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Sr. 57.
Donnerstag den 17. Mai
1M.
Das neueInVattvenversicherungs- Gefetz.
(Schluß.)
Wie in dem alten, so ist auch in dem neuen Gesetz den Versicherungsanstalten nur das Recht gegeben, nicht aber die Verpflichtung auserlegt, in den ihr geeigneten Fällen für einen erkrankten Versicherten zu der Wiederherstellung dessen Erwerbsfähigkeit die Krankenfürsorge zu übernehmen. Hinsichtlich des Umfanges, in welchem die Versicherungsanstalt für den Kranken sorgen will, ob sie ihn hausärztlich oder in einer Anstalt behandeln läßt oder ihn zum Gebrauch von Bädern in ein Bad schickt, sind keine Grenzen gezogen. Zur Unterbringung eines Erkrankten in ein Krankenhaus 2C. bedarf es seiner Zustimmung, wenn er verheirathet oder Mitglied der Hau«- । Haltung seiner Familie ist.
Während des Heilversahrens ist den Angehörigen des Versicherten, deren Unterhalt dieser bisher aus seinem Arbeitsverdienste bestrilten hat, von der Versicherungsanstalt eine Unterstützung zu zahlen. Dieselbe besteht entweder in der Hälfte des dem Versicherten zustehenden Krankengeldes oder in einem Viertel des ortsüblichen Tagelohnes gewöhnlicher Tagearbeiter. .- -
Die Landes-Versicherungsanstalt läßt allen Anträgen auf Uebernahme der Krankenfürfocge in wohlwollender Weise weitgehende Berücksichtigung zu Theil werden. Sie hat in den verflossenen Jahren eine große Anzahl Kranker (besonders Lungenkranke) in Krankenhäusern und Bädern mit gutem Erfolg behandeln lassen.
9. Erlöschen der durch die Versicherung erworbenen Anwartschaft nach dem neuen Jnv -Vers-Gesetz.
Das neue Gesetz giebt bestimmtere Vorschriften über das Erlöschen der Anwartschaft, welche sich aus den bislang verwendeten Beitragsmarken ergiebt. Zur Aufrechterhaltung dieser Anwartschaft müssen während der zwei Jahre, welche nach dem auf der Quitlungskarte verzeichneten Ausstellungstage folgen, für eine bestimmte Anzahl Wochen Beiträge geleistet werden, und zwar: a bei versicherungspflichligen Personen und denjenigen, welche die durch versicherungSpflichtige Beschäftigung begründete Versicherung freiwillig fortsetzen, wenigstens für 20 Wochen,
b. bei den sich selbstversichernden Personen, welche also noch nicht der Versicherungspflicht unterlegen haben, für wenigstens 40 Wochen.
Virginia.
Erzählung von Emil Element.
(Fortsetzung.)
„Ja, ich bin eS !" ruft Virginia wieder freudig. Sie drängt sich durch, sie wirst sich auf die Knie vor dem Altar zu ben Füßen des würdigen Vaters AnacetuS. Aiil höchster Rührung betrachtet er sie forschend, dann bstt er seine Hand auf ihren Kopf. Leise murmeln seine Lippen ein Dankgebet.
7kag' an, mein Kind," frägt er sodann, „wie erging k« dir ini lasterhaften Hause der gottlosen Griechin Olympia ? Die alte Claudia brächte uns die Kunde, daß sie es war, die dich vom wilden Hirten gekauft hatte. Schwere Sorge fühlte ich um dich. Erhebe dich! Laß Mich in dein Antlitz blicken."
Leicht und unbefangen erhebt sich da« jungfräuliche Kind von ihren Knieen und schaut ohne Scheu mit un- chuldsvollen Augen dem Greise ine Antlitz. Seine Blicke basten einen Augenblick prüfend auf dem schönen Gesichte Virginia«.
„R-in und keusch ist tiefe Stirne!" spricht er dann laut und vernehmlich. „Wie sie von hinnen gegangen, 111 sie uns zurückgekeht. Laßt, Brüder, uns ein Loblied für biefrs Wunder zum Himmel senden!"
