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Nr. M. BnRm den 27. Ävmber 1M.

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auf das Hersfelder Kreisblatt

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Amtlicher Theil.

Hersfeld, den 26. November 1900.

In Folge der im Kreisblatt Nr. 123 veröffentlichten Bekanntmachung, betreffend die Anmeldung unfallver- sicherungspflichtiger Betriebe auf Grund des § 35 des Gewerbeunfallversicherungsgesetzes. vom 30. Juni 1900, wonach insbesondere auch die Gewerbebetriebe der Schlosser, Schmiede und Schlächter, einschl. der Hausschlächter, soweit in diesen Gewerben Gesellen und Lehrlinge beschäftigt werden, der Versicherungspflicht unterliegen, sind bis jetzt nur in verhältnißmäßig geringer Zahl Anmeldungen von den Gewerbetreibenden der frl. Art hier eingegangen.

Demzufolge weise ich die Herren Ortsvorstände an, bestimmt bis zum 1. Dezember d. Js. mir ein Verzeichniß der in den Gemeinden vorhandenen Schmiede, Schlaffer, Schlächter, soweitdieseverficherungs- pflichtigePersonenbeschästigen, einzureichen. In diesem Verzeichniß ist auch die Zahl der beschäftigten Personen anzugeben.

Ebenso weise ich daraufhin, daß die Lagerungs-, Holz- fällungs- oder der Beförderung von Personen oder Gütern dienenden Betriebe, wenn sie mit einem Handels­gewerbe, dessen Inhaber im Handelsregister steht, ver­bunden sind, der Versicherungspflicht unterliegen und auch diese Betriebe in das Verzeichniß eingetragen werden müssen,

I. Nr. 5694. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Mein Husar.

Humoreske von Hans Baron von Hermsdorff- (Fortsetzung.)

Im Vestibül damit beschäftigt, die abgelegten Sachen an sich zu nehmen, ward er unfreiwilliger Weise Zeuge eines kurzen Zwiegesprächs der beiden Damen.

Friedel, wo willst du denn hin?"

Auf den Thurm, Muttchen!"

Aber Kind, das geht doch nicht! Du würdest nur stören, und dann, bedenke doch, ein junges Mädchen allein mit einem Offizier!"

»Aber Mama, wenn er verheirathet ist, dann schadet es doch nichts."

So woher weißt du denn, daß er verhei­ratet ist?"

Natürlich, Muttchen! Er trägt ja einen Trau­ring !"

»Daß Ihr Mädels doch so etwas immer gleich ent­deckt! Na meinetwegen denn, wenn Herr von Gießler deine Begleitung wünscht!"

»Na und ob I" dachte letzterer. Er und verheirathet. »äst hätte er laut aufgelacht da hatten ihm der Ver- iobnngs- und Trauring seines verstorbenen Vaters, die ef an seiner Rechten trug, wieder einmal zu dem Nimbus eines Ehemanns verholfen.

Einen Augenblick überlegte er, ob er noch einmal zu den Damen hineingehen und den Irrthum aufklären sollte,

Hersfeld, den 24. November 1900.

Die Waisenhaus-Buchhandlung in Hanau hat das zur Einführung empfohlene Lohnzahlungsbuch für jugend­liche Arbeiter in Druck und Verlag genommen. Das in blauem Deckel geheftete Büchelchen wird zum Preise von 6 Pfennig pro Stück abgegeben. Die Fabrikbesitzer sind hiervon in Kenntniß zu setzen.

I. 6517. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.

Gefunden: in der Gemarkung Hilmes eine Taschenuhr. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Hilmes.

Nichtamtlicher Theil.

Berlin, 24. November.

