- --------- -....... — "-1—y
Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Die Jnscrtionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechender
Rabatt.
AbonnementSpreis vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel. Postaufschlag.
Gratisbeilagen r „Illnftrirtes Sonntagsblatt" n. „Iünttsipte lanbwirthschaftliche Arttage/'
K. U Sinntrln den 11. Lllobcr 1900.
Vestellnngen
auf das
mit den Gratisbeilagen
„Jllustrirtes Soimtagsblatt" ™» „Mustrirte landwirthschaftl. Beilage" für das vierte Quartal 1900 werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Die bereits erschienenen Nummern werden nachgeliefert.
Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 4. Oktober 1900.
Unter dem Nindviehbestande des Viehhändlers Moses Jacob zu Niederaula ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und ist über die Gemeinde Niederaula Ortsund Gemarkungssperre angeordnet worden.
1. 5740. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rath.
Ziegenhain, den 5. Oktober 1900.
Unter den Viehbeständen der Gemeinden Ottrau, Breitenbach und Görzhain ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Die erforderlichen Sicherheitsmaßregeln sind angeordnet.
Der Landrath von Schwertzell.
Verloren: ein Revolver. Der ehrliche Finder wird gebeten, selbigen an den Ortsvorstand zu Schenklengs- feld abzugeben.
Nichtamtlicher Theil.
Se. Majestät der Kaiser empfing am Sonntag in Hubertusstock den deutschen Botschafter in Rom, Grasen von Wedel, sowie den Gesandten in Luxemburg v. Tschirschkp und Böggendorff und hörte gestern die Vorträge des Chefs des CivilkabinetS, Wirk
Ein deutsches Mädchen.
Roman von K. Deutsch.
(Fortsetzung.)
Wie das Ufer erreichen? Wie den Weg zurücklegen ? Ein Arm blieb ihr noch frei, in dem anderen hielt sie das Kind und so, daß sein Kops über dem Wasser ragte; sie konnte nur langsam vorwärts und fühlte mit Entsetzen, wie durch die ungeheure Anstrengung dieselbe Empfindung der Starrheit sich ihren Armen mittheilte. In ihrer Verzweiflung versuchte sie, den Knaben mit den Zähnen an den Kleidern festzuhalten, um beide Arme gebrauchen zu können, die Last war so schwer, daß sie ihren Kopf mit solcher Gewalt yn die Tiefe zog, daß ihr fast der Atem verging und sie dem Ersticken nahe war. Mit einer letzten Bewegung umschloß sie den Knaben und überließ sich willenslos der Strömung, mit dem dumpfen Bewußtsein, daß sie verloren war. Immer wilder und erstickender schienen sich die Wasser um sie zu drängen, es war ihr, als sänke sie immer tiefer, bis auf den sandigen Grund, dann schloffen sich ihre Augen in Bewußtlosigkeit.
Graf Geza kam des Wegs geritten, er hatte die Landstraße verlassen und das Thal quer durchschnitten, um früher zu Hause zu sein. Von Ferne sah er das Ringen eines Menschen mit dem Elemente, er gab dem Pferde die Sporen und jagte an das Ufer heran, ein zweiter Blick auf den Fluß zeigte ihm, wer die Ringende
lichen Geheimen Raths Dr. von Lucanus, und des stellvertretenden Chefs des Marinekabinets, Kapitäns zur See v. Müller.
