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ZmerstU Sei 29. November
Nr. 149.
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Amtlicher Theil.
Hersfeld, den 22. November 1900.
Zur Feststellung der Entschädigung in dem Enteig- nungsversahren der Stadt Hersfeld gegen den Lederfabrikanten Heinrich Hermann N e h n zu Hersfeld habe ich Termin auf
Sonnabend, den 15. Dezember d. Js.,
Vormittags 10 Uhr, an Ort und Stelle (Kaiserstraße) angesetzt.
Alle an der Sache Betheiligten werden hiermit aufgefordert, ihre Rechte im Termine wahrzunehmen, unter der Verwarnung, daß bei ihrem Ausbleiben ohne ihr Zuthun die Entschädigung festgestellt und wegen Auszahlung oder Hinterlegung der letzteren verfügt werden wird.
Der Königliche Landrath als Enteignungs-Kommissar: I. 6466. Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 22. November 1900.
In der Enteignungssache der Stadt Hersfeld gegen den Mühlenbesttzer Bernhard Schulz zu Hersfeld habe ich zur Feststellung der Entschädigung Termin auf Montag, den 17. Dezember d. Js.,
Vormittags 10 Uhr, an Ort und Stelle lKaiserstraße) angesetzt.
Alle an der Sache Betheiligten werden hiermit aufgefordert, ihre Rechte im Termine wahrzunehmen, unter der Verwarnung, daß bei ihrem Ausbleiben ohne ihr Zuthun die Entschädigung festgestellt und wegen Aus-
Mein Husar.
Humoreske von Hans Baron vonHermsdorff.
(Schluß.)
Leutnant von Gießler, kein anderer war der Verunglückte, hatte bei dem Sturz das Bein gebrochen, ein verhältnismäßig leichter Bruch, wie der Arzt soeben fest- gestellt hatte. Daß Herr von Gießler die Besinnung verloren, wurde auch nicht für allzu bedenklich erklärt; allerdings war er noch nicht wieder zum Bewußtsein gekommen, so ahnte er auch noch nicht das Ende seines Pferdes, das, du es beim Sturz das Kreuz gebrochen, soeben den Gnadenschuß erhalten hatte. So war er denn todt, sein treuer Rappe, der ihn in manchem Rennen zum Siege getragen.
Wodurch das Unglück geschehen, ob der Rappe in ein Loch getreten, darüber konnte sein Herr später nicht Auskunft geben, er wußte nur so viel, daß er selbst in „ent Augenblicke, als der Rappe stürzte, aus dem Sattel flog. —
Inzwischen waren die Krankenträger im Schloß an« stelangt, ein Offizier, der vorangeritten, hatte Frau Osterau um Ausnahme des verletzten Soldaten gebeten, die auch bereitwilligst gewährt wurde.
Fräulein Osterau, welche den ganzen Vorgang vom Thurme aus mit angesehen hatte, betrat das Vestibül gerade in dem Augenblicke, als der Kranke eintraf. Als ne in demselben Leutnant von Gießler erkannte, stieß sie "nen leisen, kaum vernehmbaren Schrei: „Mein armer
zahlung oder Hinterlegung der letzteren verfügt werden wird.
Der Königliche Landrath als Enteignungs-Kommissar:
I. 6466. Freiherr von Schleinitz,
Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 24. November 1900.
Unter den Schafbeständen in der Gemeinde Wippers- hain ist die Räude ausgebrochen.
I. 6532. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath.
Hersfeld, den 24. November 1900. Unter den Schafbeständen in der Gemeinde Wüstfeld ist die Räude ausgebrochen.
I. 6533. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rath,'
Nichtamtlicher Theil.
C^itta.
Die Friedens-Verhandlungen wegen China gehen leider nur langsam voran, und noch bedauerlicher ist es, daß die Schuld daran nicht China trifft, mit dem die Verhandlungen noch gar nicht eröffnet sind, sondern das Konzert der Mächte, die sich über das Friedens-Programm noch nicht vollständig verständigt haben. Zwar haben sich nunmehr die fremden Vertreter in Peking über die Grundlagen geeinigt, auf denen sich die Verhandlungen mit den chinesischen Bevollmächtigten bewegen sollen; aber die Einwendungen einzelner Regierungen gegen das aufgestellte Programm sind noch nicht erledigt. Es sind die Vereinigten Staaten von Amerika und Japan, deren Regierungen neue Schwierigkeiten machen.
Im Gegensatze zu dem amerikanischen Gesandten in Peking, Conger, ist das Kabinet in Washington für mildere Bestrafung der Haupt-Rädelsführer, als die Pekinger Vertreter beschlossen haben. Anderseits hat das neue japanische Ministerium Jto eine Verzögerung durch das nachträgliche Verlangen bewirkt, daß auch wegen des ermordeten japanischen Kanzlers eine besondere Sühne
Husar" aus. Ob ihn der Verletzte doch gehört haben mochte?
Er öffnete die Augen mit den Worten: „So bald schon komme ich wieder."
In aller Eile ward ein Zimmer für den unerwarteten Gast eingeräumt. Das Anlegen des Verbandes ging glatt von Ratten ; hierbei stellte der Arzt nochmals fest, daß der Bruch ein leichter sei, er überließ daher den Kranken, nachdem er noch einige Verhaltungsmaßregeln gegeben hatte, der Pflege der Damen.