Se. Majestät der K a i s e r begab Sich, wie aus Kiel berichtet wird, gestern mit Sr. Königlichen Hoheit dem Prinzen Heinrich und den Herren Seines Gefolges von der Offizier-Speiseanstalt nach der Barbarossa-Brücke und fuhr von dort im VerkehrsbootHulda" an Bord des LinienschiffesKaiser Wilhelm II.", auf welchem Aller- höchstderselbe Wohnung nahm. Die Besatzungen der Kriegsschiffe begrüßten Se. Majestät mit einem dreifachen Hurrah. Am Abend fand an Bord größere Tafel statt, an welcher Seine Königliche Hoheit Prinz Heinrich, das Gefolge Sr. Majestät des Kaisers, der Staats­sekretär des Reichö-Marineamts, Staatsminister v. Tirpitz, die in Kiel anwesenden Admirale, die fremden Offiziere sowie die Kommandanten des Geschwaders theilnahmen.

Heute Vormittag empfing Se. Majestät der Kaiser an Bord des LinienschiffesKaiser Wilhelm II." den General- Inspekteur der Marine, Admiral v. Koester zum Vortrage. Der Staatssekretär des Reichs-Marineamts, Vizeadmiral von Tirpitz und der Chef des Admiralstabes der Marine, Vizeadmiral v. Diedrichs wohnten dem Vortrage bei.

Der N a ch t r a g S - E t a t, der die Forderungen für die ostasiatische Expedition bis zum 31. März 1901 ent­hält, ist am Freitag nach viertägiger Debatte der Budget- Kommission überwiesen worden; daran, daß die Forde­rungen der Regierung von der überwiegenden Mehrheit des Reichstags bewilligt werden, ist nicht zu zweifeln. Einer solchen, der China-Politik der Regierung zustimmen­

aber nur einen Augenblick, dann hatte seine Schalks­natur den Sieg über diese edle Regung davongetragen; schließlich halte er sich doch nicht für verheirathet aus­gegeben ; daß er dafür galt, das war doch nicht seine Schuld. Ja, wenn er darnach gefragt worden wäre, dann hätte er die Sache klargestellt, aber so so konnte es ihm doch keiner verdenken, daß er durch sein Still­schweigen sich die Gesellschaft der jungen Dame erkaufte.

So stieg er denn, nachdem er seinen Leuten noch die nöthigen Anweisungen gegeben hatte, ruhigen Gewiffens, von Fräulein Osterau begleitet, die Wendeltreppen zum Thurm empor.

Eine herrliche Aussicht bot sich dem Beschauer, weit­hin schweifte der Blick über die malerischen Gefilde, welche noch im tiefen Frieden dalagen. Vom Feinde war noch nichts zu sehen, so begann man zu plaudern. Das Gespräch knüpfte natürlich wieder an das Manöver an. Fräulein Osterau meinte, es müsse doch für einen verheiratheten Offizier nicht gerade angenehm sein, so wochenlang seine Häuslichkeit zu entbehre».

Ich denke es mir auch nicht schön!" entgegnete Herr von Gießler.

Fräulein Osterau sah ihr Gegenüber ganz erstaunt an.Sie denken es sich nur, wissen Sie das nicht aus eigener Erfahrung.

Dertausend, da hätte er ja ganz vergessen, daß er verheirathet" sollte er eingestehen, daß? nein, dann würde das reizvolle harmlose Geplauder doch wohl sein Ende haben, und er würde allein auf seinem Be- obachtnngüpysten bleiben müssen.

