am Sonntag zu Hause bleiben."
Am Abend trat Christian zu Marie, dem Dienstmädchen, in die Küche.
„Hast Du wohl gesehen?" fragte er schmunzelnd. »Der junge Herr war heute schon wieder hier. Ich glaube, der möchte uns unser Fräulein wegholen."
„Ach nein," meinte Marie, „die wäre zu schade für ihn. Er hat einen finsteren Blick und ist zu unsereinem gar nicht freundlich. ElSbeth ist immer so freundlich —"
„Ja, Das ist sie," bestätigte Christian. Jedermann im Dorfe ist ihr gut. Aber — wer weiß? Reich muß der junge Herr wohl sein — sieb her, diesen blanken Thaler hat er mir vorhin als Trinkgeld in die Hand gedrückt. Der soll in unsere Spirkaffe."
VI.
Der Gesellschaftssaal des JustizrathS Dunkelmann füllte sich am Sonntag Nachmittag mit Gästen
Auch Gustav Werner befand sich unter denselben und sprach eifrig mit seinem Freunde Alfred.
„Du wirst Dich wundern über da« reizende Mädchen aus dem Psarrhause," sagte der Letztere. „Wo bleiben sie nur so lange?"
Nichtamtlicher Theil.
Är Krieg in Sitönfrifn.
Endlich schienen die englischen Truppen in Natal einen Erfolg errungen zu haben, als die Meldung kam, der Spionskop, der wichtigste Punkt zwischen dem Tugela und Ladysmith, sei in die Hände des Generals Warren gefallen. Ohne Zweifel war die letzte Operation des Generals Buller, das Ueberschreiten des Tugela, die Flankenbewegung unter Warren flußaufwärts und der Vorstoß aus die rechte Flanke der Buren, besser vorbereitet als irgend eine sonst während des südafrikanischen Krieges, und das Heer der Buren vor Ladysmith war in ernster Gefahr, zwischen zwei Feuer zu gerathen. Aber der Erfolg war nur scheinbar, und die sorgsame Vorbereitung des englischen Angriffs diente am letzten Ende nur dazu, daß nach der Entscheidung am Spionskop zu Gunsten der Buren der Rückzug der englischen Truppen über den Tugela ohne neue große Verluste vollzogen werden konnte.
Die englische Presse erkennt an, daß nach diesem Fehlschlag Ladysmith verloren ist und die Kapitulation der dort eingeschlosseneu o-^SOOO Mann des Generals White erfolgen muß. Man spricht von der Entsendung eines neuen Heeres von 50 ÖOO, ja von 100 000 Mann; aber eine solche Armee läßt sich nicht aus der Erde stampfen, zumal in einem Lande wie England ohne allgemeine Dienstpflicht, das nur noch über gänzlich ungeübte Milizen verfügen kann. Wenn also trotzdem fast die gesummte englische Presse die Fortsetzung des Krieges verlangt, so wirkt dabei neben der Erkenntniß, welche Bedeutung für die Stellung des Riesen Goliath da» Eingeständniß seiner Ohnmacht gegenüber dem kleinen David hätte, die Hoffnung mit, es werde bei längerer Dauer des Krieges den Buren der Athem ausgehen.
In der That geben ja auch die Buren ein ganz ungewöhnliches Beispiel von Opfermuth, wenn man be- denkt, daß der größte Theil der erwachsenen männlichen Bevölkerung der Burenstaaten im Felde steht und nur Frauen, Schwache und Kranke zur Bewirthschaflung der Farmen zurückgeblieben sind. Es liegt also eine allmähliche wirthschaftliche Erschöpfung der beiden Republiken nicht außer aller Möglichkeit. Auf der andern Seite aber bleibt doch die militärische Lage so ungünstig für die Engländer, daß nicht abzusehen ist, wie sie ihr eine günstige Wendung geben wollen. Gehört auch
Eben hielt ein Wagen vor dem Hause. Die Pfarrer- familie stieg aus.
Alfred eilte ihr entgegen und führte seine Gäste in den Saal.
Die Justizräthin begrüßte die Pfarrerin vornehm aber freundlich, und stellte sie den anderen Damen vor, i mit denen die würdige Frau sich auch bald unterhielt.
Dunkelmann war hocherfreut, daß er seinen Gästen seinen lieben Jugendfreund vorstellen konnte und erzählte mit Begeisterung von der schönen Zeit, in der sie eine Freundschaft für das ganze Leben geschlossen hatten.
ElSbeth war von Alfred in den Kreis der anderen jungen Damen geführt worden, unter denen sie auch die Bekanntschaft von Louise, der Tochter des Commerzien- raths, und von Klärchen, einer Gutsbesitzerstochter, machte, deren Eltern sich zur Ruhe gesetzt hatten und nun in der Hauptstadt lebten.
Die beiden Mädchen waren von Alfred am meisten bevorzugt worden. Sie schienen Freundinnen zu sein, aber jede bewachte argwöhnisch die Mienen der anderen, wenn Alfred sich der einen näherte.
Auf einmal tauchte ein neuer Gegenstand der Eifersucht auf, mit Neid schauten sie aus ElSbelb, von deren Seite Alfred nicht wich. Das Mädchen 'ah in ihrem einfachen weißen Kleidchen mit blauen Bändern ganz allerliebst aus; die blonden Flechten mit einer einfachen Schleife im Haar gaben den: unschuldigen Gesicht ein fast kindliches Aussehen.