■n*
r
Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
‘m
r,
Abonncmentspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl. Postansschlag.
Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
x
Gratisbeilagen: „3Uttstritte» Senntagsblati" «. „SHuftrirte lanvtvirthfehaftliche Beilage
Hr. 31
Sonntr^o hi 15. März
1900
Amtlicher Theil.
Hersseld, den 14, März 1900.
Diejenigen Herren OttSvorstände, welche noch mit Erledigung der Verfügungen:
1. vom 15. April 1886, I. Nr. 4578, Kreisblatt Nr. 46, Körung der Zuchtbullen betreffend,
2. vom 15. Juni 1883, J. Nr. 7230, Kreisblatt Nr. 54, Revision der Kirchen-, Pfarr-, Küster- und Schul- gebäude betreffend, m Rückstände sind, werden mit Frist bis zum !4. d. M t S. hieran erinnert.
st Der Königliche Landratb
n Freiherr von Schlei nitz, Geheimer Regierungs-Rath. e I----------------------- n Zugelaufen: ein weißer, schwarzgefleckter Spitzhund. - Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu .j Recklar.
' ‘ Gefunden: auf der Landstraße in der Nähe von ' Interhaun ein Pack kleine Schlüssel. — Meldung be8 h Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Unterbaun.
, Nichtamtlicher Theil.
In Krieg in Akfrikn.
Friedens-Aussichten haben sich in den letzten Tagen, io wild aus London geschrieben, zweifellos etwas mehr in den Vordergrund geschoben. Daß sich in England leibst bereits nennenswerthe Stimmen erhöben, welche die englische Ehre für befriedigt und einen prompten Friedensschluß als wünschenswerth erklärten, kann man im Ernste nicht behaupten. Die Wenigen, die heute schon in diesem Sinne sich zu äußern wagen, sind noch ohnmächtig, und selbst die ruhigsten Linksliberalen und friedliebendsten Organe der englischen Presse wagen sich höchstens soweit hervor, daß sie die Rathsamkeit erwägen, dem Oranjefreistaate als Preis seiner sofortigen Unterwerfung eine Art Scheinunabhängigkeit in Aussicht zu stellen. Selbst diese Organe aber wollen den Frieden mit dem Transvaal in Prätoria diktiert und die Unabhängigkeit der südafrikanischen Republik für immer abgeschafft wissen. Von einem Paktieren mit dem alten
Präsidenten Krüger und seinen Buren spricht hier niemand.
Ebensowenig aber läßt es sich verkennen, daß der Einfluß Chamberlain's sowohl auf die Regierung, wie auf die öffentliche Meinung wesentlich nachgelassen, und daß gar die Herren vom Utilander-Komitee zur Zeit alle Ursache haben, möglichst wenig die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Seit der Entsatz von Ladysmith die Angst und Sorge vor einer allgemeinen Katastrophe beseitigt hat und die Kapitulation Cronjes das gedemüthigte Nationalgesühl wieder versöhnte, beginnt der Durchschnitts-Engländer erst in seinem ganzen Umfange und Bitterkeit das Maß der ihm auserlegten Opfer und Lasten dieses Krieges abzumessen. Folgt jetzt eine längere Periode nur kleinerer und überdies zweifelhaften Erfolge, und wird ihm erst die Thatsache klar, daß dieser Krieg sich noch endlos hinschleppen kann, wenn denen Gehör geschenkt wird, welche erst nach einem siegreichen Einzüge in Prätoria Frieden schließen wollen, so wird er in seinen großen Massen sehr tilb ein überzeugter Friedensfreund werden. Die unteren Volksschichten, welche das eigentliche Heer stellen, kommen allerdings wenig in Betracht, da sie nur zum allergeringsten Theile politisch mitzählen. Dafür aber zeigt sich in den Kreisen der hohen Aristokratie, welche das Osfizierkorps stellen und in welcher fast jede Familie heute bereits einen Sohn, Vater, Bruder oder wenigstens einen Verwandten betrauert, immer mehr eine Abneigung, diesen Krieg fortzusetzen, welcher im glücklichsten Falle keine zu seinen Lasten im Verhältnisse stehende Vortheile verspricht, wohl aber noch zahlreiche weitere Opfer zu fordern droht.