Tiefbewegt sinkt der Greis zur Erde vor dem Altare und hebt mit zitternder Stimme ein Loblied an, u> das alle begeistert einstimmen. In überwältigendem
Hierbei sei nochmals darauf hingewiesen, daß zu a die Zeilen vorübergehender Krankheit oder militärischer Dienstleistungen auf die 20 Wochen angerechnet werden, ohne daß Beiträge geleistet zu werden brauchen, während auf die Selbstversicherung und deren Fortsetzung diese Begünstigung nicht Anwendung findet. Den einmal in die Versicherung eingetretenen Personen kann hiernach nicht warm genug ans Herz gelegt werden, ihrerseits für die pünktliche und möglichst reichliche Verwendung der Beitragsmarken zu sorgen ; denn einestheils erhallen sie sich nur hierdurch mit Gewißheit ihre Anrechte, anderentheils hängt aber auch die Höhe der später zu gewährenden Rente (besonders die Invalidenrente) von der Anzahl und der Höhe der geleisteten Versicherungsbeiträge wesentlich ab.
Die Anwartschaft kann freilich durch Wiedereintritt in die Versicherung wieder aufleben, indessen gehört hierzu, daß alsdann erst wieder von Neuem eine Wartezeit von 200 Beitragswochen zurückgelegt ist.
Welche Segnungen die Jnvaliviläts- und Altersversicherung im deutschen Reiche in der Linderung von Nothständen durch Zuwendung von Renten oder durch Uebernahme der Krankenfürsorge bisher gebracht hat, erhellt wohl am Besten daraus, daß die Landesversicherungs- anstalt Hessen-Nassau im Jahre 1899 an Invaliden- und Altersrenten über 1'/» Millionen Mark und zu Krankenzwecken über 100 000 Mark gezahlt hat. Die anfänglich sowohl Seitens der Arbeitgeber als der Arbeiter gegen das Gesetz gezeigte Abneigung ist in Folge dessen im Laufe der Jahre mehr und mehr im Schwinden begriffen. Die in das neue JnvaliditätsversicherungSgesetz aufge- nommenen Erleichterungen und Vereinfachungen werden sicher nicht verfehlen, dem Volk alle Zweifel über die Wohlthaten und den segensreichen Zweck des Gesetzes zu benehmen.
Politische Nachrichten.
Berlin, den 15. Mai.
Se. Majestät der Kaiser, Allerhöchstwelcher Sich gestern um 11 Uhr Vormittags von Kürzel mittels Sonderzuges nach Devant-leS-PontS begeben hatte und dort vom BezirkSpräsidenten Freiherr» v. Hammerstein empfangen worden war, besuchte die Bildhauerwerkstätte der Kathedrale in Metz und sodann die Kathedrale selbst. — Das Frühstück nahm Se. Majestät beim BezirkS-
Klange schallt es durch die Katakomben: „Herr, wir loben dich!"
Marius, von dem, was er soeben gesehen und gehört, bis in das Innerste ergriffen, jubelt im Herzen mit, und als das Loblied beendet war, tritt er hervor. Er stellt sich an Virginias Seite, und feine Hand auf des Mädchens Schultern legend, sagt er einfach : „Ich stimme euch bei; denn auch ich bin glücklich, das Kind aus Olympias Hause habe befreien zu können!"
Niemand halte MarinS noch bemerkt gehabt. Virginias plötzliches Erscheinen und ihr veränderte« Aussehen hatte die ganze Aufmerksamkeit der Anwesenden in Anspruch genommen.
„Wer ist der Fremde ?" frugen daher alle, als MariuS an der Seite des Mädchen« erschienen war. Aengstlich spähend mutierten sie das Gesicht und die Gestalt des Unbekannten.
„Laßt ihn bleiben, Vater, Brüder!" ließ sich Virginias Stimme flehend vernehmen. „Er ist gut, er hat mich von Olympia getauft und hat mir dann die Freiheit geschenkt.
„Gekauft ? Die Freiheit geschenkt ?" wiederholen verwundert die Christen.
Vater AnacetuS betrachtete lange prüfend des Marius Antlitz. „Dein Antlitz ist nicht das eines Verräters," sagte der Greis ernst und würdevoll. „Bleibe, edler Ritter, wenn es es dir beliebt, und höre unsere Andacht«- Übungen an!"