In einigen Wochen tritt der R e i ch s t a g zusammen. Nach den Auslassungen der Parteiblätter wird gleich in den ersten Tagen die Lage in China erörtert werden. Leider lassen die Ankündigungen vielfach einen auffallenden Mangel an Verständniß für die Pflichten und Aufgaben unserer auswärtigen Politik erkennen — ein Beweis, daß es noch immer zahlreiche Leute giebt, die nicht begriffen haben, daß Deutschland heute andere Ziele zu verfolgen hat, als zur Zeit des Fürsten Bismarck. Damals hatten wir nur europäische Interessen. Seitdem aber sind wir durch den Zwang eherner Nothwendigkeit in die Bahnen der internationalen Weltpolitik hineingerissen. Das deutsche Reich ist, wie Kaiser Wilhelm II. am fünfundzwanzigsten Jahrestage der Kaiser-Proklamation von Versailles sagte, ein Weltreich geworden. Mit tausend Fäden sind wir in die Welt-Interessen verflochten. Nach Hunderttausenden zählen die deutschen Reichsbürger, die an den Küsten aller Ozeane, in ollen Welttheilen sitzen und als Pioniere deutscher Art, deutscher Wirthschaft und deutschen Ansehens für sich und für das Vaterland wirken, auf Milliarden belaufen sich die im Auslande angelegten deutschen Kapitalien. So bescheiden unsere Kolonien in Afrika, in Asien und in den australischen Gewässern sind, so sind sie doch Stützpunkte unserer Macht, Träger mancher Hoffnungen. Die Wahrung und Förderung ihrer Interessen verpflicht uns unlöslich in die internationale Weltpolitik. Wir können nicht mehr zurück, wir haben nicht die Möglichkeit, uns auf das europäische Festland zu bescheiden. Mit Riesenschritten ist die Entwicklung der Dinge in den letzten fünfzehn Jahren selbst den kühnsten Erwartungen vorausgeeilt. Die Austheilung Afrikas vom Kap bis Kairo, vom Niger bis zum Sambesi, die Verschärfung des englisch-russischen Gegensatzes in Asien, die Vereinigten Staaten von Nordamerika als ostasiatische Macht, Japan als Marinestaat, der Kampf um die Märkte in Asien, Afrika und Süd- amerika — an allen diesen Vorgängen ist Deutschland betheiligt und muß es bleiben, wenn es sich nicht selbst aufgeben will. Auch in die chinesischen Wirren ist Deutschland wider Willen hineingezogen worden; ja es ist sogar mehr als andere Mächte daran interessiert, weil es durch die Ermordung seines Gesandten schwer beleidigt ist und für diesen unerhörten Bruch des Völkerrechts Genugthuung haben muß. Wenn irgend wo, so war
war. Sein bärtiges Gesicht überzog die Blässe des Todes. Vom Pferde unten und im Stroms war das Werk eines Augenblicks, er kam eben zur rechten Zeit, die Untersinkende auszufangen und sie und den Knaben an das sichere Ufer zu bringen, wo sich ihm viele rettende Hände entgegenstreckten, die sie in Empfang nahmen, denn vom Schlosse her war unterdes die Gräfin mit einer Anzahl Dienerschaft erschienen.
Sie waren beide ohnmächtig, der Gerettete und die Retterin, und während die Gräfin vor dem bewußtlosen Knaben kniete und ihn mit Hilfe der Dienerin ins Leben zurückzurufen suchte, — ein Bote war in die Stadt nach dem Arzte geeilt — trug Geza Elisabeth in das Schloß zurück.
Auf dem Wege kam sie zu sich, aber sie war so schwach und betäubt, daß sie keine Bewegung machen konnte. Geza trat mit ihr in eine Laube, legte sie auf eine Bank und kniete vor ihr nieder.
Was sind alle Entschlüsse und Vornehmungen?
Eine Zeitlang werden die heißen Empfindungen niedergehalten, wie die rebellischen Wasser durch eine äußere stärkere Kraft, dann ein Moment, die Wasser steigen !und die Dämme sind zerrissen . . .
Tief war Geza von dem Bewußtsein durchdrungen, daß er ihrer nicht werth, daß sie ihn nicht lieben könne, jetzt, da er sie vom sicheren Tode gerettet, sie in den Armen hielt, mußte er nur das eine, daß er ohne sie nicht leben könne, daß sie sein Weib werden müsse.
