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Sratksbeilagen r „3Uü^rirtes Ssnnragrblatt" «. „SUnftrirte landwirthschafttichO silage
Sr. 87.
Buh Heu 21. AM 1906.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 20. August 1900.
Für die Pflege der nach China entsandten Truppen (Kreisblatt Nr. 84) sind weiter eingegangen:
von
der
Gemeinde
Allendorf
11,70
Mk.
II
n
II
Allmershausen
6,45
Conrode
10,30
W
II
Friedlos
30,00
W
II
Frielingen
31,35
II
fl
II
HeencS
10,90
II
,/
II
Heringen
58,15
II
/,
Obergeis
20,00
u
II
II
SchenklengSseld
78,55
Der Königliche Landrath I. V.: H e e g.
Vorschriften über den Geschäftsbetrieb der Vermittelungs-Agenten für Jmmobiliarverträge (Jmmo- bilien-Makler) — Auf Grund des §. 38 Abs. 4 der Gewerbeordnung in der Fassung des Gesetzes vom 30. Juni 1900 lR G. Bl. S. 321) bestimme ich in Abänderung der Ziffer 14 der Polizeiverordnung vom 18. März 1885*) was folgt:
1. Personen, welche das Gewerbe eines.VermittelungS- ngenten für Jmmobiliarverträge betreiben (Immobilienmakler), sind verpflichtet, Geschäftsbücher nach den nachfolgenden Formularen A und B zu führen.
2. Die Bücher müssen dauerhaft gebunden und mit fortlaufenden Seitenzahlen versehen sein; sie sind vor ihrer Ingebrauchnahme von der Ortspolizeibehörde unter Beglaubigung der Seitenzahl abzustempeln. In den Büchern dürfen weder Rasuren vorgenommen noch Eintragungen unleserlich gemacht werden.
3. In dem Geschäftsbuch A für abgeschlossene Geschäfte ist in Spalte 2 anzugeben, wer bei dem Geschäft als Käufer oder Verkäufer, wer als Gläubiger oder Schuldner beseitigt gewesen ist und wer von ihnen dem Vermittlungsagenten den Auftrag ertheilt hat.
In die Spalte 5 c sind nur solche Angaben auf- zunehmen, welche für die Beurtheilung der von dem Vermittlungsagenten entwickelten Vermrttlerthäligkeit dienlich sind.
4. In dem Geschäftsbuchs B für fchrift - (* Abgedruckt im Kreisblatt Nr. 44. .
liche Aufträge ist in Spalte 6 bei Erledigung des Auftrags durch die Vermittelung des Geschäfts lediglich ein Hinweis auf die entsprechende laufende Nummer des Schemas A aufzunehmen; es bedarf in diesem Falle auch einer Ausfüllung der Spalten 7 und 8 insoweit nicht, als die betreffenden Eintragungen nicht schon vor Erledigung des Auftrags zu bewirken gewesen wären.
5. Für die ordnungsmäßige Führung der Geschäftsbücher ist der Vermittelungsagent auch dann persönlich verantwortlich, wenn er sie einem Dritten übertragen hat.
6. Die Vermittelungsagenten find verpflichtet, die Geschäftsbücher, sowie alle auf ihren Geschäftsbetrieb bezüglichen Schriftstücke aus Erfordern der Ortspolizei- behörde in deren Diensträumen zur Einsicht vorzulegen, A. Schema zu dem Geschäftsl
und jede über den Geschäftsbetrieb verlangte Auskunft wahrheitsgetreu zu ertheilen.
7. Geschäftsbücher, welche nicht mehr benutzt werden sollen, find unter Angabe des Datums abzuschließen, der Ortspolizeibehörde zur Bestätigung des Abschlusses vorzulegen und sodann zehn Jahre aufzubewahren. Nach dem Abschlüsse dürfen weitere Eintragungen in die Geschäftsbücher nicht mehr gemacht werden.
Dasselbe gilt, wenn der Geschäftsbetrieb eingestellt wird.
8. Diese Bestimmungen treten am 1. Oktober 1900 in Kraft.
Berlin am 23. Juli 1900.
Der Minister für Handel und Gewerbe.
I. V.: L o h m a n n.
lief) für abgeschlossene Geschäfte.
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
Laufende Nr.
Name, Stand und Wohnort der Vertragschließenden
Zeitpunkt des Geschäftsabschlusses.
Art
des vermittelten Geschäfts?)
Wesentlicher Juk vermittelten Ge
alt des schäfts
Erhobene Gebühren, Kosten- Vergütungen oder Kostenvorschüsse, gesondert nach.
Art ii. Betrag.
Empfangene! Werthpapiere, Baargeldbeträge, Urkunden u. dgl.Schuldverschreib- ungen, Wechsel,Pläne Zeichnungen u. s.w.) unter nähererBezeich- nung d.cinz.Gegenst
Bemer-
kungen.
a.
Gegenstand.
b.
Betrag desKauf- preises oder der
Hypothek.
C.
Sonstige wesentl. Bedingungen des Geschäfts.
*) z. B. „Kauf" oder „Tausch" eines Grundstücks, „Beschaffung" oder „Begebung" einer Hypothek.
B. Schema zu dem Geschäftsbuch für schriftliche Aufträge.
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
Laufende Nr.
Datum des Eingangs des Auftrags.
Name, Stand und Wohnort des
Auftraggebers.
Inhalt und Art des
Auftrags.
Datum der Erledigung.
Art der Erledigung.
