Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Abonnenientspreis vierteljährlich 1 Mark 40 Psg. exel. Postausschlag.
IoWerftW den 8. November
1980
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sin-
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher Werden hierdurch veranlaßt, für die pünktliche Einzahlung der fälligen Beträge zur Kreiskommunalkaffe dahier Sorge zu tragen.
mit den Gratisbeilagen
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Die Jnsertionsgebühren betragen für den Staunt einer Spaltzelle 10 Psg., im amtlichen Thelle 18Pfg. Reklamen die Zeile 20 Psg. Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Gratisbeilagen r „Illuftrirtes Ssnntagsblatt" «. „^Uufteirte lanvwirthschaftliche Beilage
Bestellungen
auf das
„Jllustrirtes Sonntagsblatt" ™» „Ztlnstrirte landwirthschaftl. Beilage" für die Monate November und Dezember werden von allen kaiserlichen poftanftalten, tandbrief- trägern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Theil
Hersfeld, den 5. November 1900.
Die nachstehenden von dem Herrn Regierungs-Präsi-
PWl, denten zu Cassel durch Verfügung vom 26. Oktober 1900 A. II. 10735 — aufgestellten Grundsätze über die Behandlung der Gesuche von Zigeunern um Ausstellung H von Wandergewerbescheinen theile ich den Ortspolizei-
'beworben zur genauen Befolgung und der Königlichen Gendarmerie zur Kenntniß mit.
III. 1013. * ......
*
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
*
▼ ■ 1. Ausländischen Zigeunern ist der Wandergewerbe-
schein stets zu versagen.
M 2* Zigeuner, welche die deutsche ReichSangehörigkeit
Staatsanwaltschaft, über Vorleben und Vorstrafen der Antragsteller zu vergewiffern. Unzulässig ist es, die Fragen ohne Weiteres mit „nicht bekannt" oder „nichts Nachtheiliges bekannt" zu beantworten.
5. Zur Frage 6 des Formulars A. Ein fester Wohnsitz ist nur dann anzunehmen, wenn der Antragsteller eine Wohnung unter Umständen inne hat, welche auf die Absicht der dauernden Beibehaltung einer solchen schließen lassen.
Das Miethe» einer Wohnung ohne deren thatsächliche Benutzung, selbst längere Unterkunft in einem Gasthause, das Zahlen von Steuern in einer Gemeinde pp. genügen nicht ohne Weiteres zur Annahme eines festen Wohnsitzes.
6. Zu den Fragen 9 und 11 des Formulars A: Es sind sorgfältige Ermittelungen darüber anzustellen, ob der Antragsteller Kinder hat und ob für deren Unterhalt und Unterricht genügend gesorgt ist.
Die Schulpflicht kann nicht als erfüllt angesehen werden, wenn etwa Bescheinigungen über vorübergehenden, auf den Wanderungen gelegentlich stattgehabten Schulbesuch des Kindes vorgelegt werden.
7. Die von Zigeunern vorgelegten Papiere sind mit Bezug auf ihre Echtheit und die Bedeutung ihres Inhaltes genau zu prüfe». Besondere Vorsicht und Zurückhaltung ist hinsichtlich der Ausstellung von Bescheinigungen und Legitimationspapieren jeder Art, insbesondere auch von Führungsattesten für Zigeuner zu üben.
Atteste über gute Führung bei vorübergehendem kurzen Aufenthalte in einer Gemeinde sind in der Regel zu verweigern.
Hersseld, den 6. November 1900.
Die Verfügung vom 16. Oktober 1883, Nr. 13016, Kreisblatt 112 (1883), wird hiermit aufgehoben.
Die Vorstände der Gemeinden haben hiernach den Terminkalender zu berichtigen.
III. 1029.
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 2. November 1900.
Unter dem Schweinebestande des Landwirths Adam Schmidt zu Gittersdorf ist die Rothlaufseuche ausge-
brachen.
I. 6179.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Gesunden eine Pferdedecke. — Meldung des Eigenthümer« bei dem Ortsvorstand zu Küelinc?».
Nichtamtlicher Theil
. zu besitzen behaupten, haben dies durch Vorlage eines sUMStaatSangehörigkeitsausweises darzuthun. Paßkarten und MM sonstige Legitimation«- insbesondere auch Militärpapiere sind nicht als Beweismittel für die Staatsangehörigkeit
»er
1900.
Sooft SiHt
anzunehmen.
I v 3. Die Erörterung der persönlichen Verhältnisse der Ziegeuner hat stets unter Benutzung der unter Nr. 6 der Ausführungs-Anweisung vom 22. März v. Js. vorgesehenen Formulare A und B sowie unter eingehender Prüfung, ob gemäß §§ 57—57b der Gewerbeordnung die Versagung des Wandergewerbescheins gerechtfertigt ist, zu erfolgen.
L 4. Zu den Fragen 4 und 5 des Formulars A unb B: Die Ortspolizeibehörden haben sich erforderlichen Falls ' bei der früheren Wohnsitzgemeinde und bei der zuständigen
Hersfeld, den 31. Oktober 1900.
An Stelle des Bürgermeisters Malkmes zu Lauten- haufen ist heute der Schmied Konrad Malkmes daselbst für die Gemeinden Lautenhausen und Unterneurode als Sachverständiger zur amtlichen Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen sowie zur Schlachtvieh- beschau widerruflich bestellt und verpflichtet worden.
I. 6140. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersseld, den 7. November 1900.
A m 15. d. M t s. ist die dritte Rate der für das Rechnungsjahr 1900 zu entrichtenden Kreissteuer fällig.