War sie zu schwach, ihm Einhalt zu gebieten, als
hier ein energisches Vorgehen geboten. Hätten wir uns zurückgezogen, so wäre unser Ansehen im Rate der Völker stark erschüttert worden; der erste Schritt zum Ende der Großmachtstellung des deutschen Reiches wäre gethan. Eine Politik, die sich um die Dinge draußen nicht bekümmerte, würde aber nicht nur dahin führen, daß wir als Großmacht abdanken müßten, sondern auch zu einer Verelendung und Versumpfung im Innern, die uns eine Beute anderer Staaten werden ließe. Der englische Minister-Präsident, Lord Salisbury, hat einmal gesagt, daß die großen Staaten immer größer, die kleinen immer kleiner werden. Die Geschichte der letzten Zeit hat die Wahrheit dieses Wortes erwiesen, und da meinen wir, daß Deutschland zu den großen Reichen gehören soll. Wie schnell sich der Niedergang einer Großmacht vollziehen kann, haben wir an Spanien gesehen. Der Kaiser und Graf Bülow haben gezeigt, daß sie unsere Interessen in dieser schweren Zeit mit Umsicht, Thatkraft und Geschick zu wahren wissen. Hoffentlich wird sich auch der Reichstag der Lage gewachsen erweisen und seine Verhandlungen über unsere auswärtige Politik so führen, daß man von ihm nicht sagen kann, es habe ein großer Augenblick ein kleines Geschlecht gefunden.
Der Staatssekretär Graf Bülow hat das Großkreuz des japanischen Paullownia-Ordens erhalten.
Die mit großer Spannung erntortete Probefahrr des Panzerschiffs „Hagen", daß um sieben Meter verlängert wurde, fand am Montage statt. Der Umbau erfolgte zu dem Zweck, die Räume für den Kohlen-Vor- rath zu vergrößern und die Aufstellung einer Härtern mittlern Artillerie zu ermöglichen. Die Frage war nur, ob nicht die Geschwindigkeit und Manöveriersähigkeit durch die Verlängerung leiden würde. Das Schiff steuerte und manöverierte bei der Probefahrt vorzüglich, sodaß das Marine-Kommando dasselbe von der Werft abnahm.
In Kassel findet demnächst eine Konferenz der Vorstände der Handwerker- und Gewerbe- Kammern statt. Der Handwerkertag wird später abgehalten werden. Es heißt, daß eine Einigung sämmtlicher preußischen Handwerker- und Gewerbe-Kammern zu erwarten sei. Lübeck, das gesondert vorgehen wollte, habe sich entgegenkommend gezeigt.
Ueber die Bewegung der Bevölkerung Preußens im Jahre 1899 bringt die „Statist. Korr." eine Zusammenstellung, der wir entnehmen, daß die Zahl der Geburten gegenüber dem Jahre 1898 nur wenig zugenommen hat, während die der Sterbefälle eine starke
er in heißen Worten sein Liebeswerben aufs neue begann ? Oder ließen sie ähnliche Empfindungen verstummen. Ihr Gesicht hatte nichs Abweisendes in diesem Augenblicke, es lag im Gegentheil ein Ausdruck stillen, süßen Glückes darin. Und verstand ein Herz die Sprache des anderen?
„Elisabeth, willst du mein werden?"
Sie machte sich sanft von ihm los und setzte sich, er aber hielt ihre Hände fest und wiederholte leidenschaftlich flehend seine Worte.
„Ich ... ich will erst mit Ihrer Mutter sprechen, bevor ich Ihnen antworte, sagte sie nach langem Schweigen. Sie hatte die Augen gesenkt, und sie fühlte das leise Beben ihre Hände.
„O bitte, machen Sie mich nicht irre, es muß sein," fuhr sie fort, als er ihr etwas stürmisch erwidern wollte. „Das eine sollen Sie wissen, zu Ihrer Beruhigung, ich . .. zürne Ihnen nicht, wie in jener Nacht auf der Landstraße . . . Jetzt, bitte, gehen Sie ins Schloß, und schicken Sie mir die Datka mit trockenen Kleidern. Man wird mich suchen."
Er war schon bei der Thüre und blieb wieder stehen.
„Elisabeth eine Bitte," sagte er und wies auf ihr Haar, das aufgelöst wie ein goldener Mantel sie umfloß.
„Elisabeth, eine Locke zum Andenken an biefe Stunde!"
Sie sah nicht auf, aber sie nickte leise Bejahung. Sein Cigarrenetui barg eine kleine goldene Schere.