Erhobene Gebühren, Kostenvergütungen oder Kostenvorschüsse, gesondert nach Art u. Betrag.
Empfangene Werthpapiere, Geldbeträge, Urkunden u. dergl. (Schuldverschreibungen, Wechsel, Pläne, Zeichnungen u. s. w.) unter näherer Bezeichnung d.cinz.Gegenst.
Bemerkungen.
Hersfeld, den 17. August 1900.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben in den Gemeinden alsbald aus ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen, daß das Proviantamt zu Cassel mit dem Roggen-Ankauf begonnen hat. Auch wird gutes
Pferdeheu und Roggenrichtstroh fortlaufend gekauft.
l. 4746. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Ein deutsches Mädchen.
Roman von K. Deutsch.
(Fortsetzung.)
„Es war eine beschwerliche Fahrt in dieser kalten Jahreszeit, und wer nicht an unser Klima gewöhnt ist, dem muß es gewiß sehr hart anfommen. Wenn ich der Kisaszony rathen darf, so versuchen sie jetzt ein paar Stunden zu schlafen. Die Hochwohlgeborene wird Sie doch nicht vor der Mittagstafel empfangen. Der gnädige Herr Graf, der mit Ihnen zu gleicher Zeit angekommen ist, war ein volles Jahr nicht zu Hause und so werden sie sich beide manches zu erzählen haben. Hier ist das Schlafkabinet!"
Mit diesen Worten zog die Alte einen breiten, dunklen Vorhang beiseite und zeigte ihr einen zweiten kleinen Raum, der als Schlafzimmer eingerichtet war. Elisabeth befolgte den Rath, und als sie nach einigen Stunden erwachte, fiel die Nachmittagssonne schräg in ihr Zimmer. Erschrocken fuhr sie auf, da klopfte es auch schon leise an der Thür. Es war die alte Dienerin, die sie abzuholen kam, da die Gräfin sie zu sprechen wünschte.
Elisabeth machte rasch Toilette. Als sie die Flechten löste und es wie ein Heller goldener Mantel über die Mädchengestalt floß, schlug die Alte vor Bewunderung die Hände zusammen.
„Jstenem!" sagte sie mit naivem Erstaunen. Solches Haar hat g'rad die Mutter Gottes, die in T. in der Petrikirche abgebildet ist."
Elisabeth war nicht eitel, aber die schlichte Bewunderung machte ihr Freude.
„Ich bin fertig," sagte sie nach einer Weile. „Sie können mich zur Frau Gräfin geleiten."
„Warum sagen Kiasszony Sie zu mir?" fragte die
Das Mädchen sah sie erstaunt an.
„Bei uns werden Dienstboten nur geduzt."
„Das ist ein Brauch, der mir nicht gefällt," versetzte Elisabeth. „Welches Recht hätte ich, Sie mit „Du" anzureden? Sie find mir fremd und so alt, daß Sie meine Großmutlter sein könnten. Wie heißen Sie?"
„Man nennt mich Datka, weil ich bei den Kindern bin. Ich heiße aber Sanna und war die Amme der Hochwohlgeborene»."
Sie gingen die Treppe zu dem ersten Stockwerk hinunter; aus der untersten Stufe blieb die Alte plötzlich stehen.
„Kisaszony haben milde, gute Augen und ein Gesicht, so hell und schön, wie unser Strom, wenn sich in klaren Sommertagen die Sonne darin spiegelt; Kisaszony haben gewiß auch ein freundliches Herz. Wollen mir Kisaszony eine Bitte erfüllen?"
«Herzlich gern, wenn es in meiner Macht steht, liebe Alle."
„Sie sollen von jetzt an die Aussicht über die kleine Irma und den Tisza haben und sie unterrichten; Sie sind ja deshalb den weiten Weg hierhergekommen. Ich habe mich mit den Kleinen viel und lange geplagt;
sie waren ein und zwei Jahre alt, als sie nach dem : Schlöffe gebracht wurden, und jetzt find sie fünf und sechs Jahre. Die Kinder sind mir ans Herz gewachsen ... machen Kisaszony es nicht, daß sie ihre Datka vergessen."
Thränen standen in den Augen der alten Frau.
„Das haben Sie nicht zu befürchten," versetzte Elisabeth gerührt und legte die Hand auf die Schulter der Alten. „Sie sollen im Gegentheil von nun an ihre Pflegerin noch mehr lieben und ehren.
Sie durchschritten mehrere große Zimmer, dann blieb die Datka vor zwei mächtigen Flügelthüren stehen. Die Hochwohlgeborene erwartet sie in ihrem Salon; der gnädige Herr Graf ist bei ihr."
Das brauchte die Alte gar nicht zu sagen, Elisa. beth erkannte die tiefe Baßstimme des Rittmeisters, der eben sprach. Das Blut stieg ihr heiß ins Gesicht, und das Herz pochte hörbar, dann aber klopfte sie und trat ein.
III.
Es war ein hohes getäfeltes Zimmer, sechsfenstrig und mit dem feinsten Geschmack ausgestattet, großartiger aber noch als die innere Einrichtung war die äußere Umgebung, die von allen Seiten durch die Fenster blickte; riesenhafte Gebirgsmassen, himmelanstrebend und mit ewigem Schnee bedeckt. Am obersten Ende des Zimmer« befand sich eine große Nische, die mit blühenden Topfgewächsen ausgefüllt war, und in der Nähe derselben saß an einem mit Rechnungen und Briefen bedeckten