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Sr. 22.

SeiintiN Sey 22. Feiryyr

1900.

Amtlicher Theil.

Caffel, den 15. Februar 1900.

In Heimboldshausen ist der telegraphische

Unfallmeldedienst eingerichtet worden.

Kaiserliche Ober-Postdirektion. Frank.

An das Königliche Landrathsamt in Hersfeld. C. 994.

* * *

Hersfeld, den 19. Februar 1900. Wird veröffentlicht.

I. Nr. 1044. Der Königliche Landrath

Freiherr v o n.S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.

Eisenach, den 12. Februar 1900.

Die Maul- und Klauenseuche in Epichnallen ist er­loschen, die Feldmarksperre ist aufgehoben.

Der BezirkSdirektor Dr. Suden.

Ziegenhain, den 17. Februar 1900.

Die in Görzhain und Niebelsdorf ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen und die angeord­neten Sicherheitsmaßregeln sind aufgehaben.

Der Landrath von E ch w e r tz e ll.

Nichtamtlicher Theil.

Das netieJnvalivenverficherungs- Gefetz.

(Foitsetzuug.)

4. Die Leistu ng der Versicherungsbei­träge nach dem neuen Jnvalidenversicherungegesetz

Die Versicherung erfolgt für die dazu Veipflichteten und Berechtigten durch Leistung von Beiträgen. Nich der Höhe des Jahresarbeitsverdienstes sind für die Ver­sicherten folgende Lohnklaffen gebildet:

Claffe l bis zu 350 Mk. einschließlich. H von mehr als 350 Mk. bis 550 Mk III 550 850 " IV 850 1150

V 1150 Für die einzelnen Lohnklaffen sind die wöchentlichen Versicherungsbeiträge wie folgt festgesetzt:

(Eine Spielschuld.

Eizählung von M. 2 o 11 i n «.

I.

Der Großgrundbesitzer Gerard Falconer bewohnte eines jener alt-elifabethinischen, großen, soliden, massiven Ziegelhäuser wie sie in England als herrschaftliche Stamm- "tze so beliebt sind. Von den zwitschernden Spatzen aus der Dachrinne bis zur Herrin, der trotz ihres zunehmenden Alters noch immer schönen Lady Agnes, zeugte alles von Wohlstand und Behagen.

In feinen jungen Jahren galt Gerard Falconer als ein sehr schöner, begabter und unwiderstehlicher Mensch, der nur seine Hand hätte auszustrecke» brauchen, um die vornehmste Erbin des Landes heimzuführen, denn er entstammte einer alten, makellosen Familie, deren große Besitzthümer sich in musterhafter Ordnung befanden und deren Einnahmen aus den verpachteten Gütern sie be­rechtigt hätten, einen weit größeren Aufwand zu machen, als sie in Wirklichkeit machte. Die FalcowerS zogen es vor, auf dem alten, behaglichen Stammsitz zu bleiben, statt ihr Londoner Palais zu bewohnen und sich in den Strudel der Vergnügungen zu stürzen.

Der jetzige Besitzer, Gerard Falconer, blieb den Ge­wohnheiten feiner Ahnen in allem und jedem treu. Seine Sbe mit Lady Agnes, die sich feine Liebe bis in« späte Alter zu erhalten wußte, war eine sehr glückliche, ob­wohl man sich kaum entgegengesetztere Charaktere denken konnte. Lady Agnes, die einer etwas leichtlebigen und

In Lohnklaffe I = 14 Pfg.