In Bezug aus die Friedensanträge der Burenrepubliken versichern unterrichtete Kreise, im letzten Ministerrathe sei keine Einigung zu erzielen gewesen, weil ein Theil der Minister den extremen Forderungen Chamber- lains, die dieser in sünfviertelstündiger, leidenschaftlicher Rede begründete, die Zustimmung versagte.
Auch den Standpunkt der unbedingten Ablehnung jedweder Intervention scheint die englische Regierung nicht mehr festzuhalten. Das halbosfizielle Reuter'sche Bureau meldet nämlich aus Washington, man hat guten Grund zur Annahme, daß die Vereinigten Staaten Groß- biitannien und den Südafrikanischen Republiken ihre guten Dienste angedeihen lassen. Es handelt sich bis jetzt noch nicht um eine Vermittlung im eigentlichen Sinne, welche Großbritannien widerstreben und von den Vereinigten Staaten nicht freiwillig angeboten werden würde, bis man wüßte, daß sie beiden Kriegführenden
annehmbar wäre. Doch dürften die Vereinigten Staaten in sehr passiver Weise als Vermittler dienen, um eine Aufforderung zum Frieden oder eine Anfrage zu übermitteln bezüglich der Bedingungen, unter denen der Frieden wiederhergestellt werden könnte.
Vom Kriegsschauplatz liegen folgende Depeschen vor: London, 12. März. Ueber den Kampf bei Trie- sontein wird berichtet, daß die Engländer, obwohl sie nur einem kleinen feindlichen Korps von 3000 Mann gegenüberstanden, außerordentlich schwere Verluste erlitten. Sie sollen über 500 Todte und Verwundete, darunter wieder viele Offiziere, sowie eine große Menge Vermißter haben.
London, 13. März. Das „Reuter'sche Bureau" meldet au« Ventersolei vom 12. b. M. abends: Nach dem Kampfe bei Driesontein marschierten die Truppen des Feldmarschalls Lord Roberts eilig hierher; die Kavallerie befand sich an der Spitze der Truppen. — Ueber die Buren lief heute Morgen die Meldung ein, daß sie in einer Stärke von etwa 12000 Mann eine Stellung auf einer . Reihe Ko>jH einnehmen, welche den direkten Weg nach Bloemfontein, das jetzt nur noch 15 , Meilen entfernt ist, beherrschen. Die englischen Truppen »haben die Stellung des Feindes umgangen.
London, 13. März. ^,Daity News" melden auK Ventersolei von gestern: MeenAischestl Truppen folgten auf ihrem Marsche dem Laufe des Kaalsipruit. Alle Divisionen betheiligen sich jetzt an dem allgemeinen Vormarsch. Durch das Vorrücken längs des Kaalsspruit hat Feldmarschall Roberts wiederum die Buren überlistet, die sich längs des Modderflusses verschanzt hatten in der Annahme, die Engländer würden in dieser Richtung marschieren. Gegen das Einrücken in Bloemfontein wird kein großer Widerstand mehr erwartet.
Politische Nachrichten.
Berlin, den 13. März .
S e. Majestät der Kaiser hat vorgestern früh 8 Uhr an Bord des „Kurfürst Friedrich Wilhelm", der nach Helgoland in See ging, Wilhelmshafen verlassen. Die Salutbatterie und das im Hasen liegende Geschwader feuerten den Kaisersalut; die Besatzungen der Schiffe brachten beim Vorbeifahren des „Kurfürst Friedrich Wilhelm" Hurrahrufe aus. — Mittags ist Se. Majestät sodann vor Helgoland eingetroffen. Der „Kurfürst
«Eine Spielschuld.
Erzählung von M. C o l l i n s.
k (Fortsetzung.)
