Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
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TieHag Den 11 Novmbtr
1900
Amtlicher Theil
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mit
Der Landrath. I. V.: B r u n n e r.
Nichtamtlicher Theil
Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz , Geheimer Regierungs-Rath.
beachtlich anznzcigen.
I. 6280.
Ziegenhain, den 6. November 1900.
Die unter dem Rindvieh zu Ottrau und Görzhain ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen.
Die ungeordneten Sicherheitsmaßregeln sind aufgehoben.
das Gefecht begonnen. Nach drei Stunden ging rechte Flügel zum Sturm über, nahm den Hügel dem rechten Thurm und feuerte auch von dort aus den Feind. Einige Minuten später drang Major
Gratisbeilagen r „^Uufirirtes Sonntagsblatt" tu „^Uuftrivte lanvwirthschaftliche Beilage
Hersscld, den 8. November 1900.
Nach Mittheilung der Königlichen Staatsanwaltschaft Cassel sind die Herren Ortsvorstände zu
Allmershausen, Biugartcs, Eichhos, Harurode, Heenes, geringen, Hilmes, Kathus, Kleinensee, Lampertsfeld, Lengers, Malkomes, Mcckbach, Mecklar, Meisebach, Motzfeld, Oberrode, Petersberg, Röhrigshöfe, Wehrs- Hausen, Wölfershausen und Wüstseld
: Einsendung der Anzeige über das Ableben bestrafter
Personen für das 1. Kalenderhalbjahr 1900 im Rückstände, und werden dieselben deshalb hierdurch an die sofortige Erledigung der diesseitigen Verfügung vom 24. September 1890 Nr. 8876, Kreisblatt Nr. 114, erinnert, mit Frist bis zum 16. d. Mts. bei Meldung von 3 Mark Strafe.
Die erfolgte Einsendung der fraglichen Anzeige ist mir
C^tna.
Das letzte deutsche Truppentransportschiff ist am 10. Oktober vor Taku eingetroffen, so daß nur noch einige Dampfer mit Kriegsbedürfnissen, speziell Baracken, Materialien für die Unterkunst der Truppen im Winter, unterwegs sind. Die Ausladungen scheinen trotz der großen Schwierigkeiten, die zu überwinden sind, bisher
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, befriedigend von Stätten gegangen zu sein, so daß sogar der größte Theil des Truppennachschubes, der die Aus- j reife von Bremerhaven in der Zeit vom 31. August bis 4. September angetreten hat, bereits kriegsbereit am • Lande ist. Die Witterung und der niedrige Wafferstand
V
Ihr einziger Schutz
Von Ellen S v a l a.
(Fortsetzung.)
Immer neben ihr herschreitend, gleichgiltige Bemer- kungen über das Wetter, die vielen Menschen, die AH Herrlichkeit des Frühlings wechselnd, erreichten sie ihren jÜH Zug, und Cecil sprang hinter dem jungen Mädchen ins Coupee.
in
„Ich wohne nämlich auch in Caterham!* sagte er lächelnd, als er ihrem fragenden Blicke begegnete.
Daß er ihr nächster Nachbar sei und und sie sehr f oft schon, versteckt hinter der Blütenmauer seines Gar- [ kens, beobachtet habe, sagte er nicht, daß er alles wußte, was sie that und trieb, wie ihr dieses oder jenes Band । stand und was für Mousselin-Kleider sie am besten | kleideten, auch nicht. Aber er stellte sich ihr als Cecil ! Barlow vor, erzählte ihr, das er die Villa seiner Tante ' bewohnte, welche sich den Sommer über im Auslande befände, und wenn auch nicht jeden Abend, so doch [ öfters in der Woche, immer aber von Samstag auf Montag dort sei.
„Sie sind gewiß in der City beschäftigt ?" fragte Violet schüchtern. „Wenigstens kamen Sie immer aus einem ber geschäftigsten Viertel, wenn ich Sie im Finsbmu Kirchhofe sah."
„Ja, ich bin Angestellter eines Thee En-Großgeschästes,
auf der Barre von Taku machen sich schon sehr fkihlbar, so daß nach Mitte November eine Ausschiffung von Gütern dort wahrscheinlich nicht mehr möglich sein wird. Die Verbindung wird dann voraussichtlich über Tsing- wangtau (12 Kilometer südwestlich Schanhaikwan), wo die Tiefenverhältnisse günstiger sind, erfolgen.