= 20

III = 24 1^ = 30

V = 36

Die Höhe der zu leistenden Versicherungsbeiträge richtet sich jedoch nur in den wenigsten Fällen nach dcm thatsächlichen Arbeitsverdienst; im Einzelnen gilt als Arbeitsverdienst:

1. für Mitglieder einer Orts-, Betriebs- (Fabrik), Bau­oder JnnungS-Krankenkaffe der 300fache Betrag des für ihre Kaffenbeiträge maßgebenden durchschnittlichen Tagelohnes bezw. wirklichen Arbeitsverdienstes;

2. für die in Land- und Forstwirthschast beschäftigten Personen, soweit sie nicht einer der bezeichneten Krankenkassen angehören, ein Betrag, der für sie von der höheren Verwaltungsbehörde festzusetzen ist; bei Betriebsbeamten wird jedoch der wirkliche Jahres­arbeitsverdienst zu Grunde gelegt;

3. für die auf Grund des Gesetzes vom 13. Juli 1887 versicherten Seeleute und anderen bei der Seeschiff- fahrt betheiligten Personen der vom Reichskanzler bezw. von der höheren Verwaltungsbehörde festge­setzte Durchschnittsbetrag bs« Jahresarbeitsverdienstes;

4. für Mitglieder einer Knappschastskaffe der 300fache Betrag des von dem Kaffenvorstande festzusetzenden durchschnittlichen täglichen Arbeitsverdienstes der­jenigen Classe von Arbeitern, welcher der Versicherte angehört.

5. im Uebrigen der dreihundertsache Betrag des orts­üblichen Tagelohns gewöhnlicher Tagearbeiter des Befchäftigungsoites, so weit nicht für einzelne Be- rufszweige von der höheren Verwaltungsbehörde ein anderer JahreSarbeitSverdieust festgesetzt wird.

Lehrer und Erzieher gehören mit einem JahreSver- dienste bis einschließlich 1150 Mark zur IV. Classe und von mehr als 11502000 Mark zur V. Classe.

Ist im Voraus für Wochen, Monate, Vierteljahre oder Jahre eine feste baare Vergütung vereinbart, so ist der JahreSbetrag dieser Vergütung zu Grunde zu legen, wenn sie höher ist, als die nach Ziffer 15 für den Versicherten maßgebenden Beträge.

(Fortsetzung folgt.)

heißblütigen Familie angehörte, war ein heiteres, unbe­rechenbares, liebenswürdiges und leidenschaftliches Ge­schöpf, als Gerard sie heimführte, und sie verstand er, dem ernsten, prinzipieutreuen und vornehmen Gatten, der nie vom geraden Wege abwich, und es stets ver­standen hatte, Versuchungen zu widerstehen, das Heim zum Paradies zu gestalten.

Ihr frisches frohe» Lachen, ihr fast kindlicher Ueber- muth erfreuten ihn, und er bewunderte ihr blendendes Wesen. Leider verlor sie schon zwei Jahre »ach ihrer Hochzeit durch tragische Familien Ereignisse ihren Frohsinn. Dar plötzliche, schmachvolle Ende ihrer beiden leichtsinnigen Brüder, die sie unendlich geliebt halte, lehrten sie des Lebens Ernst kennen. Der ältere ver­übte einen Selbstmord, nachdem er mehr als fein ganzes Vermögen am Kartentisch verloren, während der jüngere kurz darauf an den Folgen seiner Trunksucht starb. Ihre Eltern überlebten diesen Schmerz nicht lange, sie ward Allein Erbin großer Besitzungen, hatte aber ihre Frische und Lebensfreude für immer eingebüßt.

In ihren beiden Kindern suchte sie Ersatz für ihre geliebten und schwer vermißten Geschwister. Jack, der Erstgeborene und ihr Liebling ähnelte ihnen in seinem Wesen und seinem Aeußern so sehr, daß es ihr fast schien, als lebten sie in ihm wieder auf. Schon in feinen ersten Lebensjahren zeigte» sich bei Jack glänzende Gabe«. Er sprudelte vor Uebermuth, Lebenslust und Geist über und war stets so heiter und gewinnend, daß «» ihr fast unmöglich dünkte, ihn für seine Unarten zu strafen Dafür übernahm der strenge, bis zur Grausam

Politische Rachrichlell.

Berlin, den 20. Februar.

Se. Majestät der Kaiser hörte im Jagdschloß HubertuSstock gestern Vormittag die Verträge des Staats­sekretärs des Reichsmarineamts, Vizeadmiral Tirpitz, und des Chefs des Admiralstabs der Marine, Vizeadmirals v. Diederichs, und heute Vormittag den Vortrag des Chefs des MarinekabinetS, Vizeadmirals Freiherr» v. Seuden-Bibran.