' Jack eilte auf sein Zimmer und badete seinen Kopf vergeben« in eiskaltem Wasser, um seiner Aufregung Herr zu werden. Nun er au« dem Delirium erwachte, erwachten auch wieder Gewissen, Liebe, Stolz, Pflicht und pochten laut, zum.Tollwerden laut, an die Thüre seine« Herzen«. Der Gedanke an seinen Vater trieb ihm das Blut ins Gesicht, und er durchmaß verzweifelt fein Zimmer. Was beginnen ? Nach Hause und wieder beichten? Unmöglich! Erhalte in den letzten vierund- zwanzig Stunden an Lord Dane 5000 Pfund verloren. Was konnte er seinem Vater unmöglich eingestehen es wäre ja auch vollständig nutzlos gewesen. Sollte g in die Kolonien oder nach Australien fliehen? Auch das ging nicht, denn es handelte sich ja um eine Ehrenschuld.
* 3« dumpfer Zerschlagenheit starrte er vor sich hin, ms ein Lakai eintrat, um zu melden, daß das Diner Mviert werde. Er beendigte rasch seine Toilette und Dlle in den Speisesaal. Das Diner verlies lebhaster Wenn je. Der Gewinner sowohl wie der Verlustträger verbargen ihre Aufregung hinter allzu großer Lustigkeit. Man vermied eü, über die Kartenpartie zu sprechen, daß nur die Betheiliglen wußten, um welch hohe Summe es sich handelte.
Natürlich machte sich Jack kein Hehl daraus, daß sich die Gesellschaft sofort nach Tisch in Gruppen theilen und daß noch vor Schlafenszeit jedermann wissen werde, welche Summe er verspielt und daß er sie nicht bezahlt, sondern nur einen Wechsel ausgestellt habe.
Erschöpft begab er sich zur Ruhe und verfiel in einen tiefen Schlaf, aus dem er früh am Morgen mit qualvollen Gewissensbissen erwachte. Seine Lage war hoffnungslos. Er sah nirgends einen Ausweg. Und doch begab er sich wie gewöhnlich ins Frühstückszimmer und nahm an der Jagd theil. Niemand sollte seine Verzweiflung ahnen.
Im Lause des Tages theilte ihm Dane mit, daß Bertha wider Erwarten früher als zugesagt auf Schloß Hazleton eingetroffen sei und daß er demzufolge sofort Heimreise.
„Du kommst doch mit, Jack?"
„Gern!"
Blitzartig war ihm nämlich die Idee ausgetaucht, Bertha zu seiner Vertrauten zu machen ■— ein Gedanke, den er bei reiflicher Ueberlegung und ruhigerm Blut wohl selbst wieder verworfen hätte. Der Ertrinkende klammert sich eben an den schwächsten Strohhalm. —
VII.
Bertha saß in ihrem Ankleidezimmer und kämmte ihr volles Haar, ehe die Kammerzofe kam, um es
zu stecken. Sie freute sich schon im Voraus auf die Macht, die sie sich anzueignen gedachte. Dies war für ihren berechnenden Charakter bezeichnend. Der Stammsitz ihres Vaters dünkte ihr ärmlich im Vergleich zu Schloß Hazleton, das sie schon als ihr eigentliches Heim betrachtete.
Ein energisches Klopfen an der Thüre weckte sie aus ihren angenehmen Gedanken. Ohne auf Antwort zu warten, trat Lady Drusilla ein. Sie nahm auf dem Ruhebett, das dicht neben dem Toilettetisch stand, Platz, und sprach hastig über ganz gleichgiltige Dinge, was der ruhigen, selbstbewußten Bertha recht sonderbar vorkam. Plötzlich fragte Re:
„Liebe Bertha, weshalb hat ihr Bruder Schloß Hazleton verlassen?" . .
Bertha sah sie groß an. „Meine liebe Lady Drusilla, ich kann mir keine andere Ursache denken, als daß er sich gern an der Jagd bei Harburton be- * theiligt hätte." < s
„Er ist so plötzlich abgereist! Bertha, Sie sind ein vernünftiges Mädchen. Ick bin überzeugt, Sie werden von dem, was ich Ihnen sage, keinen weiter» Gebrauch machen ..."
Sie erhob sich und durchmaß einigemal erregt das Zimmer. Bertha, welche die ganze Scene nicht begriff, saß stumm da und beobachtete ihren Gast erstaunt und befremdet.
Sie wissen, Bertha, daß ich Sie bereits als meine Schwester betrachte," fuhr Drusilla, in ihrer Promenade