Die in Amerika und Australien angekauflen Pferde erweisen sich als brauchbar, und der Bedarf des Expeditionskorps an Reit- und Zugthieren ist durch sie und die in China erworbenen Ponies und Maulthiere gedeckt. Das Feldgeräth der Truppen bewährt sich. Die Verpflegung ist gut und ausreichend, besonders da die aus der Heimath mitgeführten Verpflegungsmittel in Folge der äußerst sorgsamen seetüchtigen Verpackung durch den Transport nicht gelitten haben.
Lazarethe sind in Tongku, Tientsin, Uangtsun, Peking und Paotingfu eingerichtet.
Unter den Truppen sind Nuhrfälle vorgekommen. Da jedoch der Trinkwasserfrage dauernd die größte Aufmerksamkeit gewidmet wird und nach Eintreffen der Transportschiffe die den Truppen zugewiesene Zahl von abessy- nischen Brunnen und Waflerkochapparaten wesentlich vermehrt werden konnte, ist nach den letzten Nachrichten des Expeditionskorps die Seuche erheblich im Abnehmen begriffen.
Feldmarschall GrasWaldersee meldet: „Eisenbahn von Schanhaikwan bis Tangshaksun in Betrieb. Wiederherstellung der weiteren Strecke bis Tongku bis Mitte Dezember zu erwarten. Kolonne Normann am 6. zurückgekehrt. Kolonne Garioni hat in Kuanhsien 4 reguläre Bataillone entwaffnet und zerstreut."
* *
*
Das Gefecht bei Thekingwan.
Aus Jtschou schreibt Hauptmann Dannhauer unterm 30. Oktober: „Die Truppe Normanns, Deutsche und Italiener, befand sich auf dem Marsche von Paotingfu nach Peking, als gestern Abend die Vorhut unter Major von Förster meldete, daß der Weg durch die chinesische Mauer, die bei Korse die Provinz Petschili von Schansi trennt, im Westen von Jtschou von Barrikaden versperrt sei, die mit Artillerie und Fußtruppen besetzt seien. Zwei Abtheilungen von der 8. und eine von der 7. Kompagnie des 2. Ostasiatischen Regiments unter dem Befehle des Majors v. Förster wurden zur Aufklärung ab- gesandt. Der Marsch ging bei schwachem Mondschein durch Hohlwege und Flußbette, über Gräber und Steinmauern und war schon an sich eine glänzende Leistung,
log Cecil und wurde dabei so roth, als müsse feine Gefährtin sehen, daß er log.
„Aha ! Da haben Sie wohl den Tag über angestrengt zu arbeiten?"
„Sehr!" sagte der junge Mann und hatte Mühe, an sich zu halten, um nicht laut heraus zu lachen in dem Bewußtsein, daß sein angestrengtes Arbeiten sich nur auf die paar Briefe bezog, die er selber schrieb, im übrigen aber in Cigarettenrauchen, Spazierritten und Klub-Amusements bestand.
„Ich weiß — wenigstens so hat man mir gesagt," begann Violet wieder, „daß der Kampf ums Dasein sehr schwer in der großen Stadt sei, und daß man die Angestellten nicht gut bezahle.
„Hm, das kommt darauf an, manche stehen sich ganz gut, andere weniger.
Violet schwieg, aber ihre Augen flogen über bett feinen, dunkeln Anzug des jungen Mannes, den schimmernden Brillanten auf seiner Krawatte und den silberkrückigen Stock. Jedenfalls „stand er sich ganz gut," und sein Chef bezahlte besser denn andere Chefs, und mit dieser Wahrnehmung kam ihr die Erinnerung an ihre eigene Lage, und daß sie es dazu bringen müsse, sich auch ganz gut zu stehen, wenn sie durch die Welt kommen wollte; und Cecil dagegen dachte an das, was der Invalide ihm gesagt hatte und so etwas wie Wuth auf die gefüllten Geldkassetten seines großen, feuerfesten SchrankeS stieg in ihm aus.