I Präsidenten ein und kehrte um 3 Uhr Nachmittags nach I Urville zurück. — Zur gestrigen Abendtafel waren sämmtliche Generale der Metzer Garnison und der Bezirkspräsident geladen. — Heute früh 10 Uhr 15 Min. ist Se. Majestät der Kaiser nach Wiesbaden abgereift. Zur Verabschiedung am Bahnhöfe waren erschienen: Der kommandierende General des 16. Armeekorps, General der Kavallerie Graf Haeseler, der Bezirkspräsident Freiherr v. Hammerstein, der KreiSdirektor Graf Siliere und der dortige Bürgermeister. Die Ehrenkompagnie wurde vom 145. Infanterie-Regiment gestellt. Am Bahnhöfe waren ferner noch anwesend: Die Kriegervereine, die Schulen von Kürzel, viele Bürgermeister der Umgegend und der evangelische und katholische Pfarrer.
Aus Wiesbaden wird vom 15. Mai gemeldet: Die Stadt ist aus Anlaß der Ankunft Sr. Majestät des Kaisers festlich geschmückt. Die Festspiele im Hoftheater veranlaßten einen zahlreichen Fremdenzufluß. Gleichzeitig sind von der Curverwaltung und dem Deutschen Sportverein glänzende Feste vorbereitet. Der Kaiser ist gegen 5 Uhr Abends hier eingetroffen und auf der Fahrt zum Schloß von einer zahlreichen Menschenmenge begeistert begrüßt worden. Mit Sr. Majestät sind hier eingetroffen Oberbosmarfchail Graf Eulenburg, Chef des MilitärkabinetS General von Hahnke, Commandant des Hauptquartiers General von Plessen, Chef des Zivil- kabinets Wirklicher Geheimer Rath von Lucanus, die Flügeladjutanten General 5 la suite von Mackensen und Major von Boehn, der Vertreter des Auswärtigen Amts Gesandter von Tschirschky und Bögendorff, Oberstallmeister Graf Wedel und Oberstabsarzt Dr. Jlberg. Bei der Abfahrt des Kaisers von Kürzel hatten sich auch eine Anzahl Maires der Umgebung eingefunden, die sich für Allerhöchste Gnadenbeweise bedanken wollten. Auf der Fahrt von Kürzel hierher hörte Se. Majestät den Vortrag des Chefs des MilitärkabinetS, Generals von Hahnke, und sodann den des Vertreters des Auswärtigen Amts, Gesandten von Tschirschky und Bögendorff. In Wiesbaden wurde Se. Majestät der Kaiser auf dem Bahnhof auch von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog von Sachsen-Weimar begrüßt. Um 6 Uhr nahm Se. Majestät das Diner beim Intendanten Kammerherrn von Hülsen ein und wohnte später der Generalprobe von „Oberon" bei. Seitens der Intendantur ist eine, auch illustrativ sehr schön ausgestattete Festschrift für die bevorstehenden Festvorstellungen herausgegeben worden.
Folgende Danksagung ging der Redaktion des
Mit diesen Worten wandle sich AnacetuS wieder der Versammlung zu.
Er sprach : „Jesus Christus unser Herr, er gab sein Leben freiwillig für die Erlösung der Menschen hin. Er starb am Kreuze für uns. Er wollte Liebe, Entsagung und Barmherzigkeit von uns. Er lehrte uns, daß wir Menschen alle Brüder sind. Selbstlos stehe ein jeder seinem Mitmenschen bei. Ihr Armen, die ihr gedrückt und traurig in bitterer Entbehrung mit der Not des Dasein« kämpft, duldet, duldet mit Ergebung! Jesu« Christus war freiwillig so arm, wie ihr es seid. Er stieg herab der Gottessohn, für euch. Er wollte euch lehren, daß irdisch Gut vergänglich ist, daß jede SchmerzenS- thräne, die von euren Augen fällt, jeder Schweißtropfen der Mühsal, der von euren Sklavenstirnen perlt, von ihm gezählt, im Jenseits zur strahlenden Aureole um eure Seele werden wird. Je größer hienieden das Leid, desto größer wird im Paradies euer Lohn sein. Von euch, ihr Reichen, werden nur die eingehen in das Jenseits, die selbstlos ihren leidenden armen Brüdern beistehen. Befolgt, was unser Heiland euch gelehrt! Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist. Seid friedsam! Seid geduldig! Ergebt euch in den Willen Gottes. Helft den Armen und entsagt den Ehren, den Würden dieser Welt! — Und auch ihr werdet eiligeren in den Himmel der Gerechten — dort wo an der Seite seines Vaters unser allbarmherziger Erlöser thront — im Lichte! — in Frieden! in ewiger Glückseligkeit Amen!"