In aufopferndster Weise pflegten die Damen den Patienten. Frau Osterau bot Herrn von Gießler sogar an, ob er nicht seine Frau kommen lassen wollte; tief beschämt durch diese Liebenswürdigkeit war Herr von Gießler schon drauf und dran, sein Junggesellenthum einzugestehen, aber wäre es dann nicht mit dem harmlosen Verkehr, mit der Tochter des Hauses vorbei gewesen — nein, um diesen Preis verschob er lieber seine Beichte bis zur Abreise.
In der ersten Zeit mußte Herr von Gießler tagsüber auf der Chaiselongue ruhen, wohin ihn sein braver Bursche mit Unterstützung des Dieners bettete. Langeweile empfand er keinen Augenblick, die Damen sorgten für seine Unterhaltung, indem sie plaudernd oder vorlesend ihm Gesellschaft leisteten.
Endlich war Herr von Gießler soweit, daß der Verband abgenommen werden konnte, — er durste das Zimmer verlassen. Seine Gehversuche waren so erfolgreich, daß er an die Abreise denken konnte, die Trennungs- stunde nahte also. So sehr er sich auch freute, wieder
festgestellt werden soll. An sich wäre gegen die Forderung nichts zu sagen; daß sie aber erst in zwölfter Stunde vor der Unterzeichnung der von den Pekinger Vertretern formulierten Friedens-Bedingungen erhoben worden ist, giebt dem Verdachte Raum, daß dem japanischen Kabinet eine Verschleppung nicht unerwünscht ist. Der neue Minister-Präsident Marquis Jto gilt ohnedies von seiner frühern politischen Thätigkeit her als Anhänger des Gedankens eines „gelben Bündnisses" zwischen Japanern und Chinesen, und man hält es nicht für unmöglich, daß, wenn sein aus schwachen Füßen stehendes Ministerium nicht bald gestürzt wird, Japan seine Truppen aus Petschili zurückziehen werde. Dies thut nun zwar auch Rußland, aber doch aus Gründen, die immerhin begreiflich sind. Die Versicherung des russischen Regierungsboten, daß die Lage in der Mandschurei beunruhigend sei, ist durchaus glaubhaft. Rußland will für den Winter seine Truppenmacht auf die Mandschurei konzentrieren, wo die russische Bahn auf einer 2000 Werst langen Linie vor neuen Bedrohungen zu schützen ist.
Auch der englisch-russische Streit wegen der Verwaltung der Schanhaikwaner Bahn ist noch nicht end- giltig beigelegt. Die Russen verlangen vor der Ueber- gabe der von ihnen in Besitz genommenen, mit englischem Gelde erbauten Linien Ersatz der Kosten^ die sie für Wiederherstellung der von den Boxern zerstörten Strecken aufgewandt haben. Die englische Presse ist darob wieder sehr erbittert; konservative Blätter schreiben, die englische Ehre sei engagiert und diese gehe über das Interesse gemeinsamen Vorgehens der Mächte gegen China.
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Laut Meldung des Feldmarschalls Grafen Waldersee hat die Kolonne Aorck am 19. b. Mts. Kalgan erreicht und am 23. den Rückmarsch angetreten.
Von Tientsin aus hat Oberstleutnant v. Arnstedt mit kleinem Detachement eine Strafexpedition nach Wu-Tsing- Hsien und Nan-tsai-tsun (55 und 40 Kilometer nordwestlich von Tientsin) unternommen.
Die „Daily News" melden vom gestrigen Tage aus Schanghai: Lord Li, der sich zur Zeit hier aufhält, erhielt ein Telegramm von Li-Hung-Tschang, in welchemdieser ihm von der Krankheit der Kaiserin Mittheilung macht, ohne jedoch Einzelheiten darüber anzugeben. Der Gouverneur von Scheuste hat die Behörden von Kiangsu und Tsche- kiang von Neuem aufgefordert, Lebensmittel für den Hof nach Singanfu zu schaffen. — Die „Morning Post"
zum Regiment zurückzukehren, das die Garnison bereits erreicht hatte, so wurde es ihm doch schwer, von Schloß Eichberg und seinen liebenswürdigen Bewohnern zu scheiden.
Zum letztenmale saß er nach dem Essen mit Fräulein Osterau auf der Veranda, während die Mutter abge- rufen war, um einige wirthschaftliche Fragen zu erledigen.
Er, der sonst so gewandte Gesellschafter, war heute merkwürdig einsilbig, so daß sein Gegenüber ihn scherzend fragte, ob er sich denn gar nicht ein bischen freue, nach Hause zu kommen zu seiner Frau.
Das war es ja gerade, was seine Stimmung so beeinflußte — die Beichte, daß er ja gar nicht verhei- rathet sei. Lange genug hatte er mit sich gekämpft, einzugestehen, daß er nicht verheirathet sei, die Besorg- niß, daß der harmlose Verkehr mit den Damen gestört werden könnte, hatte ihn immer zum Schweigen bewogen, aber vor seiner Abreise mußte er den Irrtum aufklären, das war er seiner liebenswürdigen Wirthin schuldig.
An die letzte Frage anknüpfend, stellte er nun seinerseits die Frage: „Glauben Sie, gnädiges Fräulein, daß ich eigentlich einen guten Ehemann abgeben würde?"
„Abgeben würde?" entgegnete Fräulein Osterau erstaunt. „Aber, Herr von Gießler, der Abschied von Eichberg scheint Ihnen doch so nahe zu gehen, daß Sie vergessen, daß Sie eine Frau haben, die ihrer Heimkehr ungeduldig entgegensieht! Sie wollten wohl fragen, ob ich glaubte, daß Sie ein guter Ehemann sind — eigent-