S^ina.
London, 4. November. Das „Reutersche Bureau" meldet aus Peking über Taku vom 3. d. Mts. : Ein neues kaiserliches Edikt ist veröffentlicht worden, welches tiefe Bekümmerniß über die Ermordung des deutschen Gesandten Freiherr» v. Ketteler ausspricht, und erklärt, das begangene Verbrechen spreche den kaiserlichen Absichten Hohn. Man glaubt, das Edikt sei veranlaßt durch die Besorgniß, die Verbündeten könnten diejenigen Repressivmaßregeln, welche sie in Paotingfu anwandten, auch fernerhin in Anwendung bringen. Generalfeldmarschall Gras Waldersee hat die Todesurtheile, welche gegen die in Paotingfu verhafteten chinesischen Beamten ausgesprochen sind, bestätigt. Man glaubt, daß die endgültigen Verhandlungen noch vor Ablauf eines Monats beginnen werden.
London, 5. November. Aus Peking melden die
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Ihr einziger Schutz.
Von Ellen S v a l a.
(Fortsetzung.)
Dann war es immer Percy, der da tröstete und auf- ichtete, und Violet die Fassungslose, dann verwandelte ch die 19 jährige in ein Kind, das Kind aber in einen rwachsenen. Und darum vermißte ihn Violet so sehr lhrend der Zeit, die er in Harrow verbrachte und sie » nicht sehen konnte. Alles was da schwer und traurig M ihrem jungen Leben war, drückte sie mehr, denn ihre A°lur war eine jener selbstquälerischen, grübelnden, die M selber der größte Feind ist, aber unter dem 6in= Ju|)e eines stärkeren Willens leichter über Leid und Mumnier hinweg kommt, als sie es aus eigener Kraft Mrnwcht hätte.
I „Weißt du auch, mit wem ich gesprochen habe?" rief Mercy uodj in der Thüre, indem er mit wohlgezieltem Wurfe seine Kappe auf den in der Ecke stehenden Kleider. Münder warf, seine Packete auf den Tisch und die Blumen den Schoß der Schwester legte.
„Mit wem? — Aus der Heimath jemand?" „Behüte, rathe weiter!"
„Ich kenne ja niemand."
„Doch du kennst ihn."
»Aha! Ein Man» also!"
»Hm, ja, ein Mann!"
»Der alte Invalide vom Kirchhof?"
„Hm, hm, es brennt lichterloh!" lachte Percy und hüpfte auf einem Bein im Zimmer herum, daß die bunten Teller auf den Wandpaneelen klirrten und ein paar leichte Bilder hin und Herschaukelten.
„Doch nicht, doch nicht der Herr, den wir jeden Tag sahen ?"
„Genau den!"
Ost und viel hatten die beiden Geschwister von dem Fremden gesprochen, den sie jeden Tag sahen und der zuletzt immer so freundlich gegrüßt hatte. In ihren Briefen erzählte Violet dem Bruder jedesmal, wenn er dagewesen war, und in Gedanken beschäftigte sie sich oft mit ihm.
„Er kam gerade den Gang entlang, als ich von der anderen Seite kam," fuhr Percy fort, „Da blieb er stehen und sagte, wie wunderschön die Blumen seien, und ob ich sie für dich getauft habe. Wir sprachen miteinander, und ich erzählte ihm, daß du krank gewesen seiest und nun auf das Land zögest, und als ich ihm Caterham nannte, da sagte er, dort wohne er auch, und nach der Schilderung, die ich von dem kleinen Hause, das wir bewohnen'werden, machte, müsse es nicht weit von dem seinen entfernt sein. Zuletzt schüttelte er mir die Hand und sagte auf Wiedersehen. „Weißt du Violet," schloß der Eifrige seine Rede, wenn der nette Mann in deiner Nähe wohnt, könnte ich dich ohne Sorge allein lassen, dann hättest du doch einen Schutz in meiner Abwesenheit!"
Er sprach daü so ernst, die großen Augen schauten spülen und Waschen giebt es gewöhnlich noch einen
so besorgt auf die Schwester, daß diese über und über rot werdend aufsprang und ihm um den Hals fiel.
„Ich bin ja kein Kind mehr, Liebling. Wenn du fort bist, ist es mir nur sehr einsam zu Mute, aber e« passiert mir nichts!"
„Die Welt ist so schlimm," kam es überzeugungs- wahr von Percys Lippen, und diesmal lachte Violet laut und fröhlich.
*
*
Nein, was für ein reizendes, reizendes Heim!
Violet wurde nicht müde, es zu sagen, und hatte es doch schon so oft gesagt, seit sie am vorigen Abend zum erstenmal über die Schwelle des schmucken Häuschens getreten war und fein blitzblanker Zauber sie in seine Bande geschlagen hatte.
Jetzt stand sie mit aufgeschürzten Aermeln auf der Staffel der kleinen Steintreppe und bürstete den Winterstaub aus einem mitgebrachten bunten Seidenkissen, während Percy auf dem Rasen des Gartens kniete und aus einer alten Kiste Leisten zimmerte, um der Schwester
einen Gartenseffel zusammenzuleimen.
Nur drei Zimmer hatte das Häuschen, und von der Hausthür aus fiel man sozusagen hinein in : das eine. Bei näherer Besichtigung aber fand man, daß dies gar kein Zimmer war. nur eine halb Wohnraum, halb Küche darstellende Ausnutzung des Hausflures. Die ärmeren Klaffen in England nennen das „parlour', zum Auf-