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Gratisbeilagen:^Unftrirtes Sonntag-blatt^^ n.SUnftrirte lan-wirthschaftliche Beilage".

Sr. 55.SumiiIitilS Se« 12. Mai 1900.

Erstes Blatt.

Amtlicher Theil.

Hersseld, den 7. Mai 1900.

Der Bürgermeister Heinrich Schwerer zu Frielingen ist als solcher für einen weiteren achtjährigen Zeitraum am 3. d. MtS. wiedergewählt und ist diese Wiederwahl diesseits bestätigt worden.

A. 1627. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Ralh.

Nichtamtlicher Theil.

Str Stieg in FUgsrik«.

Die Buren gehen auf der ganzen Linie weiter zurück. Als die Vorhut des englischen HauptheereS in Welge- legen eintraf, zogen sie die Geschütze, die sie am Nord- ufer des Flusses ausgestellt hatten, zurück. Aus Tabanchu wird gemeldet: Die Buren haben das Hauptquartier der kürzlich hier befindlichen Streitmacht von Ladybrand nach Clocolan verlegt und stehen in starken Stellungen in der Nähe des Mequatlingpasses. Die Generäle Rundle und Brabant haben verschiedene strategische Punkte besetzt, welche das Gebiet südlich der Straße Winburg-Ladybrand beherrschen. Auch Ficksburg ist von den Buren verlassen. Die Beamten haben Bücher und Dokumente mit sich genommen und alles zerstört, was über die Entstehung des Krieges und die Bewaffnung der Buren mit Mausergewehren von Transvaal aus Ausschluß geben könnte. Nach Berichten aus Smaldeel verlassen die Buren die ganze Z rndfluhlinie. UndDaily Mail" weiß sogar schon zu berichten, daß der Sitz der Regierung des Oranje-Freistaats bereits nach Heilbronn verlegt sei. Endlich wird berichtet, daß die Buren bei Boschrand, südlich von Kroonstad, eine Vertheidigungs- stellung einnehmen.

Mit diesem allgemeinen Zurückgehen hängt es auch wohl zusammen, wenn jetzt wieder stärker die Nachrichten über die angebliche KriegSmüdigkeit der Buren auf­tauchen. Im Gegensatz zu früheren Meldungen wird jetzt behauptet, daß eine große Anzahl Burgberg sich den britischen Behörden gestellt und denselben Mausergewehre und Pferde auSgeliefert haben. Sie berichten angeblich, daß zwischen den Freistaat-Buren und den Transvaal- Buren großer Streit herrsche, welcher zur sofortigen Unterwerfung der Freistaat Buren führen dürfte. Es ist

zu verwundern, daß einzelne Verräther oder Schwächlinge sich finden. Das völlige Schwinden der Hoffnung auf auswärtige Hilfe, die zwar kaum die Re- glerunq, aber doch vielfach der gewöhnliche Bir früher erwartete, muß natürlich neben dem augenblicklich ge­botenen Zurückgehen vielfach entmuthigend wirken. Und dazu kommt noch, daß die Buren jetzt verhältnißmäßig g'ößere, die Engländer kleinere Verluste haben als zu en Zeiten, wo die Briten blind in jede Falle gingen.

Aber andere Meldungen wissen das gerade Gegentheil zu berichten: daß die Buren ungebrochene Kampfeslust zeigen. Aus Kroonstad wird gemeldet: Präsident St-iju htelt eine erhebende Ansprache, worin er die BurgherS "mahnte, auch in dieser Zeit des Unglücks hoffnungsvoll ouszuhalten. Das Land sei noch lange nicht verloren zumal die Sympathieen der ganzen Welt aus Seiten der verbündeten Republiken ständen und schon viele AuS- ander für den WahlspruchRecht, Freiheit, Eintracht und Macht" geschupft hätten, ja in den Tod gegangen ^n^ Präsident Steijn ist gestern abgereist, nachdem er «Jer Tage bei den Burghers in der Front geweilt hat.