Prinz Heinrich sandte ein Schreiben an den Kieler Oberbürgermeister, in dem der^Prinz mit bewegtem Herzen für die ihm gewordene überaus warme Begrüßung aller Schichten der Bevölkerung Kiels dankt und allen versickert, daß er, eingedenk des alten Spruches:Treue um Treue" die erhebenden Kundgebungen dieser Tage niemals vergessen werde.

(3 u m Schutze des Friedens.) Gesittete Völker sollten die Waffen aus der Hand legen und ihre Streitigkeiten durch Schiedsgerichte schlichten! So lehren die Friedens-Freunde. Wie anders aber zeigt sich die Wirklichkeit! Die blutigen Tage von Kreta waren noch in frischer Erinnn «.^, da entbrannte schon der spanisch- amerikanische Krieg; kaum waren hier die Todten be­graben, so sannen die Engländer schon auf Kampf mit den Buren ! Die Friedensglocken im Haag läuteten noch, als schon zwischen London und Pretoria feindselige Noten den Ozean kreuzten; seitdem tobt drüben ein wilder, grausamer Krieg. Muß es so bleiben, trotz stetig vor- fchreitender Kultur? Giebt es kein Mittel gegen KriegS- Verhängniß? Er giebt ein solches! Ja, ein altes Weis- Heitswort verkündet es uns:Si vis pacem para bellum I (Wenn du den Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor!) P^quem ist es freilich nicht, in kost­spieliger Rüstung stets kampfbereit dazustehen ; aber weiser Vorsicht entspricht eS ; und nicht genug können wir unserm Kaiser danken, daß er, eingedenk jenes WeiSheitSworteS, unermüdlich schafft und sorgt für eine gute Wehr und Rüstung. Wie nothwendig sie uns ist, um in Frieden leben zu können, hat die jüngste Zeit genug gelehrt. Unser Landheer ist als unübertoffen bekannt und ge­fürchtet. Soweit sein Arm reicht, ist uns der Friede gesichert, denn niemand wagt, unsere Rechte anzutasten. So lange wir nur in Frankreich und allenfalls in Ruß­land drohende Feinde erblickten, genügte unser Heer, um

k.il gerechtigkeitsliebende Vater das Amt der rächenden Nemesis und war oft nur zu hart gegen das lebhafte Kind.

Bertha entwickelte sich sowohl in ihrer GeisteSrichtung wie auch in ihrer Erscheinnng zu einer echten Falconer. Sie hatte nie kindliche Jugendlust kennen gelernt dieselbe log nicht in ihrem Wesen. Während der quecksilberne Jack keine Minute stillsitzen konnte, war sie sittsam, artig und stets darauf bedacht, sich korrekt zu benehmen. Je älter die Geschwister wurden, desto schroffer traten ihre Charaktergegensätze hervor.

Bertha wurde ein sehr schönes Mädchen, dabei stolz, kühl, vornehm, Blaublut vom Scheitel bi» zur Zehe. Leider fehlte ihr die Gabe, sich beliebt zu machen, die ihr Bruder in so hohem Maße belaß. Er gehörte zu jenen sonnigen Naturen, die nur zu erscheinen brauchen, um sich jedermann» Gunst zu erringen. Er war aller Liebling zu Hause, im Salon und im Wirthshaus. Er fühlte sich überall wohl uud glücklich, nur nicht in Ge­sellschaft seiner Schwester, die ihm stets Moralpredigten hielt, mied er nach Thunlichkeit. Am liebsten weilte er bei seiner Mutter, die er abgöttisch liebte. Er führte sie in ihrem Pony vagen spazieren, oder begleitete sie in ihren Blumengarten sie war eine passionierte Gärtnerin trug ihr Gießkanne und Körbchen nach und erzählte ihr dabei so drollige Geschichten, daß sie wieder lachen, herzlich lachen lernte.

Sie gestand dies auch ihrem Gatten ein, und dieser war gerecht genug, zuzugebea, daß Jacks Lachen that-