Was nützle ihm das Geld, wenn er damit nicht
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da die Truppen von dem gestrigen Marsche sehr erschöpft waren. Als der Morgen dämmerte, lag am Ende des Thales vor uns ein Abhang, der sich bis zur Höhe von vierhundert Metern erhob. Wir sahen ein Thor und zwei Thürme auf der einen Seite und am anderen Ende des Passes eine Mauer mit Thor. Die Ueberraschung war vollständig. Die Mauer wurde schnell genommen. Dann folgte ein unbeschreiblich schwieriger Weg über Schluchten und Schieferberge, die einzig für Maulthiere passierbar stnd; an mehreren Stellen war er durch Stein- barrikaden versperrt; die Berge ragten überall über den Weg und gestatteten den Chinesen fast überall, unsere Truppen von oben her zu bestreichen. Major v. Förster drängte ohne Zögern vorwärts. Bei einem kleinen Dorfe stießen wir auf den Widerstand des Feindes. Nach einem kurzen, aber hitzigen Gefechte sahen wir die Chinesen ihre Posten in voller Flucht verlassen. Darauf rekognoszierten wir kaiserliche Truppen. Als diese stch feindselig erwiesen, stießen wir kräftig vorwärts. Darauf erfolgte eine lange, regelrechte Beschießung der oberen Stellungen, von denen ein heftiges Feuer aus modernen Mannlicher- Gewehren eröffnet wurde. Auch mit Granaten wurden unsere Leute beschossen. Unsere Linien drangen von Deckung zu Deckung unwiderstehlich vor. Eine Abtheilung unter den Leutnants Muther und v. Stockhausen, klomm auf der rechten Seite 300 Meter höher hinauf, um den linken Flügel der Chinesen zu umgehen, während Major v. Wyneken das Nämliche auf dem andern Flügel des Feindes unternahm. Im Zentrum war es namentlich die 8. Kompagnie unter Hauptmann Bartsch, welche ins Feuer kam. Major von Förster führte trotz einer Wunde an der Hand (eine feindliche Kugel hatte seine Mauserpistole getroffen) den Angriff weiter. Außerdem waren während des ganzen Gefechts anwesend General v. Gapl mit seinem Gefolge vom Hauptquartier, Oberstleutnant Wachs und der Maler Rocholl. Kurz nach 6 Uhr halte
der mit auf von den
Wyneken, der nur fünf Mann bei sich hatte, gegen linken Thurm vor. Der Feind floh, ohne Widerstand zu leisten. Die Leutnants Muther und von Stockhausen eroberten die Schnellfeuergeschütze auf der Barrikade. Major v. Förster, Hauptmann Bartsch, Leutnant Wrede und Leutnant Hermann nahmen vier weitere Geschütze. Im Verein mit den Boxern nahmen noch drei Bataillone
machen konnte, was er in diesem Augenblicke wollte, und was er in diesem Augenblick wollte, war, dem lieblichen Kinde ihm gegenüber den schweren, materiellen Kampf zu erleichtern. Er wußte ganz genau, daß sie die Hellen Kleiber, die sie trug und die ihr so entzückend standen, selber wusch und bügelte, und einmal als sie unter der Linde den. Fünf-Uhr-Thee einnahm, hatte er gesehen, daß der Zucker fehlte und das Weißbrot ohne Butter oder Konfitüre auf dem Teller lag.
An der Station trennten sie sich. Violet hatte gesagt, sie wolle noch ein par Einkäufe im Dorf machen; in Wirklichkeit aber war es nur eine Ausrede, sie wollte
eine in der Nähe des Bahnhofes liegende kleine Wirthschaft aufsuchen, um dort ein bescheidenes Abendbrot cin- zunehmen und den jungen Mann nicht wissen zu lassen, daß sie es that. Als sie dann aber am Abend unter der Linde saß, tauchte plötzlich ein blonder Kopf über der Glpcinmauer des hochgelegenen Nachbargartens auf und Cecils Stimme rief zu ihr herunter:
mein gnädiges Fräulein — also
„Guten Abend, so nahe Nachbarn schön!"
sind wir — das ist ja wunder- Es machte ihm ordentlich Freude,
Der Heuchler! ....... -
die schlanke Gestalt wie elektrisiert in die Höhe fahren zu sehen, und seine bisher beobachtete Zurückhaltung, die bei Tage besehen, einer List sehr nahe kam, gratulierte ihm auch noch dazu. Aber Cecil hatte solch eine Heidenangst, daß man das Geld an ihm lieb gewinnen könne, er wollte einmal in seinem Leben nicht Cecil