" Berichterstatter des , Nerv-Mark Herold" meldet leiilem Blatte aus Zandriver vom 7. Mai: Ich hatte

Unterredung mit dem Präsidenten Steijn, in wel­

cher dieser mir erklärte:Wir werden bis ans Ende kämpfen. Keiner unserer Bürger wird die Waffen nieder­legen; wir haben nie einen Augenblick daran gedacht, uns von unsern Brüdern in Transvaal zu trennen. Wir werden am Vaalfluß, in Prätoria und wenn es nöthig sein muß in den Bergen kämpfen. Wir haben nichts mit dem Frieden zu gewinnen, nur mit den Waffen in der Hand können wir unsere Freiheit aufrecht erhalten!" Die Buren sollen fast durchweg nicht weniger kampfeslustig sein als ihr Präsident; es wird berichtet, daß sie nur widerwillig die Thabanchustellungen aufgaben. Und nach einer weiteren Meldung rüsten sie bereits ihre letzten Kräfte:Nur die Kranken aus der männlichen Bevölkerung dürfen zu Hause bleiben, alle anderen müssen sich bereit halten, sofort gegen den Feind zu marschieren."

PolililA Nachrichten.

Ihre Kaiserlichen Majestäten unter­nahmen, wie aus Kürzel gemeldet wird, am Mittwoch | einen zweistündigen Spazierritt durch den Kurzeler Wald über Laudonvilleis und Silier«. Am Nachmittage be- . sichtigle Se. Majestät der Kaiser in Begleilung des Bezirkspräsidenten Frhrn. v. Hammerstein die Neubauten und die zum Schloß Urville gehörenden Wirthfchafts- gebäude, sowie das neueingerichtete Elektrizitätswerk. Heute Vormittag fand in Frescaty bei Metz, wohin sich Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin mittels Sonderzuges begeben halten, eine Truppenschau über die M.tzer Garnison statt, zu der auch der Kriegsminister General v. Goßler und der Statthalter Fürst zu Hohen- lohe-Langenburg eingetroffen waren.

Fast die gefammte europäische Presse ist einig darin, nicht nur daß die Berliner Festtage äußerlich glänzend verlaufen sind, sondern auch daß ihnen weit über den Rahmen eines Familienfestes hinaus die Be- Deutung eines internationalen Friedensfelles zukommt, ' das sich unter der machtvollen Aegide unsers Kaisers und unter Betheiligung von Vertretern aller Herrscherhäuser Europas und großer Kulterstaaten vollzog. Insbesondere wird ziemlich allgemein anerkannt, daß der spontane Entschluß des Kaisers und Königs Franz Josef, nach Berlin zu gehen, zu einer deutlichen Bekräftigung des ungeschwächlen Fortbestehens des mitteleuropäischen Bünd­nisses als eines der wichtigsten Faktoren für den europäi­schen Frieden geführt hat. Die französischen Versuche, Mißtrauen bei den Verbündeten des deutschen Reiches zu erregen, sind vorläufig verstummt. Natürlich fehlt es auch nicht an schiefen Urtheilen. So hatte sich ein Ber­liner Lokalblatt, das gern in Sensationen macht, von einem österreichischenStaatsmann" allerlei ungereimte Dinge erzählen lassen: Italien sei bisher durch den Dreibund gehindert gewesen, die Freundschaft mit Eng­land zu pflegen, das werde nun anders werden; das bekannte Wort Bismarcks von den geringen eigenen politischen Interessen des Reiches an den Vorgängen im nahen Orient gelte nicht mehr, wir trieben dort längst schon eine aktive Politik u. dergl. Kein großes Blatt ; hat diese Erzählungen ernst genommen und mit Recht. Gerade die Berliner Festtags haben wieder Gelegenheit geboten, zu betonen, daß der Dreibund keines seiner Mit- glieder hindere, gute Beziehungen zu andern Mächten zu pflegen. Wie Deutschland sich gut mit dem russischen Nachbar zu stellen wußte und frühere Trübungen der traditionellen deutsch-russischen Freundschaft geschwunden sind, so ist es bisher Italien unbenommen gewesen und wird eS bleiben, sich den Beistand Englands bei Wahr­nehmung seiner Mitlelmeer-Jntereffen zu sichern. Ebenso ist unsere Stellung zu den Orientfragen dieselbe geblieben wie früher. Haben sie auch Die wirthschaftlichen Bezieh­ungen (anatolische Bahnen, Bagdad-Bahn) bedeutend gehoben, so verfolgen wir eben nach wie vor nur wirth- fchastlicke Interessen ohne politische Aspirationen, die den Knochen des pommerschen Grenadiers gefährlich werden könnten. Weder in diesen noch in irgend welchen

andern Beziehungen haben die Unterredungen unser« Kaisers mit seinen hervorragendsten Gästen, die längere Audienz des Grafen von Bülow beim Kaiser Franz Josef im Königlichen Schlosse und sein Gedanken-Aus­tausch mit dem österreichisch-ungarischen Minister des Auswärtigen, Neuerungen für das Vertrags-Verhältniß ober für die sonstige Stellung des Reiches nach außen ergeben. Dazu lag und liegt kein Anlaß vor, und e« mag uns vollständig genügen, daß sich die kaiserliche Politik, gestützt auf den Dreibund und die Freundschaft mit Rußland, wieder weithin sichtbar als Friedenshort bewährt hat.