den Haltung der Reichstags-Mehrheit entspricht auch sicherlich die Stimmung in der überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes, die davon überzeugt ist, daß die Regierung in der ostasiatischen Expedition nur gethan hat, was die Würde und das Ansehen des deutschen Reiches forderten und was die Interessen seiner Zukunft gebieten. Wenn die Debatten über den Nachtrags-Etat, trotz aller Lebhaftigkeit, mit der sie geführt wurden, einen wesentlich ruhigern Verlauf nahmen, als man in gereiften Parteien erwartet und gehofft hatte, so ist das in erster Linie ein Verdienst des neuen Reichskanzlers. Graf v. Bülow hat nicht nur durch die Sachlichkeit und Klar­heit seiner Ausführungen die Freunde der China-Politik in ihrem Eintreten für dieselbe gestärkt und befestigt, er hat nicht nur durch die Schlagfertigkeit in der Abwehr ihre Gegner entwaffnet, sondern auch durch das offene Entgegenkommen der Indemnität der Debatte von vorn­herein alle Schärfe und der Situation den Zündstoff genommen, der auch bei den Freunden der China-Politik sich zu entladen drohte. Dieses Entgegenkommen des leitenden Staatsmannes wird nicht nur unserer gesammten innern Politik zu gute kommen, da gleich zu Beginn ein völlig harmonisches Verhältniß zwischen dem Reichskanzler und der Reichstags-Mehrheit hergestellt ist, es wird auch nach außen hin den für das deutsche Reich werthvollen Eindruck bestärken, daß in wichtigen nationalen Fragen die Regierung über eine ausschlaggebende Mehrheit der Volksvertretung verfügt. Wenn uns das traurige Schau­spiel auch diesmal wieder nicht erspart blieb, daß die deutsche Sozialdemokratie, im Gegensatz zu der aller andern Länder, die Sache des Vaterlands preisgiebt, um sich blindlings auf die Seite seiner Gegner zu schlagen, wenn vor allem der Abgeordnete Bebel derart sprach, als wäre er ein Vollblutchinese, so ist das höchst be­dauerlich. Wir find aber daran gewöhnt, daß die Sozial­demokratie unter dem Vorwand, der Gerechtigkeit zu dienen, gegen das eigene Vaterland ungerecht wird, dahin führt sie ebenso ihr Haß gegen die bestehende Ordnung im deutschen Reich, wie ihr doktrinärer Fanatismus über­haupt. Glücklicherweise steht sie in dieser Hinsicht im Reichstag völlig isoliert da. So beschämend und ab­stoßend ihre Haltung in den letzten Tagen war, so wird sie gerade ihrer Kraßheit wegen vielleicht die gute Folge haben, doch diesem oder jenem derGenossen" die Augen darüber zu öffnen, wohin der blinde Fanatismus führt.

Ein Antrag des Abg. Dr. Lieber (C.) auf Durch-

Allerdings, gnädiges Fräulein, doch meinte ich nur so eine längere Trennung von Frau und Kindern! Die gewöhnlichen Manöver dauern doch nicht allzu­lange, während dieser Zeit geht die Frau zu der Mutter, nach dem Manöver giebt's Urlaub und dann ist die ganze Familie bei der Schwiegermutter vereint!"

Doch," unterbrach er sich, fein Glas zur Hand nehmend,fahren da nicht feindliche Batterien auf ? Ja richtig, dort hinten am Waldrande."

Fräulein Osteraus Aufmerksamkeit war jetzt ganz auf das militärische Schauspiel gerichtet, das sich ihr bot. Es gelang ihr auch, mit Hilfe des Krimmstechers die Artillerie zu entdecken, während Herr von Gießler feine Meldungen schrieb, um sie dann einem Husaren zur Weiterbeförderung herunter zu werfen.

Die Ereignisse drängten sich jetzt so schnell auf ein­ander, daß Herr von Gießler mit seinem Schreiben der Meldungen reichlich zu thun hatte. An Unterhaltung und Frühstück, welches der Diener heraufgebracht hatte, war nicht mehr zu denken. Da auf einmal werden von der Treppe her Stimmen laut.

Herr von Gießler erkannte genau die Stimme seines Freundes, des Leutnants von Werden, der von Kriegs- akademie aus zur Kavallerie kommandiert, der feindlichen Partei angehörte, er vernahm, wie Herr von Werden den Diener fragte, ob auf dem Thurm ein Husaren- Offizier sei, er habe hier in der Nähe einige Husaren gesehen, die sich vor seiner Patrouille zurückgezogen hätten.