Das Kaiserliche Statistische Amt veröffentlicht im Reichsanzeiger" vom 9. b. Mts. mit der halbmonatlichen ! Getreide- und Mehlübersicht zum ersten Mal die auf Grund des Bundesrathsbeschlusses vom 15. März d. Js. ermittelten Bestände an Weizen, Roggen, Weizenmehl, Roggenmehl in Getreidelagern aller Art, in den Freibezirken und in Mühlenlagern, am Schlüsse des letzten Monats. Von jetzt ab erfolgen solche Bestands­veröffentlichungen jeden Monat, wogegen die seitherigen berechneten Bestände in Wegfall kommen. Die Neuerung bedeutet eine wesentliche Verbesserung der Getreidestatistik. An der seitherigen halbmonatlichen Veröffentlichung der Ein- und Ausfuhr von Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Weizenmehl, Roggenmehl und der Ein- und Ausfuhr­überschüsse ändert sich nichts.

Gegen die neuen Börsen-Steuern haben die Sieltesten der. Berliner Kaufmannschaft dem Reichstag eine Eingabe überreicht. Die geplante Erhöhung der Umsatzsteuer werde einen solchen Rückgang der Geschäfte zur Folge haben, daß die erstrebten Mehreinnahmen der Reiches ausbleiben müssen. Die demnach zwecklose Steuer würde anderseits die ohnehin schon stark verminderte Bedeutung der deutschen Börsen weiter herabdrücken, ferner würde die Ausfaugung der kleinen und mittlern Bankiers durch die Großbanken und der Privat-BankierS : durch die hauptstädtischen Banken dadurch sehr gefördert werden. Genau dieselben feststem Prophezeiungen wurden noch jedes Mal von den Börsen-Jntereffenten ! gemacht, sobald es sich um Besteuerung der Börse handelte, und doch ist keine derselben bisher auch nur im mindesten Maße eingetroffen. Vielmehr beweisen die steigenden Börsensteuer-Erträge auss unzweideutigste das fortgesetzte Blühen der Börsen-Geschäfte.

ImReichsanzeiger" wird eine Verordnung, betreffend Ermächtigung des Gouverneurs von Kamerun zum Erlasse von Anordnungen zum Schutze des Wald- bestandcs, veröffentlicht. Der Gouverneur wird für den Bereich des ihm unterstellten Schutzgebiet» ermächtigt, zum Zwecke des Schutzes des WaldbestandeS anzuordnen, daß Personen, die entgegen den bestehenden Vorschriften Holz gefällt haben, zur Wiederaufforstung der abgeholzten Fläche verpflichtet sind.

«uslanv.

Ein großer Spinner-AuSstand ist in Renaix in Belgien ausgebrochen. 2000 Spinner betheiligen sich bis jetzt daran. Sie verlangen Erhöhung der Löhne und Verminderung der Arbeitszeit. Die Arbeitgeber beschlossen die Aussperrung. Ein großer allgemeiner Ausstand der Spinner steht unmittelbar bevor.

Der Präsident derVereinigtenStaaten von Brasilien richtete an den deutschen Kaiser folgendes Glückwunsch-Telegramm:Ich habe die Ehre, Eurer Majestät meine aufrichtigsten Glückwünsche zur Großjährigkeit Sr. Kaiserlichen Hoheit des deutschen Kronprinzen darzubringen. Ich ergreife mit Freuden diese Gelegenheit, um Eure Majestät zu bitten, mit dem Ausdruck meiner ehrerbietigen Bewunderung für die Kaiserliche Familie die Wünsche entgegennehmen zu wollen, die ich für das Glück Eurer Majestät und be« deutschen Volkes hege."

Äs Win will AMrgM

(Personal-Chronik) Ernannt: der Berg. werkSdirektor Walther zu Zellerfeld zum Salinendirektok